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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die grüne Tomate.
Eingestellt am 08. 10. 2002 13:40


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tirasrapkeve
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2001

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Die grüne Tomate.
Es war einmal eine kleine, kaum sichtbare Pflanze. Eine Tomatenpflanze, die gerade erst aus dem Boden entsprungen war und ihre ersten Blätter der Welt entgegen streckte. Sie wuchs nur langsam in diesen ersten Tagen ihres Lebens, so wie auch die vielen anderen Tomatenpflanzen in dem Beet, dicht neben dem Haus des Gärtners. Doch die wenigen kalten Tage des Frühlings waren überstanden und die Sonne, die immer stärker wurde durchflutete nun mit aller Macht den Garten.
So sehr freute sich die kleine Tomate über den kommenden Sommer und die warmen Tage, dass sie voller Lebenslust unaufhaltsam in die Höhe schoß. Immer größer wurde ihr Stengel und ihre saftigen Blätter. Sie war furchtbar stolz auf ihre wunderschöne Gestalt und ihre imposante Erscheinung, die von Tag zu Tag immer imposanter wurde. Sie tat ja auch sehr viel dafür. Sie sog mit ihren Wurzeln nur das tiefe nahrhafte Wasser und sammelte jeden Morgen den Tau von ihren Blättern, der besonders gut für ihren Halt sein sollte, hatte sie zumindest einmal eine Rose sagen hören. Und sie schützte sich vor allzu starker Sonne, in dem sie sich tagsüber etwas nach links hinter die Mauer beugte. Und des Nachts labte sie sich an der gespeicherten Wärme eben dieser Mauer. So wuchs die einst so kleine Tomate unaufhaltsam in sehr große Höhe und hatte nur ein Ziel, die größte und die schönste Tomate in dem ganzen Beet, ach was, die schönste und größte Pflanze in dem ganzen Garten zu werden. Und als sie es sich recht überlegte, wollte sie eigentlich die größte Pflanze werden, die je ein Mensch zuvor gesehen hatte.
Der Sommer verging und unsere kleine Tomate wurde tatsächlich immer größer und wuchs zu einer wahren Pracht heran. Nachdem sie die größte Tomatenpflanze in ihrem Beet wurde, wurde sie auch die höchste Pflanze in dem gesamten Garten, und Menschen, die den Gärtner besuchten sagten ohne übertreiben zu müssen, dass sie noch nie eine so prächtige Tomatenpflanze gesehen hätten. Sie hatte ganz enorme Blätter und jedes davon war makellos und wunderschön anzuschauen. Immer mehr Menschen kamen und bestaunten diese besondere Tomate, und ihr Besitzer war sehr stolz und freute sich mit ihnen. Auch die Pflanzen ringsherum staunten nicht schlecht, wie groß und schön die Tomate geworden war. Nur der alte Kirschbaum, der gerade blühte, schüttelte nachdenklich seine Zweige, was die grüne Tomate überhaupt nicht verstand. „Warum schüttelst du deine Zweige?“, fragte sie deshalb den Kirschbaum.
„Du bist so groß geworden kleine Tomate. Aber du solltest nicht so groß sein. Du solltest nicht so viel deiner kostbaren Kraft verschwenden.“ - „Was soll das heißen, ich verschwende meine Kraft?“, erwiderte die Tomate gereizt. „Ich will groß sein. Ich will keine kleine Tomate bleiben. All die anderen Pflanzen und selbst die Menschen bewundern mich und meine Pracht. Siehst du nicht wie sie mich anschauen, so voller Bewunderung und Achtung. Sie sprechen über mich und nicht über dich knorrigen alten Baum. Also lass mich in Ruhe mit deiner Meinung.“ Beleidigt wand sich die Tomate von dem Kirschbaum ab und drehte ihre Blätter wieder wohlgeordnet vorsichtig in die Sonne.
So lebte sie nun, unsere eitel gewordene Tomate den ganzen Sommer lang sorgenfrei in den Tag hinein. Sie sonnte sich in ihrer eigenen Schönheit und beachtete den Kirschbaum überhaupt nicht mehr.
Der Sommer verging und unsere Tomate fand nun nicht mehr soviel Wärme an der Mauer neben ihr. Auch wurden die Tage immer kühler und unangenehm kurz, so dass immer weniger Menschen in den Garten kamen und sie bewundern konnten. Die nun große grüne Tomate sah dies mit Schrecken und erinnerte sich plötzlich wofür sie eigentlich geschaffen war und wofür all diese grünen Blätter an diesem saftigen Stengel dienen sollte. Sie erinnerte sich daran, dass sie ja eigentlich eine Tomatenpflanze war und dass an Tomatenpflanzen in der Regel Tomaten wuchsen. Also nahm sie all ihre Kräfte zusammen, und glaubt mir, jetzt ohne die Macht der wärmenden Sonne war das gar nicht so einfach, und schaffte es schließlich doch eine Blüte hervorzubringen, nur eine einzige, doch sollte daraus einmal eine Frucht werden. Sie legte all ihre Hoffnungen in diese Blüte. Aber sie war klein und gemessen an der Größe der Tomate geradezu winzig. So sehr sie sich nun auch bemühte, sie brachte keine weitere Blüte mehr hervor und auch die eine, die sie hatte, wurde nicht mehr größer. Als sie besorgt zum Kirschbaum blickt, konnte dieser nur ratlos mit den Zweigen schütteln.
Am nächsten Tag kam der Gärtner an das Beet und pflückte von all den anderen Pflanzen saftige und pralle Tomaten von ihren Stauden. Er freute sich sehr über diese reiche Ernte und bald hatte er seinen Korb fasst voll, noch ein paar rote Tomaten legte er hinzu, als sein Blick auf unsere große und prächtige Tomatenpflanze fiel. Sie war mit Abstand die größte und mächtigste unter all den Tomatenpflanzen, aber nur eine einzige winzige Blüte verwelkte an ihrem langen Stengel. Kurzerhand riss der Gärtner unsere Tomatenpflanze aus dem Boden und schüttelte enttäuscht den Kopf. „Was für eine Verschwendung. Nicht eine einzige Tomate hat sie hervorgebracht.“ Dann ging er zu dem Misthaufen hinter das Haus und warf die so nutzlos gewordene Tomatenpflanze in die hintere Ecke, wo sie in wenigen Stunden endgültig verwelkte.

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flammarion
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ick

kieke, staune, wunder mir - du hier? freut mich, daß du mal wieder zeit für die lupe hast. nette geschichte, aber was willste mit ihr sagen? fragend guckt
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tirasrapkeve
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Hallo Christa,
Schön Dich hier zu sehen. Was ich damit sagen will ist folgendes:
So viel Zeit verschwenden wir für das Streben nach Oberflächlichkeiten, auf der Jagd nach dem perfekten äußeren Schein. Soviel Kraft ist dafür notwendig und soviel Energie. Doch das Leben ist kurz, wie ein Sommer, dem schon bald die wärmende Macht der Sonne fehlt. Dann schwinden die Kräfte, große Dinge zu vollbringen. Dann fragen wir uns, was haben wir geleistet in dieser Zeit, wieviel "Tomaten haben wir vollbracht", und wofür haben wir uns entschieden, unser Leben zu verwenden.

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