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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Die dunkle Versuchung
Eingestellt am 30. 12. 2010 16:25


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Walther
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Frank W. und die dunkle Versuchung

Eine Episode



GĂŒnther hatte Frank den Kopf gewaschen, nachdem er ihn nachts voll wie ein Haubitze aufgegriffen hatte. Er war dageblieben, bis Frank aus seinem Vollrausch aufgewacht war. Einige Tage wich er danach sozusagen nicht von der Seite des Freundes. In endlosen und geduldigen GesprĂ€chen, immer wieder unterbrochen durch kurze Besuche bei seiner eigenen Familie, hatte er Frank klargemacht, dass er, wenn er so weitermachte, vor die Hund gehen und in der Gosse landen wĂŒrde.

Am Ende hatte Frank W. sich wieder in den Griff bekommen und war wochenlang nur zum Zwecke des Einkaufs, und um seinen Vaterpflichten gerecht zu werden, aus der Wohnung gegangen, wenn man von gelegentlichen SpaziergĂ€ngen am frĂŒhen oder spĂ€teren Abend einmal absah. Er hatte begonnen, an einem GeschĂ€ftskonzept zu arbeiten, nachdem seine zahlreichen Bewerbungen sich als nicht weiterfĂŒhrend herausstellten. Es war dramatisch, wenn man sich mit Anfang Vierzig zum alten Eisen geworfen sah und es niemanden zu geben schien, der an einem interessiert war. Wobei man doch das GefĂŒhl hatte, BĂ€ume ausreißen zu können vor Schaffenskraft.

Zum GlĂŒck gab es die große Abfindung, die man ihm wegen seiner langen Firmenzugehörigkeit hatte ausreichen mĂŒssen. Ohne sie wĂ€re Frank W. aufgeschmissen gewesen.

Die GesprĂ€che mit alten GeschĂ€ftsfreunden hatten sich ĂŒberraschend vielversprechend entwickelt. Die Kunden fĂŒhlten sich von seinem alten Arbeitgeber schlecht bedient, nachdem die ganze Mannschaft, auch der Maschinenservice, vor TĂŒr gesetzt worden war. Letzte Woche hatte es schließlich auch GĂŒnther erwischt, der damit aber zum GlĂŒck gerechnet hatte. GĂŒnthers Frau stammte aus einer wohlhabenden Familie und hatte eine gute Position in der Verwaltung inne.

Gestern Abend war er mit seinen Berechnungen zum Ergebnis gekommen, dass mit seinen verbliebenen Barmitteln und dem großzĂŒgigen Lieferantenkreditspielraum der Italiener, deren Vertretung er ĂŒbernehmen wĂŒrde der Aufbau der neuen Existenz zu stemmen sein sollte. Sie waren sogar bereit, die MarkteinfĂŒhrung mitzufinanzieren. Sein guter Ruf in der Branche hatte sich wenigstens in diesem Fall rentiert, hatte Frank vor dem Einschlafen zufrieden vermerkt.

Nach der ersten durchschlafenen Nacht seit Woche ruft er am Morgen GĂŒnther an, um ihn in seine PlĂ€ne einzuweihen. Dieser freut sich, dass der Freund endlich wieder optimistisch klingt, und sagt zu, dass er nachdem FrĂŒhstĂŒck und einigen Erledigungen gegen 10 bei Frank in seiner Wohnung eintreffen wird, um sich das Konzept vorstellen zu lassen, bei dem er als zukĂŒnftiger Serviceleiter eine große Rolle spielen soll, wie ihm Frank bereits im Telefonat verraten hatte.

Frank frĂŒhstĂŒckt sein BananenapfelmĂŒsli und liest zur Feier des Tages auch gleich noch entspannt die Tageszeitung. Bei der zweiten Tasse Milchkaffee findet er die AnkĂŒndigung der Vernissage einer Ausstellung von Bildern der Gruppe „Der Blaue Reiter“. Da er die Bilder dieser Epoche und ihre Maler sehr schĂ€tzt, merkt er sich fĂŒr morgen Abend diesen Termin in seinem BlackBerry vor.

Das GesprĂ€ch mit GĂŒnther verlĂ€uft hoffnungsvoll, und die beiden Freunde finden eine solide Basis, die Herausforderung einer gemeinsamen FirmengrĂŒndung anzugehen. „Es bleibt noch einiges an Feinarbeit, aber im Großen und Ganzen hat das, was Du da zusammengetragen hast, Hand und Fuß, das muss ich neidlos zugeben,“ sagt GĂŒnther abschließend. Die Mittagszeit ist bereits vorĂŒber, die KĂŒche und der Esstisch sehen aus, als wenn eine kleine Bombe eingeschlagen wĂ€re. „Nachdem die Planungen im Wesentlichen abgeschlossen sind, könnten wir doch auf die Blaue Reiter Vernissage gehen,“ schlĂ€gt Frank vor, „so zur Feier des Tages, was meinst Du?“

„Gute Idee!“ stimmt GĂŒnter ihm zu. „Aber muss ich erst mal noch zu Hause nachfragen. Die Kinder interessiert das ja noch nicht. Ich rufe Dich morgen um die Mittagszeit an.“

„Ich rĂ€ume auf, keine Angst!“ sagt Frank grinsend, als GĂŒnther aufsteht und die Teller in die Hand nimmt, um sie auf die SpĂŒle zu stellen. „Ich nehme an, dass Du schon krĂ€ftig zu spĂ€t kommst.“ GĂŒnther lĂ€chelt und antwortet: „BĂ€rbel hat damit gerechnet, dass das lĂ€nger gehen könnte, mach Dir also keine Sorgen, aber Du weißt, dass das AufrĂ€umen nicht meine StĂ€rke ist!“

Die Freunde verabschieden sich, und Frank macht klar Schiff. Danach ruft er bei der Kunsthalle des Nachbarorts an und lĂ€sst sich fĂŒr die Vernissage drei Karten zurĂŒcklegen. Den Nachmittag verbringt er damit, in die Planungen die Ergebnisse des Gedankenaustauschs mit GĂŒnther einzuarbeiten.

Am Abend holt er HÀnschen und macht mit ihm die Mathematikhausaufgaben, so wie er es Edith versprochen hatte. Die Noten des Sohnes waren insbesondere in den Naturwissenschaften nach der Trennung der Eltern sehr unter die RÀder gekommen. Es galt jetzt, diese Scharte nach und nach wieder auszuwetzen, um die gefÀhrdete Versetzung in die nÀchste Klasse doch noch hinzubekommen.

HĂ€nschen muffelt zwar anfangs ein wenig herum. „Bei MĂ€dchen wĂŒrde man sagen, Du zickst, mein Sohn!“ brummt Frank und knufft seinen Sohn die Seite. Da muss dieser lachen, und plötzlich geht es auch mit den Aufgaben besser von der Hand. Zum Abendessen gibt es die Pizza, die der Vater dem Sohn als Belohnung versprochen hatte. Essen und Unterhaltung verlaufen in ruhigeren Bahnen, bis um neun pĂŒnktlich die Mutter kommt, um den gemeinsamen Sohn abzuholen.

Nach erneutem AufrĂ€umen und AbspĂŒlen schaut Frank die Heute Nachrichten und macht anschließend seinen halbstĂŒndigen Rundgang. Auch diese Nacht verlĂ€uft ruhig, und Frank schlĂ€ft wiederum gut wie lange nicht mehr, und das nun schon die zweite Nacht nacheinander, wie er am anderen Morgen, als der Wecker schellt, zu seiner leichten Verwunderung positiv registriert.

Den Vormittag verbringt er mit Hausarbeit, EinkĂ€ufen und einigen geschĂ€ftlichen Telefonaten. Um die Mittagszeit hört er telefonisch bei GĂŒnther nach, der ihm leider eine Absage erteilen muss, weil der Babysitter so kurzfristig nicht verfĂŒgbar war. Frank ist etwas enttĂ€uscht und fragt sich, ob er den Termin noch wahrnehmen soll. Es wird ihm dabei schmerzhaft bewusst, wie sich durch die Trennung von Edith alles verĂ€ndert hat. Manchmal wĂŒnscht er sich die alten Zeiten zurĂŒck, im Bewusstsein, dass die Vergangenheit bei weitem nicht glĂ€nzend gewesen war.





Zur Ablenkung stĂŒrzt er sich erneut in seine Projektarbeit. Besonders wichtig ist dabei das Organisieren von BĂŒro- und LagerrĂ€umlichkeiten, da die italienischen GeschĂ€ftspartner wegen der inzwischen doch fortgeschrittenen Zeit zur Eile drĂ€ngten, „damit noch ein paar AbschlĂŒsse hereinkommen,“ wie sie das freundlich aber bestimmt formulierten. Plötzlich ist dann auch schon 18 Uhr geworden, und die Zeit zum Umziehen ist gekommen.

Also schnell in die Dusche, husch husch abgetrocknet, die Haare geföhnt, parfĂŒmiert und frische Ausgehklamotten angezogen! Und schon kommt doch die Freude auf die Vernissage auf: „Endlich einmal rauskommen, vernĂŒnftige Leute sehen, mich ablenken und auf andere Gedanken bringen!“ sagt Frank W. halblaut zu sich, als mĂŒsse er sich extra Mut zusprechen.

Er ruft ein Taxi, da er gerade keinen fahrbaren Untersatz hat, den Dienstwage hatte er abgeben mĂŒssen, und Edith fuhr natĂŒrlich die Familienkutsche. Sein Lieblingstaxifahrer Sven holt ihn ab und fĂ€hrt ihn in die Kunsthalle der Nachbarstadt. So wĂŒrde er wĂ€hrend der Vernissage dann doch das eine oder andere Glas Sekt trinken können, ohne gleich Angst vor dem Blasen zu haben. Als Außendienstler braucht man seinen FĂŒhrerschein schließlich!

Er kommt gerade noch rechtzeitig, um sich sein Namensschildchen abzuholen und den Eintritt zu entrichten, bevor die Reden begannen. Nach der EingangstĂŒr schleicht er sich in eine der Saalecken, um das Ganze von hinten zu beobachten. Auf solchen Veranstaltungen ist er immer gerne eher im Verborgenen zu Gange, VordrĂ€ngeln in der Masse ist seine Sache nicht.

Die Veranstaltung ist mittelprĂ€chtig besucht, einige gesetzte PlĂ€tze auf den beiden vorderen Stuhlreihen sind frei geblieben. Die verantwortliche Dame, die die Veranstaltung eröffnet, fordert die an den RĂ€ndern stehenden Besucher, zu denen auch Frank gehört, allerdings auf, die SitzplĂ€tze in den vorderen Reihen zu besetzen. Das ist ihm zwar etwas unangenehm, aber Stehenbleiben wĂ€re noch auffĂ€lliger gewesen. So schickt er sich ins Unvermeidliche und geht hinĂŒber zum MenschenknĂ€uel auf der rechten Seite der ersten beiden Sitzreihen.

Wie es der Zufall will, findet er seinen Sitzplatz schrĂ€g hinter einer sehr attraktiven jungen Frau dunkler Hautfarbe und wahrscheinlich ostafrikanischer Herkunft, um die sich die Herren regelrecht in die StĂŒhle quetschten. Im Geschiebe der Platzfindungs- und Niedersetzensprozedur verliert die Dame ihren dekorativen Seidenschal, der einen schönen Hals und ein geradezu unglaubliches DekolletĂ© verhĂŒllt hatte, bevor er sich sozusagen am Ende im GedrĂ€nge selbstĂ€ndig gemacht hat.

Frank hebt den Schal auf und spricht die Frau leise mit einem leisen, fast gehauchten „Entschuldigen Sie bitte!“ an. Sie dreht ihren Kopf beinahe unwillig zu ihm um, den Mund schon zu einer eher weniger freundlichen Erwiderung geöffnet, die sich, als er ihr den Schal lĂ€chelnd hinhielt, in ein guttural verdrĂŒcktes „Danke sehr!“ verwandelte, das ein LĂ€cheln abschließt, das sogar ihre fein geschnittenen Aaugen erreicht.

Stimme und GrĂŒbchen verschlagen Frank nicht nur die Sprache, sondern lassen ihn auch noch verlegen seine Augen senken, so dass er ihr Umdrehen nach vorne nur als leises Rascheln wahrnimmt und das Umlegen des Schals als ebensolches Knistern. Durch die Bewegung dringt ihm ihr Duft in die Nase, der mit einer warmen Parfumnote gekrönt ist, die so perfekt zu ihrer Erscheinung passt, dass es ihm gleich auch noch den Atem verschlĂ€gt. In einem solchen Zustand hatte er sich das letzte Mal in seiner PubertĂ€t befunden, denkt er, als er wieder zu sich gekommen ist. Den ersten Teil der EinfĂŒhrung hat er dabei völlig ohne jede Erinnerung ĂŒber sich hinweg plĂ€tschern hören.

Am Ende der VortrĂ€ge erhebt er sich rasch und wurstelt sich zur gegenĂŒberliegenden Seite aus der zweiten Sitzreihe heraus, weil er der SeidenschaltrĂ€gerin nicht sofort wieder ĂŒber den Weg laufen möchte. Er will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, diese kleine Aktion mit dem Halstuch als Anmachchance auszunutzen. Das ist nicht sein Stil - und soll es auch gar nicht erst werden.

Er schließt sich einer Gruppe an, die von einer sachkundigen FĂŒhrerin durch die breit gefĂ€cherte Ausstellung geleitet wird. Die Bilder Franz Marcs, Kandinskys, Gabriele MĂŒnters, seiner Geliebten, August Mackes und Paul Klees sind ein Fest fĂŒr die Augen in ihren Farben und Linien, die die geballte Energie von Pferd und Murnauer MorĂ€nenlandschaft rund um den Staffelsee.

Am Ende der FĂŒhrung gibt es Sekt, Wein, Saft und die obligatorischen Petits Fours. An denen tut Frank W. sich reichlich gĂŒtlich und zieht sich zu diesem Behufe mit Teller und Sektglas an einen runden Stehtisch im Foyer zurĂŒck, von dem aus er die Veranstaltung am besten in Ruhe beobachten kann. Am anderen Ende nimmt er das raunende GedrĂ€nge eines Tisches wahr, in dessen Mittelpunkt wiederum die fulminante Erscheinung steht, hinter der er gesessen hatte, der Schal verhĂŒllt wieder Hals und Brustansatz und entschĂ€rft so die darunter sitzenden Brustkurven. Man konnte jetzt ohne jeden Zweifel erahnen, warum ihre TrĂ€gerin dieses fluffige StĂŒck Seide gerade dort platziert hatte. Die schon recht rotköpfige Herrenschar rund um sie herum wĂ€re wohl bereits komplett mit ihren Augen in diesem neckischen schwarzen Spalt zwischen ihren wohlgeformten BrĂŒsten verschwunden, den man sich bildlich vorstellen konnte, wenn man sie in ihrer aufregenden schlanken und wohlgeformten Silhouette betrachtete.

Der Werbungstanz der mĂ€nnlichen Menschenaffen um die dunkelhĂ€utige Schönheit amĂŒsiert Frank, und er hebt sein Glas und prostet sich mit leicht ironischem LĂ€cheln zu. Nach dem Schluck setzt er das Glas mit einem kaum merklichen KopfschĂŒtteln ab und wendet sich wieder den HĂ€ppchen zu, die er mit Genuss verspeist.

Dabei nimmt er den inzwischen erworbenen Ausstellungskatalog zur Hand und blĂ€ttert diesen gedankenverloren durch. Er ist auf der Suche nach ein paar Drucken fĂŒr das zukĂŒnftige BĂŒro. Die frohe Stimmung der Bilder wĂŒrde als Wandschmuck dem Klima des jungen Unternehmens sicherlich gut tun und zusĂ€tzlich SouverĂ€nitĂ€t und Kunstsinn vermitteln.

Er markiert die Drucke, die ihm gefallen, mit Eselsohren, weil er keinen Kuli dabeihat. Auf einmal schreckt er aus seinem in sich selbst versunkenen Zustand auf, der ihm so eigen ist, wenn er sich auf etwas konzentriert, weil er wieder dieses erotische Knistern hört, das dieser Seidenschal vorher gemacht hat, und ihn dieser wahnsinnige Duft erneut in der Nase kitzelt. Er spĂŒrt diese eigentĂŒmliche Hitze an seiner rechten Seite, die einen nur ĂŒberkommt, wenn ein Wesen anderen Geschlechts die innere Aura erreicht hat, das auf einen eine supranormale Einwirkung hat.

Schon hört er sie mit dieser geradezu schmelzenden Stimme, so in der Mitte zwischen Alt und Mezzosopran liegend, fast singend sagen: „Suchen Sie auch gerade nach Drucken, die Sie noch mitnehmen wollen?“ Da er einfach nicht glauben kann, was da gerade mit ihm geschieht, sieht er auf, schaut in diese tiefschwarzen Augenseen, versinkt in ihnen und sagt erst einmal gar nichts. Vielmehr schluckt er vernehmlich und schimpft sich innerlich einen gewaltigen Blödmann.

Das Gottesgeschenk in Form eines Weibes an der rechten Seite des runden Stehtisches scheint das einfach nicht zu registrieren und nimmt, begleitet von einem lĂ€chelnd so dahin gestreuten „Gestatten Sie?“, mit einer schlanken gepflegten Hand ohne lackierte FingernĂ€gel und ĂŒberkandidelten Ringschmuck den aufgeschlagenen Katalog, dreht ihn ca. 45 Grad zu sich und beugt sich etwas darĂŒber. Frank W.s Pupillen folgen gebannt dem unfassbaren Geschehen und verlieren sich schließlich genau dort, wohin sich ca. eine kleine Ewigkeit zuvor bereits viele andere MĂ€nneraugen verlieren wollten: In dem jetzt freigelegten und dargebotenen, von einer Perlenkette mit SmaragdanhĂ€nger in Herzform noch zusĂ€tzlich hervorgehobenen Brustansatz bzw. in diesem Tal zwischen den beiden geradezu Ehrfurcht erheischenden HĂŒgeln, die keiner StĂŒtze bedurften und mit einer solchen auch gar nicht erst versehen worden waren.

Frank W. bleibt ob dieses Einblicks im Ausblick schlicht die Spucke weg. Die HĂ€nde werden feucht und seine Stirne ebenfalls. Da blĂ€st sie eine HaarstrĂ€hne, die ihr ins Gesicht gefallen war, fort und fĂŒhrt dann die linke Hand nach, um diese quasi an seiner Statt zur Ordnung zu rufen. Ihre Bewegung, die ihr durch eine tĂŒrkisglĂ€nzende Bluse zart anschmiegend bedecktes Doppelgebirge in leichte Schwingungen versetzt, raubt ihm zusĂ€tzlich den Atem.

Da dreht sie ihm ihr Gesicht zu und sagt mit einem wissend verschmitzten LĂ€cheln in den Augenwinkeln: „GefĂ€llt Ihnen, was Sie heute hier und jetzt gesehen haben?“ Wieder hat sie diese WangengrĂŒbchen. Die Ironie in diesem Satz bringt ihn wieder in die Fassung zurĂŒck, aus der er fast schon hinausgefallen war. Wie aus der Pistole geschossen antwortet er sogleich: „Durchaus, durchaus, in jeder Hin- und Einsicht!“

Ihre Antwort ist ein lachend ausgesprochenes Wort: „TouchĂ©!“ Sie richtet sich auf und stellt sich, eine Hand in die HĂŒfte drappiert im gegenĂŒber zur GĂ€nze auf, ihrer verheerenden Wirkung sehr wohl bewusst. „Ihre Replik gefĂ€llt mir. Ich danke sehr fĂŒr Ihre Freundlichkeit vorhin. Ich heiße Rahel Meier, und Sie?“ Sie reicht ihm ihre kĂŒhle, ringlose rechte Hand, die er dankbar nimmt, ein wenig zu lange festhĂ€lt und dabei antwortet: „Ich bin Frank W.“

Sie kommen in ein intensives GesprĂ€ch, stecken sozusagen die Köpfe zusammen, und die Zeit vergeht wie im Flug. Am Ende werden sie von einer Angestellten darauf aufmerksam gemacht, dass die Ausstellung in KĂŒrze schließt und sie sich sputen mĂŒssen, wenn sie noch Drucke kaufen wollen. Frank W. erwirbt die drei besten Drucke, von seiner dunkelhĂ€utigen Begleitung fachmĂ€nnisch beraten. Sie kauft ebenfalls zwei Drucke. Mit den beiden Rollen bewaffnet holen sie ihre MĂ€ntel, und er hilft ihr in den ihren, was sie schlitzohrig dazu nutzt, ihm noch einmal einen genießenden Blick rund um das wunderbare Persönchen zu gestatten, das ihm sein geneigtes perlengeschmĂŒcktes Ohr und das Make-up freie Auge geliehen hat.

Draußen bietet sie ihm an, ihn nach Hause zu fahren, ganz unverbindlich natĂŒrlich. Er ist fast aufgedreht und akzeptiert das Angebot. Sie gehen zu ihrem Wagen, der sich als ein sehr, sehr, teures Cabrio herausstellt. Frank hat sich schon die ganze Zeit gewundert, was diese gazellenhafte Erscheinung mit dieser ĂŒberirdischen Figur, den teuren Kleidern, dem mehr als teuren Schmuck, dem noch teureren Wagen und dem akzentfreien HonorationenschwĂ€bisch, das man so gar nicht hinter diesem exotischen Aussehen vermuten wĂŒrden, von jemandem Durchschnittlichem und bereits etwas Angejahrtem wie ihm denn eigentlich wollen sollte.

Er steigt in das Cabrio und versinkt achtungsvoll im Leder des Beifahrersitzes. Mit Expertise und rasantem Selbstbewusstsein steuert seine Fahrerin nach Eingabe des Zielorts in das Navisystem seine Wohnung an. Beide schweigen die ganze Fahrt.

Als sie vor seinem Hauseingang anhÀlt, macht er sich bereit zum Aussteigen. Gerade will er den Sicherheitsgut lösen, da fÀllt ihre rechte Hand Einhalt irgendwie gebieterisch auf seinen linken Oberschenkel. Dort ruht sie und strahlt wiederum diese unziemliche Hitze aus, die sich durch seinen ganzen Körper und bis in Gegenden zieht, die man in einer anderen Sprache nicht ohne Grund private Teile nennt. Sie wendet sich zu ihm um, und ihre linke Hand legt sich auf seine Wange. Danach zieht sie wie selbstverstÀndlich seinen Kopf in ihre Richtung und beugt sich ihm entgegen. Ihre Lippen streifen leicht seinen Mund, und ihre rechte Wange legt sich an seine.

Dort ruht sie eine Weile ganz still und seltsam behutsam, fast zĂ€rtlich, gerade lange genug, um seine Sinne nachhaltig zu vernebeln. „Vielen Dank fĂŒr den Abend!“ sagt sie mit einem leichten Timbre leise in sein Ohr und kĂŒsst ihn auf beide Wangen. „Danke vielmals, ich rufe Sie an, lieber Frank. Ich rufe Sie an. Versprochen.“ Dann legt sie den Finger auf seine erwartungsvollen Lippen. „Sagen Sie jetzt nichts. Schlafen Sie gut, und vergessen Sie mich bitte nicht. Ich halte mein Versprechen.“

Er steigt wie im Trance aus und sieht sie davonbrausen. Erst als er oben die TĂŒre hinter sich schließt, beginnt er das Wunder zu ermessen, das ihm vielleicht widerfahren war. Mit leichtem Schrecken stellt er plötzlich fest, dass er seine Drucke in ihrem Wagen vergessen hat. Und sie ihm ihre Karte, als er ihr die seine gereicht hatte, zu allem Übel nicht gegeben oder er sie eventuell am Tisch in der Ausstellung liegen gelassen hatte. Die Verwirrung der GefĂŒhle ist jetzt komplett.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 30. 12. 2010 16:25

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Ofterdingen
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Hallo Walther,

Besonders gut finde ich, dass du ein banales Happy End vermeidest und auch keine Fickgeschichte schreibst, sondern eine erotische; schön, wie du die Spannung aufrecht erhĂ€ltst und dabei der Versuchung widerstehst, die zwei Protagonisten gleich ins Bett plumpsen zu lassen. Die Story ist nicht schlecht, da ließe sich was draus machen. Nur sollte der Text sprachlich geglĂ€ttet werden: Manches ist unbeholfen, manches unstimmig (Beispiel: Ist sie nun dunkelhĂ€utig oder mandelĂ€ugig oder beides, das heißt eine afrikanisch-ostasiatische Mischung?), da sind auch Grammatik- und Ausdrucksfehler (zum Beispiel mĂŒsste es heißen eine Scharte auswetzen) und dein Gebrauch der Zeiten ist - mit Verlaub - eine Katastrophe. Nur mal so als Beispiel mit VerbesserungsvorschlĂ€gen:

"Die GesprĂ€che mit alten GeschĂ€ftsfreunden (haben sich ĂŒberraschend vielversprechend entwickelt.) entwickelten sich ĂŒberraschend vielversprechend. Die Kunden fĂŒhlten sich von seinem alten Arbeitgeber schlecht bedient, nachdem die ganze Mannschaft, auch der Maschinenservice, vor TĂŒr gesetzt worden war. (Letzte Woche hat es schließlich auch GĂŒnther erwischt,) Die Woche davor hatte es schließlich auch GĂŒnther erwischt, der damit aber zum GlĂŒck gerechnet hatte. GĂŒnthers Frau stammte aus einer wohlhabenden Familie und (hat) hatte eine gute Position in der Verwaltung inne."

LG,

Ofterdingen


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Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug. J. P. Sartre

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Walther
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Hallo Ofterdingen,

nochmals danke fĂŒr Deinen Eintrag und die darin enthaltenen Hinweise. Ich habe die Zeiten verĂ€ndert. Daran merkt man, wenn man lange Zeit selbst solche Texte nicht mehr geschrieben hat. FrĂŒher war das kein Problem. Aber mit der Zeit verliert man auch dieses Wissen, wenn man es nicht regelmĂ€ĂŸig einsetzt.

Auch habe ich einige Fehler im Text beseitigt. Wenn man einen Text schreibt, wird man "betriebsblind", weil man auch das liest, was da stehen sollte (und manchmal eben dann doch nicht steht, wie man hier sieht!). Hoffentlich habe ich die meisten Vergaloppierungen gefunden. Ich bitte vielmals um Entschuldigung fĂŒr diese Schludrigkeiten.

Ich habe bewußt nicht mehr als diese knisternden Momente in den Text getan, weil ich mir dachte, daß alles seine Zeit hat. Diese Phase der Beziehung lebt noch von den WĂŒnschen und TrĂ€umen. Ihnen geben wir sowieso viel zu wenig Raum. Es ist fast immer die Vorstellung von einer Sache schöner als ihr aktiv mitgestaltetes Geschehen, das ist wenigstens meine Erfahrung.

Es wird gerade im Kopf fieberhaft an drei bis vier weiteren Episoden gewerkelt. Dabei wird es unausweichlich auch fleischlicher zugehen. Ich wĂŒrde mich freuen, wenn ich Dich zum Lesen und kommentieren auch dieser Episoden verfĂŒhren könnte.

Lieben Dank und besten Gruß entbietet

der W., Prosalehrling


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Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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