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Leselupe.de > Ungereimtes
Die haltbaren Dinge
Eingestellt am 05. 09. 2003 10:52


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Penelopeia
AutorenanwÀrter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
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Große und haltbare Dinge haben die Menschen erschaffen:
Starke Staaten mit sicheren Grenzen und willigen Söldnern,
funktionierenden Verwaltungen und pĂŒnktlicher MĂŒllabfuhr,
langsam erliegend nur eigenem GrĂ¶ĂŸenwahn, SelbstĂŒberschĂ€tzung...

Ewige StÀdte mit Thermen, PalÀsten und Foren erstanden
durch der Menschen HÀnde und ihrer Köpfe planenden Weitblick,
an stille Ufer, an BerghÀnge gebaut und in fruchtbare Ebenen,
langsam nur bröckelnd und sterbend, versinkend im Sand der Geschichte...

Und draußen, weit vor den ewigen StĂ€dten, auf lieblichen HĂŒgeln
bauten die Menschen sich prÀchtige Schlösser und wehrhafte Burgen,
schichteten Steine zu Mauern und dichteten MĂ€rchen von Hexen und
schönen Jungfern, die meist weit ĂŒberdauerten die SchloßgĂ€rten...

Auch hohe TĂŒrme aus Stahl und aus Glas bauten die Menschen fĂŒr sich,
Ausdruck sollten sie sein ihres Stolzes und ihrer Phantasie,
gedacht als Produkt in der Regel wohl ohne FĂ€lligkeitsdatum:
leider nun weichen die Glaubensfundamente, die sicher schienen...

Eindrucksvoll haltbar natĂŒrlich sind alle die anderen Dinge,
von den großbogigen, sehr langsam rostenden BrĂŒcken
weithin berĂŒhmter GroßstĂ€dte ĂŒber den Schrott von Raketen in Steppen
bis hin zu nicht verrottenden Pampers in SondermĂŒlllagern...

Haltbar sind all diese Dinge, doch die Menschen, sie können
trösten sich: die stÀrksten Staaten werden auflösen sich einmal,
sicherste Grenzen dereinst und sehr sicher sichtbar nicht mehr sein.
UnpĂŒnktlichkeit wird sich der MĂŒllabfuhr bemĂ€cht'gen...

Von all den ewigen StÀdten, da werden am Schlusse nur Ahnungen
bleiben, von prÀchtigen Thermen und BÀdern nicht mal eine Fliese;
Die Foren, sie werden dereinst nur von Stille, PalĂ€ste von Ödnis beherrscht,
Schlösser und Burgen oft leben nur noch in MÀrchen...

Tröstet euch, Menschen, auch ob der stĂŒrzenden Stahl- und GlastĂŒrme,
ob der rostenden BrĂŒcken und rottenden Raketenstufen:
Irgendwann wird auch die letzte verschissene Windel zerfallen
und in den Tiefen des MĂŒllbergs als fruchtbarer Humus aufleben...

Tröstet euch also, ihr Macher von haltbaren Werken und Dingen,
daß euch gegeben die Gnade der zeitlich begrenzten Haltbarkeit
glĂŒcklicherweise fĂŒr diesen Teil euerer Eigenschöpfungen:
Habt ihr doch damit die Möglichkeit, bessere folgen zu lassen.

Doch denkt auch an eure ĂŒbrigen Schöpfungen, die Dinge, die ihr
einander getan: das LÀcheln, das freundlich ihr lÀcheltet, das nun
bleibt in der Welt, wie auch bleiben die LĂŒge, Betrug, Verrat, Folter,
Totschlag und alle die anderen Taten, die Menschen je getan...

Keine Gemeinheit wird, auch nicht die kleinste, jemals aufgehoben,
keines der Haßworte in das Maul des Hassers ganz zurĂŒckfahren,
kein Mord an Unschuld'gen wird je gesĂŒhnt werden können vom TĂ€ter,
und auch die Schreie der GequÀlten werden nie, niemals verstummen...

All diese Taten und Werke von Menschen, die guten und bösen,
die sie getan sich einander, sie bleiben bis zum Ende der Zeit,
rosten noch rotten noch fallen anheim dem Vergessen, unmöglich
völlig, zu bringen die, mit bestem Willen selbst, von dieser Erde...

(Höchstens aufwiegen noch ließe sich eines mit dem and'ren vielleicht:
aber wo gibt es die Waage, die derart Ungleiches könnt' wiegen,
wo noch den Richter, der seinen Mut nicht verlör' und seinen Glauben
an den Sinn und Zweck, an den Nutzen solch irrwitz'gen Vergleichs...)

Sie werden wachsen, die Berge aus Haß und der Niedertracht Meere,
sie werden wachsen riesig neben winzigen Tröpfchen aus LÀcheln,
aus Liebe, UneigennĂŒtzigkeit und and'rem ÜberflĂŒssigen,
welches nicht wesentlich zu sein scheint fĂŒr die Art Mensch, die wir kennen...

Möglicherweise passiert es den Menschen, daß sie versinken im
SondermĂŒll ihrer artgemĂ€ĂŸ-abartigen Verhaltensweisen,
daß sie ersticken ganz elend in Bergen von seelischem GiftmĂŒll
oder ersaufen in Meeren von Niedertracht, Wut und Gemeinheit...

Möglicherweise jedoch wĂ€chst das Gras des Vergessens darĂŒber,
deckend das Gift ihrer Herzen und entmenschten Seelen, den Abfall
all ihrer wĂŒtenden Worte, Affekte und gemeinen Taten,
wĂ€chst und lĂ€ĂŸt hoffen auf die Möglichkeit eines dauernden Friedens.

Leider nur ist diese Hoffnung ein irriger Glaube des Wahnsinns:
Auf reißt einmal die dĂŒnne Grasnarbe, vulkangleich spritzen die Gifte
hoch in die Zeit, in die Stuben von Redaktionen, Verlagen,
tief in den Geist all der Feuilletonisten und Interpretierer...

Auf reißt dĂŒnn deckende Haut und schnell fliegen böse Gedanken
bis in die Köpfe der Menschen, der Völker, Erinn'rungen wachsen,
meistens die schlechten am schnellsten, daß neuer Haß nebelt die Blicke,
aus setzt das Denken, die Vernunft erhÀlt einen Verweis vom Platze...

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