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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die kleinen Unzulänglichkeiten
Eingestellt am 09. 09. 2003 23:09


Autor
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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Die kleinen Unzulänglichkeiten

Schon zu meiner Kindergartenzeit musste ich erfahren, dass ich ein Tollpatsch bin.
Es hat sich nicht geändert in all den Jahren und ich habe es mir abgewöhnt, darüber nachzudenken, warum es so ist.

Ich bin es und die Menschen, mit denen ich umgehe sind es nicht.
Daran hatte ich mich gewöhnt.
Gewöhnt an die Sätze „Pass auf, da vorne, dieser Hundehaufen!“
„Siehst du das Auto!?“ während ich mit dem Fahrrad schnurstracks darauf zufuhr, weil ich während des Fahrens den Blick zur Seite wagte und nicht registrierte, was vor mir geschah.
An den Fingerzeig meines Begleiters, der mir signalisierte:
„Siehst du die Baumwurzel?“ Ich nahm es ihm nicht übel, wäre ich ohne seinen Hinweis tatsächlich darüber gestolpert.

Aber welchen Wandel hat jetzt unser Leben erfahren?
Ich kann es immer noch nicht fassen. So etwas ist ihm noch nie passiert:
Er tritt mitten in den Hundehaufen hinein. Seine Sportschuhe mit stark geprägten Sohlen,
braun. Naserümpfend reibt er an dem Dreck zwischen dem Profil mit den Papiertuch, dass ich ihm großherzig übergab und ich stehe mit einem Apfel in der Hand in sicherer Entfernung, so weit von diesem Gestank entfernt, dass er meine Nase nicht erreicht und sehe ihm beim Putzen zu. Schadenfreude? Nein, eigentlich Erinnerung! Wie oft stand ich in meinem Leben so da und rieb, während andere mir ungeduldig zusahen. Doch ungeduldig bin ich ganz und gar nicht. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn sie alle meckern oder verärgerte Gesichter machen.
Und heute dann wieder das: Er stolpert über eine Baumwurzel! Nicht ich, er!
Nein ich lache nicht, weiß ich doch, wie man sich fühlt, wenn in der Situation einer lacht.
Noch ein drittes Missgeschick passiert ihm: Seine Eiskugel fällt ihm vom Hörnchen.
Ich zucke bedauernd die Schultern und denke: „Siehste, hättest du besser zwei Kugeln genommen!, so wie ich. Ich weiß, warum ich das mache!
Ja und jetzt arbeite ich daran, zu sagen: „Pass auf,“vor dir der Wagen bremst!“

Nein, dass ich meine Tasche vergaß in dem Restaurant, erwähne ich hier jetzt nicht.
Das braucht ja keiner zu wissen und.............da war doch noch was?

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Köstlich ...

... besonders am Schluß das "und jetzt arbeite ich daran."

Kleiner Fehler:
>>Ich zucke bedauerlich die Schultern <<
Du meinst sicher "bedauernd die Schultern".

Lieben Gruß,
Zefira (tritt auch gern mal daneben)

__________________
schmollfisch

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Danke Zefira,

obwohl mir arbeiten im Moment schwer fällt.
In dem Fall freu ich mich über jede Gleichgesinnte.

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Herbert Stahlvogel
Autorenanwärter
Registriert: May 2003

Werke: 15
Kommentare: 29
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Hallo Annemone,
sehr herzhaft finde ich Deine Geschichte. Eine Stelle hätte ich allerdings weggelassen oder aber umgeschrieben:

Ich bin ein Tollpatsch und die Menschen, mit denen ich umgehe sind es nicht.

Dadurch, dass das Wort "Tollpatsch" schon im vorherigen Satz erwähnt wurde, empfinde ich es im nächsten etwas störend.

Gruß
Herbert

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
Kommentare: 1405
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Sehr hübsch, liebe Leidgenossin. Ein wahrhaft tröstliches Stück

Gruß,
Gabi

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