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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die kleine Kneipe
Eingestellt am 08. 04. 2013 13:26


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Dietmar Cäsar
Hobbydichter
Registriert: Apr 2013

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Die Kripo nahm die Personalien auf. Die zwei Opfer waren bereits in den Leichensäcken verschwunden. Streifenpolizisten hatten Mühe die Schaulustigen zurückzudrängen. Reporter machten unablässig Fotos.
Die Kleinstadt lag im ländlichen Raum. Die Menschen waren mit ihrem Leben durchaus zufrieden. Quertreiber oder vielleicht ein paar unzufriedene Außenseiter gab es natürlich auch. Diese Personen fielen nicht weiter ins Gewicht. Arbeit war durchaus ausreichend vorhanden. Das Industriegebiet befand sich in einer Senke vor der Stadt. Zwei Kilometer konnten es von dort bis zum Stadtzentrum vielleicht sein, aber nicht mehr. Eine Großschlachterei und Handwerksbetriebe hatten sich hier niedergelassen. In der Stadt befanden sich noch drei Discounter und verschiedene andere Geschäfte.
Die Gastronomie bestand aus vier Gaststätten, drei Restaurants und einem Bordell, das sich außerhalb der Stadt befand. Eine beschauliche Kleinstadt, wie es Tausende in Deutschland gab. Die kleine Kneipe befand sich in einem hübschen Fachwerkhaus, auf dem Marktplatz, direkt neben der Kirche. Hier an diesem Ort hatte sich etwas abgespielt, was wohl keiner der Einwohner dieser Kleinstadt, so für möglich gehalten hätte.
Verlässt man die Kleinstadt in nordöstlicher Richtung, kam man kurz hinter dem Ortsschild, an vier kleinen Schrebergärten vorbei.
Er war gerade dabei, die Tür seines Gartenhäuschens abzuschließen. Hans Meißner wollte nach Hause. Traudel hatte bestimmt schon Kaffee aufgesetzt und er mochte sie nicht warten lassen. Sein rechtes Bein zog er nach, als er zu seinem Fahrrad ging, es war an den Gartenzaun gelehnt.
Hans Meißner war erwerbsunfähig. Die Rente, von der man mehr schlecht als recht leben konnte, war ihm, vor vier Jahren zugesprochen worden.
Es war nicht einfach für ihn, überhaupt noch auf ein Rad zu steigen. Die Schmerzen waren kaum zu ertragen. Sein Hausarzt hatte ihm Pillen verschrieben, die waren jedoch so stark, dass Hans immer müde war, wenn er sie eingenommen hatte. Das Fahrrad schob er bis zur Straße, weil auf dem harten Asphalt konnte Hans Meißner besser aufsteigen. Das Schwierigste war, erst einmal ins Rollen zu kommen, hatte er es geschafft, erst mal eine gewisse Geschwindigkeit zu erreichen, dann verlor der Schmerz wenigstens einen Teil seines Schreckens.
Traudel lebte mit Hans zusammen in einer Zweizimmerwohnung. Die Wohnung war nichts Besonderes, aber gemütlich eingerichtet. Die Geräusche, die Traudl von unten hörte, verrieten ihr etwas. Der Hans war mit seinem Fahrrad nach Hause gekommen. Sie freute sich immer auf ihre gemeinsame Zeit, weil wenn sie so nachdachte, dann hatte sie nur den Hans. Sie hörte das dumpfe Geräusch, als unten die Haustür ins Türschloss fiel.
Er musste sich im Treppenhaus von Stufe zu Stufe bis in den ersten Stock hocharbeiten. Traudel kam früher immer, um ihm zu helfen. Das mochte der Hans aber nicht, er hatte sie gebeten, das sein zu lassen. Er war halt ein Sturkopf und nicht immer gerecht, auch nicht zu Traudel.
Die Tür ihrer gemeinsamen Wohnung kam endlich in Sichtweite. Der Schmerz übermannte ihn fast, aber Hans hatte gelernt sich zusammenzureißen, das konnte er. Der Schweiß rann in Strömen, er stöhnte laut und drückte endlich auf den Klingelknopf. Traudel hatte ihren Kopf so verdreht, dass sie seitlich ihr Ohr an die hölzerne Wohnungstür drücken konnte, um zu lauschen. Sie schaute jetzt durch den Türspion, um festzustellen, ob denn der Hans schon oben angekommen war. Der schrille Ton der Klingel ließ sie aufschrecken. -War er das vielleicht schon? -Das ging aber schneller wie gewöhnlich. Sie öffnete ihm die Tür.
„Ist kühl geworden, wird wohl bald Herbst“. „Na ja!“ „Wir haben schließlich fast Oktober, da kann es schon, ab und an, kühler werden“, antwortete Traudel. „Komm erst mal in die Küche, ich habe uns vom Bäcker noch Hefeteilchen geholt, Hans“. „Ich muss mir noch die Hände waschen“. „Gleich ja Traudl“. Sie drehte sich um, ging ein paar Schritte, um kurz danach in der Küche zu verschwinden.

Die Kreditvergabe

Die Sparkasse hatte eine Fassade, die mit Kupferplatten verkleidet war. Der Mann sah nicht gut aus. Warum sah er nicht gut aus dieser Willi Zelk? Nun, seine Frau hatte sich von ihm getrennt, weil er seine geilen Finger nicht von seinen Lehrmädchen lassen konnte. Er hatte die Maria im Mehllager mächtig durchgevögelt, als plötzlich, die Irmgard um die Ecke kam. Kein Mensch konnte doch ahnen, dass das Treffen mit ihren Freundinnen ausgefallen war. „Du alter Hurenbock!“ „Es reicht!“ War das Letzte, was er von seiner Frau hörte. Vier Wochen waren seitdem vergangen. Und gestern kam der Brief von ihrem Rechtsanwalt. Sie wollte Geld, aber er hatte kein Geld. Es steckte alles in der Bäckerei und dem Haus.
Uwe Mans saß in seinem tadellos, sitzenden Anzug Willi Zelk gegenüber. Die beiden Männer kannten sich schon sehr lange. So lange, dass wirklich keiner der Beiden wirklich wusste, wann genau, sie sich das erste Mal begegnet waren, damals waren beide jedoch noch im Kindesalter. Uwe Mans war jedenfalls Sparkassen-Direktor geworden. Willi Zelk hatte irgendwann seine Bäckerei aufgemacht. Die Finger des Sparkassendirektors spielten nervös mit dem Kugelschreiber, der vor ihm auf dem Schreibtisch lag.
„Ich kann es nicht, Willi“. „Was kannst du nicht?“ „Ich kann dir keinen Kredit mehr geben“. „Du musst das verstehen, aber mir sind da die Hände gebunden!“ „Ich habe meine Vorgaben, Willi“. „Scheiß was auf deine verdammten Vorgaben!“ „Soll ich vor die Hunde gehen, Uwe!“ „Wie gesagt: Ich kann da nichts machen!“
Sein Gesicht nahm einen verzweifelten Ausdruck an. Auf seinem Gesicht rann der Schweiß. Der Bäckermeister sprang plötzlich auf, drehte sich auf dem Absatz um und rannte aus dem Büro. Er musste hier raus, sonst würde er ersticken, so fühlte sich Willi Zelk jetzt.
Ein schriller Ton ließ den Sparkassen-Direktor aufschrecken, sein Handy vibrierte in seiner Hosentasche. Er drückte den Knopf der Rufannahme. „Ja, Uwe Mans“. „Hallo Uwe“. „Ich muss dich treffen“. „Ich hab da was für dich“. Sepp Brückenschlag hieß der Mann am Telefon, der Dezernent vom zuständigen Bauamt. „Ja heute Abend in der „Kleinen Kneipe“. „Sagen wir um 18:00 Uhr“. „Ja, das geht, Uwe. Bis dann“.

Es gibt sie immer noch.

In dieser Stadt gab es natürlich auch noch andere Bewohner. Diese drei Männer hier trafen sich mittlerweile jeden Mittwoch in der Wohnung von Norbert Krieg. Die Wohnung war genau nach ihrem Geschmack eingerichtet. Die Hakenkreuzfahne hing direkt neben der Reichskriegsflagge, genau gegenüber war das Bild vom Adolf, darauf war Klaus Beißner besonders stolz. Klaus Beißner war der Kopf dieser verschworenen Gemeinschaft. „Mein Kampf“, war für diese Männer eine wichtige literarische Quelle. Jeden Mittwoch, versuchte Klaus Beißner seinen Kameraden dieses Werk näher zu bringen. Dieter Steinmann war wohl nur so eine Art Mitläufer. Als Kind schon wollte Dieter keiner, jetzt war er froh, endlich Freunde zu haben. Er brachte seine Freude darüber mit einem „Heil Hitler!“ zum Ausdruck. Norbert Krieg hatte eine kleine Firma. Seine Klempnerei lief gar nicht so schlecht und er half auch jedem, wenn er konnte und Zeit hatte. Klaus Beißner hatte einen kleinen Maurerbetrieb, wo auch Dieter Steinmann als Handlanger arbeitete. Man kannte sich eben, von dem begrenzten, gesellschaftlichen Leben einer Kleinstadt.

Der Übergriff

Sie lag in ihrem Bett und weinte leise in ihr Kissen. Maria konnte nicht verstehen, was ihr da vor vier Wochen, im Mehllager der Bäckerei passiert war. Ja, ihr Chef hatte ihr schöne Augen gemacht. Das hatte sie bemerkt. Vielleicht war sie auch ein wenig Stolz darauf, dass so ein gestandener Mann sie begehrte. Aber was dann passiert war. - Sie hatte ihrem Chef doch deutlich zu verstehen gegeben, dass er sie loslassen sollte. Aber dieses Schwein hatte einfach nicht aufgehört. Er kam ganz nahe an sie heran, damals im Mehllager und dann packte er sie plötzlich, hielt sie ganz fest umklammert. Maria konnte seinen stinkenden Atem riechen, als er seine Hand unter ihren Rock schob. Wer weiß, was noch alles passiert wäre, wenn damals nicht ihre Chefin dazu gekommen wäre. Die Bäckerei Zelk lag nur zwei Straßen entfernt von ihrem Elternhaus. Sie ging den Weg dorthin nur noch widerwillig und morgen ein letztes Mal, das, hatte Maria sich geschworen. Ihrem Freund wollte sie alles erzählen, aber bei ihren Eltern war Maria sich noch nicht sicher.

Saubere Geschäfte

Die kleine Kneipe hatte eine gemütliche Einrichtung. Wenn man durch die Eingangstür die Gaststätte betrat, dann sah man als Erstes die hölzerne Theke mit ihren Schnitzereien. Auf der anderen Seite gegenüber der Theke an dem Barhocker standen, befanden sich kleine Nischen, in denen, standen je ein runder Holztisch mit je vier Stühlen. Die Wände waren in einem rötlichen, erdfarbenen Ton gestrichen, nicht zu hell aber auch nicht zu dunkel. Die Bilder an den Wänden erzählten Geschichten längst vergangener Zeiten. Die Breitenbachs hatte diese Gaststätte schon in der dritten Generation. Der Wirt hieß heute Paul Breitenbach.
Ein Mann betrat die Gaststätte. „Hallo Paule mach mal zwei Pilsner!“ „Wie, hast du mit einem nicht erst genug, Sepp?“ „Nö du, der Uwe kommt gleich noch“. „Ich setz mich mal an unseren Stammtisch“. „Mach das!“ Der Mann ging zu dem breit ausladenden Stammtisch, dort setzte sich Sepp Brückenschlag der Baudezernent. Es dauerte ein Weilchen, dann kam auch Uwe Mans der Sparkassendirektor. „Hallo Uwe, du der Sepp sitzt schon am Stammtisch!“ „Was darf ich dir denn bringen?“ „Mach mir mal ein Pils“. „Na gut, dass ich noch ein wenig gewartet habe“. „Der Sepp hatte schon zwei Pilsner bestellt und deines wäre jetzt verschalt!“
Als Uwe Mans den Stammtisch erreicht hatte, begrüßten sich beide Männer freundlich. Höflichkeit war unter ehrbaren Kaufleuten natürlich Standard. Paule Breitenbach, der Wirt brachte derweil zwei Pilsner.
„Was hast du für mich Sepp?“ „Hier der Umschlag ist für dich“.
Der Sepp schob unauffällig einen Briefumschlag über den Tisch.
„Na dann mal zum Wohle!"
Dabei ließ der Sparkassendirektor, wie zufällig, den ihm gerade zugeschobenen Brief in seiner Jackentasche verschwinden. Die beiden Männer redeten noch ungefähr zehn Minuten über belangloses Zeug, danach verabschiedeten sie sich vom Wirt und verließen die kleine Kneipe.
Sein Auto stand in einer Seitenstraße, gar nicht weit weg von der Gaststätte. Er ließ sich auf die Ledersitze seines Autos fallen. Uwe Mans schaltete die Innenbeleuchtung ein, er hatte ein feinsinniges Lächeln im Gesicht, als er den Briefumschlag öffnete. Der Brief hatte folgenden Inhalt: Sechs Angebote befanden sich dort von auswärtigen Firmen, die sich auf die Ausschreibung für das neue Kulturzentrum der Stadt beworben hatten. Er wusste, diese Informationen waren nicht billig, aber über Geld redete man in diesen Kreisen nicht.
Uwe Mans wusste genau, dass seine Einnahmen weit über seinen Ausgaben liegen würden. Diese Informationen waren Gold wert, weil er kassierte diverse Zuwendungen von den heimischen Firmen, wenn er diese Unterlagen weiter gab. Hatten die heimischen Firmen dann erst einmal die Aufträge für das neue Kulturzentrum, dann kassierte er noch zusätzlich die Provisionen für die Kreditvergabe seiner Bank.

Der Übergriff / Kapitel 2

Sie hatte sich mit ihrem Freund verabredet. Maria hatte ihm am Handy gesagt, dass er um 20:00 Uhr in „Der kleinen Kneipe“ sein sollte, dort würde sie auf ihn warten. Den ganzen Tag schon, sogar beim Handballtraining hatte er über Maria nachgedacht. Sie hörte sich am Handy aber sowas von verstört an. Tim Mans kannte seine Freundin so nicht, darum machte er sich ernsthafte Sorgen, als er mit dem Motorrad in Richtung des verabredeten Treffpunktes fuhr.
Maria hatte sich an den runden Tisch in der Ecke gesetzt. Das Motorengeräusch von einem Motorrad war zu hören und drang durch die Scheibe zu ihr hinein, sie schaute auf. Tim kam kurze Zeit später durch die Tür. Er sah Maria und ging zielstrebig auf seine Freundin zu.
„Hallo“. Während er sie grüßte, gab er ihr einen Kuss. „Schön das Du da bist“. Maria wollte gerade anfangen, ihr bitteres Erlebnis zu schildern. „Ich muss di...“
Als sie von Tim unterbrochen wurde. „Was ist mit dir los, seit gut drei Wochen hast du dich total verändert?“ „Na gut, dann du zuerst. Sorry!“ „Ich habe dich unterbrochen“, sagte Tim. „Ja ich weiß, aber mir ist etwas Schreckliches passiert!“
Paule kam angeschlendert.
„Hallo, was darf ich euch bringen?“ „Maria was möchtest du?“ „Ich nehme einen Milchkaffee“. „Und für mich eine Cola“, antwortete Tim. „Okay kommt sofort“, sagte Paule und verschwand wieder in Richtung der Theke. „Der Herr Zelk wollte mich vergewaltigen!“ „Was wollte der?“ Tim dachte erst, er hätte sich verhört. „Er hat versucht, mich im Mehllager zu vergewaltigen. Dieses verdammte Schwein“.
Tim flüsterte plötzlich, weil das, was hier gesprochen wurde, musste wirklich nicht jeder mitbekommen.
„Warst du bei der Polizei?“ „Nein! ...“ „Ich hatte solche Angst, darum habe ich mich erst nicht getraut, weil ich da doch arbeiten muss“. „Du musst da sofort verschwinden“. „Du gehst da nicht mehr hin“. „Nie mehr!“ „Ich habe heute gekündigt, Tim“. „Heute ist es zu spät“. Wir gehen morgen zusammen zur Polizei und erstatten Anzeige“.
Der Wirt kam mit den Getränken.

Das Wochenende

Der Samstagnachmittag verlief für viele Bewohner immer nach dem gleichen Muster. Aber was passierten könnte, wenn ein Mensch von seinem gewohnten Tagesablauf abweicht, darf man auch als Schicksal bezeichnen.
Aber es gab ein festes Ritual hier in der Kleinstadt. Der Stammtisch, der in der „Kleinen Kneipe“ stand, war am Samstagabend immer mit den gleichen Personen besetzt.
Das Kofferradio hatte Farbkleckse und stand in seinem Gartenhaus. Hans Meißner saß vor dem geöffneten Fenster, um die Bundesligaübertragung aus dem Radio zu hören, dabei nickte er immer wieder ein. In einiger Entfernung stand Traudel in der Küche, um einen Rührteig zu machen, für einen Sandkuchen. Der Kuchen war für Sonntag gedacht, zum Nachmittagskaffee.
Er hörte „Wagner“, dabei mähte er den Rasen im Vorgarten seines Hauses. Klaus Beißner ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach. Norbert Krieg arbeitete auf einer Baustelle und verlegte Heizungsrohre. Die Baustelle musste unbedingt fertig werden. Er freute sich schon auf den Stammtisch am Abend. Dieter Steinmann war mit Kameraden auf einer rechten Demonstration. Sie wollten gegen Kinderschänder demonstrieren. Er war stocksauer, als er einen Farbbeutel in sein Gesicht bekam.
Willi Zelk saß in seiner Backstube vor seinem großen Backofen. Das Spanferkel brutzelte schon geraume Zeit vor sich hin, vielleicht noch zwei Sunden, danach sollte das Schwein durchgebraten sein. Bis dahin war der Kasten Bier vom Bäckermeister auch leer.
Die Schlafzimmertür stand weit auf, was nicht schlimm war, denn ihr Sohn war nicht zu Hause. Er hatte ihr gerade den Slip über ihren Hintern runtergezogen. Jetzt lag Uwe Mans auf seiner Frau und keuchte, dabei bewegte sein Hintern sich auf und ab. Als er gekommen war, entspannte er sich und die Bewegungen seines Hinterns ließen merklich nach.
Die Tankstelle war auch ein beliebter Treffpunkt. Tim war gerade dabei, sein Motorrad zu putzen. Andere Jugendliche standen um ihn herum, dabei redeten sie und tranken. Die Stimmung war meistens gut und hier wurden auch Pläne für das Wochenende geschmiedet.
Maria war noch zu Hause und schrieb Tagebuch. Sie war dabei, die schrecklichen Erlebnisse irgendwie zu verarbeiten. Jedenfalls waren sie und Tim bei der Polizei gewesen, um Anzeige zu erstatten. Maria fühlte sich nun ein wenig besser.
Er besuchte eine Charity – Party. Veranstaltungen dieser Art zogen reiche Menschen regelrecht an, darum war Sepp hier. Auf diesen Veranstaltungen konnte Sepp Brückenschlag sehr gute Kontakte knüpfen. Bemerkenswerte Geschäfte, die konnte man nur machen, wenn man gute Beziehungen hatte. Das musste Sepp früh, schon am ersten Tag seiner Banklehre lernen.
Er war tief und fest in seinem Gartenstuhl eingeschlafen. Hans schnarchte und sein Brustkorb bewegte sich langsam auf und ab. Eine Hand wurde langsam nach Hans Meißner ausgestreckt. Die Berührung kam irgendwie plötzlich, wie unverhofft für ihn.
„Verdammt! Wer ist da?“ Hans fuhr ruckartig hoch und starrte in die aufkommende Dunkelheit. Das mussten die Schmerzmittel sein, die ihn so schläfrig machten, aber jetzt ließ die Wirkung nach und die Schmerzen kamen wieder. Traudel legte ihre Hand auf seine Schulter.
„Ganz ruhig Hans! Alles gut, ich bin es Traudl! Herrje nochmal! Du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt. Du bist ja nicht nach Hause gekommen, da habe ich mir eben Sorgen gemacht. Ich muss eingeschlafen sein! Wie spät ist es? Gleich 19:00 Uhr, Hans“. Sie räumten noch die Gartengeräte weg und machten das Radio aus, danach stiegen beide auf die Räder und fuhren in Richtung ihrer Wohnung davon.
Ausnahmsweise war der Stammtisch an diesen Samstagabend mal voll, dafür war an der Theke noch reichlich Platz, dort saßen nur zwei Gäste. Willi Zelk und Dieter Steinmann prosteten sich erst zu, um dann ihre Gläser zu erheben, damit auf die schlechte Welt anzustoßen. Ausländer und arbeitsscheues Gesindel waren der Grund, für all das Elend auf der Welt und für das Eigene natürlich auch. Sie saßen schon gut eine Stunde hier und waren ziemlich betrunken.
Am Stammtisch wurde derweil gescherzt und gelacht. Willi Zelk saß eigentlich immer dort, aber es hatten sich gewisse Dinge rumgesprochen. Die versuchte Vergewaltigung, das war einfach zufiel, man hatte Willi zu verstehen gegeben, sich woanders hinzusetzen, bis die Angelegenheit geklärt wäre. Mürrisch mit gesenktem Kopf war er abgezogen und hatte sich an die mit Holz verzierte Theke gesetzt.
Er nahm seine Hand, um eine Faust zu machen und stieß seinen Nebenmann kurz an.
“Mensch Uwe!“ „Danke für deinen Tipp“. „Das Kulturzentrum, du weißt schon!“ „Nicht so laut verdammt“. „Ist ja schon gut, Norbert. Ehrensache“. Klaus Beißner saß an der Wand, zwischen ihm und Norbert Krieg saßen noch außer dem Sparkassendirektor; der Dorfsheriff; der Filialleiter von einem der Discounter; und noch so einige Honorationen der Stadt. Man kannte sich halt und wusste auch vieles über die Freunde, aber man redete nicht darüber, dafür half man sich auch gegenseitig. - Nestbeschmutzer wollte man auf gar keinen Fall sein.

Traudel saß in einer der Nischen ihr gegenüber Hans.
„Hast du starke Schmerzen?“ „Geht so“, als er, das sagte, verzog sich sein Gesicht vor Schmerz. „Du musst bald mal wieder zum Arzt“. „Ja Traudl“. „Irgendwann!“ „Nicht irgendwann sondern bald“. „Ja mache ich, versprochen“. „Dann ist es ja gut Hans“. Der Zufall hatte die Beiden in „Die kleine Kneipe“ verschlagen. Hans Meißner konnte nicht mehr und musste sich ausruhen, sie waren genau vor der Gaststätte stehengeblieben. Beide dachten, warum also nicht mal kurz reinschauen und nun saßen sie hier. Vor zwei Jahren waren sie erst hierher gezogen und lebten sehr zurückgezogen. Es war also eine absolute Ausnahme, dass die Beiden in eine Kneipe gingen.

„War doch nicht alles schlecht damals!“ „Denk mal an die Familien, die waren damals noch wichtig!“ „Arbeit hatte auch jeder und erst die Autobahnen, fahren wir heute noch drauf!“ Willi Zelk sagte diese Sätze, dabei hatte er sich Dieter Steinmeier zu gewendet. „Ja damals, da gab es nicht nur das Schlechte, Willi“. „Und diese Schmarotzer heute Arbeitslose, Frührentner und das ganze nutzlose Gesindel“. „Kosten alle nur unsere Kohle, Willi. Stimmt, doch oder?!“ Dieter Steinmann kam jetzt richtig in Rage. „Heil 18!“, brüllte Dieter durch den Schankraum. Wer sich ein wenig auskannte, konnte wissen, dass die 1 für das A im Alphabet stand und die 8 für das H, also 18 nichts anderes als Adolf Hitler bedeutete. „Heil Hitler!“ Jetzt brüllte Steinmann Klartext.

„Komm Hans lass uns gehen, mir wird das hier zu laut“. „Ich mag das Gegröle nicht“. „Ich auch nicht Traudel, die Spinnen doch“, sagte Hans Meißner.
Er musste an seinen Unfall denken und daran, dass der Staat also unsere Gesellschaft ihm in einer schwierigen Lage sehr geholfen hatte. Und schon gar nicht passte ihm, das er als Rentner verunglimpft wurde. Traudel bemerkte, dass Hans einen hochroten Kopf bekam, und wollte eigentlich nur noch weg, doch dafür sollte es zu spät sein. „Wirt zahlen, ich kann die Spinner da an der Theke nicht mehr ertragen!“ „Was Spinner?“ „Von dir nutzlosen Krüppel lasse ich mich doch nicht einen Spinner nennen!“ Dieter Steinmann wusste, dass Hans Meißner gehbehindert war, er hatte ihn schon ein paarmal in der Stadt gesehen.
„Komm her, ich schlag dir die Fresse ein du Krüppel!“ „Sie haben Glück, dass ich nicht mehr richtig laufen kann, sonst sähe die Sache anders aus“. „Komm Traudel lass uns gehen“.
Er musste auch Rücksicht auf seine Freundin nehmen. Jetzt mischte sich endlich Paule der Wirt ein.
„Dieter du hältst sofort deine Klappe, sonst fliegst du achtkantig raus“. „Ist ja gut“, antwortete Dieter. Er stand auf, um auf die Toilette zu gehen. Willi Zelk war an der Theke eingeschlafen und der Stammtisch tat so, als ginge sie die ganze Angelegenheit nichts an, war ja schließlich nichts passiert.
Die zwei Männer standen an den schlichten Pissbecken, es waren Norbert Krieg und Klaus Beißner. Dieter war in der Zwischenzeit auch bei den Pissbecken angekommen, er zwängte sich genau in die Mitte seiner Kameraden. Beißner feixte, als er sagte: „Da hast du dich ja von den beiden linken Zecken richtig anmachen lassen“. „Ja klar!“, der alte fette Bauernkrüppel hat dich richtig zur Sau gemacht, was Dieter!“, lästerte Norbert Krieg jetzt ebenfalls. „Verpass denen draußen doch mal so eine richtig eine Abreibung“. „Das ist doch wohl das Mindeste, was du für den nationalen Widerstand machen kannst, Kamerad!“ Stellten Krieg und Beißner gegenüber ihrem Kameraden in geschossener Eintracht fest.
„Mal einen kleinen Tipp, du nimmst am Besten den Willi mit.“ „Weil, der ist, so angefressen von dem, was ihm passiert ist, der schlägt aus Frust gleich doppelt hart zu“. Mehr konnte man für seinen Kameraden nicht tun, denn sie waren gute Volksgenossen. Krieg kam mit Beißner gerade noch rechtzeitig wieder an den Stammtisch, um gemeinsam auf den heimischen Fußballverein anzustoßen.
Willi Zelk schlief, seinen Kopf hatte er auf die Theke gelegt. Der Schlag auf die Schulter kam vollkommen überraschend. „Willi aufwachen!“ „Wir müssen was erledigen!“ „Ach!“ „Lass mich doch in Ruhe, Dieter“! Noch während er das sagte, bäumte sein Oberkörper sich auf, um gleich wieder auf die Theke zu knallen. Der Bäckermeister schlief einfach weiter.
Er hatte noch ein wenig Kleingeld suchen müssen, als er zahlte. Traudl und Hans waren auf den Weg zu ihren Fahrrädern. Keine fünf Meter mehr, dann ...
Der Schlag mit dem Pflasterstein kam unerwartet. Der Stein krachte mit voller Wucht auf sein Schädeldach. Hans viel ohnmächtig auf den harten Gehweg. Dieter kniete neben ihm und zertrümmerte seinen Kopf. „So du Sau, da hast ...!“. Ruckartig drehte er sich um. Sie schrie, aber keiner kam, als Dieter, Traudl erreichte. Der erste Tritt traf ihren Bauch. Traudel sackte in sich zusammen. Der Stein traf sie beim ersten Schlag mit voller Wucht ins Gesicht. Der zweite Schlag zertrümmerte ihre Hand, mit der sie sich am Boden liegend, schützen wollte. Erst der dritte Schlag war tödlich. Es waren ungefähr acht Minuten vergangen, seit Steinmann, zum ersten Mal zugeschlagen hatte. Nun verschwand er in der Dunkelheit.
In der Ferne waren die Sirenen der Rettungsdienste zu hören. Irgendjemand musste sie verständigt haben. Menschen kamen aus ihren Häusern und weinten leise.

Dietmar Cäsar.

Namensgleichheiten oder Ähnlichkeiten von Personen oder Orten sind rein zufällig, und von mir nicht gewollt.



Version vom 08. 04. 2013 13:26

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