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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die blaurote Luftmatratze
Eingestellt am 06. 03. 2004 05:43


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bjax
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Feb 2004

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Die blaurote Luftmatratze
Niedergeschlagen kam Frank Farmer nach Hause. Heute ist mal wieder alles schief gelaufen, dachte er sich und schmiss die Schultasche auf den Boden. Erst die Vier in Latein, danach diese Blamage in Englisch, er konnte nicht mal mehr ein Substantiv von einem Subjekt unterscheiden, und dann... Das war wohl das Schlimmste , was ihm passieren konnte. Er wollte gerade zu einem coolen Dunking ansetzen, da prallte schon der sehr grob geworfene Basketball seines Erzrivalen Nick auf seinen Hinterkopf, woraufhin er schmerzhaft stürzte und zum Kühlen ins Sekretariat gebracht werden musste. In der Mittagspause wollte er eigentlich schon gehen, aber als er auf den Gedanken kam, dass Nick ihn bei den Lehrern unnötig schlecht machen könnte, gab er sich einen Ruck, diese anstrengenden drei Stunden anstrengende Nachmittagsschule doch durchzustehen.
Jetzt jedoch war er mit seinen Kräften völlig am Ende, sein Gehirn war nach einer sehr schweren Abfrage in Deutsch ausgelaugt, wo er, in Gottes Namen, gerade noch eine drei plus schaffen konnte. Früher war alles noch anders gewesen...
Früher, da war auch Matti noch da. Einer, auf den man sich immer verlassen konnte, einer, mit dem man alles unternehmen konnte und immer Spaß hatte. Einer, der dir bei Schwierigkeiten in der Schule half, so gut er konnte. Sie beide klebten förmlich aneinander.
Einer konnte ohne den anderen nicht. Aber dann, das war mitunter einer der schlimmsten Tage seines Lebens, dachte er damals noch, kam der Anruf, dass Matti’s Vater nach Finnland versetzt werden sollte, also in einer Tochterfirma der Firma, in der er damals war. Ja und so, ging er, sein bester Freund, und er... er blieb allein zurück. Ohne einen Freund wie Matti war das Leben für Frank nur noch halb so viel wert. Das war schon schlimm genug für ihn. Als aber dann noch etwas geschah, brach für ihn eine Welt (in sich) zusammen. Diesmal war es nicht nur ein Freund und Helfer, den er brauchte, es war auch einer, den er sehr sehr lieb hatte. Und so fing es an: Sein Vater kam eines Tages nicht von der Arbeit zurück, man sagte ihnen, er sei in einem Krankenhaus untergebracht, weil er plötzlich ohnmächtig geworden wäre. Er war nicht nur ohnmächtig geworden, er hatte einen Herzinfarkt erlitten. Eine der meisten Todesursachen. Das erste Mal verlief glimpflich (Frank war 10, sein Vater 39). Wegen seinen enormen Blutschwächen erkrankte er danach an Leukämie. Eine Woche später erfuhren sie, dass das eine unbehandelbare Art dieser Krankheit sei. Das war nun der nächste Schock nach dem Herzinfarkt. Frank hatte gerade seinen ersten Schultag im Gymnasium hinter sich gebracht, als die schrecklichste Nachricht sie dann erreichte – nach einem folgenschweren Unfall stirbt Richard Farmer an erheblichen Blutverguss und Leukämie. Frank wandelte diese paar Wochen immer schlaftrunken umher, an der Grenze der Einbildung und der Realität. Danach war er wie ein neuer Mensch, er interessierte sich plötzlich überdurchschnittlich für Medizin und arbeitete jeden Tag 5 Stunden in seinem „Labor“ und testete chemische Verbindungen (einmal wäre ihm fast die Hand amputiert worden, weil sich eine Explosion zugeeignet hatte). Das hatte zur Folge, dass er nicht mehr für Arbeiten lernte und in den sprachlichen Fächern deutlich absackte. Er hatte kein Interesse mehr an den Sprachen, er wollte nur noch herausfinden, wie sein Vater sterben konnte, dass es nicht nur ein Unfall war und dass man ihn noch hätte beleben können. Er glaubte zwar selbst nicht mehr so daran, aber wenigstens tat er es für seine Verzweiflung, eine innere Verletzung, die tief in seinem Herzen steckte. So erntete er von allen Seiten verächtliche Bemerkungen und musste er es über sich ergehen lassen, wie Dreck behandelt zu werden

* * * *

Das Abendessen verlief schweigend, Frank’s Mutter hat mit dem Tod eines engbefreundeten Kollegen zu tun, so konnte Frank ihr unmöglich die geschehenen Dinge auch noch zumuten.
Gleich nach dem Zähneputzen ging er in sein Zimmer zurück und wollte bereits ins Bett gehen, als er eine kleine blaurot karierte Luftmatratze entdeckte. Sie lehnte an der Wand und machte einen seltsamen Eindruck. Vorsichtig trat er näher. Sie hatte eine Größe von ca. einem Quadratmeter, somit hat nur eine Person Platz. Er drehte sie um. Auf der Rückseite war das gleiche Muster zu sehen wie auf der Vorderseite. Als er es fallen ließ, schwirrten tausend Gedanken in seinem Kopf herum. Er hatte so eine Matratze noch nie im Leben gesehen. Wie kam sie in sein Zimmer? Er müsste einen Mensch doch hereinkommen gehört haben, oder ist er so in seinen Gedanken versunken gewesen? Oder war es seine Mutter? Das konnte unmöglich sein, er hat ihr nämlich am Nachmittag die Tür geöffnet, da hatte sie nur einen Dienstkoffer unterm Arm, sonst nichts besonders. Wie um alles in der Welt ist sie dann reingekommen? Mit diesem Gedanken sah er sich schon auf die Matratze plumpsen und langsam in sich hineinsinken. Kaum spürt er die Federn, macht sich schon ein saugender Druck breit, der ihn wie ein Magnet von seinem Zimmer in die Tiefe zu ziehen schien. Ein Außenstehender hätte meinen können, dass der ganze Körper Franks urplötzlich erbebte und danach wieder so plötzlich still dasaß. Frank selbst aber war längst schon nicht mehr da, wo man ihn vermutete. Es war nur sein Körper und sein Gehirn, der auf der Welt der Menschen dablieb, sein Geist aber, hatte ein neues Leben begonnen.

* * * *

Das erste, was er sah, war sein Freund Matti, er lächelte und streckte Frank seine Hand aus. Er ergriff sie und Matti führte ihn weiter ins Unendliche. Alles geschah hier in Zeitlupe, und alles war mit einem dichten Nebel umgeben, so konnte man nur sein Gegenüber sehen. Frank ließ sich führen und genoss es sichtlich erregt. Es war ein riesiges Gefühl, Matti wieder zu sehen. Er hatte sich nicht verändert. Irgendwann blieb Matti dann stehen. Frank spürte, wie der Nebel um ihn herum sich langsam auflöste und eine Stimme, eine sehr vertraute Stimme, ihn beim Namen nannte. Das konnte nur einer sein, seinen liebsten Freund und Helfer konnte er wieder hören, oder sogar sehen? Als ob diese Gestalt seine Frage gehört hätte, stand sie plötzlich vor ihm und machte Frank fast im positiven Sinne ohnmächtig. Es war – sein Vater.

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