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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die letzten Gedanken
Eingestellt am 19. 10. 2012 23:41


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Wolftale
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2012

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Mit mir selbst am Ringen


Ich sitze auf dem Dach der Schule. Mit den Knien gegen den Körper gepresst und mit verschleiertem Blick schaue ich hoch in den Himmel. Ich erkenne weiße Wolken, die sich in jede beliebige Form verwandeln. Sie sind so weit weg. Abseits von dem Rest der Welt. Sie interessiert es nicht, wenn hier eine Bombe einschlagen und explodieren wĂŒrde oder, wenn jemand mit einem Gewehr durch die Gegend lĂ€uft. Ihnen wĂŒrde es nichts ausmachen. Wolken wĂŒrden immer noch Wolken sein.

Die Schulklingel klingelt zur Stunde. Ich werde aber nicht wieder zurĂŒckgehen. Nie wieder gehe ich in diese Höllenklasse.

Ich lege meinen Kopf auf die Knie und TrÀnen strömen mir unkontrolliert die Wangen hinunter. Was sollte ich nur tun?
Sofort meldete sich eine Stimme in meinem Kopf:
„Du kannst wegrennen. Einfach verschwinden. Hast du jemals an Selbstmord gedacht? Dann bist du frei. Du kannst aber auch wie dieser Junge mit einem Gewehr in die Schule kommen und es ihnen Heimzahlen indem du sie...“ Ich schĂŒttele den Kopf, damit die Stimme aufhört. Ich will nicht, dass mir mein Hass, meine Wut und Trauer solch schreckliche Gedanken einpflanzen. Klar, dass ich mich fĂŒr diese Blamierung und Diskriminierung rĂ€chen möchte, aber nicht so. Sie sollen nur genau das spĂŒren, was ich dank ihnen empfinden muss. Mit gleicher MĂŒnze heimzahlen. Nicht mehr und nicht Weniger. Ich will niemanden verletzten, ausschließlich mich. Was sage ich da? Wenn ich niemanden verletzten möchte, wie kann ich mich dann RĂ€chen? Augenblicklich meldet sich wieder die Stimme in meinem Kopf:
„Ganz einfach: Du bist ein SchwĂ€chling. Du möchtest niemanden verletzten, aber anstatt dich zu verteidigen, wirst du nur rumgeschupst, benutzt und gehĂ€nselt. Die einfachste ErklĂ€rung ist, dass du schwach bist.“ Ich presse mir meine HĂ€nde auf die Ohren. Als ob das was helfen wĂŒrde. Die Stimme redet weiter auf mich ein:
„Weichei, Mimose, Memme, Flasche, Hasenfuß, Angsthase, SchwĂ€chling...,“ weitere TrĂ€nen fließen meine Wangen hinunter. Ich will sie nicht mehr hören. Bitte, hör doch auf. „Du kleiner Scheißer, du Dummkopf, Nichtskönner, Nichtsnutz...“
„Hör auf!“, höre ich mich knurren. „Das ist jetzt genug deiner Kommentare.“ Augenblicklich verstummt die Stimme und lĂ€sst mich allein. Ich schließe meine Augen und presse meine Beine wieder an den Körper. Es stimmt aber. Alles, was sie sagte, ist wahr. Ich bin ein Angsthase, Nichtskönner, eine Flasche. Ich schlage meine Augen auf, und schaue in den Himmel. Die Wolken sind immer noch da. Aber sie interessieren sich nicht fĂŒr die Menschen und erst recht nicht fĂŒr mich. Keiner tut das. Ich stehe auf und blicke zum Dachrand. Meine HĂ€nde ballen sich zu FĂ€usten. Vier Schritte. Nur vier Schritte, und ich kann das hier alles beenden. Vier Schritte, und ich wĂ€re frei. Ich atme tief ein. EINS. Meine Eltern werden sich bestimmt sorgen, aber mir wĂŒrde es dann besser gehen. ZWEI. Ich höre Vögel singen. Wie schön es doch ist. DREI. Nun laufen mir keine TrĂ€nen mehr die Wangen hinunter. VIER. ICH BIN FREI.

__________________
~ Shanara Zunino ~

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