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Leselupe.de > Humor und Satire
Die falsche Entscheidung
Eingestellt am 25. 11. 2009 16:38


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Raniero
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Die falsche Entscheidung

Mit vierunddrei├čig Jahren legte sich Carsten Bugdoll einen so genannten Treppenlift zu.
Eigentlich brauchte er einen solchen Lift gar nicht; war er doch noch jung an Jahren, nicht unsportlich, dar├╝ber hinaus verf├╝gte er gar nicht ├╝ber eine Treppe in seiner ebenerdig gelegenen Wohnung.
Doch nach dem Motto, was man hat, das braucht man sp├Ąter nicht mehr zu erwerben, oder weil ihm die gl├╝ckstrahlenden Gesichter der ├Ąlteren Herrschaften beiderlei Geschlechts so gefielen, die da auf den sch├Ânen farbigen Bildern des Werbeprospektes die Treppen hinauf -und hinunterfuhren, entschied er sich ohne lange ├ťberlegung zu dieser Anschaffung.
Die Entscheidung von Carsten wurde dar├╝ber hinaus durch einen weiteren, g├╝nstigen Aspekt beeinflusst; er lebte allein, als Junggeselle, hatte somit keine Frau an seiner Seite, die ihm hierbei hereinreden konnte und vielleicht gar den Kauf des Treppenlifts torpediert h├Ątte.
Frauen n├Ąmlich, davon war er als Junggeselle ├╝berzeugt, ticken einfach anders, sehen unvermutet irgendwelche Hindernisse und k├Ânnen sich selten spontan zu etwas entschlie├čen.

Als der Treppenlift geliefert wurde, setzten die Handwerker, die ihn montieren wollten, sorgenvolle Mienen auf.
'Warum, zum Teufel', war ihren Gesichtern abzulesen, 'bestellt sich jemand einen Treppenlift f├╝r eine Wohnung ohne Treppe?'
Carsten bemerkte dies sofort und nahm ihnen alle Sorgen ab.
ÔÇ×Lassen Sie mal, ich mache das schon selbst. Sie m├╝ssen wissen, ich bin zwar kein Fachmann wie Sie, doch technisch begabt bin ich wohl doch, ohne Frage.ÔÇť
'Ohne Frage', sagten sich auch die Monteure und stellten daher vorsichtshalber auch keine solche mehr, stattdessen verlie├čen sie mit gemischten Gef├╝hlen, fast fluchtartig, das Haus, sich kurz noch einmal umsehend ob nicht doch irgendwo eine Treppe versteckt sein k├Ânnte.
Carsten Bugdoll aber betrachtete l├Ąngere Zeit seine neue technische Errungenschaft; wohl oder ├╝bel sah er ein, dass es doch einen recht merkw├╝rdigen Eindruck machte, so ein Treppenlift, so ganz ohne Funktion, mangels Treppe.
Auch konnte er sich nicht des Gef├╝hls erwehren, als blicke dieser leblose Lift ihn an, als wolle er ihm etwas Wichtiges mitteilen.
Da diese Mitteilung jedoch ausblieb und Carsten auch auf keine andere Weise mit dem Lift in Kommunikation treten konnte, entschied er sich schweren Herzens, den Treppenlift erst einmal umzubauen, dass hei├čt, die Vertikalfunktion des Ger├Ątes in das Gegenteil, die Horizontalfunktion umzur├╝sten.
Als geschickter Handwerker verstand Carsten etwas davon, und nachdem er damit fertig war, verlegte er Schienen in der gesamten Wohnung, auf denen der Lift nun bewegt werden konnte, wie eine ├╝berdimensionale elektrische Eisenbahn.
Carsten war mit seinem Werk sehr zufrieden.
Nun konnte er quasi jeden Winkel seiner Wohnung mit dem Lift erreichen, was sich als ├Ąu├čerst komfortabel erwies vor allem nach ├╝berm├Ą├čigem Alkoholgenuss, und Carsten machte von nun an eifrig Gebrauch davon.
Obwohl oder eben weil Carsten Bugdoll Junggeselle war, vernachl├Ąssigte er nicht den Kontakt zu weiblichen Wesen seiner Altersgruppe, im Gegenteil, er pflegte er h├Ąufigen Umgang mit ihnen, aber sein Unterbewusstsein riet ihm ab, die Frauen mit in seine Wohnung zu nehmen, vielleicht hatte die eine oder andere doch an seinem sch├Ânen Treppenlift, der nun keiner mehr war, etwas auszusetzen.
Irgendwann aber lernte er die Eine kennen, von der man landl├Ąufig sagt, die oder keine, und eines Tages, nach l├Ąngerem Z├Âgern, schleppte Carsten sie mit nach hause.
Zuvor hatten sie einen gem├╝tlichen Abend verbracht, in einem erstklassigen Restaurant, und als es danach wieder mal hie├č, zu mir oder zu dir, bestand die Neue darauf, endlich mal Carstens Wohnung kennen zu lernen.
Man k├Ânnte glauben, du hast eine Leiche im Keller, hatte sie ihm schon des ├ľfteren scherzhaft gedroht.
Doch Carsten hatte gar keinen Keller, und was noch schlimmer war, nicht einmal eine Kellertreppe, daheim, und als seine neue Freundin das gewahr wurde und sich stattdessen mit einer riesigen elektrischen Eisenbahn konfrontiert sah, die durch die ganze Bude fuhr, da verlie├č sie auf dem Absatz die Wohnung und ward nie mehr gesehen, sooft Carsten ihr auch telefonisch hinterher weinte.
Doch wie es so zugeht, auf diesem Erdenrund, man sollte niemals nie sagen, und nach dem Grundsatz, jedes T├Âpfchen findet sein Deckelchen, fand auch Carsten irgendwann doch noch seine Frau f├╝r's Leben.
Eine Frau namens Marita, mit enormem Humor, den brauchte sie wohl auch, f├╝r seine au├čergew├Âhnliche Marotte, doch sie nahm diese sogar von der positiven Seite, indem sie mit der Eisenbahn staubsaugend durch die ganze Wohnung fuhr.

Eines Tages aber stellten Carsten und Marita fest, dass sie alt geworden waren; die Tatsache an sich war nicht so au├čergew├Âhnlich, denn dieses Los teilten sie mit vielen. Doch zeitgleich mit diesem Altwerden standen sie vor dem Problem, sich eine neue Wohnung suchen zu m├╝ssen, da der Vermieter auf Eigenbedarf dr├Ąngte. An ein Altersheim oder auch nur eine altersgerechte Wohnung verschwendeten sie keinen Gedanken, denn so alt f├╝hlten sie sich nun auch nicht.

Nach nicht allzu langem Suchen fanden sie eine neue Bleibe, eine sch├Âne kleine Wohnung ├╝ber zwei Etagen, in einem Viertel, das ihnen sehr zusagte. Um nicht wieder vor der Situation zu stehen, auch diese wegen Eigenbedarfs einmal verlassen zu m├╝ssen, kratzen sie ihre Ersparnisse zusammen und kauften die Wohnung.
Jubelnd zogen sie ein, und es gelang Carsten sogar, seine Marita ├╝ber die Schwelle zu tragen.
Sodann begab er sich ans Werk, der betagte Handwerker, seinem Treppenlift die alte, daf├╝r bestimmte Funktion wiederzugeben, doch der Lift wollte nicht mehr so recht. Was Carsten auch mit ihm anstellte, er lie├č sich nicht mehr umbauen und zum guten Schluss selbst nicht einmal mehr als Eisenbahn nutzen.
Einen neuen Treppenlift konnten sie sich nicht leisten, die Ersparnisse waren verbraucht, und nun tr├Ągt der achtundachtzigj├Ąhrige Carsten schon seit f├╝nfzehn Jahren seine zwei Jahre j├╝ngere Gemahlin die Treppe rauf und runter; ein Ende ist nicht abzusehen, und manchmal fragt Carsten sich allen Ernstes, ob er vielleicht damals wohl die falsche Entscheidung getroffen hat.

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