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Leselupe.de > Humor und Satire
Die kleinen Dinge im Leben - Eine kurze Glosse
Eingestellt am 06. 04. 2005 21:48


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Irgendjemand hat mal gesagt, dass es gerade die kleinen Dinge im Leben sind, die man bewusster wahrnehmen und genie├čen sollte. Vielleicht war es der Dalai Lama, vielleicht stammt es aber auch aus irgendeinem Hollywoodschinken. Ist eigentlich auch nicht wichtig.
Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass es gerade die kleinen Dinge im Leben sind, die mich am menschlichen Verstand zweifeln lassen. Klar, die gro├čen Themen, wie die Umweltverschmutzung, die soziale Ungerechtigkeit, Kriege oder Big-Brother sind allgegenw├Ąrtig und verst├Ąrken nicht gerade den Eindruck, als w├Ąre die menschliche Rasse mit Intelligenz gesegnet, doch gerade im scheinbar Trivialen, in der banalen Allt├Ąglichkeit, stecken jede menge Details, die mich immer wieder dazu bringen kopfsch├╝ttelnd die Augen zu verdrehen. Ein paar Beispiele gef├Ąllig? Kein Problem.
Als ich neulich im B├╝ro sa├č und partout keine Lust hatte, irgendetwas zu tun, was die reichliche Entlohnung meines Arbeitgebers rechtfertigen w├╝rde, verzog ich mich aufs Klo. Dorthin zieh ich mich des ├Âfteren zur├╝ck, um in Ruhe eine zu Rauchen, oder eine Textidee gedanklich weiterzuspinnen, ohne dabei dem L├Ąrm des Telefons, des Kopierers oder meiner Arbeitskollegen ausgesetzt zu sein. Nun sa├č ich dort, mit einer Gauloise zwischen die Lippen gepresst, und mein Blick wanderte zu einer Gro├čpackung Toilettenpapier, wie man sie in jedem ├╝blichen Gro├čhandel bekommt. Zwanzig Rollen Toilettenpapier f├╝r gehobene Anspr├╝che in Chefetage und B├╝ro. Superweiches Zellstoff-Tissue, gepr├Ągt, 4-lagig, 150 Blatt, wei├č. Besonders dick, rei├čfest und sicher. Chlorfrei gebleicht. Frischer Fr├╝hlingsduft.
W├Ąhrend ich also dort so sa├č und das Klopapier betrachtete, bildete sich in meinen, zugegebenerma├čen manchmal recht wirren Gedanken, eine Frage, die mich fortan ├Âfter besch├Ąftigen sollte. Wo zum Teufel liegt der Sinn von parf├╝miertem Toilettenpapier?
Gut, bei Taschent├╝chern kann ich das ja noch verstehen, ist doch unser Riechorgan beim Gebrauch dieser Papierfetzen direkt involviert - so kann man sich dann kurzzeitig beim Duft der Minze, am Erfolg des Naseputzens erg├Âtzen -, doch was bringt der Fr├╝hlingsduft beim Toilettenpapier? Als Duftverbesserer f├╝r die Toilette kann es ja kaum gedacht sein, ist der Geruch dieser Papierrollen doch nur in unmittelbarer Nasenn├Ąhe wahrzunehmen.
Zwar ist mir der Spruch - das Auge isst mit – bekannt, so muss ich aber zugeben, dass mir bis jetzt die ├äu├čerung – der Arsch riecht mit – noch nicht zu Ohren gekommen ist. Habe ich da m├Âglicherweise etwas verpasst?
Ein weiterer Gegenstand, der mir aufgefallen ist – weniger aufgrund einer Sinnfrage, als dem zweifelhaften Geschmack der Hersteller/Designer/oder-was-auch-immer -, befindet sich im Poohnobyl, der Winnie Pooh verseuchten Zone, die meinem Sohn als Kinderzimmer dient. Dabei handelt es sich um ein Spielzeug, genauer gesagt, um ein Plastikflugzeug, in dem ein Winnie Pooh aus Holz steckt. Dr├╝ckt man nun diesen h├Âlzernen B├Ąren herunter, gibt das Ding ein Flugzeugger├Ąusch von sich, dass mir immer wieder die Bilder des Luftangriffs auf Dresden vor die Augen ruft. Nicht, dass ein zweij├Ąhriges Kind viel mit dem Februar 1945 verbindet, doch als interessierter Geschichtssendungsverfolger (bitte nicht verwechseln mit Gerichtssendungsverfolger), konnte ich mir beim erstmaligen H├Âren dieses Ger├Ąusches, das versch├Ąmte L├Ącheln nur schwer verkneifen und auch bei meinen historisch interessierten Freunden entlockte die Vorf├╝hrung des „Winnie-Pooh-Bombers“ ein schiefes Grinsen, meist gefolgt von einer Bemerkung, die unmittelbar mit Dresden 45 oder einem ├Ąhnlichen Ereignis zu tun hatte. So zermaterte ich mir den Kopf mit der Frage, ob nun die Hersteller/Designer/oder-was-auch-immer dieses Spielzeugfliegers, entweder mangelhafte Geschichtskenntnisse besa├čen und nicht auf die gekommen sind, dass sich ihr Produkt verd├Ąchtig nach einem B52-Bomber anh├Ârte, oder ob es ihnen einfach egal war. Hauptsache Flugzeug. Gut, sie fragen sich wahrscheinlich, wie man sich ├╝ber so einen Bl├Âdsinn ├╝berhaupt Gedanken machen kann. Hat der Mann sonst keine Hobbys? Hat der zuviel Zeit?
Nein, nein, wie ich eingangs erw├Ąhnte, ist es die genauere Betrachtung des vermeintlich Banalen, die mich dazu brachte Dinge zu hinterfragen, wobei mir dann dabei Sachen aufgefallen sind, die ich bisher immer als selbstverst├Ąndlich hingenommen habe. Das funktioniert ├╝brigens auch mit den gro├čen Sachen, wie mit der Religion, der Politik oder der Beziehung zu anderen.
Wie es ja schon bei der Sesamstrasse hei├čt: Wer nicht hinterfragt bleibt dumm, oder so ├Ąhnlich. Zum Thema der kleinen Dinge f├Ąllt mir noch ein Zitat ein: Suche die kleinen Dinge die dem Leben Freude geben. Stammt von Konfuzius. Der war ├╝brigens Chinese. Die sind ja bekanntlich nicht wirklich gro├č.
__________________
:nemo

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