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Leselupe.de > Humor und Satire
Die erste Fahrt
Eingestellt am 23. 11. 2006 15:21


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Raniero
Textablader
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Die erste Fahrt

Hans Werner RosenhĂŒgel stand der Schweiß auf der Stirn, allerdings nicht vor körperlicher Anstrengung oder weil es ihm zu heiß war, sondern aus einem anderen Anlass. Dabei gab es eigentlich genug GrĂŒnde, fĂŒr ihn sich zu freuen; der langersehnte Urlaub stand unmittelbar bevor, eine außerordentliche GeldprĂ€mie war ihm gerade von seinem Betrieb wegen besonderer Leistungen gewĂ€hrt worden und auf der Straße stand das fabrikneue Auto, bereit zur Jungfernfahrt in den sonnigen SĂŒden, wenn ja, wenn nur nicht seine Schwiegermutter vorgestern ihre Meinung geĂ€ndert und ihm freudestrahlend mitgeteilt hĂ€tte, dass sie nun doch mitfahren wolle, mit Hans Werner und seiner Frau Beate, in die Ferien. Lange hatte sie sich geziert, im Vorfeld, die rĂŒstige Ă€ltere Dame, und das Angebot von Tochter und Schwiegersohn abgelehnt, mit der BegrĂŒndung, dass sie nicht stören, nicht zur Last fallen wolle, doch buchstĂ€blich im letzten Moment, als Hans Werner nun nicht mehr damit rechnete, ihren Entschluss revidiert.
Hans Werner war nicht gerade ein Schwiegersohn, wie er im Buche stand, und schon gar nicht der Traum einer jeden Schwiegermutter. Auf der anderen Seite aber hatte er mit der Mutter seiner besten HĂ€lfte keine großen Probleme, verstand er es doch ausgezeichnet, sich die alte Dame mit wohl gezielten Komplimenten und Redensarten so einigermaßen vom Leibe resp. auf Abstand zu halten. Daher hatte er seinerzeit auch verhalten zugestimmt, als seine Frau ihm vorschlug, die Mama, die doch schon seit einigen Jahren als Witwe allein lebte, zumindest einmal mit in den gemeinsamen Urlaub mitzunehmen. ‚Wenn’s denn sein muss’, dachte er lakonisch, ‚die Zeit ĂŒberstehe ich auch noch, da muss man halt durch.’
Gleichwohl kam ihm dann die damalige Absage der Mama nicht ungelegen, doch seiner Frau gegenĂŒber hatte er das natĂŒrlich nicht offen zugegeben und stattdessen diese Absage mit Inbrunst bedauert, aber als Mama nun im letzten Moment ihre Meinung Ă€nderte, störte ihn das schon gewaltig, doch aus einem ganz anderen Grund.
Hans Werner war von Natur aus ein sparsamer, wenn nicht gar knauseriger Mann, und er hatte ursprĂŒnglich die Absicht, mit seinem achtzehn Jahre alten Wagen, seinem guten Gebrauchten, wie er ihn nannte, in Urlaub zu fahren, doch vor zwei Monaten hatte das Vehikel komplett den Geist aufgegeben. Eine Reparatur wĂ€re nach Auskunft der Fachleute vielleicht ein letztes Mal noch möglich gewesen, hĂ€tte aber fast soviel wie ein kleiner Neuwagen verschlungen, und so sah sich Hans Werner auf Druck seiner besseren HĂ€lfte, die endlich einmal pannenfrei am Ziel angelangen wollte, gezwungen, ein neues Auto zu kaufen.
Zum GlĂŒck wurde dieser Wagen noch rechtzeitig einen Tag vor dem Urlaubsantritt geliefert, doch als er diesen beim Autohaus abholte, machte der VerkĂ€ufer einen Scherz, der ihn die ganze Nacht kein Auge zu tun ließ:
„Na, dann viel GlĂŒck mit dem neuen Wagen, Herr RosenhĂŒgel, fahren Sie ihn gut ein. Sie kennen doch die alte Regel?“
Hans Werner kannte sie nicht.
„Na, ja, niemals bei der ersten grĂ¶ĂŸeren Fahrt mit einem Neuwagen die Schwiegermutter mitnehmen, das bringt UnglĂŒck!“
Obwohl Hans Werner RosenhĂŒgel nicht zum Aberglauben neigte, gab ihm die Warnung des AutoverkĂ€ufers zu denken. Und wenn doch etwas daran war, nur ein Körnchen Wahrheit? Die erste grĂ¶ĂŸere Fahrt mit dem neuen Wagen stand bevor, am nĂ€chsten Morgen, und die Schwiegermutter fuhr mit, das war eine Tatsache, an der es nichts zu rĂŒtteln gab. Hans Werner wischte sich den Schweiß von der Stirn. WĂ€hrend der gesamten Heimfahrt vom Autohaus beschĂ€ftigte ihn nur eine Frage:
Wie konnte das drohende UnglĂŒck, an das er selbst nicht einmal so recht glaubte, welches aber im Bereich des Möglichen lag und nicht auszuschließen war, vermieden werden? Zahlreiche Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Sollte er versuchen, die Schwiegermutter zu ĂŒberreden, mit dem Zug zu fahren, vorsichtshalber? Aber mit welcher BegrĂŒndung? Sie wĂŒrde das nicht verstehen und seine Frau ohnehin nicht, und schon wĂ€re nicht nur ein Krach vorprogrammiert, sondern deren gleich zweie. Oder sollte er einfach zwei Fahrkarten besorgen, fĂŒr seine Frau und deren Mutter? Eine BegrĂŒndung hierfĂŒr wĂ€re noch schwieriger, zumal sein Geiz ja den beiden nicht nur bekannt, sondern geradezu sprichwörtlich zu nennen war. Seine Frau wĂŒrde sich an den Kopf fassen, nicht mehr wissen, was fĂŒr einen Mann sie da einstmals geheiratet hat. DarĂŒber hinaus freute sie sich natĂŒrlich auch auf den neuen Wagen und hatte schon angedeutet, eine kleinere Strecke selbst zu fahren.
‚Nein, so ging das nicht’ dachte Hans Werner verzweifelt, ‚eine andere Lösung muss her’ und er sah im Moment nur eine einzige:
Er selbst durfte nicht mitfahren, mit dem neuen Wagen, er mĂŒsste eine leichte Krankheit vortĂ€uschen!
Sollte sie doch ruhig die ganze Strecke zum Urlaubsort selbst fahren, seine bessere HĂ€lfte, und nicht nur eine kleine Teilstrecke; sie konnte ja einige Pausen mehr einlegen, unterwegs. In dem Fall war es ausgeschlossen, das etwas passierte, denn in diesem Fall, bei dieser ersten Fahrt befand sich ja keine Schwiegermutter im neuen Fahrzeug, sondern nur eine Mutter; ihre Mutter.
Die RĂŒckfahrt hingegen, die wĂŒrde er mit dem linken Zeh bewĂ€ltigen, wenn es sein musste, als alter, gewiefter Autofahrer, denn das war ja nun nicht mehr die erste lĂ€ngere, die gefahrvolle Fahrt. Doch wie sollte er seine Frau dazu bringen, dass sie ihn, gesetzt den Fall, sie nahm ihm seine vorgetĂ€uschte Krankheit ab, nicht im Auto mitnehmen sondern stattdessen allein mit dem Zug reisen lasse?
Die rettende Idee nahte auf der Stelle. Er wĂŒrde einen schweren Rheumaanfall vortĂ€uschen; nicht zu schwer, um gar nicht in den Urlaub fahren zu können, aber immerhin noch so, dass er die GerĂ€umigkeit eines Zugabteiles einem engen Sitzplatz im Auto vorzöge. Gesagt, getan.
Beide Frauen waren am nĂ€chsten Tag zwar zunĂ€chst aus dem HĂ€uschen, vor Aufregung und Angst, als sie Hans Werners Rheumaanfall live miterlebten. Sie bedauerten ihn von Herzen, hatten dann aber VerstĂ€ndnis fĂŒr seinen Wunsch, lieber mit dem Zug als mit dem Auto in den Urlaub gefahren zu werden.
„Ach du armer Schatz“, hatte seine bessere HĂ€lfte Mitleid mit ihm, als die beiden Damen ihn zum Bahnsteig begleiteten und gemeinsam mit dem Schaffner in den Zug hoben, ohne GepĂ€ck, versteht sich.
„Schaffst du denn die ganze Strecke allein, MĂ€uschen?“ rief Hans Werner durch das geöffnete Zugfenster.
„Da mach dir keine Sorgen, wir machen ein paar Pausen mehr, und außerdem, das Auto lĂ€sst sich ja viel bequemer zu fahren als die alte Karre.“

Als die beiden Damen außer Sichtweite waren, löste sich Hans Werner aus seiner starren RheumageschĂ€digten Haltung, sehr zur Verwunderung der Mitreisenden, und machte es sich richtig gemĂŒtlich im nur halbvollen Abteil. Sodann fuhr der Zug ab, aber die Fahrt dauerte nicht lange; nur bis zum nĂ€chsten zwanzig Kilometer entfernten Bahnhof. Was war geschehen?
Das Zugpersonal informierte die Reisenden, dass ein spontaner Generalstreik bei der Eisenbahn ausgebrochen sei, im ganzen Land und sogar ĂŒber die Grenzen hinaus, und dieser Streik könne mindestens eine Woche dauern.
„Das darf doch nicht wahr sein!“ schrie Hans Werner verzweifelt, stĂŒrzte aus dem Zug und nahm den Bus nach Hause. Abends rief er seine bessere HĂ€lfte an, im fernen SĂŒden. Beide waren wohlbehalten eingetroffen, am Urlaubsort, ohne besondere Vorkommnisse.

Am nĂ€chsten Tag machte Hans Werner sich auf den Weg, um mit verschiedensten Buslinien ebenfalls zum geplanten Urlaubsort zu gelangen. Als er nach fĂŒnf Tagen schließlich auf diese Weise sein Ziel erreichte, hatte seine Frau zwei Neuigkeiten fĂŒr ihn parat., eine gute und eine schlechte:
„Die schlechte zuerst“, stöhnte er; ihm war nun langsam alles egal.
„Du, Schatz, mit unserem neuen Auto ist etwas nicht in Ordnung.“
„Was heißt, nicht in Ordnung“, wurde Hans Werner misstrauisch.
„Na, ja, nicht in Ordnung ist vielleicht der falsche Ausdruck, man könnte auch sagen, es ist kaputt, das Auto.“
„Was?!“
„Nun, als ich heute mit Mama zum Einkaufen war, in der Stadt, da habe ich wohl vergessen, die Handbremse festzustellen, an einer abschĂŒssigen Straße.“
„Wo steht der Wagen?“ schrie Hans Werner außer sich.
„Das ist eine gute Frage; eigentlich steht der Wagen gar nicht mehr so recht, das kann er auch nicht mehr, denn zu allem Übel ist er beim AbwĂ€rtsrollen direkt vor einer Dampfwalze gelandet. Doch willst du nun die gute Nachricht hören?“
Hans Werner wollte nicht mehr; voller Wut begab er sich in die nĂ€chste Kneipe, um den Frust herunterzuspĂŒlen.
So bekam er auch die gute Nachricht nicht mehr mit, die da lautete:
„Schatz, der Eisenbahnerstreik ist beendet.“

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Arthrys
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ich

finde deinen Beitrag eigentlich gar nicht so schlecht. Wobei sich mir von der Logik her die Frage stellt: Welcher Mann, der sich nach 18(!) Jahren endlich einen Neuwagen kauft, lÀsst sich diesen von seiner Ehefrau einfahren? Ich glaube, du könntest mehr aus dieser Geschichte machen. Da steckt noch so einiges an Potential drin.

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Raniero
Textablader
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Oct 2005

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Nun ja,

zwangslÀufig lÀsst er seine Frau mit dem neuen Wagen fahren, weil er keine andere Möglichkeit sieht, bei dieser ersten Fahrt.
Dank fĂŒr die Anregung hinsichtlich des Potentials in dieser Story.

Gruß Raniero

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