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Leselupe.de > Humor und Satire
Die kleine Kotze
Eingestellt am 27. 04. 2011 02:07


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Micham
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2008

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Zu Wulfgängs Spezialitäten gehört es, immer dann aufzutauchen, wenn es zeitlich unpassend ist. Normalerweise verbringt sie ihre Freizeit dösend im Kleiderschrank. Oder sie begibt sich auf Schatzsuche. Dann schleppt sie alles heran, was nicht festgenagelt ist und versteckt es unter unserem Bett. Giftig wird die Katze, wenn mein Rippchen in regelmäßigen Abständen die Matratze entfernt, um zumindest die wichtigsten Gegenstände zu bergen. Erstaunlich, was da schon alles zum Vorschein kam. Meine Blutdrucktabletten, mehrere Dutzend Feuerzeuge, Schmuck und ein verstört dreinblickender Nachbar sind nur ein paar wenige Beispiele.

Sobald ich mich an meinen PC begebe, lässt Wulfgäng sofort alles stehen und liegen und macht sich neben meiner Kaffeetasse breit. Heute Vormittag verhielt es sich nicht anders. Kaum saß ich, da tauchte sie auch schon auf.

"Whatcha doin'?", fragte sie, nachdem sie erst auf meinen Scho√ü und dann auf den Schreibtisch gesprungen war. Entspannt lie√ü sie sich nieder und schlug die Vorderpfoten √ľbereinander. Irritiert beobachtete ich, wie ein paar Katzenhaare in meinem Kaffee landeten.

"Ich schreibe eine neue Kurzgeschichte", antwortete ich.

"Sounds almost interesting. I think I'm ready for some good petting now."

"Wie kommt es, dass du immer dann von mir gekrault werden willst, wenn ich mich auf etwas Anderes konzentrieren möchte?"

Tatsächlich war es so, dass sich Wulfgäng nicht gerne anfassen ließ. Kam man auch nur näher als zwei Meter an sie heran, huschte sie davon. Eine Schmusekatze war Wulfgäng wahrlich nicht.

"I'm not a lovey-dovey kind of person. Well, most times. But today you may pet me."

"Ich habe jetzt keine Zeit f√ľr dich. Du st√∂rst."

"Chill out! Go ahead and write your stupid story."

"Danke!"

"Can I watch?"

"Ist das nicht langweilig?"

"Sure, but there's nothing else to do."

"Versprichst du mir, mich nicht zu nerven?"

"You know very well that I can't promise that."

"Das hätte mich auch gewundert. Warum gehst du nicht ein paar Kakerlaken jagen?"

"Killed them all. They don't come around here anymore."

Da hatte sie recht. Seit wir eine Katze im Haus hatten, machte jegliches Ungeziefer einen gro√üen Bogen um uns. Wulfg√§ng bereitete es n√§mlich enormes Vergn√ľgen, mit Schaben, K√§fern und Spinnen solange zu "spielen", bis sie tot auf dem R√ľcken lagen. Dann wachte sie noch mindestens zwei Stunden vor den Leichen, nur um sicher zu gehen, dass sich nichts mehr regte.

"So what's the story about?", fragte Wulfgäng mit einem Hauch Interesse in ihrer schnurrenden Stimme.

"Ich weiß noch nicht."

"Then why are you sitting here?"

"Ich hoffe auf Inspiriation."

"I can help. I'm good at that."

"Glaube mir, es ist besser f√ľr uns alle, wenn du dich ganz still verh√§ltst."

"I'm not kidding, fat man. I can insprire dead people!"

"Ruhe!"

Die Minuten verstrichen, ohne dass mir auch nur der Funke einer Idee zuflog. Mit dem Problem der ber√ľchtigten Schreibblockade war ich vertraut. Ja, es gibt sie wirklich. Und ich wei√ü, dass ihre Existenz nur einen einzigen Zweck hat: den Schreiberling zu n√∂tigen, √ľber sie zu schreiben. Mir w√ľrde das jedoch nicht passieren, schwor ich mir. In keiner meiner Kurzgeschichten sollte jemals das Wort Schreibblockade auftauchen! Ich w√ľrde mich zur Inspiration zwingen. Ein B√§cker h√§ngt sonntags auch kein Schild mit der Nachricht 'War heute nicht inspiriert. Br√∂tchen gibt's erst morgen wieder!' an sein Ladenfenster.

"You should write about Urlaubswurst."

"Urlaubswurst? Was ist das?"

"You are German and you don't know Urlaubswurst?" Wulfgäng sah mich ungläubig an.

"Ich kenne mich mit Wurstsorten nicht gut aus, aber ich bin mir fast sicher, dass die Urlaubswurst nicht deutschen Ursprungs ist."

"Everybody knows that people on Planet Germany eat Urlaubswurst."

"Deutschland ist kein Planet."

"Are you sure you're German?"

"Ruhe!"

Hier sa√ü ich, wartete auf einen halbwegs akzeptablen Einfall f√ľr eine neue Kurzgeschichte, die ich wahrscheinlich nie schreiben w√ľrde, weil ich Wulfg√§ng an meiner Seite kleben hatte. Welch furchtbare Tragik, ungef√§hr vergleichbar mit einem Mann, der m√ľhselig f√ľr seinen Lebensabend spart, jahrzehntelang schwer und flei√üig arbeitet, jeden Monat etwas mehr Geld aufs Sparbuch bringt, sich vor Vorfreude kaum noch im Zaum halten kann, je n√§her er seinem Ziel kommt, ja, das Paradies auf Erden quasi riechen kann und dann am Ende Wulfg√§ng an seiner Seite kleben hat.

"I bet you're Dutch. That's why you eat so much cheese. But the Dutch people make excellent vakantie worst."

"Kenne ich nicht."

"Urlaubswurst, you monkey!"

Ich verkniff mir eine patzige Antwort, weil sich mein Rippchen n√§herte. Diskussionen mit unserer Katze waren f√ľr sie nichts weiter als wirre Selbstgespr√§che meinerseits, die ich - da mir sehr an einem harmonischen Eheleben gelegen war - besser unterlie√ü. Geistekranke Ehem√§nner wirken unsexy.

"Wenn du nicht schreibst, könntest du eben schnell den Staubsauger reparieren."

"Woher willst du wissen, ob ich schreibe oder nicht?", fragte ich erstaunt.

"Ich h√∂re dich nicht. H√§ttest du etwas geschrieben, w√ľrdest du ununterbrochen lachen und mich zwingen, gleiches zu tun. Stattdessen sitzt du da mit einem bescheuerten Gesichtsausdruck."

"Bescheuerter Gesichtsausdruck?" Manchmal war mein Rippchen unverschämt.

"Na, schau dich doch an. Du runzelst die Stirn, machst den kleinen Mund ganz schmal und blinzelst, als w√ľrdest du durch dichten Nebel blicken wollen. Sehr bescheuert!"

Gekränkt glättete ich die Falten auf meiner Stirn und zog einen Schmollmund. "Mir wird schon etwas einfallen."

"Heute garantiert nicht mehr. Eher lernt die Katze, Deutsch zu sprechen."

Wulfgäng nickte heftig: "Yes! Ich bin eine kleine Kotze!"

Das kann sie schon fast perfekt, dachte ich still und entschied mich, die Unterhaltung schnellstmöglich zu beenden, damit ich mich wieder mit dem dichten Nebel befassen konnte.

"Den Staubsauger nehme ich mir gleich vor. Wirst sehen, heute Nachmittag funktioniert er wieder."

"Danke! Ich gehe einkaufen. Bin gleich wieder da." Mit Schl√ľssel und Handtasche bewaffnet machte sie sich auf den Weg.

"Ok, Schnuckie", rief ich ihr hinterher. "Bring Urlaubswurst mit!"

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Guest
Registriert: Not Yet

Ich finde die Story wirklich gut. Ich habe sie mir sogar mehrmals zu Gem√ľte gef√ľhrt...
...weil ich jedesmal √ľber die √úberschrift stolpere.
"Die kleine Kotze"
Bin ich zu bl√∂d f√ľr den Gag?
Gibts auch ne große Kotze?

Oder sollte es einfach nur "Katze" heißen, harr, harr...?

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