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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Die andere Frau
Eingestellt am 04. 12. 2002 22:42


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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

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Die andere Frau
______________


Seit Jahren steht der alte Sekretär in unserer Diele. Benutzt wurde er eigentlich nur noch als Ablage, allenfalls hattest Du gelegentlich kleine Arbeiten dort erledigt. Da nun renoviert werden soll, muss er weichen. Aber ehe er weggeräumt werden kann, müssen all die Unterlagen durchgesehen werden, die darin lagern – vieles können wir wohl wegwerfen – aber da ich gestern noch eine notarielle Urkunde gefunden habe, weiß ich auch: wir müssen es erst einmal prüfen.
Eigentlich hast nur Du in den letzten Jahren noch gelegentlich einmal daran gesessen, aber wo es jetzt um ’s Aufräumen geht, da hast Du einfach keine Zeit.
Also sitze ich wieder einmal hier und nehme eine kleine Briefmappe heraus. Sie ist aus weichem Leder, das immer noch diesen eigenartigen Geruch verströmt. Mit einer kunstvollen Schnalle verschlossen, ich kann mich gar nicht daran erinnern. Als ich sie öffne, ist da zunächst nur ein leerer Schreibblock. Dann entdecke ich, dass einige beschriebe Blätter in dem Fach auf der Rückseite des Einbandes stecken. Fast habe ich schon entschieden, dass diese schöne alte Mappe eh nicht weggeworfen werden soll und hätte sie beinahe geschlossen, als ich irgendwie die ersten Worte des beschriebenen Blattes lese.
Mein Gedanke, die Mappe zu schlieĂźen, verfliegt sofort.
Ich ziehe das Blatt aus dem Fach und betrachte es. Weißes Papier, in einer Schrift aus blauer Tinte beschrieben, kleine, gleichmäßige Lettern mit gelegentlich auslaufenden Schwüngen.

„Mein innig geliebter ...“ – das sind die ersten Worte – und ich erkenne beinahe sofort, dass dies der Brief einer Frau ist – ein Brief, geschrieben an Dich. Ein Brief, den ich nie zuvor gesehen habe, den ich nicht geschrieben habe und von dem Du mir auch niemals erzählt hast. Ich zögere einen Moment, weiter zu lesen. Darf ich diesen Brief lesen? Oder sollte ich die Mappe schließen und Dich fragen, was darin stehen könnte?
Das wäre – denke ich, vielleicht richtig – und spüre doch drängende Neugier!
- So beginne ich zu lesen ...

Schon bald fühle ich, wie intensiv diese Frau Dich liebt. Wie sie Dich erspürt hat, wie sie wunderschöne Worte findet, Dir zu schmeicheln, Intimität verratend, dezent und eindeutig, anspielend auf Gemeinsamkeit, unmissverständlich – und sie offenbart in diesen Worten Empfindungen, die mich erschaudern lassen. Welche Tiefe haben ihre Gefühle, welche Intensität -




Aus wenigen Andeutungen nur erfahre ich etwas über sie. Du fändest sie erregend, Du trinkst ihren Duft, Du – Du – Du!
Nur Andeutungen davon, wie sie ist – aber was ich sehe entdecke ich in einem Spiegel, darin, wie sie Deine Reaktionen beschreibt.
Unmissverständlich – ihr Sex. Sie spielt geradezu mit den Worten, sie bezieht sich auf Eure Begegnungen – Euer Beisammensein in jeder nur vorstellbaren Weise. Sie macht Dir Avancen, die nur zu lesen ich erröten möchte, und doch komme ich nicht umhin, die Zärtlichkeit zu bewundern, mit der dieser Brief geschrieben ist.
Am Ende der ersten Seite angekommen, habe ich Tränen in den Augen. Ich spüre, diese Worte lesend, wie unendlich sie Dich liebt!

Wieder frage ich mich, wer diese Frau wohl sein mag, meinen Mann zu lieben, einen solchen Brief zu schreiben, soviel zu empfinden und Dich so in ihr Leben zu reißen – Dich – Dich – Dich!

Die zweite Seite ist ebenso eng beschrieben wie die erste. Wieder zögere ich, überlege, ob ich weiter lesen soll. Überlege, ob ich es aushalte, diesen Brief weiter zu lesen. - Kann jedoch nicht - nicht wirklich – widerstehen ...
Sie schreibt von einem Kleid, das sie für Dich tragen werde, einem besonderen Kleid. Erst denke ich, es sei vielleicht ein Hochzeitskleid gemeint. Aber dann merke ich, dass es ein Kleid der Verführung ist, vielleicht ein erotischer Fummel – irgendwie ganz speziell – und etwas, worauf Du total abfahren wirst.
Ja – Du hast solche Vorlieben, ich erinnere mich ...
Sie beginnt zu planen, sie malt eine Zukunft – und inmitten des Bildes stehst Du. So sehr mich berührt, was ich lese, so sehr wächst in mir eine Entrüstung, gepaart mit Verzweiflung.
So gierig und verlangend – wie die Schlange im Paradies kommt sie mir vor – ihr Apfel indes ist mehr als Sex: sie will sich Dir hingeben, gar und ganz. Sie macht Dir eine grandiose amouröse Offerte – in diesem Brief, den ich nun in der Hand halte.

Diese Frau hat Dich erkannt. Wie sie Deine Augen beschreibt - in ganz bestimmten Momenten – ich fühle mich an eigene Empfindungen erinnert, genauso habe ich Dich erlebt! Wie sie Deine Vorlieben erkannt hat – und Dir in geheimste erotische Träume zu folgen bereit ist, es jagt mir kalte Schauern über den Rücken.
Das nächste Blatt halte ich in den Händen und bleibe an einem Gedicht hängen. Sie schreibt, wie ich niemals schreiben würde darüber, Sex mit Dir zu haben. Eine Komposition aus Erinnerung und Versprechen, in ihren Worten Lust, grenzenlose Lust auf Dich, darauf, ES mit Dir zu tun – voller Leidenschaft, Verlangen und Hingabe.
So kompromisslos ist sie – und dann erkenne ich den Grund: so irrsinnig verliebt!
Ja – das ist es: sie ist total ausgeflippt – wahrlich alles bietet sie Dir an, Du bist ihr EIN und ALLES – das Zentrum ihres Denkens, Fühlens, Sehnens – Du – Du – Du !

Wie kann es sein, dass eine andere Frau soviel für Dich empfindet? - Wann triffst Du sie, wann findet diese Liebe Zeit, wie kannst Du dabei noch in meine Augen sehen? Bin ich so blöde, gar nichts gemerkt zu haben? Ich habe nichts gemerkt! In all den Jahren, die wir miteinander verheiratet sind, habe ich es nicht gemerkt ...

Plötzlich stehst Du in der Diele. Habe nicht gehört, wie Du den Schlüssel ins Schloss gesteckt und die Türe geöffnet hast. In Deiner Hand eine aufgebundene rote Rose. Sollte die etwa für mich sein?
Mein Blick spricht wohl Bände, noch nicht getrocknete Tränen im Gesicht. Du siehst den Brief in meiner Hand, die Mappe auf dem Sekretär.
Mir scheint einen kurzen Augenblick nur, Du willst zornig werden. Du willst –
Doch dann holst Du tief Luft und atmest wieder aus. Die Rose legst Du zur Seite.
„Hast Du alles gelesen?“ fragst Du, Deine Stimme ist leise und beherrscht.
Ich nicke nur und starre Dich wohl immer noch wie ein leibhaftiges Monster an.
Du trittst ganz langsam heran, nimmst die Mappe und greifst in das Fach, wo der Brief gesteckt hat. Ein kleines Foto ziehst Du heraus, das ich nicht bemerkt hatte. Du wirfst einen Blick darauf, Zärtlichkeit scheint in Deinem Gesicht aufzuglühen. Du drehst es dann so hin, dass ich es auch sehen kann.
Auf dem Bild ein blutjunges Mädchen, bestenfalls Anfang zwanzig. - Lockige, lange blonde Haare und riesengroße Augen, sie lächelt leicht – wie Mona Lisa: nur angedeutet.
- Sie hat diesen Brief geschrieben?
– Sie – ist DIE ???
- Sie will Dich mit ihrer Liebe umfangen ?
- Sie wäre eine Rivalin ?

„Das war Maria“ - Du flüsterst nur und Deine Stimme ist seltsam rauh.
„- war ??“ überlege ich – Deine Worte deutend.
Dann erklärst Du:
„ Sie starb vor neunzehn Jahren bei einem Autounfall.“

... lange vor unserer Zeit. -

__________________
mit dem Herzen sehen ... (der kleine Prinz)

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B.Wahr
???
Registriert: Dec 2001

Werke: 188
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Hallo, liebe Aceta,
ein Text, der mir spontan gefallen hat. Spannung, Erotik und Besinnlichkeit konnten noch nie schaden...

Ich freue mich, daĂź ich ihn lesen konnte, obwohl ich in diesem Forum absolut nicht zuhause bin.

Ganz liebe GrĂĽĂźe
B.Wahr

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
Kommentare: 1142
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Hallo Aceta,

mir hat diese Geschichte auch sehr gut gefallen, weil die Gefühle ein Achterbahnfahrt gleich kamen. Dieses auf und ab hast du schön beschrieben.

liebe GrĂĽĂźe
Reneè

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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 122
Kommentare: 715
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Lieber B.Wahr, liebe Reneè,

vielen Dank fĂĽr Eure ermutigende, freundschaftliche Meinungsbekundung. Selten habe ich eine Geschichte so lange im Kopf getragen, ehe ich sie niedergeschrieben habe wie diese hier.
Es gab verschiedene Auflösungen - ich habe mich am Ende für die ganz kurze, knappe Variante entschieden - hoffe, daß gerade nach diesem Schluß in Leserin und Leser eine gewisse "innere Fortführung" stattfindet - seine Rose, seine inzwischen langjährige Liebe zu einer neuen Frau, die offensichtlich so sehr seinen Träumen entsprechen konnte, daß er nach dieser grandiosen anderen, vorherigen Liebe mit ihr ein neues, bleibendes Glück fand ...
*lächel*

Aceta
__________________
mit dem Herzen sehen ... (der kleine Prinz)

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caruso
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Registriert: Not Yet

favoloso

Wunderschön geschrieben !
LG caruso

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herb
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 32
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immer wieder tun es die frauen

schön erzählt, aber eine große schweinerei von der frau, dass sie es gelesen, so etwas würde ein mann nie machen,*g

herzlich
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kästner

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Rosentraum
???
Registriert: Nov 2001

Werke: 20
Kommentare: 145
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Naheliegend . . . und doch ergreifend . . .

Hallo Aceta

Nach dem ich mir die Zeit genommen habe, den Staub von meiner Leselupe gewischt zu haben, entdeckte ich Deine Geschichte.
Wao!
Wieviele solcher Briefe mag es auf der Welt geben? Wieviele Frauen oder Männer entdecken durch wundersamste Zufälle diese Seiten beschriebenen Papieres? Sicherlich stellen sich danach manche Weichen neu . . .
Dein Schluss aber ist genial und die ganze Geschichte für mich brilliant erzählt.

mit einem leisen servus - der Rosentraum
__________________
Aus der Quelle meiner Gedanken werden Worte.
Aus meinem Schreiben werden Texte.
Möge der Spaß an der Freude die Richtung des Flusses ermöglichen . . . Rosentraum

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