Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
140 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die mir nicht passen
Eingestellt am 18. 09. 2008 00:54


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
luellebroer
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2008

Werke: 4
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um luellebroer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die mir nicht passen

Vor kurzem noch war mein Leben eine hervorragende Sache: Familie mit zwei Kindern, geregelte Arbeit, Geld und ein solider Freundes- und Bekanntenkreis anbei. Selbst zwei Autos konnten wir uns leisten und drei Wochen Sonne in Spanien mit Swimmingpool pro Jahr – das Meer kostet ja nichts.

In letzter Zeit hat sich komischerweise ein wenig verändert: Es fing mit einer Magenverstimmung meiner Frau an, die dann plötzlich auch keinen Sex mehr wollte – zumindest mit mir – wegen der fürchterlichen Blähungen, sagte sie. Ich muss allerdings gestehen, dass diese Furzerei fürchterlich unerotisch war und so haben wir diese Körperlichkeiten abgestellt. Letztlich haben wir sogar das Ehebett gegen zwei kleine getrennte Schlafstätten getauscht, aber seitdem habe ich auch immer sehr gut schlafen können. Vielleicht waren die Blähungen von ihr auch eine Folge des enormen Alkoholkonsums – eine Flasche Wodka pro Tag ist, glaube ich, nicht so erholsam für die Gedärme. Egal, ich habe es ihr ja gegönnt. Schade nur, dass sie einige Zeit später auszog mit den Kindern und zu ihrer Mutter ging. Ihre Mutter konnte mich leider nicht leiden und so kam ich auch per Telefon nicht mehr an sie heran. Ich weiß bis heute nicht genau, was schief gelaufen ist.

Danach war ich ja ziemlich fertig so ganz alleine, weil ich jetzt keine Familie mehr hatte und auch nur noch ein Auto und auf der Arbeit im Büro bekam ich dann auch nicht mehr so viel bearbeitet wie sonst. Ich habe manchmal ganz unheimlich geflucht und ´Scheiße´ geschrien, aber geholfen hat es nichts. Nach drei Wochen hat mir mein Chef eine Therapie empfohlen, ich sollte doch mal dringend einen Psychologen aufsuchen. Und weitere drei Wochen später hat er mich dann entlassen.

Das letzte Auto musste ich dann auch abgeben, weil plötzlich kein Geld mehr für den Leasing-Vertrag da war. Übrigens war auch die Wohnung zu groß für mich oder besser gesagt, die Miete war zu hoch. Nun, ich habe mir dann ein Apartment genommen – eingerichtet wohl gemerkt. Die Kinder bekam ich nur alle zwei Wochen zu sehen und die Nachbarn über mir waren Alkoholiker, die sich nachts um zwei noch genüsslich prügelten. Es flogen auch ab und zu Möbelstücke – vermute ich zumindest.

Das Arbeitsamt – oder wie man es auch immer heute nennt – gab mir einen Job als Scheiße-Schaufler für Vier-Euro-Fünfzig die Stunde und ich schaufelte Scheiße, wie ich nur konnte. Ein amerikanischer Self-Destroyer nahm einen Anschlag auf uns vor, wo uns die Scheiße um die Ohren flog – war schon ein Scheiß-Betrieb...

Und dann passierte es: Ich ging in den Keller und baute die ´Diemirnichtpassen´! Kaliber Non-Plus-Ultra... und dann ging ich los! Zuerst ging ich in die zweite Etage, zu meinen Nachbarn, klopfte höflich an, und als die Tür aufging, feuerte ich alles ab, was im Magazin war. Hervorragend skurill lagen sie noch etwas zuckend da, was sich nach wenigen Sekunden allerdings erledigt hatte, wo sie dann ganz still waren. Ich genoss diese Stille so vortrefflich, dass ich es kaum glauben konnte.

Eine Wunderwaffe war erfunden, die mir ziemlich viel Ärger vom Körper hielt. Weiter ging ich auf die Straße, wo mir einige Leute grinsend entgegen kamen und einige hatten auch ´ne verdammt große Klappe, obwohl ich sie doch gar nicht kannte. Die mit großer Klappe nahm ich nicht ernst, solange sie mir nicht ans Leder wollten. Doch dann erfand ich die Provokation, wo ich dem Ein oder Anderen ans Bein pisste und sie fühlten sich schnell bepisst. Dann holte ich nur meine ´Diemirnichtpassen´ raus und schon war alles erledigt.

Am nächsten Morgen besuchte ich meinen Ex-Chef und fragte ihn noch mal genau nach dem Kündigungsgrund und er versuchte kurz vor der ´Diemirnichtpassen´ zu erklären. Seine Sekretärin schaute noch mal auf mein Blut bespritztes Hemd, aber traute sich nicht wirklich Kritik anzuwenden.

Ich ging weiter und weiter und traf Politiker, Wirtschafts-Bosse und Enorm-Arschlöcher, die sich meiner ´Diemirnichtpassen´ nicht entziehen konnten. Oh, wie herrlich fegte die klägliche Kacke um mein Gesicht und spritzte Körperteile in den wogenden Wahnsinn.

Als ich sämtliche Arschlöcher vernichtet hatte, wollte ich noch Erdteile vernichten, weil ich so herrlich im Rausch war; doch ich erinnerte mich an meine Familie. Gut, den einen oder anderen Krieg habe ich noch angezettelt, aber letztlich klopfte ich nur an eine Tür. Sie machte auf und meine Kinder verbargen sich lukend hinter ihrem Rücken. Meine ´Diemirnichtpassen´ war durchgeladen und ich wollte noch etwas sagen, aber ich legte einfach nur an und schosssssss - so bin ich gestorben an Verzweiflung und Wahn; aber ich bin froh, dass meine Kinder überlebt haben...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!