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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die beste Freundin
Eingestellt am 16. 10. 2009 00:35


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lilaluftballon
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2009

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Die beste Freundin

Der Hafen war hell erleuchtet. Es war schon nach Mitternacht, doch waren viele Leute in dieser kleinen, griechischen Hafenstadt unterwegs. Bunte Lichter tĂ€nzelten auf den weißen WĂ€nden der HĂ€user. Ich lehnte mich an eine Mauer und entschied mich, dort zu warten. FĂŒnf Meter vor mir, hatte sich eine Menschentraube gebildet. Jeder hielt ein Schild mit der Beschriftung „Rooms“ in der Hand.
Ich beobachtete die FĂ€hre.
Ohne Gnade zerschnitt sie das Wasser. Langsam drehte sich der Gigant und noch langsamer öffnete er sein Maul. Nur noch wenige Meter trennte die FĂ€hre von dem Hafen. Ich ĂŒberlegte noch, wie schön es werden wĂŒrde, meine alte, beste Freundin nach so langer Zeit wieder zu sehen. Es war das erste Mal, dass ich jemanden in mein Haus nach Griechenland einlud.
Ich war noch in Gedanken versunken, als sie schon auf mich zugestĂŒrmt kam. Wir umarmten uns, wir hatten einander vermisst.
Ich sah im Augenwinkel, wie Autos, Lkws und Mofas aus dem Bauch der FÀhre strömten.
Wir setzen uns in die nÀchstgelegene Bar.
Ich hatte ihr viel zu erzÀhlen. Es war viel passiert in meinem Leben. Ich war umgezogen. Ich wollte von meinen neuen Freunden und meiner neuen Wohnung berichten.
Ich fragte sie, wie die Überfahrt gewesen sei. Furchtbar, antwortete sie. Es wĂ€re so unglaublich voll gewesen. Das wĂ€ren die FĂ€hren im Hochsommer immer, warf ich ein. So ĂŒberfĂŒllt mit Sicherheit nicht, erwiderte sie. Ich ĂŒberlegte, wie oft ich schon mit diesen FĂ€hren im meinem Leben gefahren bin.- mindestens 22 Mal und sie kam zum ersten Mal. Ich hörte noch so etwas, wie Menschen wurden zu Tieren
 Ich wollte etwas sagen, doch sie berichtete gerade von einem alten, griechischen Ehepaar. Sie erklĂ€rte mir die Besonderheiten der Griechen.
Ich wollte sie unterbrechen, doch sie redete ungestört weiter.
Sie sprach ĂŒber ihr Studium. Sie erzĂ€hlte, wie sie alle ihre Kommilitonen ĂŒberholt hatte und wie sie zum Liebling der Professoren geworden sei.
Ich wollte was sagen, doch sie meinte nur, ich wĂŒrde das doch noch nicht verstehen. Ich sei noch zu jung. Ich war ein Jahr jĂŒnger als sie. Ich horchte nach einer Weile wieder auf, weil ich glaubte ein „Du“ gehört zu haben. Doch hatte ich mich geirrt. Sie erzĂ€hlte von ihrem witzigen Mitbewohner, der sich „Tuta“ nannte.
VerĂ€rgert sah ich mich nach dem Ober um, ich wollte endlich etwas trinken. Mit einer, fĂŒr einen Menschen fast unglaubwĂŒrdigen Langsamkeit, kam er zu unserem Tisch.
Sie bestellte zwei GlĂ€ser Weißwein.
Ich wunderte mich noch, was sie mit zwei GlĂ€sern wollte, bis ich begriff, dass eins fĂŒr mich bestimmt war.
Ich nickte.
Ich hasste Weißwein.
Sie erzĂ€hlte von den ausgezeichneten WeingĂŒtern, die ihr Vater besessen hatte, aber vor mehr als 15 Jahren verkauft hatte. Ich wollte noch anmerken, dass sie wohl kaum mit 5 Jahren schon Wein getrunken hatte.
Doch der Ober kam mit unserer Bestellung.
Ich kippte den Wein herunter.
Sie hingegen nippte an ihrem Glas, verzog das Gesicht und fragte mich, wie in Gottes Namen ich so etwas hatte bestellen können.
Ich wollte ihr erklĂ€ren, dass sie es war, die bestellt hatte, doch mein Mund formte ein einfaches „Entschuldigung“.
Sie redete wieder, ich hörte nicht, was sie sagte, ich sah nur, dass sich ihre Lippen bewegten.
Ich griff nach meinen Zigaretten und fragte sie, ob es sie störe, wenn ich rauche.
Sie gab mir keine Antwort, sondern erklĂ€rte mir, dass alle arroganten Studenten in ihrer Uni genau meine Zigarettenmarke rauchten. Daraufhin sah sie mich lange an. Ich drĂŒckte meine, gerade angezĂŒndete Zigarette aus.
Sie lÀchelte und sagte, du willst doch nicht arrogant wirken.
Ich nickte, stand auf und entschuldigte mich, ich mĂŒsse dringend auf die Toilette. Ich ging zur Bar, zog mich auf den Stuhl.
Der Barkeeper fragte mich, was ich wolle.
Gin Tonic, sagte ich.
WĂ€hrend ich bestellte, sah ich durchs Fenster meine Freundin draußen sitzen, sie telefonierte.
Ich entschied mich seufzend fĂŒr einen Gin Tonic ohne Tonic. Ich steckte mir eine Zigarette an, inhalierte den Rauch tief ein und leerte das Glas mit einem Zug. Der Alkohol brannte auf meiner Zunge.
Ich ging zurĂŒck zu meinem Platz.
Sie redete immer noch oder wieder, das spielte keine Rolle mehr. Ich sah, wie die FĂ€hre wieder beladen wurde.
-Lkw fĂŒr Lkw, Auto fĂŒr Auto, Mofa fĂŒr Mofa-
Ich verfluchte die Tatsache, dass meine Freundin nicht genauso schnell, wie die FĂ€hre am Horizont verschwinden wĂŒrde. Zehn Tage und zehn Abende wie diese wĂŒrden wir miteinander verbringen.
Mir wurde leicht ĂŒbel.
Der Ober kam und wollte bei uns kassieren.
Zusammen oder getrennt, fragte er.
Zusammen, antwortete meine Freundin.
Erstaunt sah ich sie an. Sie rĂŒhrte sich aber nicht. Der Ober verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er schien genervt. Meine Freundin bewegte sich noch immer nicht.
Ich bezahlte.
Sie fragte mich beilĂ€ufig, ob es etwas Neues in meinem Leben gebe. Ich dachte an meine neue Wohnung, an meine Freunde, an meine Zeugnisse, ich schĂŒttelte meinen Kopf. Sie lĂ€chelte zutiefst bestĂ€tigt und meinte: “Dein Leben muss ja vor Langeweile nicht auszuhalten sein.“
Ich sah ihr zum ersten Mal in die Augen.
Sie waren trĂŒbe.
Ich hasste sie.
Die Person, die ich jahrelang bewundert hatte, saß vor mir blass, unattraktiv und uninteressant.
Ich stand auf, ich mĂŒsse noch mal auf die Toilette. Doch an Stelle der ToilettentĂŒr öffnete ich die HintertĂŒr. Ich ging zu meinem Wagen, startete den Motor, fuhr in die Hafenanlage und in die FĂ€hre. Ich löste ein Ticket nach Athen und ging auf das hintere Deck. Ich gesellte mich zu den Leuten, die mit weißen TĂŒchern ihren Verwandten am Hafen winkten.
Die schweren Taue wurden hochgezogen, die Maschinen starteten, die Klappe wurde hochgefahren und wĂ€hrend die Hafenstadt immer kleiner wurde, wurde mein LĂ€cheln immer grĂ¶ĂŸer.
__________________
fb

Version vom 16. 10. 2009 00:35

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
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Schön, stringend erzÀhlte Geschichte

Ein zwei Dinge:

M.E.
Ist Hass ein zu starkes Wort. Die trĂŒben Augen,
und möglicherweise eine weitere Andeutung wÀren
ausreichend.
Ich glaube nicht das Lyrich hasst. Ich denke er hat eher eine
Form von Mitleid fĂŒr lyrdu.

Zweiter Satz: statt "Doch" "noch"

Ich glaube nicht das man Weißwein hassen kann.
Schreib doch einfach: Ich trank keinen Weißwein.

Sehr gerne gelesen
ralf
__________________
RL

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heini
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2009

Werke: 1
Kommentare: 29
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Plot ist recht originell, aber mit der ErzĂ€hlperspektive komm ich nicht ganz zurecht. Auch die Logik fehlt mir an einigen Stellen: "FĂŒnf Meter vor mir, hatte sich eine Menschentraube gebildet. Jeder hielt ein Schild mit der Beschriftung „Rooms“ in der Hand."

Einige Bilder sind etwas schief oder unpassend.

... waren viele Leute in dieser kleinen, griechischen Hafenstadt unterwegs ... (Menschen!)
Ohne Gnade (!) zerschnitt sie das Wasser.
Ich sah im Augenwinkel (!) , wie Autos, Lkws und Mofas aus dem Bauch der FÀhre strömten.
Bunte Lichter tĂ€nzelten (!) auf den weißen WĂ€nden der HĂ€user.
VerÀrgert sah ich mich nach dem Ober um, ich wollte endlich etwas trinken.
Mit einer, fĂŒr einen Menschen fast unglaubwĂŒrdigen (!) Langsamkeit, kam er zu unserem Tisch.
Sie bestellte zwei GlĂ€ser (!) Weißwein.
Ich horchte nach einer Weile wieder auf, ...
... , inhalierte den Rauch tief ein ...
-Lkw fĂŒr Lkw, Auto fĂŒr Auto, Mofa fĂŒr Mofa-
Doch an Stelle (!) der ToilettentĂŒr öffnete ich die HintertĂŒr.

Außerem: Warum so viele AbsĂ€tze?
Das ErzÀhltempo etwa durch die SatzlÀngen bedingt ist fast durchgehend gleich atemlos.
__________________
heini

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