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Leselupe.de > Science Fiction
Die einzig wahre Geschichte des Urknalls
Eingestellt am 21. 05. 2001 18:41


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dommas
Festzeitungsschreiber
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Swanson sah ganz fasziniert auf seine Erfindung. Er war im Begriff, sie das erste Mal auszuprobieren, sie einzuschalten um festzustellen, ob seine Berechnungen, die ihn die letzten zwanzig Jahre von der Öffentlichkeit und der ganzen restlichen Menschheit ferngehalten haben, auch richtig waren oder ob er nur einer falschen Vision und FĂ€hrte gefolgt war.
Seine Erfindung war ein koffergroßer, silbrig-glĂ€nzender Kasten, der mit allerlei LĂ€mpchen, Meßuhren, Zeigern, Schaltern und Sensoren versehen war. Aus der einen Seitenverdeckung kam ein langes, schwarzes Kabel, das mit einer faustgroßen, ebenfalls silbrig-glĂ€nzenden Kugel verbunden war. Diese Kugel war auf einer langen Stange befestigt, die sich auf einem Dreibein befand, der in einiger Entfernung von dem Kasten stand.
„Jetzt kommt der große Moment!“, murmelte Swanson und legte einen Schalter um, der sich in der Mitte der Vorderseite des Kastens befand. Postwendend begann der Kasten, die verwirrendsten und faszinierendsten GerĂ€usche von sich zu geben. Er vibrierte und summte und sirrte und knackte und die Zeiger schlugen aus wie verrĂŒckt.
Da begann sich eine VerĂ€nderung an der Metallkugel bemerkbar zu machen. Auch sie vibrierte leicht, und schließlich verdunkelte sie sich ganz langsam. Es schien, als ob alles Licht, das von dieser Kugel ausging, plötzlich im Begriff war, zu erlöschen.
Swanson sah das mit grĂ¶ĂŸter Zufriedenheit und machte einen Luftsprung. „Es funktioniert! Es funktioniert!“, schrie er, doch vorsichtshalber verließ er sein Laboratorium und begab sich in das Nebenzimmer, in dem man durch eine riesige Panzerglasscheibe die VorgĂ€nge im Laboratorium beobachten konnte. Dort sah man, daß sich die Kugel immer noch dunkler fĂ€rbte, bis dort auf der Spitze der Stange nur noch ein dunkles, waberndes Etwas befestigt zu sein schien.
„Und wie’s funktioniert! Mein Gott, ich hĂ€tte nie gedacht, daß...“ Er verstummte, denn in eben diesem Moment tat sich etwas im Labor, was Swanson mit Entsetzen erfĂŒllte. Ein Kugelschreiber, der auf einem der Tische gelegen hatte, wackelte leicht und flog dann, von irgendwelchen ĂŒbernatĂŒrlichen MĂ€chten bewegt, auf die nunmehr nicht mehr zu erkennende Kugel zu, wo er schließlich...verschwand! Ebenso erging es anderen kleinen GegenstĂ€nden, die lose im Labor herumgelegen hatten. Und die Kugel wurde immer schwĂ€rzer und grĂ¶ĂŸer.
„Halt, nein, so war, Ă€h, das nicht ged...“ Das Kabel, das in die ehemalige Kugel gefĂŒhrt hatte, bewegte sich verdĂ€chtig. „Oh nein, du wirst doch nicht...“ Doch, es tat! Das Kabel krĂŒmmte und schlĂ€ngelte sich, auch es wurde von der Kugel regelrecht angezogen. Und nicht nur das Kabel! Nachdem die Masse alles kleinste und kleine GerĂ€t verschlungen hatte, war ihr Hunger wohl noch nicht gestillt worden, denn jetzt kamen die grĂ¶ĂŸeren GegenstĂ€nde dran. Kaffeetassen, Taschenrechner, Aschenbecher, alles flog auf den Ort zu, an dem einmal die silbrig-glĂ€nzende Kugel ihrem Schicksal geharrt hatte. Swanson reagiert nicht, er stand wie erstarrt und blickte in das Labor. Er sah alles ganz genau und wußte nicht, wie er sich derart hatte verrechnen können.
Mittlerweile herrschte ein großes Durcheinander im Laboratorium. GegenstĂ€nde flogen durch die Luft und verschwanden alle in der großen Dunkelheit, die sich immer noch wacker auf dem Dreibein hielt. Mit jedem Gegenstand schien die Dunkelheit und die GrĂ¶ĂŸe zuzunehmen. Alle Regale und Tische waren bereits leergefegt und jetzt waren die schwereren GegenstĂ€nde dran. Zuallererst der Kasten, der dem wabernden Ding am nĂ€chsten Stand. Der Kasten bewegte sich leicht. „Oh, du Scheusal, nicht auch noch ihn...“ Wie es nunmal so ist, hören die Geschöpfe ihren Schöpfern nicht immer genau aufs Wort, und genau so ein Fall trat hier im Fall Swanson-Kugel ein, denn der Kasten bewegte sich immer nĂ€her auf die Ex-Kugel zu, nicht ohne dabei kleine Rillen im PVC-Fußboden zu hinterlassen, die von seinem großen Gewicht zeugten.
Der Kasten wurde immer stĂ€rker von der Dunkelheit angezogen, er wurde immer schneller, bis er sich schließlich vom Boden hob und im Schwarz verschwand. Swanson hĂ€mmerte an die Panzerglasscheibe und schrie: „NEIN! Zwanzig Jahre! So darf's nicht enden! Nein; Nein; NEIN!“ Er trommelte weiter mit den HĂ€nden gegen die Scheibe, schließlich nahm er auch noch seinen Kopf dazu. Er hĂ€mmerte und hĂ€mmerte und...hielt inne. „Moment! Ich mĂŒĂŸte doch eigentlich auch schon eingesaugt worden sein! Wieso...?“
Im Laboratorium sah es wĂŒst aus. Der Großteil der GerĂ€tschaften war verschwunden, einige lagen auf dem Boden verstreut, nichts bewegte sich mehr. In der Mitte des Chaos‘ stand einsam und mit Unschuldsmiene die silbrig-glĂ€nzende Kugel und glotzte Swanson durch die Panzerglasscheibe an, gerade so, als ob ĂŒberhaupt nichts geschehen sei. „Das ist ja wunderbar. Hah! Du bist ein Schatz!“
Er raste aus dem Nebenzimmer zurĂŒck ins Labor, stĂŒrmte auf die Kugel zu und kĂŒĂŸte sie. „Du mein Engel, ich wußte, du wĂŒrdest mich nicht enttĂ€uschen! Wie konnte ich nur je an dir zweifeln!“ Der Spuk war vorbei!

„Und das, meine Herren, ist der eindeutige Beweis, daß es dem Menschen bald vergönnt sein wird, sich mit einer unerschöpflichen Energiequelle durchs Weltall zu bewegen, unabhĂ€ngig von den KrĂ€ften und GegenkrĂ€ften, die einem dort oben ins Handwerk pfuschen!“ Swanson betĂ€tigte die Stop-Taste am Videorecorder und auf dem Fernseher traten sofort die schwarzen Ameisen den Kampf gegen die weißen an. Bis heute weiß noch niemand, wer diesen Kampf gewinnen wird und ob er ĂŒberhaupt jemals zu Ende kommen wird. Doch das ist einen andere Geschichte.
Swanson holte triumphierend die Videokassette aus dem Recorder, verbeugte sich noch einmal vor seiner Zuhörerschaft und setzte sich wieder auf seinen Platz. Nachdem er dem versammelten Aufsichtsrat des Fraunhofer-Instituts die Aufzeichnung seines Versuches gezeigt hatte, war er sich ziemlich sicher, daß dieser nun ĂŒberzeugt war von seiner Arbeit und ihm endlich die ihm gebĂŒhrende Beförderung und weitere UnterstĂŒtzung gewĂ€hren wĂŒrde.
Ein alter Mann, Töpfer, stand auf und bewegte sich gravitĂ€tisch zum Rednerpult. „Sehr geehrte Herren, Herr Swanson! Ich weiß nicht, was ich zu ihrem Band sagen soll. Es ist wunderbar, es ist herausragend, es ist phĂ€nomenal! Endlich ist eine Möglichkeit entdeckt worden, und zwar von ihnen, verehrter Swanson, die den Menschen unglaubliche Horizonte eröffnet, die es uns ermöglichen wird, uns im ganzen Universum auszubreiten. Ich glaube, daß ich im Namen aller hier Anwesenden spreche, wenn ich ihnen, Herr Swanson, sage, daß unsere gesamte Einrichtung stolz darauf ist, daß ein solch genialer Wissenschaftler, der die Menschheit dazu bringen wird, sich neue Welten anzueignen, ein Mitglied unseres Instituts ist. Ich danken ihnen! Ich danke ihnen tausendmal!“ Stehende Ovationen bedachten den sich verneigenden und hochroten Swanson.

Er knallte die TĂŒr ohrenbetĂ€ubend hinter sich zu. „Was fĂ€llt ihnen ein, sie arrogantes Arschloch! Das war meine Erfindung, meine ganz allein. Und sie geldgieriger Hai haben sie sich unter den Nagel gerissen. Ich will, daß auf der ganzen Welt bekannt wird, daß ICH derjenige war, der den „Schwarzen-Loch-Antrieb“ erfunden hat, und nicht ihr gottverdammter Sohn, der noch nicht einmal richtig aus den Windeln ist!“ – „Nun beruhigen sie sich doch erst einmal, Swanson! Ich bin sicher, daß sich das alles klĂ€ren lĂ€ĂŸt!“ Töpfer steckte sich in aller Seelenruhe eine Zigarre an, wĂ€hrend Swanson aufgelöst vor dem Schreibtisch seines Chefs hin und her lief.
Seit dem ersten Test Swansons waren inzwischen vier Monate vergangen. Der Vortrag Swansons hat den Aufsichtsrat tatsĂ€chlich davon ĂŒberzeugt, daß Swanson befördert werden sollte, doch leider nicht in der Art, wie der es sich vorgestellt hatte. Er wollte weiter an seiner Erfindung arbeiten, wollte sie noch feiner ausarbeiten, wollte noch an ihr feilen, so daß nicht noch einmal so ein gravierender Fehler auftreten könne, wie das erste Mal. Doch statt dessen wurde er von seiner Arbeit wegbefördert und mußte nun als Schreibtischhengst in irgendeinem BĂŒro, wie es viele innerhalb des Instituts gab, nutz- und sinnlosen Schreibkram erledigen. Er wurde von den weiteren Versuchen an seiner Erfindung einfach ausgeschlossen. Und dann hatte er auch noch aus der Zeitung erfahren, daß der ZWANZIGJÄHRIGE Sohn Töpfers, ein gewisser Ralf, durch einen puren Zufall entdeckt hĂ€tte, wie man ein Schwarzes Loch herstellen könne. Dieser verdammte Bastard hatte ihm seine Erfindung geklaut und wurde damit berĂŒhmt!
Nicht, daß er sich von seiner Erfindung Ruhm erhofft hĂ€tte (er wollte zumindest nicht so berĂŒhmt sein wie zum Beispiel Michael Jackson oder Queen Victoria oder so), so hatte er doch zumindest geglaubt, in einer ehrlichen Institution zu arbeiten, die es ihm auch ermöglichen wĂŒrde, sein ganzes Genie von Anfang bis Ende zu entfalten. Aber nein, dieser bescheuerte ZWANZIGJÄHRIGE, jemand, der gerademal so alt ist, wie ihn seine ganze Forschung gekostet hatte, wagte es, so etwas geniales wie Swansons Erfindung als die seine und noch dazu als puren Zufall zu verkaufen!
Er war nicht nur wĂŒtend. Es war so eine ganz gefĂ€hrliche Mischung aus Wut, EnttĂ€uschung, Neid und Haß, die sich in ihm zusammengebraut hatte und die jetzt gerade dabei war, sich an seinem Chef zu entladen.
Dieser jedoch, mit stoischer Gelassenheit an seiner Zigarre paffend, beobachtete Swanson nur und bot ihm nun schon zum fĂŒnften Mal einen Sitz an, was dieser nur mit dem fĂŒnften „Halten sie die Klappe!“ beantwortete. „Ich werde ihnen jetzt einmal etwas sagen, Swanson,“, schrie der nun nicht mehr so ruhige Töpfer. „und es wird das letzte Mal sein, daß sie so eine Chance bekommen! Entweder sie beruhigen sich jetzt sofort auf der Stelle, setzen sich und hören mir angestrengt zu, oder sie werden in einem derart hohen Bogen rausgeschmissen und werden verleumdet, verspottet und niedergemacht, daß ihnen Hören und Sehen vergeht.“ Das saß! Swanson auch!
„Das ganze Institut ist stolz auf sie. Wir wissen das zu schĂ€tzen, was sie uns ermöglicht haben. Doch mĂŒssen sie auch verstehen, daß sie, sehen sie sich doch einmal an – klapprig, wirres Haar, die Brille ist geflickt und hĂ€ngt schief – daß sie ĂŒberhaupt nicht der Typ sind, mit dem wir so etwas, so eine herausragende Erfindung wie die ihre, prĂ€sentieren können. Und gerade in dem Moment, als ich darĂŒber nachdachte, tat es in meines Sohnes Zimmer einen so gewaltigen Schlag, daß ich beinahe vom Stuhl fiel. Er hatte in seinem Zimmer ein kleines Labor aufgebaut, mĂŒssen sie wissen, und gerade hatte er herausgefunden, wie man Schwarzpulver herstellt. Bis auf ein paar angesengte Augenbrauen und einem verstauchten Knöchel ist ihm nicht viel passiert. Und da kam mir die rettende Idee! Mein Sohn! Ein hĂŒbscher, unverbrauchter junger Mann rettet die Welt! Na, ist das keine Schlagzeile? Sie mĂŒssen doch zugeben, daß das viel mehr im Sinne der Menschheit liegt, viel mehr im Sinne des Erfinders – kleiner Scherz am Rande – als das Wissen, daß die Errettung der Spezies Mensch auf einen mickrigen, klapprigen, verwirrten Professor zurĂŒckzufĂŒhren ist, der schon beim allmorgendlichen ZĂ€hneputzen aus Versehen die HaarbĂŒrste mit Zahnpasta beschmiert.“
Rot! Das war alles, was Swanson da sah! Einfach nur rot! Er sprang vom Stuhl auf und hechtete sich auf seinen Chef, der jedoch mit einer solchen Reaktion gerechnet hatte. Er schrie ein paar Namen und schon waren vier gewaltige Muskelpakete zur Stelle, die versuchten, Swanson von Töpfer loszureißen. Nachdem Töpfer einige SchĂŒrfwunden, ein blaues Auge und einen gebrochenen Daumen abbekommen hatte, gelang es ihnen auch. Schaum stand vor Swansons Mund und er brabbelte nur wirres Zeug. „Ruft die Anstalt. Wir haben hier einen weiteren Fall von Schwachsinn, der sich leider Gottes in unserem Metier immer mehr auszubreiten scheint. Ich hoffe, der gute Swanson erholt sich nie wieder von seinem Gebrechen!“ Laut lachend steckte sich Töpfer eine neue Zigarre an, die alte war ihm wĂ€hrend des Gerangels mit Swanson zertreten worden, drehte sich auf seinem BĂŒrostuhl hin und her und schwelgte in Eigenlob und Selbstzufriedenheit.
Die vier Muskelpakete hatten keine MĂŒhe, den schwĂ€chlichen Swanson aus dem Zimmer des Chefs zu bugsieren. Auch hatten die SanitĂ€ter der Nervenklinik keine Probleme, denn auch sie sind schlimmere FĂ€lle gewöhnt, wie zum Beispiel der Staranwalt, der von heute auf morgen von sich glaubte, ein KĂ€nguruh zu sein und auch wie ein solches herumhĂŒpfte und, was noch schlimmer war, boxte. Und der Anwalt wog 130 Kilo! Aber das ist eine andere Geschichte!
Ich kann hier vorgreifen und sagen, daß Swanson nie mehr aus der Nervenklinik entlassen wurde. Weshalb das so war, soll gleich erzĂ€hlt werden. Zuvor jedoch noch ein kleiner Exkurs:

Exkurs:

Wie allgemein anerkannt ist, entwickelte Einstein (oder dessen Frau) die RelativitĂ€tstheorie, nach der sich ein Körper mit Masse nicht mit Lichtgeschwindigkeit bewegen kann, ohne gewisse VerĂ€nderungen durchzumachen. LĂ€ngenkontraktion und Massenzunahme zum Beispiel. Wir wollen uns hier aber bloß der Massenzunahme widmen, da die anderen VerĂ€nderungen auf die Auswirkungen unserer Problemstellung weniger Einfluß haben werden. Auch das wird sich noch herausstellen.
Also, laut der relativistischen Dynamik erfĂ€hrt ein Masseteilchen, sobald es sich schneller als 10% Lichtgeschwindigkeit bewegt, eine MassenverĂ€nderung, d.h. eine Zunahme seiner Masse. Diese Massenzunahme ist abhĂ€ngig von der GrĂ¶ĂŸe Gamma (lt. Lorenz-Transformation). Diese GrĂ¶ĂŸe Gamma errechnet sich wiefolgt:

Gamma = 1 geteilt durch die Wurzel aus 1-(v/c)zum Quadrat

Aus dieser Formel ist zum einen ersichtlich, daß eine Geschwindigkeit, die grĂ¶ĂŸer ist als die Lichtgeschwindigkeit (c, also ungefĂ€hr 3 mal 10hoch8 m/s), nicht möglich ist, da dann ja unter der Wurzel ein negativer Wert herauskommen wĂŒrde, und von negativen Zahlen kann man keine Wurzel ziehen. Außerdem ist ersichtlich, daß bei zunehmender Geschwindigkeit der Gamma-Wert ebenfalls steigt, was Auswirkungen auf die folgende Formel hat:

m = Gamma mal m0

Steigt der Gamma –Wert, steigt der Wert, mit dem die Ruhemasse m0 (die Masse, die das Teilchen bei einer Geschwindigkeit geringer als 0.1c besitzt) multipliziert wird. Somit steigt auch der Wert der bewegten Masse m. Kurz, mit steigender Geschwindigkeit steigt die Masse des bewegten Teilchens.
Da mit der Masse auch dessen Anziehungskraft verĂ€ndert wird, wĂŒrde bei einer steigenden Masse auch dessen Anziehungskraft ansteigen. Exkursende!

Weiter in der Geschichte:

Swanson hat ĂŒber seine Forschungsergebnisse, zur Freude Töpfers, genauestens Buch gefĂŒhrt, so daß er und seine Forscher den ganzen Versuchsaufbau exakt nachvollziehen konnten. Es dauerte zwar einige Jahre, bis Töpfers Wissenschaftler den wirren GedankengĂ€ngen Swansons folgen konnten, doch schließlich waren sie soweit, daß sie Swansons ersten Versuch, der das halbe Labor gekostet hat, erneut aufbauten. Auch hier war es das selbe Ergebnis. Die silbrig-glĂ€nzende Kugel verwandelte sich in ein Schwarzes Loch und saugte alles in sich auf. Doch sobald es auch den Kasten in sich verschlungen hatte, also dieses Glied der Kette, das fĂŒr die eigentliche Entstehung des Schwarzen Loches den Hauptfaktor trĂ€gt und ohne dessen Informationsversorgung dem Schwarzen Loch die Lebensgrundlage entzogen wird, verschwindet das PhĂ€nomen und alles ist wie zuvor.
Nach einigen weiteren Jahren, Töpfer war mittlerweile gestorben, nebenbei erwĂ€hnt: sehr, sehr wohlhabend, hatten die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts unter FĂŒhrung ihres neuen Chefs, Porzig, Swansons Erfindung soweit verfeinert, daß sie es wagen konnten, damit zu den entsprechenden Weltraumforschungsinstituten zu gehen. Sie konnten mittlerweile das Schwarze Loch derart kontrollieren, daß es ihnen möglich war, den Anziehungsradius des Loches auf eineinhalb Meter zu reduzieren und zu kontrollieren.
Da die ESA das beste Angebot machte (sie mußte, nach langjĂ€hrigen Mißerfolgen und MĂŒĂŸiggang, wieder einmal auftrumpfen), kam Porzig mit ihnen ins GeschĂ€ft. Milliarden an Dollar wechselten die Besitzer, Wissenschaftler wechselten ihren Wohnort, ESA-FĂŒhrungsspitzen propagierten den Eintritt in die neue Ära der Menschheit.

Der 17. September 2081 sollte der erste Tag dieser neuen Ära sein. An diesem 17.September hatten sich auf einer großen Wiese vor den Toren Paris’ Presseleute, Fotografen, Wissenschaftler und Schaulustige versammelt, um dem ersten (offiziellen) Probelauf des neu-entwickelten SL-Antriebes beizuwohnen (anbei: alle Versuche der Autofirma mit dem Stern, den Antriebsnamen zu verhindern, schlugen fehl).
Herr Prontilieu, der Pressesprecher der ESA, gab ein Interview nach dem anderen. Er war geradezu umzingelt von Journalisten, die alle die exklusivsten Aussagen ihren Redaktionen weitergeben wollten. WĂ€hrenddessen lief im Überwachungstower der Countdown.
Eine kleine Rakete, die, wenn man sie nur gezĂŒndet hĂ€tte ohne den neu-entwickelten SL-Antrieb, nach etwa einem Kilometer des Fluges wieder auf die Erde geplumpst wĂ€re, hatte man mit eben diesem versehen. Die Prognose lautete, daß die Rakete starten wĂŒrde und nach einer Sekunde der SL-Antrieb in Kraft treten sollte. Danach sollte sie von dem Schwarzen Loch, das sich in einem konstanten Abstand von einem Meter vor der Spitze der Rakete aufbaut, angezogen und somit beschleunigt werden. Das Schwarze Loch wĂŒrde eine sehr viel höhere Anziehungskraft als die Erde besitzen. Dadurch, daß die Rakete bereits beschleunigt wurde, wĂŒrde die Anziehungskraft des Schwarzen Loches genĂŒgen, die Rakete von der Erde weg zu bewegen. Sie wĂ€re von der Gravitation unabhĂ€ngig und wĂŒrde immer weiter in den Himmel steigen, bis man den SL-Antrieb wieder abschalten wĂŒrde. Danach sollten alle Anwesenden zu einem gewaltigen Bankett geladen werden, die Feierlichkeiten sollten mehrere Tage dauern. Soweit die Aussagen des Herrn Prontilieu.
Die letzten zehn Sekunden des Countdowns liefen, es herrschte angespannte Stille auf der großen Wiese. FĂŒnf...vier...drei...zwei...eins...Start. Die Rakete hob ab.
Nach wenigen Sekunden konnten alle Zuschauer das Schwarze Loch sehen, das sich vor dem Rumpf der Rakete aufbaute. Das heißt, sie sahen nur eine schwarze, unförmige Wolke, die sich plötzlich vor der Rakete befand und sich ebenso gleichmĂ€ĂŸig mit ihr fortbewegte. Der eine Kilometer, den die Rakete ohne SL-Antrieb geschafft hĂ€tte, war lĂ€ngst vorbei, und die Rakete flog immer noch, sie stieg immer höher und höher und höher.
Der Jubel war unbeschreiblich. Herr Prontilieu wurde von den Massen in die Höhe gehoben und wie ein Held gefeiert, der Ansturm auf das BĂŒfett war atemberaubend, es gab zwei Menschen, die von den nach vorn drĂ€ngenden Massen erdrĂŒckt wurden und starben.

Unterdes wollte man im Überwachungstower das Schwarze Loch wieder abschalten. Der ehemals silbrig-glĂ€nzende Kasten – mittlerweile war aus ihm ein stattlicher, zimmerhoher Apparat mit noch mehr Armaturen, als sein Vater besessen hatte, geworden – stand in einem Hochsicherheitstrakt und war mit einem Sender versehen, wodurch der Kasten, schlicht ‚pĂšre‘ genannt, in stĂ€ndigem Kontakt mit dem EmpfĂ€nger innerhalb der Rakete verbunden war. Der oberste Sicherheitsingenieur, Herr Petit-Pas, legte gerade den Schalter um, der den Kasten vom Stromnetz nehmen sollte. Doch der Kasten lief weiter. Herr Petit-Pas wußte nicht, wie ihm geschah. Er schlug auf den Alarmknopf, in allen RĂ€umen des Towers blinkten plötzlich rote Lampen und LĂ€mpchen.
Die jaulenden Sirenen brauchten einige Zeit, bis sie sich gegen den enormen LĂ€rm der schlemmenden Menschenmenge auf der Wiese durchgesetzt hatten, doch kaum hatte man sie vernommen, brach die Panik aus. Zu den zwei erdrĂŒckten Personen am BĂŒffet kamen zwölf weitere Tote hinzu. Diese Zahl der Verluste sollte sich jedoch noch als ein Geringes herausstellen.
„Was ist los, Petit-Pas? Was hast du, was geht nicht?“ Petit-Pas war ganz aufgelöst. Er sprach mit seinem Vorgesetzten, deM Projektleiter Porzig (der, nebenbei erwĂ€hnt, ebenfalls sehr, sehr reich geworden war). Dieser war außer sich vor Wut. Er befahl den anwesenden MilitĂ€rs, den Hochsicherheitstrakt zu stĂŒrmen und alles nur irgend mögliche zu tun, was notwendig war, um den ‚pĂšre‘ zu stoppen. Diese stĂŒrmten sofort zu dem Hochsicherheitstrakt und versuchten ihn zu stĂŒrmen. Doch dieser trug seinen Namen nicht umsonst, denn es dauerte, besser: es hĂ€tte mehrere Tage gedauert, ihn zu stĂŒrmen, denn irgendwie versagte in diesem Trakt jede Art von Technik. Die automatischen SchließtĂŒren waren in keinster Weise zu öffnen, auch die Wasserstoffkanonen, die den ‚pĂšre‘ hĂ€tten einfrieren können, reagierten nicht. Kurz, es gab keine Möglichkeit, das Weiterfliegen der Rakete, und somit auch das immer schnellere Weiterfliegen der Rakete, zu stoppen.
Denn den Wissenschaftlern war bisher zwar gelungen, ein Schwarzes Loch aufzubauen und wieder verschwinden zu lassen, doch wahre Kontrolle ĂŒber die MĂ€chte, die sie heraufbeschworen hatten, war ihnen doch noch nicht vergönnt. Das heißt fĂŒr unsere Pionier-Rakete, daß sie, mit einem Schwarzen Loch vor ihrer Schnauze versehen, die AtmosphĂ€re der Erde innerhalb kĂŒrzester Zeit verlassen hatte und im Orbit, immer noch von dem Schwarzen Loch angezogen, immer schneller und schneller wurde. Bis...ja, bis...?
Das Chaos auf Erden war unvorstellbar. Jeder suchte beim anderen die Fehler, dabei lag der Fehler eindeutig in der Habgier der Menschen. Egal, welcher der oben genannten Personen, alle waren irgendwie auf den eigenen Profit aus gewesen. Und das sollte sich rÀchen. In gewaltiger und nie mehr wiedergutzumachender Weise.

Unsere kleine Rakete flog und flog, immer schneller wurde sie, fast wehleidig beobachtete sie die Erde, wie sie immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwand. Das Schwarze Loch vor ihrer Nase gefiel ihr ĂŒberhaupt nicht, denn es bewirkte etwas mit ihr, das sie sich nicht erklĂ€ren konnte. Klar, daß sie immer schneller wurde, das war ja unĂŒbersehbar, doch irgendwie fĂŒhlte sie sich auch, je schneller sie flog, immer dicker und schwerer und unansehnlicher. Und sie, die Pionier-Rakete, war eine der eitelsten Raketen, die die Menschheit geschaffen hatte. Sie war so um ihr Gewicht besorgt, daß sie ihre offensichtliche Gewichtszunahme kaum verkraftete. Und schneller. Und schneller. Und dicker. Und schwerer. Und dicker.

„Hey! Da hat sich was bewegt!“ In einer kleinen Sternwarte bei MĂŒnchen beobachteten gerade zwei Astronomiestudenten den Nachthimmel. Der eine, Michael, wollte neue Erkenntnisse gewinnen ĂŒber die kĂŒrzlich entdeckte Supernova, die man nahe Alpha Zentauris beobachten konnte. Und da machte er diese im wahrsten Sinne welterschĂŒtternde Entdeckung. „Hast du das auch gesehen, Richard? Da hat sich was bewegt! Alpha Zentauri hat sich bewegt! Ich glaub, ich spinne!“ – „Das glaub ich auch, Michael. Du willst mir doch nicht weismachen, daß sich ein solch gewaltiger Himmelskörper mal so eben ‚bewegt‘. Du hast wirklich ’nen Knall“ – „Nein, so sieh doch selbst!“, und er machte ihm am Teleskop Platz. Und tatsĂ€chlich, Alpha Zentauri bewegte sich. Und mit ihm noch weitere ihm nahen Himmelskörper. Sie alle schienen sich ganz langsam auf einen Punkt hin zu bewegen.
„Mein Gott, was ist das? So etwas habe ich ja noch nie gesehen! Sie bewegen sich. Irgendetwas scheint sie anzuziehen, meinst du nicht auch?“ – „Aber das ist doch absurd!“ Die beiden wurden still. Dann hob Richard wieder an: „Das wĂŒrde ja heißen, daß da ein Schwarzes Loch bestehen wĂŒrde, von dem die ganze Wissenschaft bisher nicht den geringsten Dunst hatte.“ – „Aber anders kann ich mir das nicht erklĂ€ren. Wie sonst lĂ€ĂŸt sich solch eine Masse so schnell bewegen? Ich meine, wir können es schließlich beobachten, nicht wahr!“ – „Ja, da hast du recht, nur...“
Die Erde bebte. Richard fiel von der höhergelegenen Plattform auf den Boden des Planetariums, Michael konnte sich gerade noch festhalten. „Was war das?“, schrie Richard. „Was um alles in der Welt war das?“ – „Wir auch, Richard! Wir auch! Bei Gott, das ist das Ende!“
Und Michael hatte recht, denn auch die Erde bewegte langsam von der Sonne weg, langsam aber bestimmt. Auf einen Punkt im Universum zu. Auf einen sehr eitlen Punkt im Weltall zu. Wie alle anderen Himmelskörper auch.
Nach wenigen Augenblicken war die OberflĂ€che des gesamten Planeten mit einer dicken Eisschicht ĂŒberzogen, alles Leben was ausgelöscht!

Die kleine Pionier-Rakete war ĂŒberhaupt nicht erfreut ĂŒber ihre VerĂ€nderung. Sie schien so dick geworden zu sein, daß sie alles, was sich in ihrer NĂ€he befand, anzog. Und sie wurde immer schneller. Und immer dicker...

Wenige Momente spÀter war das gesamte Universum lebendig geworden. Alles flitzte wie wild umher, und was das wichtigste war...es tat einen gewaltigen Schlag...

An einem Ort zwischen den Wirklichkeiten, einem Ort, der nicht ist, der sich den Wahrnehmungen niederer Lebewesen auf geschickte Art und Weise entzieht, saß ein alter, weißhaariger Mann mit langem Bart vor einer Art Bildschirm, auf dem rote Lettern blinkten. Der Mann fluchte wie wild. „Verdammt, verdammt, verdammt! Schon wieder der selbe Fehler. Mist, wann werde ich denn endlich lernen, diese Dinger mit ein wenig mehr Selbstsucht auszustatten. Verdammt!“
Eine Stimme aus einem der hinteren Zimmer rief dem alten Mann zu: „Ach Schatz, hast du schon wieder verloren? Das ist nun schon das zehnte Mal! Wann wirst du endlich dieses dĂ€mliche Spiel aufgeben! Du schaffst das doch sowieso nie!“ – „Und ob!“, brummelte der alte Mann. „Irgendwann schaffe ich es schon.“
Auf dem Bildschirm blinkten die Buchstaben: ‚GAME OVER! CONTINUE YES? NO?‘ und ein Timer zĂ€hlte von zehn an abwĂ€rts. Der alte Mann, immer noch fluchend, brachte den Cursor auf ‚YES‘ und klickte.
„Schatz, jetzt komm doch endlich ins Bett! Ich vermisse dich!“ – „Gleich, meine Liebe! Ich muß hier nur noch schnell etwas erledigen!“ Die Maschine sagte zu ihm: ‚Gerade noch rechtzeitig! Mit was wollen sie anfangen?‘ Der alte Mann ĂŒberlegte eine Weile und tippte dann langsam aber bestimmt ein: ‚Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde!‘ Danach stand er auf, löschte das Licht und ging ins Bett.

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HM? 2081 soll das passiert werden? Meiner Meinung nach kommt so was alle Tage vor. Das UR knallt kontinuierlich in die RealitĂ€t. Dazu bedarf es keines GOD (war ein Amerikaner, klar, das lesen die gerne!). GOD ist ĂŒbrigens die AbkĂŒrzung von God or Devil. GrĂŒĂŸ Gott, liebe DualitĂ€t. GOD benutzte natĂŒrlich das Programm All-in-one Creator 1.0. Bill Gates Ă€rgert sich bis ans Ende seiner Tage, dass es nicht von seinem Winzigweich-Verein ist. Der Papst hĂ€lt eine Demo-Version davon im Vatikan unter Verschluss. Raubkopiert vom Chef-Inquisitor. Hoffentlich benutzt ers nie: es ist voller Viren. Das werden auch die Jungs aus Teheran merken, wenn sie ihre geklaute Variante testen wollen. Dann, liebe Schöpfung, zieh Dich warm an! Die niedrigste Temperatur ist 0 Grad Kelvin, aber die höchste, die werden wir dann haben. Ach ja, vielleicht ist das die richtige Beschreibung fĂŒr GOD, den Allerhöchsten - Gott ist die höchste Temperatur, die möglich ist. Kein Grund, das jemals auszuschöpfen! Und ĂŒberhaupt: es ist Zeit fĂŒr ein Update! Schreiben wirs!

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