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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die bunten Geschichten des Herrn Grau (I.)
Eingestellt am 14. 03. 2004 08:40


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Lysann
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2004

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Herr Grau, ein eher simpler Mann, wohnte direkt eine Straße weiter. Er gehörte zu dieser Spezies Mensch, die Ruhe suchte und Abenteuer fand. Er bewohnte ein kleines schrumpeliges Haus an der Straßenspitze. So war es ihm auch das GrĂ¶ĂŸte ohne die lĂ€stigen Straßenlaternen jeden Abend aus seinem Fenster hinaus dem Niedergang der Sonne und das dĂ€mmernde Licht der Dunkelheit, sowie die aus der Finsternis erglimmenden Sterne zu bewundern. Dazu brauchte er kein Teleskop oder komplizierte Himmelskarten, denn wie gesagt er war ein simpler Mann, sondern das einzige wessen er in solchen Momenten bedurfte war sein etwas in die Jahre gekommener Ohrensessel mit der nunmehr leicht verblichenen lilanen Farbe und die blaukarierte Kuscheldecke, die ihm stets Gesellschaft leistete. Ab und zu schlĂŒrfte er so weltverloren eine Tasse Tee und an besonderen Feiertagen sogar, wenn man aufmerksam lauschte, konnte man hören, wie er seine einzige, heiß verehrte Schallplatte behutsam auf den Schallplattenspieler legte, ein zartes Knistern sich aus der Stille erhob und nach einer Weile sanft die Stimme eins italienischen SĂ€ngers erklang. Nun könnte man meinen, dass Herr Grau immer punkt 19:30 Uhr an seinem Platz saß, nachdem er die letzten StaubkrĂŒmel von der Schrankhinterwand entfernt hatte und sich ĂŒber den LĂ€rm der Nachbarn geĂ€rgert. Nein, durchaus nicht. So errichteten zum Beispiel seine BĂŒcher SĂ€ulen mitten im Zimmer, anstatt akkurat und alphabetisch aufgereiht in irgendeinem Regal zu residieren, doch fand er immer eine Möglichkeit seine Kraftbasis am Fenster zu erreichen, ohne durch das Fenster einsteigen, oder die Zimmerdecke berĂŒhren zu mĂŒssen. Auch amĂŒsierte er sich stets köstlich bei den kleinen PlĂ€uschen unter Freunden.
So begab es sich, dass Herr Grau an einem dieser wunderbaren Abende, nachdem er wiedereinmal aus seinen tiefblauen Gedankenmeer aufgetaucht worden war, bemerkte, dass ein Gedicht in seinem Kopf herumstrich. Mit diesem GefĂŒhl, eines der kostbarsten Geschenke seines Lebens erhalten zu haben, sprang er schnell auf um mit Feder und Tusche diesen Balsam fĂŒr die Seele aufs Papier zu bannen. Doch kaum angekommen, die Feder hastig ins TintenflĂ€schchen getunkt, das Papier bereit –ohje-
Da war es schon vergessen und nur das Anfangswort „Es“ schwamm einsam und allein in seinem Kopf hin und her, um es herum lauter Leerstellen die so deutlich zeigten, dass hier vor kurzem noch etwas war, etwas wichtiges...
... Doch je mehr er verzweifelt versuchte sich zu erinnern, desto mehr ĂŒberkam ihn das GefĂŒhl es nie gewusst zu haben. BedrĂŒckt und traurig ging er zu Bett und dieses GefĂŒhl des Verlustes verließ ihn selbst am Morgen beim Anblick des neuen Tages, den er sonst als so befreiend empfand, nicht. Nach einem ruhelosen, zĂ€hen Tag, der wie Sirup sich von Stunde zu Stunde zog, saß er oder genauer gesagt sein Körper auf dem Ohrensessel um den Sonnenuntergang beizuwohnen. Sein Geist allerdings suchte ohne Unterlass nach einer LĂŒcke, einer Spalte oder sogar einen dĂŒnnen Riss im Vorhang des Vergessens um nocheinmal das mittlerweile „ideale“ und „unersetzbare“ Gedicht zu erblicken. Doch sein GedĂ€chtnis war unbarmherzig. GequĂ€lt von der ergebnislosen Suche, warf er einen letzten Blick auf das einsame StĂŒck Papier mit dem darauf verloren wirkendem Wort „Es“; und wie ein Windhauch, der ein kleines GlĂŒhen zu dĂ€mpfen vermag, es wieder zum flackern und leuchten bringt, so bildete sich auch in Herrn Grau der Trotz und die Kraft zum Widerstand gegen das Vergessen. Also krakelte er mit einem leicht ironischem LĂ€cheln auf den Lippen den Satz:
„Es saß ein Floh
auf dem Affenklo“

Na bitte. Geht doch. Es reimt sich und daher ist es ein Gedicht- ich muss nicht warten bis mir das Schicksal wieder solch ein StĂŒck Worthonigs erteilt!, dachte er sich. Aber je öfter er es las, umso mehr Zweifel ĂŒberkamen ihn ĂŒber den Sinngehalt dieser 2 Zeilen. Erneut schwang er die Feder, dass die Inspiration nur so sprĂŒhte, et voilĂ , fertig war Gedicht N°2:
„Es ist die Zeit gekommen
In der ich sagen will:
<<Danke>> zufrieden und vollkommen
In des Trubels Still.
Ich hab ein Heim und viele Herzen
Hab die Ruhe und Kraft fĂŒr Schmerzen
Möge auch die Zukunft mich reifen lassen
Und mich weiterhin reines Vertrauen fassen.

Es ist die Zeit gekommen
In der ich sagen will
<<Frei bin ich, obwohl gebunden>>
in des Herzens Still
Denn ich habe mich an eine Seele geschlossen
Mit der ich sowohl Leid als auch GlĂŒck genossen
Nun möge auch der nÀchste Schritt nicht mein letzter sein
Sondern mich letztendlich fĂŒhren zu meiner Selbst heim.“

Donnerwetter, dachte Herr Grau, ein kleines Meisterwerk. Die Strophen wohl formuliert, passend, aber... irgendetwas fehlt...
Und zum dritten und letzten Mal zĂŒckte er –nein nicht das Messer *g -seine Feder, und da stand es. Gedicht Nummer drei:
„Es waren zwei Schildkröten
des Wanderns so mĂŒd.
Sie wussten nicht woher sie kamen,
doch dass es sie zum Meer hin zieht.
So saßen sie gar Stunden,
ohne zu grĂŒbeln ĂŒber das was und wann
und betrachteten voller GlĂŒck
den Sonnenuntergang“

Vollkommen!, dachte Herr Grau -diese Ruhe ausgehend von diesen Reimen, mit der Prise Witz und Punkt des ersten Gedichts und fein verrĂŒhrt mit dem Sinn und Geist des zweiten Werks –ja- so erkannte er- so sollte es sein; und in tiefster Zufriedenheit mit sich selbst reinigte er die Feder und legte schon ein neues Blatt bereit, falls ihn irgendwann wieder danach zumute sein sollte ein Gedicht zu komponieren. Und mit dem Gedanken, dass der Durst meist durch eigene Quellen gelöscht werden kann, schaute er noch einmal fragend und wissend in die Sterne und löschte dann das Licht.

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Hallo Lysann,

diese Geschichte hat mir Spaß gemacht. Du mußt an den Feinheiten noch etwas arbeiten - ich zeige dir gerne einige Schwachstellen auf, habe nur im Moment keine Zeit -, das ist aber nicht weiter problematisch.
Einige originelle Formulierungen sind mir aufgefallen, wie "kleines schrumpeliges Haus" oder "bemerkte, dass ein Gedicht in seinem Kopf herumstrich". Sehr schön ist auch der Schlußsatz.

Was auf keinen Fall geht, sind Emoticons in einem Prosatext, wenn du nicht gerade eine E-mail-Korrespondenz beschreibst. Also >> Und zum dritten und letzten Mal zĂŒckte er –nein nicht das Messer *g seine Feder, und da stand es <<; denn hier verlĂ€ĂŸt du plötzlich die ErzĂ€hlebene und reißt den Leser aus dem Zusammenhang.

Insgesamt: Weitermachen!

Gruß,
Gabi

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Lysann
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2004

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Hallo Gabi,
vielen Dank fĂŒr den Hinweis, ich habe beim Tippen schon gezögert aber letztendlich es doch nicht gestichen da ich fand, dass es sonst möglicherweise vom Gedankenablauf zu zielorientiert nacheinander runtergerattert wĂ€re. Aber du hast Recht, dass es aus dem Zusammenhang reißt. Ich freue mich, dass dir die Geschichte gefallen hat; allerdings musste ich oft zu hören bekommen, dass ich so ewig-lange SchachtelsĂ€tze bilde und auch bei dieser Geschichte ist es am Schluß leider nicht vermeidbar gewesen. Wie beurteilst du das? Ist das zu umstĂ€ndlich und sollte ich es in einzelne Teile zerhacken?
Also vielen Dank fĂŒr diese hilfreiche Kritik,
Lysann

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