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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die kleine Hexe Susi
Eingestellt am 13. 11. 2014 13:56


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Claus Thor
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2012

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Die kleine Hexe Susi
„Gefangen im Dunkeln“

„Jetzt sitze ich in der Falle“, dachte die kleine Hexe und schaute die steile Holztreppe hinunter. Sie konnte kaum etwas erkennen im diffusen Licht. Sie stellte ihren Besen auf die zweite Stufe, und den Stiel lehnte sie an die rechte Wand. Die kleine Hexe versuchte die TĂŒr, die hinter ihr zu gefallen war, aufzudrĂŒcken. Es gelang ihr nicht. Ein GerĂ€usch ließ das MĂ€dchen herumfahren. Das Licht erlosch. Furcht kroch ihr in die dĂŒnnen Knie und sie begann zu schlottern: „WĂ€re sie doch direkt nach Hause gelaufen“, dachte die kleine Hexe, aber fĂŒr Reue war es jetzt zu spĂ€t.
Sie setzte sich auf die obere Stufe und die Tasche mit den SĂŒĂŸigkeiten raschelte. Sie fror. Susi dachte: „Wie bin ich nur in dieses Schlammassel geraten? Verdammt!“
Sie war mit Didi, dem kleinen Vampir und mit Marlis, die das Schlossgespenst war, unterwegs. Die Ausbeute war gut. Sie teilten die SĂŒĂŸigkeiten und wollten nach Hause.
Unterwegs begegneten der kleinen Hexe Zombies, KnochenmĂ€nner, KĂŒrbismonster und andere Kreaturen der Nacht. Sie marschierten in GrĂŒppchen oder, wie sie, alleine.
Es war schon dunkel und die HĂ€user und GĂ€rten an denen sie vorbei kam, waren von flackernden Lichtern, die in grinsenden Totenköpfen und in ausgehöhlten KĂŒrbisschĂ€deln steckten, erleuchtet.
Das rothaarige MĂ€dchen trĂ€llerte das Lied mit dem sie die Erwachsenen zur Herausgabe der sĂŒĂŸen Sachen nötigte. Sie trug ein lila Kleid ĂŒber der roten Schlaghose, aus der sie lĂ€ngst gewachsen war. Das Kleid hatte ihre Mutter mit gelben Flicken versehen, und den Saum zackig ausgeschnitten.
Susi hatte das alte Haus gesehen, das etwas abseits gelegen und hinter zwei mÀchtigen KastanienbÀumen verborgen war.
Sie wusste dort wohnte Frau Mechthild. Die Leute erzĂ€hlten seltsames ĂŒber ihr Haus; aber Susi, die die alte Dame oft im Garten gesehen hatte, wollte irgendwann mal vorbeischauen.
Die Dekoration des GebĂ€udes war eine originelle Hingucke: zwei Reisig- Besen mit Vogelscheuchen- PĂ€rchen, hĂŒbsch detailliert; Papier und KĂŒrbislaternen und Kerzengeister. Die TĂŒr war nur angelehnt - sie folgte einem GerĂ€usch - und nun saß die kleine, neugierige Hexe im Dunkeln und fummelte nervös an ihren FreundschaftsbĂ€nder aus Scoubidou FlechtschnĂŒre.
Etwas schlich sich dort unten in der SchwĂ€rze herum. Sie hatte das GefĂŒhl beobachtet zu werden. Eine eisige Hand, so schien es ihr, krabbelte wie eine Spinne zwischen ihren Schultern. Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Sie versuchte die Finsternis mit ihren Augen zu durch stoßen... da, ganz nahe spĂŒrte sie eine Bewegung... oder war es nur Einbildung? Sie atmete flach, und erhob sich langsam mit schlotternden Beinen. „Das Feuerzeug!“, schoss es Susi durch den Kopf. „Ich habe es im Forstweg gefunden.“
Im flackernden Schein der Gasflamme stieg sie mutig die Stufen hinab. Der Lichtkreis riss kleine, wabernde Löcher in das Dunkel. Rechts war die Wand, links und vorn öffnete sich der niedrige Raum. Susi wandte sich nach links. Kartons, Kisten und ein alter Puppenwagen mit Krimskrams vollgestopft; eine Stehlampe, dessen Schirm mit Spinnenweben an die Decke geheftet schien. Ein alter Schrank voll Nippes, ein Regal... sie sah die Finger einer bleichen Hand und erschrak... das Feuerzeug fiel ihr im gleichen Augenblick aus der Hand, als etwas auf sie zu flog, ein krÀchzender Ton schwebte durch die Finsternis, die das lÀcherlich kleine Feuerzeuglicht verschlang.

Die kleine Hexe schrie, als wĂ€re es das Letzte, was je aus ihr ertönen wĂŒrde. Dann wurde sie von etwas schwerem, weichen an die Brust getroffen und fiel um.
Ein großer Lichtfinger zitterte durch den Raum und blieb auf das MĂ€dchen haften. Eine alte, aber freundliche Stimme sagte: „Kind, was machst du hier im Keller? Wie bist du herein gekommen? Ach, komm erst mal mit nach oben, dort werde ich dir etwas Warmes zu trinken geben und schauen, ob dir nichts geschehen ist. Na so was, Balthasar, du musst doch kleine Hexen nicht so erschrecken.“
Susi folgte zitternd Frau Mechthild. Sie sah die Schaufensterpuppe am Schrank gelehnt, und die Katze, und dachte: “Nie wieder werde ich ungebeten ein fremdes Haus betreten.“


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