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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die dumme, dumme Liebe!
Eingestellt am 12. 02. 2004 13:03


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Beatifikat
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Die dumme, dumme Liebe!

Die dumme, dumme Liebe!

Manche Menschen treten ganz plötzlich in unserer Leben, wie ein Unwetter, Donner und Blitz. Und genauso, wie sie kamen verschwinden sie auch wieder, nicht ohne eine VerwĂŒstung zu hinterlassen.
Ich liebte sie, damals. Es war Liebe auf dem ersten Blick. Ich glaubte vorher nie an so etwas. “Liebe auf den ersten Blick” - so etwas gab es doch nur in schmalzigen Liebesromanen, die immer mit einem Happy End ausgingen. Liebe auf den ersten Blick war ein Traum! Ich dachte, er wĂ€re fĂŒr mich wahr geworden. Aber es stellte sich heraus, dass es nur eine meiner Halbwahrheiten sein sollte. Wie all die Illusionen, deren ich nachschmachtete, wenn ich wiedereinmal ĂŒber beide Ohren verliebt war. Ich hatte die Angewohnheit, meine Liebesobjekte derart zu idealisieren, so dass es , wenn es denn je zu so etwas wie einer Liebesgeschichte kam, meist nie lĂ€nger als eine Woche andauerte. Sie konnten dem nie entsprechen, was ich mit ihnen schon in meinen TrĂ€umen erlebte! Wie denn auch?
Sie war ein paar Jahre Ă€lter als ich, hatte lange blonde Haare und einen warmen, umsorgenden Blick. Ich fĂŒhlte mich auf eine Art und Weise aufgefangen in ihrer NĂ€he. Ich bewunderte sie, himmelte sie stumm an. Tag und Nacht war sie in meinen Gedanken. Es machte mich verrĂŒckt, sie nur selten sehen zu dĂŒrfen. StĂ€ndig suchte ich nach extremen VerĂ€nderungen in meiner damaligen Umwelt, nur um die Langsamkeit unserer AnnĂ€herung auch nur irgendwie kompensieren zu können. Es brachte mich fast um den Verstand, wenn ich nichts adĂ€quates fand. Manchmal, wenn ich es gar nicht mehr aushielt, suchte ich sie in den Straßen, in denen wir uns einmal begegneten - sie wohnte nicht in der Stadt, sie war nur auf Besuch hier und das sehr selten.
Doch in den Momenten in denen wir uns sahen waren meine GefĂŒhle kaum aushaltbar, ich zitterte manchmal noch Stunden nachdem wir uns trafen und sprach mit ihr in einem inneren Monolog vor meinem Spiegelschrank. Ich dachte, “Das muss Liebe sein!”
Als wir das vorletzte Mal miteinander telefonierten quoll es plötzlich unwillkĂŒrlich aus mir heraus, ich sagte ihn, den “three-words-sentence“. Ich hĂ€tte ihn wohlmöglich nicht ĂŒber meine Lippen gebracht, wĂ€re sie nicht so kĂŒhl gewesen. Ich dachte, es wĂ€re an der Zeit mein Leben wieder neu zu strukturieren, wieder eine Linie, eine Klarheit zu finden. Es ging nur mit dieser Wahrheit. Ich hatte meine Illusionen satt- sie waren nicht immer befriedigend, vor allem in diesem Moment nicht. Ihre Distanz war einfach zu realistisch. Ich wollte ihr keinen Grund fĂŒr ZurĂŒckhaltung geben. Sie sollte wissen, dass sie bei mir herzlich willkommen sei und das sich jemand sorgt, wenn sie so lange kein Lebenszeichen von sich gab. “Ich liebe Dich”. Wie lange hatte ich den Satz schon nicht mehr aussprechen können!? Ich erschrak vor mir selbst und es hallte noch lange in mir nach. All die Monate voller Sehnsucht zogen in rasanter Geschwindigkeit an mir vorĂŒber. “Was habe ich da eben gesagt?”, dachte ich. “Spinnst du?! ...Mein Gott, was fĂŒr eine Offenbarung!” Sie sagte nichts dazu, wolle die darauf folgende Woche nochmals mit mir telefonieren, damit wir uns treffen können- dann legten wir auf. Es begannen NĂ€chte mit wenig Schlaf, Tage mit Wachen vor dem Telefon, Lust- und AlptrĂ€ume. Sie rief nicht an. Es krĂ€nkte mich sehr.
Ein paar Tage, nach dem ich mich wieder beruhigt hatte klingelte es plötzlich und sie meldete sich zurĂŒck. Wieder dieser seltsame vorwurfsvolle Unterton, den ich nicht deuten konnte. Sie fragte mich, was ich mit dem Satz “Ich liebe Dich” gemeint habe. “Was ist das fĂŒr eine Art Liebe?” Es folgte eine AufzĂ€hlung, aus der ich mir etwas aussuchen sollte. Ich antwortete, “von Frau zu Frau”. “Das geht nicht! Das kann ich nicht!”, kam forsch zurĂŒck. Nach dieser Antwort verstand ich auch ihren vorwurfsvollen Unterton. Er kam “Wie kannst Du nur!?” sehr nahe! Sie machte mir den lustlosen Vorschlag uns trotzdem zu treffen, damit wir in Ruhe darĂŒber reden könnten. In diesem Augenblick verlor ich die Achtung vor ihr, wurde zornig, dachte an die Frau, die sie an unseren letzten Treffen verkörperte und legte ohne zu zögern auf. Ich war fassungslos! Über eine Woche hatte ich also auf diese Absage gewartet. Sie sprach noch am selben Abend auf meinen Anrufbeantworter. Irgendetwas von “Schade, ich dachte du wĂ€rst erwachsener, viel GlĂŒck fĂŒr dich, VorwĂŒrfe, vielleicht sieht man sich ja, Hallo, TschĂŒĂŸ.” Ich löschte es sofort.
Erst das Herz brechen und dann friede-freude-eierkuchen einen Kaffee trinken gehen? Das fehlte mir noch! Nun hatte ich, was ich wollte. Keine Illusionen mehr, dafĂŒr RealitĂ€t und Klarheit. Marlene Dietrich fiel mir seltsamerweise ein, “Die dumme, dumme Liebe!” Ich tröstete mich damit und erinnerte mich an all die gescheiterten Beziehungen in meinem Leben. Ich kannte mich nun ein wenig, wusste, dass ich nun wieder lange Zeit brauchen wĂŒrde, um einen Menschen so nah an mich heranzulassen. Mir fielen alte Briefe an meinen ersten Brieffreund ein. Damals schrieben wir immer in Reimform, hochphilosophische Texte. Ich las ein wenig darin und bemerkte, dass sich seit all den Jahren nichts großartig geĂ€ndert hatte. Das Schema war doch immer das selbe.
Doch einen Satz musste ich immer wieder laut wiederholen. “Wie ich nur immer sein kann! So, dass ich den ersten Teufel in meine Arme schließe und in meiner Hölle zu einem Engel mache!” FĂŒnf Jahre war der Satz schon alt und er passte auch an diesem Zeitpunkt wieder wie die Faust aufs Auge.
Ein paar Monate spÀter wurde ich gefragt, weshalb ich diesen traurigen Blick habe.
Ich meinte, dass ich nicht nur diesen hĂ€tte, sondern noch viele andere, die Ihr, Olka, eine Polin Mitte dreißig, noch verborgen seien.
Sie erklĂ€rte mir, dass wĂ€hrend meiner Erziehung irgendetwas schief gegangen sei, sonst wĂ€re ich nicht so schwermĂŒtig und wĂŒrde mir nicht stĂ€ndig diese Einsamkeit auf meine Schultern laden. Olka war eines meiner Blinddates und sollte ein One-Night-Stand bleiben. Sie urteilte stĂ€ndig, bevor sie auch nur einigermaßen stichhaltige Argumente fĂŒr etwas erhielt. Das störte mich, außerdem war sie ĂŒberhaupt nicht der Typ Frau, die ich bedingungslos begehren und lieben konnte. Doch an dem Tag, als wir uns das erste Mal begegneten ging alles so schnell, das kaum Platz blieb, ĂŒber solche Makel nachzudenken. WĂ€hrend wir durch die frostige Januarsnacht spazierten, kuschelten wir uns wie selbstverstĂ€ndlich aneinander um uns zu wĂ€rmen. Ich genoss es. Immerhin waren ZĂ€rtlichkeiten fĂŒr mich im Laufe der Zeit schon zur Seltenheit geworden. Wir liefen spĂ€ter genauso selbstverstĂ€ndlich bis vor meine SchlafzimmertĂŒr. Auch sie hatte lange, blonde Haare und einen warmen, umsorgenden Blick. Und sofort war sie wieder da, die Erinnerung an damals. Es machte mich traurig, dass ich Olka schon in unserer ersten Nacht gedanklich betrog, und zwar mit meiner Exfreundin, die gar keine war.
Olka ließ mir keine Ruhe mehr. Die Vorstellung, dass ich diese Melancholie nicht verbergen konnte war furchtbar! Ich fĂŒhlte mich ertappt. Sie stellte mir entwaffnende Fragen und ich gestand. Ich schilderte ihr die ganze Geschichte und bemerkte wie mitten in diesem - unsrigen GesprĂ€ch das Vergangene vergĂ€nglich wurde. Wir schliefen engumschlungen ein. Die folgenden Wochen waren mit inneren AufrĂ€umarbeiten ausgefĂŒllt, bei denen mir Olka sanft ĂŒber meine Schultern blickte.

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Pali
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It's Gettin Better (Man!!).

Ich find's richtig gut; du hast so ziemlich alles erfasst, was eigentlich jeder irgendwann mal im Leben verspĂŒrt hat. UND das ganze dazu noch immer interessant durchgehalten. Respekt. Yeah...
__________________
Ich lebe ĂŒber meinen VerhĂ€ltnissen, aber unter meinem Niveau.

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flammarion
Foren-Redakteur
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hm,

wenn die geschichte stÀrker gegliedert wÀre - ein intelligenter schreiber macht vor jedem neuen gedanken einen absatz - hÀtte man mehr genuss beim lesen.
lg
__________________
Old Icke

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Beatifikat
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Danke

Hallo,
danke fĂŒr eure Kommentare.
flammarion ich werde mir den text auf alle FÀlle nochmals vornehmen und verÀndern, was zu verÀndern geht.
Pali, danke fĂŒr deine Frische!

Lg, Linda.

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Pali
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Always here to light up the scenery, Darling.
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