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Leselupe.de > Gereimtes
Die letzte Ruhe
Eingestellt am 23. 10. 2010 18:36


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plotzn
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2010

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Die letzte Ruhe

Die Bank im Park ist kalt und feucht
und aus der Wiese dampft der Nebel,
die Vögel wetzen ihre SchnÀbel
von nichts und niemand aufgescheucht.

Die DĂ€mmerung besiegt die Nacht,
es kann jetzt nicht mehr lange dauern,
bis Hektik hinter HĂ€usermauern
wie jeden Morgen neu erwacht.

Die alte Dame sitzt im Kleid
auf ihrer Bank und starrt ins Leere,
als ob da irgendetwas wÀre
aus einer lÀngst vergangnen Zeit.

Versunken streicht sie durch ihr Haar,
das frĂŒher bis zur Schulter reichte,
jedoch im Lauf der Zeit erbleichte
und danach kurz geblieben war.

Sie hat im Leben viel erlebt,
wie hinter ihr die alten BĂ€ume
und ahnt nun, dass sie ihre TrÀume
am Ende unerfĂŒllt begrĂ€bt.

In Bildern der Erinnerung
verweilt sie kurz bei ein paar Fetzen
aus liebevoll gehauchten SĂ€tzen -
zu dieser Zeit war sie noch jung.

Sie sieht die BrĂŒder vor sich stehn,
die damals beide um sie warben
und schon vor vielen Jahren starben.
Jetzt wird es Zeit fĂŒr sie, zu gehn.

Ihr Kleid ist hinten leicht durchnÀsst,
doch morgen wird sie wieder kommen,
das hat sie sich fest vorgenommen -
solang ihr Körper sie noch lÀsst.

Sie schlurft zurĂŒck ins Heim und keucht.
Vorbei die ungestörten Stunden,
die ersten Jogger drehen Runden.
Die Bank im Park ist kalt und feucht.


Version vom 23. 10. 2010 18:36
Version vom 24. 10. 2010 12:15

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gitano
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo plotzn!
in beeindruckend unaufgeregter Sprache entfaltet sich die Poesie des Textes, der Figur, der Situation.
Metrisch flĂŒssig und auch schlicht im Klang. Sehr schön!
Ich stolpere ein wenig ĂŒber:

quote:
aus lÀngst vergangner alter Zeit.
Doppelung

quote:
und ihr ist klar, dass sie manch TrÀume
Formulierung (Elision)
aber das ist insgesamt eher "Erbsen zĂ€hlen"-ich blieb wohl hĂ€ngen weil sich diese Formulierungen von der Schlichtheit abhoben und das subtile GefĂŒhl einer "Konstruktion" hatte.

besonders gefÀllt mir:
quote:
In Bildern der Erinnerung
verweilt sie kurz bei ein paar Fetzen
aus liebevoll gehauchten SĂ€tzen -
zu dieser Zeit war sie noch jung.
und der Doppelbezug in:
quote:
Sie sieht die BrĂŒder vor sich stehn
die damals beide um sie warben
und schon vor vielen Jahren starben.
Jetzt wird es Zeit fĂŒr sie, zu gehn.

und sehr schön auch das völlig undramatische Ende...eben der Lauf der Dinge.

Ambivalent bin ich zu TextlĂ€nge-ich persönlich neige zu Verdichten von Aussagen-daß ist hier aber kein Kriterium fĂŒr QualitĂ€t sondern ein Überlegen.

BerĂŒhrt mich sehr und habe ich mehrmals gelesen
bleibt bestimmt in Erinnerung
gitano

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plotzn
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Hallo gitano,

viele Dank fĂŒr die ausfĂŒhrliche Auseinandersetzung mit meinem Gedicht. Da ich nur sehr selten ernsthafte Gedichte schreibe, hilft mir das sehr, dabei weiterzukommen.

Die von dir angesprochene Doppelung ließ sich leicht beheben. FĂŒr die Elision habe ich bisher noch keine gute Lösung gefunden. Da diese Strophe fĂŒr die Aussage des Gedichtes aber auch nicht erforderlich ist, bin ich deiner Empfehlung nach "Verdichtung" gefolgt und habe sie komplett rausgeschmissen.

Liebe GrĂŒĂŸe, Stefan

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Thylda
???
Registriert: Aug 2002

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Lieber Plotzn

Ich sehe gerade, daß Du meine Lieblingsstrophe entfernt hast.
Wie wÀre es denn mit:

Sie hat im Leben viel erlebt
wie hinter ihr die alten BĂ€ume
und weiß, dass sie ein paar der TrĂ€ume
letztendlich unerfĂŒllt begrĂ€bt.

Liebe GrĂŒĂŸe
Thylda

__________________
allgemeine Warnung: bei meinen BeitrĂ€gen ist Ironie nicht auszuschließen

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plotzn
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Liebe Thylda,

danke fĂŒr Deinen Vorschlag, den ich leicht modifiziert ĂŒbernommen habe. Deine Lieblingsstrophe ist jetzt wieder eingebaut ;-)

Liebe GrĂŒĂŸe, Stefan

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Pelikan
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Stefan, ich glaube dieses Gedicht zu kennen,
doch ich kann mich natĂŒrlich auch irren - so gut ist mein
GedÀchtnis nÀmlich nicht Auf jeden Fall sehe ich, dass
Du auch ernste Themen sehr gut in Reime packen kannst
und nicht nur Komisches. Eine Kleinigkeit gefÀllt mir noch nicht so sehr und zwar:

quote:
Ihr Kleid ist hinten leicht durchnÀsst,

Obige Zeile zieht das Gedicht, meiner Meinung nach ein wenig ins Luschtige weil diese Zeile klingt so ein wenig wie
"sie hat eingepullert" - ich denkt da gleich an hinten/unten.
Und da man bei Àlteren Leutchen eh sowas fast schon erwartet,
zerstört es ein wenig das schöne Werk.

Wie wÀre es mit:

quote:
Des Kleides RĂŒcken ist durchnĂ€sst


so oder so Àhnlich???


mit herzlichen GrĂŒĂŸen, Irene

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plotzn
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Auf was fĂŒr Gedanken, du kommst, liebe Irene ;-)
So war das natĂŒrlich nicht gemeint mit dem "leicht duchnĂ€sst".
Das grenzt ja quasi an eine inkontinente Unterstellung ;-)

Ich hatte gehofft, dass durch die Anfangs-/Schlusszeile der Leser den Zusammenhang zu den Tautropfen hat.

"Des Kleides RĂŒcken" passt mir nicht so ganz in die ansonsten einfache Sprache des Gedichts.

Liebe GrĂŒĂŸe, Stefan

P.S.: Dein GedÀchtnis ist ausgezeichnet ;-) Das Gedicht steht auch schon in einem anderen Schreibforum.

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