Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92228
Momentan online:
346 Gäste und 23 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die kleine Flasche
Eingestellt am 19. 06. 2002 16:51


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
ibini
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 45
Kommentare: 188
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Sie stand im Supermarkt am Ende der Stra├če. In dem Regal gleich neben der Eingangst├╝r ganz oben. So konnte sie gut beobachten, was sich in dem Laden tat, wer aus und ein ging, wer mit wem sprach. Sie kriegte mit, wenn sich die Frau an der Kasse vertippte und bemerkte, wie der junge Mann mit der roten Schirmm├╝tze eine Tafel Schokolade heimlich in seiner Tasche verschwinden lie├č. Sie wu├čte in ihrem Reich genau Bescheid. Denn sie sah alles, ohne selbst gesehen zu werden: die kleine gr├╝nliche Glasflasche mit dem beinahe kunstvoll geschwungenen Bauch. Mehrere Monate war sie schon da. Leer, wie vergessen. Was um sie herum lagerte, war inzwischen verschiedene Male ausgewechselt worden. Die Flasche beachtete keiner. Auf diese Weise konnte sie ein ├Ąu├čerst geruhsames Leben f├╝hren.

Das ├Ąnderte sich, als der Supermarkt einen neuen Leiter bekam. Dessen Blick fiel sofort auf die kleine Flasche. Sie vom Regal zu nehmen und ÔÇô nach kurzem Stirnrunzeln ÔÇô in den M├╝llcontainer zu werfen, war eins. Und die kleine Flasche checkte das gar nicht. Denn sie schlief gerade und tr├Ąumte von einem Paradies, zu dem nur ihre Schwestern und Br├╝der Zugang hatten. Erst das f├╝r sie ungewohnte Ger├╝ttle und Gesch├╝ttle, Geholpere und Gepoltere ri├č sie aus ihren Phantasien. Als sie zu sich gekommen war, fand sie sich auf einer riesigen M├╝lldeponie wieder. Bis sie begriffen hatte, dauerte es geraume Zeit. Um so gr├Â├čer war dann allerdings die Ern├╝chterung. Die zun├Ąchst flie├čenden Tr├Ąnen fanden kein Mitleid. Im Gegenteil! Alles in ihrer Umgebung ÔÇô von der zerbeulten Blechdose bis hin zum angefaulten Apfel ÔÇô lachte und am├╝sierte sich ├╝ber sie und sprach nur noch von ÔÇ×der FlascheÔÇť. Lediglich ein winziger Wurm hatte Mitleid mit ihr und versuchte, sie zu tr├Âsten.

So ging es etliche Tage bei Wind und Wetter. Tags├╝ber war es unertr├Ąglich warm, des Nachts unverh├Ąltnism├Ą├čig kalt. Und immer wieder Regen und Regen. Der kleinen Flasche machten diese ├Ąu├čeren Bedingen nat├╝rlich besonders zu schaffen. Denn ihr Leben war bisher in gro├čer Sauberkeit und unter idealen klimatischen Bedingungen abgelaufen. Da├č sie damit in den Augen ihrer ÔÇ×LeidensgenossenÔÇť etwas Besseres war, bekam sie st├Ąndig zu sp├╝ren. Vor allem, als die kleine Flasche krank wurde, half ihr au├čer dem W├╝rmchen niemand. Zum Gl├╝ck war es nur eine Grippe, von der sich die kleine Flasche bald erholte.

Inzwischen waren ein paar Wochen verstrichen. Die kleine Flasche hatte sich schon fast mit ihrem Schicksal abgefunden. Da tauchte eines Morgens ein M├╝llsammler auf. Die kleine Flasche sah er sofort. Und er erkannte, da├č sie ihm einige Cents einbringen k├Ânnte. Er lud sie deshalb auf sein schon ziemlich volles Handw├Ągelchen, um zu versuchen, sie auf dem nahen Markt an den Mann zu bringen. Doch das Schicksal hatte bereits entschieden. Der M├╝llsammler hatte kaum die ersten H├Ąuser der Stadt erreicht, als ihm zwei ├Ąltere Frauen entgegenkamen. Ihr Aussehen zeigte, da├č sie aus besseren Kreisen stammten. Als die eine die kleine Flasche erblickte, meinte sie spontan: ÔÇ×Oh, was f├╝r ein h├╝bsches Fl├Ąschchen! Genau so, wie ich es schon lange suche!ÔÇť Schnell war man sich handelseinig. Und f├╝r einen Euro wechselte die kleine Flasche ihren Besitzer.

Heute ziert sie den Eingangstrakt einer Villa, dem Zuhause derer, denen auch der Supermarkt der Stadt geh├Ârt. Die kleine gr├╝nliche Glasflasche steht etwas erh├Âht gleich neben der Eingangst├╝r. So kann sie gut sehen, wer alles aus und ein geht, was sich in ihrem neuen Reich tut. Und in ihrem beinahe kunstvoll geschwungenen Bauch hat auch der winzige Wurm eine Heimat gefunden!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
soso,

und wovon lebt der wurm da? oder ist er jetzt auch zierat? brrr.
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


ibini
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 45
Kommentare: 188
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo flammarion,
ÔÇŽ von was lebt der Sonnenstrahl, der die Rose in ihrem tiefsten Rot erbl├╝hen, die Phantasie, die ein Kind dem Zauber des Paradieses erliegen oder das Wort, das im Rausch der Liebe ein Herz schneller schlagen l├Ą├čt? Warum fragen, wo der Tag beginnt oder die Nacht endet, wenn ein Stern den Weg weist? Nur ein Hauch das Leben in der Unendlichkeit der Gedanken!

Mit Gru├č
ibini

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
na,

das hab ich mir gedacht, da├č so ne antwort kommt. dummerweise kann ich an einem wurm nichts romantisches entdecken, jedenfalls an diesem nicht. lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


ibini
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 45
Kommentare: 188
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo flammarion,

ÔÇŽ nichts Romantisches entdecken! Das liegt an dem Bild, das Du Dir geschaffen hast! Es handelt sich n├Ąmlich um keinen Wurm schlechthin, etwa von der Statur eines Regenwurms, also kein Brrrr, sondern um einen winzigen Wurm, wie mehrfach gesagt. Selbst diesen braucht man aber nicht romantisch, man kann ihn durchaus auch rational-n├╝chtern betrachten. Es w├Ąre dann ein W├╝rmeling. Der war einmal unser Familienminister. Und er lebt, wenn er noch leben w├╝rde (ich glaube jedenfalls, da├č er nicht mehr auf Erden weilt), unter anderem von seiner Pension, um Deine urspr├╝ngliche Frage zu beantworten.

Sorry, ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, das sollte ein Witz sein. Das mache ich nie wieder! Echt versprochen!!!

Mit Gru├č
ibini

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ei,

was sollte ein witz sein? die sache mit dem minister oder deine geschichte? und mach ruhig witze, deine scheinen mir harmlos und liebenswert. nee, ich kann mich mit dem wurm nicht anfreunden, weil du ihm zu wenige adjektive gegeben hast, ebenso der kleinen flasche. mir fehlt schlichtweg das salz an der suppe bei deiner geschichte. schlecht ist sie nicht! lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!