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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die kleinen Geister aus Warsow
Eingestellt am 16. 10. 2006 16:45


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MĂ€rchentante
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Die kleinen Gespenster aus Warsow

Seit Jahrhunderten hausten Gespenster in dem Turm der alten Kirche in Warsow. Wenn um Mitternacht die Turmuhr zwölf Mal schlug, geisterten sie durch den Ort. Sie schauten in die Fenster und trieben so manchen Schabernack. Manchmal wurden sie auch erwischt, wenn eines der Kinder wach in seinem Bettchen lag und nicht schlafen konnte, weil der Mond so hell ins Kinderzimmer schien. Seltsamerweise schrieen sich die Menschenkinder bei ihrem Anblick die Seele aus dem Leib. Dann mussten die kleinen Geister schnellstens verschwinden, denn blitzschnell standen die Eltern im Zimmer um zu sehen, ob ihrem Sprössling etwas geschehen sei. „Ich habe ein Gespenst gesehen“, kreischten die Kleinen. NatĂŒrlich glaubte es ihnen niemand. Es folgten stets die gleichen SĂ€tze wie: „Oh, mein Schatz, mein kleines Herzi du, na, na, nicht weinen kleiner Hosenmatz, Mama und Papa sind ja hier. Du hast nur getrĂ€umt, kleines Dummerle, es gibt keine Gespenster.“ Doch das schreiende Menschlein ließ sich erst beruhigen, als die Eltern das Fenster schlossen und die TĂŒr weit offen ließen. Nun glaubte es manchmal tatsĂ€chlich, dass alles nur ein Traum war.

Lustig war es, wenn man ungestört in einem der Kinderzimmer mit den vielen Sachen spielen konnte, wie bei dem kleinen Tobias. Anschließend hinterließen die ĂŒbermĂŒtigen Spukgestalten immer ein fĂŒrchterliches Chaos. NatĂŒrlich konnte er seiner Mutter am nĂ€chsten Morgen beim Wecken nicht glaubhaft machen, dass diese Unordnung von alleine kam, denn er hatte ja am Abend zuvor aufgerĂ€umt und nachts fest geschlafen.
Manchmal spukten die Geister in der Nacht durch die stillen Straßen des Dorfes, in der Hoffnung, einen spĂ€ten Heimkehrer Ă€rgern zu können. Wenn das Wirtshaus schloss, schwankte manch ein Zeitgenosse bierselig nach Hause. Dann schwebten die Gespenster heulend um ihn herum und grinsten ihm frech ins Gesicht. Schlagartig wurde der Mann wieder nĂŒchtern. Erschrocken beschloss er, nicht mehr zu trinken, du meine GĂŒte, er hatte ja schon Halluzinationen. KopfschĂŒttelnd ging er seines Weges. „Na so was, ich habe schon Erscheinungen.“

Um 1 Uhr nachts, war es aber mit dem Spaß vorbei. Alle kleinen Gespenster mussten pĂŒnktlich bei Ende der Geisterstunde im Kirchturm sein. „Schade“, immer wenn es am schönsten ist, mĂŒssen wir zurĂŒck“, maulten sie. Zu gerne wĂ€ren sie auch mal zu dem lustigen Fest, dass die Menschen einmal im Jahr feierten und Halloween nannten, geschwebt. Morgen, am Tag vor Allerheiligen, war es wieder soweit. Doch alles Betteln half nichts.
“Wir brauchen unsere ganze Kraft zum Spuken, darum benötigen alle Gespenster die Ruhepause bis zur nĂ€chsten Mitternacht“, hieß es stets von den Ă€lteren. Egal, dieses mal beschlossen sie heimlich, am folgenden Abend ihre Ruhezeit zu verkĂŒrzen. Sie wollten doch so gerne bei dem KĂŒrbisfest mitmachen. Ein paar Stunden Schlaf weniger wĂŒrde sicher nicht viel ausmachen. Sobald es dunkel wurde, fegten die Spukgestalten aus dem Kirchturm und hielten nach den Kindern Ausschau.

Da bog die wilde Horde auch schon mit Radau um die Ecke. Hui, sahen die aber grauselig aus, da erschreckte man sich ja sogar als Gespenst! Hexen, Vampire, und, jetzt mussten sie aber lachen, Geistergestalten, die aussahen wie sie selbst. Von den Jungs und MĂ€dchen unbemerkt schwebten sie heran und mischten sich unter die lustige Gruppe. Jeder begutachtete das KostĂŒm des anderen. „Hey, du siehst ja spitze aus in deinem VampirkostĂŒm, habe dich erst gar nicht erkannt“, meinte Klausi bewundert zu seinem Freund Jakob. Die beiden Hexen Svenja und Lilli sahen ganz furcht erregend aus mit ihren Fratzenmasken und den bunten Lumpen. Drohend hoben sie ihre Reisigbesen in Richtung der Jungs. „Wenn hier alles vorbei ist, werden wir euch Bengels mit auf die Reise ins Hexenland nehmen“, keiften sie so böse wie es ging. Die Stimmung war jetzt schon toll. Die als Gespenster verkleideten Kameraden unter ihnen heulten: „Hui, hui, wir werden heute Abend im Dorf spuken, dass es eine wahre Pracht ist, hui, hui.“ Julius, der Ă€lteste, war als Magier verkleidet. Um die Schultern trug er einen dunklen Umhang und einem reich verzierten, spitzen Hut. Drohend hob er einen glitzernden Zauberstab: „Ich werde jeden, der uns keine SĂŒĂŸigkeiten gibt, in eine hĂ€ssliche dicke Kröte verzaubern“, grollte er mit tiefer Stimme.

Die kleinen Geister aus dem Kirchturm kicherten. So etwas Witziges wie diese bunte Schar hatten sie schon lange nicht mehr gesehen. Plötzlich wurden sie von einer der schaurigen Hexen entdeckt. „Oh, wie originell, so hab ich mir immer echte Gespenster vorgestellt“, rief sie begeistert. Wie macht ihr das nur mit dem Schweben? Unglaublich.“ Staunend wurden sie von den Kindern umringt. Als sie die weißen GewĂ€nder der echten Geister neugierig anfassen wollten, glitten ihre HĂ€nde durch sie hindurch. „Hihi, das kitzelt aber“, gibbelte eines von ihnen.
“Geht ja nicht, ihr seid irgendwie durchsichtig, man kann euch nicht wirklich berĂŒhren. Wie seid ihr bloß auf diese grandiose Idee gekommen, klasse“, riefen die Trabanten. „Kitzelt wohl“, lachten die Spukgestalten, „wir sind reale Gespenster und wohnen in Warsow. Im Turm der Kirche haben wir unser Zuhause.“ Die ganze Rasselbande lachte: „Ja, ja, ihr könnt uns spĂ€ter noch den Trick verraten, nun mĂŒssen wir mit dem Spuk beginnen.“

Kettenrasseln, pfeifen und Geschrei schallte jetzt durch die Straßen des Dorfes. Bereitwillig bekam die Truppe an jeder HaustĂŒre Schleckereien, die sie dann schnell in ihren mitgebrachten Taschen verschwinden ließen. „Du, Klausi“, wisperte das kleinste der Turmgespenster, „könntest du netterweise unsere SĂŒĂŸigkeiten mit in deine Tasche stecken? Sieh mal, wir haben nichts dabei. Außerdem können Geister ja nichts essen, oder? Ihr könnt nachher unsere SĂŒĂŸigkeiten unter euch allen aufteilen.“ Klausi schielte ihn von der Seite an: „Mensch, wenn ich dich so ansehe, glaube ich allmĂ€hlich doch du könntest echt sein. Na gut, ich mach`s.“
So viel Spaß wie an diesem Abend hatten die kleinen Gespenster noch nie. Mit den Kindern tobten sie fröhlich umher. Als sie auch das letzte der HĂ€user erfolgreich besucht hatten, machte sich die lustige Gesellschaft mĂŒde und verschwitzt auf den Nachhauseweg. Nun war es an der Zeit, sich von den Kindern zu verabschieden.

„MachtÂŽs gut, Freunde“, sagten sie, „wir mĂŒssen in die andere Richtung. Ihr wisst ja, wir wohnen in Warsow. Es war ein tolles Halloween, schon seit Jahren wollten wir da mal mitmachen. Wir wĂ€ren sehr gerne im nĂ€chsten Jahr wieder dabei, wenn ihr nichts dagegen habt.“
Die Kinder lachten: „NatĂŒrlich gerne, doch bevor ihr nach Hause geht, mĂŒsst ihr uns noch den Trick mit dem Schweben verraten.“
„Was denn fĂŒr ein Trick?“, kicherten die kleinen Geister, „glaubt ihr immer noch nicht dass es uns gibt? Bis zum nĂ€chsten Jahr, Kameraden.“ Sie erhoben sie sich in den Abendhimmel und schwebten leise schwatzend davon.

Sprachlos sahen die Dorfkinder hinter ihnen her. „Menschenskinder, das wird uns niemand glauben“, fasste sich Julius als erster. „Die sind ja so nett“, schwĂ€rmten die MĂ€dels.
„Dann gibt es ja doch Gespenster und ich habe das nicht nur getrĂ€umt“, stellte Jakob murmelnd fest.
„Wollen wir nicht gleich morgen Abend mal nach Warsow zur Kirche gehen und nachsehen ob sie tatsĂ€chlich in dem alten Turm wohnen?“, fragte Svenja aufgeregt. Begeistert wurde die Idee von den anderen aufgegriffen, und so verabredeten sie sich fĂŒr den nĂ€chsten Tag.

Die kleinen Gespenster aus dem Kirchturm aber waren so mĂŒde, dass sie die Geisterstunde der nĂ€chsten Nacht prompt verschliefen. Ihre großen Kameraden lĂ€chelten nachsichtig. NatĂŒrlich hatte man ihr heimliches Verschwinden bemerkt, doch sie drĂŒckten beide Gespensteraugen zu, Halloween war ja nur einmal im Jahr.

Wie groß war die EnttĂ€uschung, als die Kinder am folgenden Tag trotz langem umhersuchen nichts, aber auch gar nichts fanden, was sie an ihre Gespensterfreunde erinnerte.
Nachdem viele Wochen vergangen waren ohne dass sie etwas von ihnen sahen und hörten, verschwand allmĂ€hlich die Erinnerung an die kleinen Geistwesen. Die jedoch freuten sich, verborgen in dem alten Turm, schon jetzt auf das KĂŒrbisfest im nĂ€chsten Jahr.

MĂ€rchentante

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Ully
???
Registriert: Jan 2006

Werke: 36
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Wie immer

habe ich Deine Geschichte mit Begeisterung
gelesen.
Vielleicht hÀttest Du ein wenig Schabernack
der echten Gespenster mehr beschreiben können.

LG Ully
__________________

© by Ulla Magonz

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MĂ€rchentante
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2002

Werke: 63
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Hallo Ully,

hatte ich auch erst vor, doch dann wĂ€re sie vielleicht fĂŒr die 3-6jĂ€hrigen, fĂŒr die dieses Werk gedacht ist, zu lang geworden. Du weisst ja, ich kann mich dann manchmal nicht mehr bremsen, lach. Ich freue mich aber, dass Dir diese Geschichte auch gefĂ€llt.

Liebe GrĂŒĂŸe
MĂ€rchentante

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Wendy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2003

Werke: 13
Kommentare: 46
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Liebe MĂ€rchentante,

ganz so doll haben mir die ZĂ€hne vor lauter Angst nicht geklappert. Ich habe deine niedliche Geschichte sehr gerne gelesen. Die Idee ist prima, "Echte" Geister mit verkleideten Spukgestalten zu vermischen.

Herzliche GrĂŒĂŸe

Wendy

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