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Leselupe.de > Fantasy und Märchen
Die schönste Stadt der Welt
Eingestellt am 22. 01. 2017 20:34


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Notos
Hobbydichter
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Gon's Familie war kräftig.
Das fiel ihm erneut auf, als er noch einen Blick auf die vier Knubbel warf, die ihm teils traurig und teils erwartungsvoll hinterher starrten. Ein auf- und ab wippendes Familienportrait ohne ihn.

Die vier rundlichen Gestalten wurden nun im Kutschenfenster immer kleiner, bis sie ganz hinter  ein paar Bäumen verschwunden waren.

Er wandte den Blick erst ab, als längst nur noch  dunkle Bäume vorbei flogen. Dann fing er an in seiner Ledertasche zu kramen, die auf dem schmutzigen Teppichboden der Kutsche stand, bis er eine zusammengebundene Papiersammlung heraus zog.

In seiner groben Schrift stand auf der ersten Seite, die den Einband bilden sollte „Tatlor" mit liebevoll gekritzelten Umrandungen, die deutlich machten, dass Gon schon viel Zeit alleine mit Gedanken an diesen Ort zugebracht hatte.

Er hielt das Buch in beiden Händen und versuchte es ein wenig hin und her zu biegen. Das Papier war schon leicht wellig und fühlte sich sehr gebraucht an.
Kurz überlegte er noch einmal reinzusehen.
Doch seine Augen brannten und die Schrift verschwamm. Er wusste genau was auf den Zetteln stand, er hatte alles selbst geschrieben und die Informationen selbst gesammelt. Die Neugier hatte ihn sogar bis auf die andere Seite der Brücke geführt, zu den verschrobenen Nomaden, die dort derzeit hausten. Das war Gon's erstes Abenteuer. Aber natürlich war dieses Erlebnis nicht mit dem zu vergleichen, was am Ende dieser Kutschfahrt, die sich viele  Stunden ziehen würde, erwarten würde:
Tatlor, die mächtigste Stadt der Welt. Schon von Weitem zu erkennen an einer leuchtenden, wie Perlmutt glänzenden Flüssigkeit, die sie mit Energie versorgt.
Doch die wichtigsten Einwohner von Tatlor, waren die sogenannten Elrik-Soldaten. Eine Eliteeinheit der stärksten und edelmütigsten Männer der ganzen bekannten Welt und vielleicht sogar darüber hinaus. Diese Edelmänner wurden von reisenden Spezialteams rekrutiert.

All diese Informationen brachten ihn zu der Annahme, dass diese Spezialteams ihn schlicht und einfach noch nicht gefunden hatten. Wahrscheinlich kamen sie gar nicht in solch ländliche Gegenden wie die, in der seine Heimatstadt Bühlon lag.

Bühlon war eine kleine Stadt mit vielen Steinhäusern und einem Brunnen auf dem Marktplatz, umgeben von Wald und Feldern. Es gab dort Bier und Wein, Braten und Suppe.

Die Steine waren grau und die Wiesen und Bäume waren grün. Ein ganz normales Dorf.

Ein weiteres Mal sah Gon aus dem Fenster, doch was er jetzt sah war vollkommene Dunkelheit.

Er war sich nicht sicher, ob es die Nacht war, oder ob die Sonne nicht mehr durch den dicken Gürtel aus Bäumen und Sträuchern schien. Es war so still. Erst jetzt, da seine Gedanken zur Ruhe gekommen waren, bemerkte er, dass er nur das Hufgetrappel, das Grollen der Kutsche und das Geklimper des Pferdegeschirrs hören konnte.
Das Auf- und Abwippen des Kutschenwagens ließ ihn nur noch schläfriger werden und er gähnte so stark, dass sein Kiefergelenk knackte.
Gon legte seine Beine auf die gegenüberliegende Bank und streifte mit einer Hand durch sein borstiges Gesicht. Mit Bart sah er viel älter aus.

                            *****************************

Ein starkes Rumpeln und schon war er wieder wach. Traumbilder hielten sich wie Kletten an ihm fest.

Er hatte das Bedürfnis sie abzuschütteln. Er würde sich den ganzen Tag wieder wie gerädert fühlen, aber das kannte er schon.

„So das war's Junge, wir sind da!"

Adrenalin schoss in ihm hoch, als er die quäkende Stimme des Kutschers hörte. Er brauchte drei Versuche um seinen Tatlor-Reiseführer wieder in seine Tasche zu bekommen und schnitt sich zu allem Überfluss auch noch am Papier.

Geduckt schaffte er es, nicht aus dem Fenster zu sehen, um sich die Vorfreude noch einen Moment länger aufrecht zu erhalten.

Fest umschloss er den Ledergriff seiner Tasche, atmete tief durch und stieß die Tür mit einem Ruck auf. Eiskalte Luft und modriger Geruch schlugen ihm entgegen und dann stechend in seine Nase.

Sumpf —er sah Sumpf und noch mehr Wald. Die Bäume waren breiter und hatten kleinere Blätter, aber sie waren ebenfalls grün. Sein Blick tastete vorsichtig die Umgebung ab und entdeckte nichts anderes. Auch nicht, als er einmal um die Kutsche herum ging.

Der Kutscher bewegte sich nicht auf seinem Bock und saß mit herunter hängenden Schultern und gesenktem Kopf einfach nur rum. Er hätte genauso gut eine hässliche, kleine Marionette sein können. „Wo bin ich?" Gon wartete ein paar Sekunden. Der Kutscher antwortete nicht und bewegte sich auch keinen Zentimeter .Kurz  kam ihm der Gedanke, ihn mit einem Stock an zu stupsen. Er hasste es, sich zu wiederholen und das hörte man nun auch an seiner gedrückten Stimme: „Wo bin ich?"

Die krumme Gestalt rührte sich auf dem Kutschbock und antwortete ohne aufzusehen: „Du bist da, Junge." Seine knorpeligen Finger  zeigten in einer Richtung, in der der Wald etwas lichter schien.

„Geh da lang. Nach Tatlor gibt es von hier aus keine Straßen."

„Da lang? Das ist alles? Wo lang gehe ich dann? Wann kommt eine Straße?" Gon's Stimme überschlug sich jetzt und klang zynischer, als er beabsichtigte.

Das Männlein rührte sich wieder nicht, flüsterte dann aber etwas, das nur für das Ohr des Pferdes bestimmt war und die Kutsche drehte ab. Langsam aber unaufhaltbar fuhr sie den Weg zurück, bis sie nicht mehr zu sehen war.

Was für eine grandiose Idee, den Kutscher vorher zu bezahlen...

**********************************

Seine Füße taten schon weh und Gon war genervt von dem unebenen und matschigen Boden, dem teilweise hohen Gras und so mancher  piksender  Pflanze, die  sein Bein  streifte.

„Was für eine Idee", dachte er sich „ eine  Weltmetropole  in der letzten Wildnis. Soll das eine Art Abschreckung sein?" Vor sich her grummelnd starrte er seit der Hälfte des Weges nur noch auf den Boden und das einzige, das sich änderte war die Helligkeit in die der eintönige Grund getaucht war. Es begann zu dämmern und als er seinen Blick gerade heben wollte, um nach irgendeinem Ziel in der Ferne zu suchen —und wäre es auch nur eine Silhouette gewesen, vernahm er nur ein ekliges „Flatsch" und spürte etwas Warmes unter seinem rechten Fuß. Das war nicht das einzige, das er bemerkte. Der Boden hatte sich nun doch verändert, die Bäume waren weg. Seine Augen waren durch die Lichtverhältnisse wohl doch schon leicht überfordert. Er kniff die Augen zusammen und stellte fest, dass sein Fuß nun in einer glibberigen, farblosen Masse steckte.

Sich innerlich krampfend vor Ekel und äußerlich noch lauter fluchend versuchte er sein ganzes Gewicht auf sein linkes Bein zu verlagern und zog mit aller Kraft. Doch etwas anderes als ein noch unangenehmeres Flatschen, welches anscheinend durch ein Vakuum erzeugt wurde, erreichte er bei aller Anstrengung nicht. „Was ist das für ein verd...." Er bemerkte, er war nicht alleine. Ein Schnaufen war zu hören. In der Ferne erkannte er eine Gestalt. Da sie nicht besonders groß oder auf eine andere Art bedrohlich wirkte, schluckte Gon und quetschte ein „Hallo" hervor, welches in dieser weitläufigen Umgebung verschluckt zu werden schien. Nichts passierte. Wieder kniff er die Augen zusammen, um irgendetwas  zu erkennen.  Er machte schwarze, lange Haare aus die im geringen Lichtschein ein wenig glänzten. Langsam begann der Schatten sich zu nähern. Gon knibbelte nervös an seinem Bart herum, sehr unentschlossen wie seine nächste Reaktion ausfallen würde. Er hielt die Luft an während diese Person ein paar Knackgeräusche von sich gab, welche zum Glück doch nur von zertretenen Ästen verursacht wurden. Viel beängstigender war das anschwellende Schnaufen. Plötzlich begann das Phantom zu hüpfen und umging damit anscheinend einige unsichtbare Hindernisse auf dem Boden. Es blieb stehen und fing an in eine Art Beutel zu kramen, den es wohl an der Hüfte trug. Nachdem es fündig geworden war, erhellte ein Licht das Szenario und nach und nach erkannte man, dass es ein Mädchen war, das in seiner Hand eine leuchtende Kugel hielt und damit nun den Boden vor sich sichtbar machte. Noch mehr von dem glibberigen Zeug kam überall zum Vorschein. Als das Licht ihn komplett blendete, drang eine rasselndes Schnaufen und eine aufgeregte Stimme in seine Ohren und in seinen Kopf vor: „Kannst du mir vielleicht erklären, was du auf meinem Grundstück zu suchen hast??"

Sie legte die Leuchtkugel neben sich auf den Boden, wie Gon glaubte, nur um ihre an ein Waschweib erinnernde Pose einzunehmen, indem sie ihre Arme in ihre Seiten stemmte und einen Buckel machte.

„Ich...öhm...Grundstück?" stammelte der Reisende.

„Ja, Grundstück!"  Dem Mädchen hingen ihre nachtschwarzen Haare halb im Gesicht und sie fing nun an mit den Armen zu fuchteln, was ihr nun den Anschein einer alten Schamanin verlieh. Sie schob ihr Kinn nach vorne, trat näher an den Jungen heran, der sich eigentlich für einen der zukünftig größten Krieger aller Zeiten hielt  und sich nun doch nicht so stark vorkam. Ihre Augen blitzten auf und nahmen die seinen sehr scharf ins Visier. „Kannst du bitte zuerst mal deinen Fuß aus meinem Lebensunterhalt nehmen?" Sie machte eine kurze Pause, ihre Augen veränderten sich nicht und fuhr fort: „Du weißt gar nicht, was du hier gerade anrichtest, oder?" Ein quietschendes Geräusch ertönte aus dem Innersten ihrer Kehle und sie atmete immer noch schwer.

Ungläubig starrte Gon an seinem Bein hinunter und sofort wieder hoch in die anklagenden Augen.

Sag jetzt nichts Falsches.

„Einen wunderschönen guten Abend, junge Dame. Mein Name ist Gon. Ich bin ein angehender Krieger und auf dem Weg nach Tatlor. Es tut mir sehr leid in ihren Glibber getreten zu sein."

Er hielt inne und schluckte laut, schmatzte genau so laut, da sein Mund vor Anspannung trocken war und wartete ab.

Sein Gegenüber zeigte keine Regung. „Wenn du mir sagst, wie ich meinen Fuß aus deinem Lebensunterhalt befreie, werde ich dies gerne tun." Wieder Stille. Sie rührte sich: „ Du hast keine Ahnung, wo du bist, stimmt's?" Gon schüttelte leicht den Kopf: „Und du hast ebenfalls überhaupt keine Ahnung worin du da stehst?"

Sein Blick senkte sich noch einmal nach unten, als ob er von seinem Fuß eine Antwort erwarten könnte und zuckte dann mit den Schultern. Als er diesmal wieder aufsah, hatten die Augen des Mädchens, das ihn eben noch mit unverhohlener Feindseligkeit musterte verändert.

Er glaubte so etwas wie Mitleid zu erkennen. Doch da war noch ein anderer Ausdruck in ihrem Gesicht, welcher jedoch nur kurz aufblitzte. Angst war es jedenfalls nicht. Ohne ein weiteres Wort kniete das unbekannte Mädchen in ihrem schlichten Kleid sich hin, warf das dunkle Haar über die Schulter und sah konzentriert in ihr Beutelchen. Gezielt schnappte sie sich ein kleines Holzstück heraus, schnippte in einer sehr gekonnten Bewegung mit dem Daumen daran und es entpuppte sich als winzige Fackel.  „ Du bist eine ganze Weile bis hierhin gereist, oder?"

Erst jetzt bemerkte er, dass sie eine auffällig klare Aussprache und eine angenehme Stimme besaß.

„ Ich bin vor zwei Tagen von Bühlon aufgebrochen."  Das Mädchen, das sich immer noch nicht vorgestellt hatte, hielt in einer eher beiläufigen Bewegung die Minifackel an den transparenten Schleimhaufen, der sich sofort in eine Pfütze zu seinen Füßen verwandelte. Farblos, geruchslos, nicht mehr schleimig. Sie hob noch ihre Leuchtkugel auf und gab dem Krieger, der sie fragend ansah ein knappes  Zeichen ihr zu folgen. „Hier lang, sieh zu, dass du nicht nochmal stecken bleibst. Ich kann sie auch morgen noch einsammeln, solange nicht wieder ein verwirrter, dicker Junge aus dem Nichts auftaucht und meine Farm zertrampelt."

Wieder nicht wissend, was er darauf erwidern sollte, hielt er den Mund und folgte ihr. „Nun Reisender, noch nicht darüber nachgedacht, wo du heute schläfst, oder?" Natürlich hatte er das. Bilder  von dunklen Höhlen, mit Tieren, die ihn im Schlaf annagten oder Parasiten, die sich über Nacht in seinen Eingeweiden breit machten begleiteten ihn schon seitdem er die Kutsche verlassen hatte. Doch jetzt begriff er, welche andere Ausdruck sich vorhin in den Augen von...sie hatte sich immer noch nicht vorgestellt. War sie nur unhöflich, oder gab es einen anderen Grund dafür? Und dann wurde mit einem Satz jede Frage beantwortet, die in diesem Moment in seinem Kopf herumschwirrte. (Die Glibberhaufen interessierten in momentan weniger.) : „Mein Name ist Lira, wenn du auf meinem Hof schlafen möchtest, kostet das Geld." Gut, nun wusste er sicher. Der Ausdruck war Gier, sie witterte eine Chance. Glibberhaufen schienen doch nicht so rentabel.

Gon wurde übermütig: „Na klar, aber ich sehen mir die Bleibe aber erst mal an, bevor wir den Preis verhandeln." Es war scherzhaft gemeint und er zwinkerte seiner neuen Bekanntschaft neckisch zu.

Wieder einmal keine Reaktion. Sie sah stur geradeaus und tat so, als hätte sie es nicht gehört. Vielleicht hatte sie das auch wirklich nicht.

Er biss sich auf die Lippe und verlangsamte seinen Schritt ein bisschen um der peinlichen Situation dieses Schweigens zu entkommen.

Als sie vor der —naja—bescheidenen Hütte standen, in der Lira wohnte, sprach sie endlich wieder: „Oben habe ich ein Zimmer für dich frei. Es ist klein und vielleicht ein bisschen staubig, aber wenn du um den Preis Feilschen willst, solltest du dir erst den Ausblick angucken." Sie starrten sich an. Wieder wartete er auf eine Regung von ihr, wenigstens ein Blinzeln. Gon fühlte sich nun wirklich, wirklich unwohl. Ein einfaches „Ok" seinerseits genügte und die Situation entkrampfte sich. Sie betraten die Farmhütte. Es war gemütlich eingerichtet, wirkte aber dennoch irgendwie provisorisch.

Eine Art Kamin brannte in der Mitte des Zimmers und an den Wänden fanden sich wieder solche Kugeln wie die, die zuvor als Wegleuchte diente.

Doch Lira gab ihm nicht viel Zeit sich umzusehen, sie stand schon mit einem Bein auf der Treppe, die ins Obergeschoss führte.

Sie starrte ihn erneut an. Gon folgte ihr direkt um den Krallen dieses Blickes zu entgehen. Im oberen Geschoss roch es noch älter und muffiger als unten. Die Türen führten von dem beengenden Flur, mit stark knarrenden Bodendielen in verschiedene Räume.

Die Herrin des bescheidenen Heimes hatte den Schlüssel für das Zimmer schon griffbereit und fing an damit im Schloss der mittleren Tür herumzustochern.

Etwa zwei Minuten vergingen und der bislang vergebliche Versuch schien ihr peinlich zu werden.  Immer öfter sah sie im Augenwinkel zu dem beleibten, mitgenommenen Reisenden, der nun fast im Stehen einschlief.

Anscheinend war durch diese mehr oder weniger glücklichen Umstände das Eis nun endlich gebrochen. Lira seufzte einmal tief und fing an zu reden:" Was genau hast du eigentlich in Tatlor zu erledigen? Wenn du eine Führung haben möchtest, kann ich dir eine anbieten. Es gibt nicht viele, die sich in der Stadt besser auskennen als ich."

Nun ja, man konnte es ihr ja nicht verübeln, dass sie versuchte sich bei jeder Gelegenheit etwas dazu zu verdienen, aber wie gut könnte sich eine Was-auch-immer-Farmerin in der mächtigsten Stadt der bekannten Welt auskennen?

Gon überlegte kurz und war froh, dass sie nun tatsächlich etwas gesprächiger wurde und antwortete: „ Gut, machen wir das so. Du zeigst mir Tatlor ...aber wie weit ist es noch und wie kommen wir dort hin?"

Es klickte laut und das Schloss schien seinen Widerstand endlich aufgeben zu haben. „Schlaf erst mal, von Bühlon bis hier hin ist ein ganzes Stück Weg. Alles andere können wir morgen ganz in Ruhe beim Frühstück besprechen."

Da war es. Das erste Lächeln. Was für ein Erfolgserlebnis.

Als die Tür auf ging, sah er nicht den Raum, der sich dahinter verbarg. Er sah nur das Fenster am anderen Ende, welches ein Bild präsentierte, das ihn vom kleinen Zeh bis zum Kopf erstarren ließ, als ob sein Blut sich in kleine Eiskristalle verwandelt hätte. In der Dunkelheit, hatte er nicht gesehen, dass sich die kleine  Hütte  am Rande eines Abgrunds befand und dort unten im Tal erhob sich diese eine Stadt, fast wie auf den Bildern in seinem zerfledderten Reiseführer, doch so prachtvoll, dass sie auf keiner seiner Zeichnungen je hätte eingefangen werden können. Sie präsentierte sich als riesige Pyramide, doch mit flachen Ebenen dazwischen. An den Seiten liefen Kanäle hinunter, deren Flüssigkeit das Sternenlicht reflektierte.

Aus Erzählungen wusste er, dass die Flüssigkeit nicht nur beeindruckend aussah, sondern auch die Quelle ihrer Macht war. Das wusste jeder. Doch woher sie kam und wie man sie benutzt. Das wussten nur die Leute aus Tatlor selbst.

Als er es endlich geschafft hatte seinen Blick von diesem kolossalen Bildnis zu lösen, drehte er sich und sah seine Gastgeberin mit großen Augen an.

„Träum schön." Sie schloss die Tür hinter sich.

Gon hatte vielleicht zwei Stunden geschlafen. Er stahl sich die knarrenden Treppenstufen hinunter, konzentriert und krampfhaft versuchend niemanden aufzuwecken. Er wusste ja nicht, ob das kleine schwarzhaarige Mädchen ganz alleine hier wohnte. Wenn ich doch wenigstens gefragt hätte, wo das Klo ist.

Er blieb auf der letzten Treppenstufe stehen und sah sich um. Das runde Zimmerlagerfeuer in der Mitte des Raumes war erloschen.

Doch noch nicht allzu lange. Man konnte es noch riechen. Nur zwei von den Leuchtkugeln glühten noch schwach.

Erneut ließ er seinen Blick schweifen. Ein Raum, in den er von dort blicken konnte war definitiv die Küche. Die Treppenstufe unter ihm gab wieder ein unangenehmes Quietschen von sich, welches allein dadurch erzeugt wurde, dass er sich um einen halben Millimeter nach links gebeugt hatte.

Geradeaus war die Tür, durch die er das Haus betreten hatte, da war er sich sicher.

Er schloss die Augen um nachzudenken, aber bemerkte dann erst recht, wie sehr seine Blase drückte. Was solls. Mit angehaltener Luft begann er sich zum Gegenüberliegenden Ausgang zu schleichen. Zum Glück knarrten die Dielen im Erdgeschoss nicht so sehr.

An der Tür angekommen, kniff er noch einmal die Augen fest zusammen und hoffte...

Nach einmaligem Drehen des Türknaufs dachte er sich: „Eigentlich logisch, dass man in einer einsamen Hütte am Waldrand seine Haustür abschließt. Warum versuchst du es überhaupt, du Idiot."

Mit Blicken wurde die Tür erneut abgesucht, in der Hoffnung irgendwo würde ein Schlüssel einfach so herumbaumeln. Einen klaren Gedanken zu fassen viel ihm schwer.

Doch seine Augen blieben Plötzlich an einem kleinen Haken oberhalb des Türknaufs hängen. „Gepriesen sei.."

Den kleinen Haken aus dem simplen Mechanismus geschoben, schwebte die Tür förmlich von alleine auf und das weite Feld mit vielen üppigen Büschen präsentierte sich und bot sich ihm an.

In einer, zumindest für ihn anmutig wirkenden Bewegung hüpfte er gleichzeitig über die Türschwelle und zog die die Tür hinter sich zu. Fast ohne ein Geräusch. Es war sehr dunkel, also entschloss er sich für den erstbesten Busch, direkt vor einem Felsen.

Während er sich mit einem breiten Grinsen erleichterte und sich am Felsen abstützte, bemerkte er, dass dieser sich merkwürdig warm anfühlte. Interessiert wandte er sich zu dem Stein und bewässerte dabei nun auch ihn. Unter seiner Hand begann der Felsblock sich zu bewegen, als ob er seine Muskeln anspannen würde.

Ohne dass Gon noch einen Moment darüber nachdenken konnte, richtete sich der Felsen auf und war nun auf einmal geschätzte vier Meter groß.

Kurz erstarrt fing Gon an in einer ziemlich hohen Frequenz zu kreischen, was ihn alles andere als kriegerisch erscheinen ließ.

Gleichzeitig ging nun auch das Licht im Haus an und das Ungetüm vor ihm wurde jetzt komplett in Szene gesetzt. Es sah aus wie eine überdimensionale Nacktschnecke mit langen, garnelenartigen Fühlern, die wie Schnurrbarthaare zu den Seiten seines Kopfes abstanden. Riesige, schwarze, unbeschreiblich ausdruckslose Murmelaugen starrten an ihm vorbei oder durch ihn hindurch?

Es schien wirklich nirgendwo hin zu gucken. Ein lautes Pfeifen erklang, ein Geräusch, als ob man bei einem Luftballon mit Gewalt die Luft heraus presste. Das Schneckenwesen begann von ganz Unten sich zu bewegen. Wie eine Quetschkommode zog sich der Rumpf des Monsters in Wellen immer wieder zusammen. Die Murmelaugen wurden noch größer und die Fühler streckten sich angestrengt nach oben. Nun war es still und es verharrte in genau dieser Position. Sekunden verstrichen. Auch Gon war erstarrt.

Langsam öffnete sich das Loch, das ein Maul darstellte, allerdings genauso gut an das andere Ende gehören könnte.

Es machte Plopp und aus der Öffnung kam etwas Undefinierbares

geschossen und kam flatschend neben ihm auf. Jetzt wusste er also ganz genau, wo der transparente Rohstoff herkam.

Etwas fegte links an ihm vorbei, auf das Wesen zu. Es war Lira in einem hellblauen Nachthemd, welches sie noch jünger erschienen ließ.

Wie ein kleines Mädchen, das versuchte ihr Pony zu beruhigen, stand sie mit dem Ungetüm da. Doch das Tier war überhaupt nicht unruhig.

Gon vermutete, wenn er das Vieh nicht angepinkelt hätte, wäre es trotzdem in genau diesem Moment aufgewacht und hätte, nun ja, gespuckt.

Die Besitzerin war dafür umso panischer und gestikulierte wieder wild mit den Armen. „ Was machst du denn?" kreischte sie „wie kommst du einfach dazu nachts über meinen Hof zu spazieren und dann auch noch meine Kriecher zu erschrecken?"

Er sah an ihr vorbei. Der „Kriecher" starrte schon wieder ins Nichts und begann seelenruhig und genüsslich an einem der Büsche zu knabbern. Er setzte kurz an, verkniff sich dann aber seine unpassende Richtigstellung der Situation und sah das Mädchen vor sich wieder an.

„Es tut mir leid, ich wollte nur..." Er unterbrach den Satz, denn hinter Lira erhoben sich nun mehrere dieser Tiere und auch der Kriecher, welcher gerade noch seinen Nachthunger gestillt hatte, war nun doch unruhig. Die Murmeln in seinem Kopf schienen in den Höhlen zu vibrieren.

Auch Lira schien all ihr Gejammer und die angestaute Wut komplett vergessen zu haben und sah sich um. „Hier stimmt etwas nicht, ich hoffe nur..."Während sie die Worte aussprach, zwang sie sich sichtlich in Richtung Waldrand zu sehen. Von dem aufmüpfigen, kleinen Mädchen war nicht mehr viel in ihr zu erkennen. Nun wirkte sie älter, als sie war. Besorgt zog sie die Stirn in Falten und starrte in den dunklen Wald.

Sie wirkte so zerbrechlich und schwach, dass es Gon auch Angst machte.

Ungeduldig wartete er darauf, dass seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen, damit er auch sehen konnte. Doch alles, was er erkennen konnte waren die Umrisse der ersten Bäume am Ende des Feldes.

Als er gerade den Mund öffnen wollte, um zu fragen was denn da jetzt ist wovor alle so eine Panik haben, raschelten die Bäume so laut, dass es nicht nur der Wind sein konnte, der sich in den Blättern verfing. Nun hatte einer der Bäume seine ganze Aufmerksamkeit. Es sah so aus, als ob sich einer der großen Äste ganz langsam bewegte. Gon wollte weg sehen. Es war ein Arm und mit einem Finger zeigte er in seine Richtung. Kälte durchfuhr ihn.

Doch bevor er das Wesen ausmachen konnte, schien es wieder mit dem Rest des Waldes zu verschmelzen.

Gon zwang sich zu sprechen. Sein Kiefer war verkrampft: „Was war das denn?"

Die Zeit schien zehn mal so langsam zu fließen und eigentlich vergingen nur Sekunden. Dann löste die Anspannung aller anwesenden Kreaturen auf dieser Farm sich spürbar.

Lira regte sich und ein wenig Trotz kam ebenfalls zurück in ihren zierlichen Körper. Sie senkte den Blick und sprach in seine Richtung: „ Das war ein Asdt, er ist böse und er wird mit Sicherheit wieder kommen." Gon sah sie ungläubig an. Sie ließ ein paar Sekunden verstreichen und sah ihn an: „Worauf hast du dich da nur eingelassen, angeblicher Krieger? Du hast einfach überhaupt keine Ahnung! Von Nichts!" Die letzten Silben zerliefen spitz in der Luft. Ihre Stimme wurde leise. „Lass uns jetzt rein gehen und alles verriegeln. Dann schlafen. Das ist das Einzige, was wir jetzt unternehmen können. Jetzt müssen wir morgen auf jeden Fall in die Stadt." Bevor Gon weitere Fragen stellen konnte, war sie schon im Haus verschwunden. Als er ebenfalls über die Türschwelle trat, stand Lira direkt bereit um die Tür zu verriegeln und auch noch einen schweren Klotz davor zu schieben.  „Und wie böse ist der Astd?"

Lira antwortete nicht und ging in ihr Zimmer. Innerhalb einer halben Stunde war das ganze Haus wieder eingeschlafen.

Gon merkte, dass er wieder nicht allzu lange geschlafen hatte. Allerdings schien die Sonne schon durch das Fenster in seinem Zimmer. Nachdem er sich noch einmal an der Stadt erfreut hatte, die in undefinierbarer Entfernung im Tageslicht jetzt immer noch wie Perlmutt glänzte, dachte er noch einmal über Lira und die vergangene Nacht nach. Sie schien sehr besorgt gewesen zu sein. Davor schien sie sehr sauer gewesen zu sein und zwar auf ihn.

Er zögerte kurz und beschloss dann doch herunter zu gehen.

Als er die Tür seines Zimmers öffnete, kam ihm direkt der Geruch von Frischgebackenem entgegen. Sowie das Aroma eines an Kaffee erinnernden Getränks, das sehr würzig roch.

Er betrat die Küche und setzte sich an die gemütliche Sitzecke. Auf dem Tisch waren zwei Gedecke und in der Mitte des Tisches ein pompöses Frühstück gerichtet. Es passte so gar nicht zu dem bescheidenen Eindruck, den der Rest des Häuschens vermittelte. Doch nicht nur das Frühstück überraschte ihn. Als Lira durch den Türbogen trat, traute er seinen Augen kaum. Sie war so...verändert.

Ihr langes, schwarzes Haar war glatt nach hinten gekämmt, gehalten mit einer sehr edlen Haarspange, der ihren Zopf seitlich auf die Schulter fallen ließ. Er sah in ihr hübsches Gesicht und ihr Blick schrie einfach nur:" Was glotzt du denn so?" Aber das ignorierte er. Ihr Oberteil aus einem seidenähnlichen Stoff mit einem schlichten, geraden Schnitt, der nicht zu viel Weiblichkeit präsentierte, erweckte in Kombination mit ihren Pumphosen, die aus demselben Stoff genäht waren den Eindruck einer orientalischen Schuluniform.

Lira merkte, wie streng er sie musterte. „Ist irgendwas?"

Doch sie wartete seine Antwort nicht ab und setzte sich mit einem leichten Kopfschütteln an den Tisch.

„So, bitte greif zu. Gleich nach dem Frühstück müssen wir los. Für die Stadtführung werde ich heute wohl keine Zeit haben."

Ihr besorgter Blick schweifte aus dem Fenster, vor dem ihre Tiere schon wieder, oder immer noch schliefen.

Sie fuhr fort: „Pass auf, ich habe mir das so überlegt: Ich schleuse dich gleich in die Stadt ein, denn..." Lira musterte ihn mit ihren leuchtenden, grünen Augen „...dass du ein Fremder bist, wird man so oder so merken und Tatlonier sind lieber unter sich. Das heißt, dafür werde ich dir eine Art Einschleusgebühr berechnen." Ihre Stimme wurde immer heller. Nun passte das Gesamtbild auch besser zusammen. Die klare, helle Stimme mit ihrer gepflegten Erscheinung und ihren zumeist eleganten Bewegungen. Nachdem er dieses Puzzle in seinem Kopf zusammengefügt hatte, versuchte er dem Mädchen weiter zu folgen, doch er war so verblüfft wie sehr sie auf ihre möglichen Einnahmen fixiert war.

„Wenn du dann weiter hier übernachten möchtest, kannst du das gerne tun. Das wird dich dann..." Sie begann zu rechnen und nahm ihre Finger zur Hilfe, gab dies auf und holte sich einen Zettel und einen Stift aus einer Schublade.

„Es ist gut." Sie nahm seine Stimme gar nicht wahr. „Lira?" konzentriert listete sie alle Faktoren tabellarisch auf: Verpflegung, Bettwäsche...

Sie sprach eher mit sich selber, als sie anmerkte: „ So viel Unruhe, wie du hier verursachst muss ich noch eine Art Risikoaufschlag dazu rechnen."

Dann sah sie ihm doch in die Augen und Gon versuchte es noch einmal: „Hör mal, darüber können wir später noch sprechen. Ich sehe mich erstmal in der Stadt um. Vielleicht bleibe ich ja gleich da und wenn ich meine Ausbildung gleich beginnen kann, wird mir bestimmt auch eine Wohnung gestellt."

Lira blieb der Bissen, den sie gerade genommen hatte im Hals stecken. Sie schob ihr Papier zur Seite und fing an zu husten. Nach einem Schluck von dem aromatischen Getränk ging es ihr wieder besser. Sie nahm sich ihren Zettel wieder und fing an darauf herum zu kritzeln. Sie hustete noch einmal nach, aber es klang eher wie ein Kichern. Starr richtete sie den Blick auf ihr wachsendes Kritzelkunstwerk.

Gon war etwas verwirrt, aber mittlerweile nicht mehr überrascht von ihrem merkwürdigen Verhalten.
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Gon trug die Kisten aus dem Schuppen, genau wie Lira es ihm aufgetragen hatte. Er wusste, was sich darin befand. In den Kisten wabbelte es hin und her, das konnte er spüren. Durch diese Bewegungen wurde es noch anstrengender, seiner Aufgabe nachzugehen.

Als er sich mit der nun sechsten und letzten Kiste auf den Weg machte, taten seine Arme von der Anspannung so weh, dass ein feuriger Schmerz sich in seinen Unterarmen breit machte.

Wieder an der durch ein Mäuerchen gekennzeichneten Stelle angekommen, die etwa fünf Meter vom Waldrand entfernt war, ließ er die Kiste runter und sich selbst gleich mit. Schweiß brannte in seinen Augen und er kniff sie zu. Mit seinem Hemd wischte er sich das Gesicht ab und sah in den Wald hinein.

Kalter Wind zog durch sein nasses Haar und er fror. Es war einer von den Tagen, an denen sich die Luft die ganze Zeit anfühlte, als ob die Sonne gerade aufgegangen wäre. Irgendwie unwirklich.

Außer Atem und zwischen den Kisten hockend erschien der Wald bedrohlich groß und der Vorfall der letzten Nacht ließ ihn nicht los.
Ein Wort ging ihm nicht mehr aus dem Kopf:
Böse. Ist dieser Wald auch böse?

Sein Atem wurde flacher, doch sein Herz hatte immer noch nicht aufgehört zu rasen. Er hielt die Luft an und versuchte in den Wald hinein zu horchen, doch das Pochen in seinen Ohren war zu einnehmend. Hinter ihm bewegte sich etwas. Ein Vogel, wie er annahm.

Von einem Moment auf den anderen hatte er keinen Halt mehr und fiel nach hinten. Die Kiste, an die er sich gelehnt hatte, war weg.

Schockiert setzte er sich sofort wieder auf und drehte sich um.

Empört sah er einen Mann an, der die Kiste unter seinen Arm geklemmt hatte und auf ihn herab grinste.

„Tut mir leid, das musste einfach sein."

Der Mann grinste weiter.

Gon sprang auf um Auge in Auge zu stehen. Leider war der Unbekannte einen ganzen Kopf größer als er. „Wer bist du?" grummelte Gon und er wusste die Antwort eigentlich schon selbst: Schwarze Haare, leuchtend grüne Augen und eine perfekte, helle Haut.

„ Ich bin Diro, Lira's  Bruder. Das Grinsen verging ihm dabei nicht.

Warum auch? Er war groß, stark und attraktiv. An welche Götter man hier auch immer glaubte, sie meinten es gut mit ihm. Neid erfüllte Gon und er konnte es sich nicht verkneifen auf seinen noch immer vom Frühstück angeschwollenen Bauch herunter zu blicken.

„Ich bin Gon." die letzten Worte flüstere er eher: „ Schön, dich kennen zu lernen."

„Ja finde ich auch." Strahlte der Schönling. „Ich werde kurz die hier zum Wagen bringen und dann unterhalten wir uns weiter, ja?" Mit einer ausholenden Armbewegung zeigte er über alle Kisten, die an dem Mäuerchen standen. Dann schnappte er sich eine zweite Kiste und klemmte die unter den anderen Arm und machte sich fröhlich summend auf seinen Weg in den Wald.

Verwirrt sah Gon ihm hinterher. Wagen?

Die Tür der Hütte schlug dumpf zu und er hörte Lira's Schritte, die näher kamen.

Als sie neben ihm stand wurde er nervös. Die Situation überforderte ihn und ihm wurde klar, wie er wirkte: Verschwitzt und schwach. Der Tag begann gerade erst und er hätte erneut baden müssen.

„Dein Bruder, die Kisten... Ich weiß nicht, wo der Wagen steht."

Lira reagierte nicht auf seine Aussage und raunte etwas Unverständliches in Richtung Wald. Langsam nervte es.

Diro erschien wieder zwischen den Bäumen und seine Schwester fing wieder an zu schnaufen.

Gon sah ein, dass die beste Entscheidung in dieser Situation war, sich rar zu machen.

„Meine Tasche steht noch im Schuppen." Er war schon einen Schritt zurückgegangen und wartete den richtigen Moment ab um zu verschwinden. Dieser Moment war wohl jetzt.

Mit großen Schritten machte er sich auf und sein Ziel, der Schuppen kam immer näher. Er wirkte wie eine rettende Höhle, die ihm Schutz gebot bis der Sturm vorüber war.

Das Gespräch der Geschwister hatte schon begonnen, aber der Wind fegte die meisten Geräusche in den Wald und nur ein paar Wortfetzen flogen in seine Ohren.

Im Schuppen angekommen war die gesamte Geräuschkulisse von Draußen nur noch zu erahnen.

Er setzte sich hin.

Der Schuppen hatte keine Tür, aber in ihm verbarg sich auch nichts, das hätte geschützt werden müssen. Das stellte er fest, als er sich umsah. An den Wänden hingen ein paar Schaufeln und ein paar Besen.

Seine Tasche stand auf einem alten Schreibtisch. Dahinter befand sich ein kleines, schmutziges Fenster, das den Schuppen durch einige lichte Flecke nur punktuell beleuchtete.

Wenn man genau hin hörte, konnte man die Stimmen immer noch wahrnehmen. Doch sie klangen so weit weg und unwirklich, dass es Gon leichter fiel noch ein wenig dort zu warten.

Es war zwar dunkel und staubig, aber um keinen Preis wollte er in die Situation geraten Partei ergreifen zu müssen.

Er mochte Lira irgendwie, obwohl sie so schwierig war. Jetzt wo er Zeit hatte noch einmal darüber nachzudenken erschien sie ihm eigentlich nur dauerhaft überfordert. Ein riesiger Druck schien sie die ganze Zeit unsichtbar in die Knie zu zwingen.

Außerdem wollte er sich schon gar nicht mit Diro anlegen.

Wartend entging er auch der Peinlichkeit die Kisten noch einmal anzufassen und an ihrem Gewicht zu scheitern.

Das hoffte er zumindest, denn die Stimmen übertönten sich immer noch gegenseitig.

Bald fragte er sich wie lange er schon dort saß und was würde er erzählen, wenn er gefragt wird, was er hier die ganze Zeit gemacht hat?

Er beugte sich vor und fiel dabei fast von der Bank bei dem Versuch hinaus zu blicken.

Gon stemmte sich von seinem Sitzplatz hoch und der Schmerz in seinen Armen kam zurück. Er lief ein paar Mal hin und her. Immer wieder zum Eingang und zurück. Plötzlich waren die Stimmen weg.

Wie er dann fest stellte, auch Diro und zwei weitere Kisten. Sehr gut.

Doch auch Lira war nirgend wo zu sehen.

Gon stellte sich vor, wie sie motzend neben dem schleppenden Kerl her lief und musste schmunzeln.

Ob diese Vermutung den Tatsachen entsprach, oder ob sie ins Haus zurückgekehrt war, konnte er nicht überprüfen.

Der Schuppen lag versetzt neben dem Haus, deswegen hatte er keine Möglichkeit die Haustür von dort zu sehen.

Als er seine Tasche auf dem Schreibtisch sah, kam ihm eine Idee. Keine gute, aber eine Idee.

Hektisch begann er an der Lasche zu fummeln bis die Tasche auf war und kramte den Reiseführer aus.

Er zögerte kurz und riss dann doch willkürlich eine der Seiten heraus und schob sie hinter den Schreibtisch.

Schritte! Gerade noch rechtzeitig.

Lira steckte ungläubig ihren Kopf in den Schuppen.

„Oh! Mein Reiseführer, ein Windstoß!"

Gon tat so, als ob er den ganzen Schuppen absuchte und bewegte seinen Kopf dabei wahrscheinlich viel zu schnell. So dass er eher wie ein Huhn wirken musste.

„Bist du fertig? Wir müssen jetzt los." Sie stellte überhaupt keine Fragen. Sie hatte es nur eilig.

Unbeholfen packte er den Reiseführer wieder ein. Ohne die Tasche zu schließen lief er los um mit dem Mädchen Schritt zu halten, das schon wieder auf halbem Weg zu dem Mäuerchen war.

Wehmütig sah er noch einmal zurück. Man konnte die Seite unter dem Schreibtisch liegen sehen.

Sein Schritt wurde langsamer, je näher sie den Kisten kamen. Zum Glück war Diro schon wieder in der Ferne zu erkennen.

Gerade als sie auch ankamen, griff der große Bruder nach den beiden verbleibenden Kisten und die drei gingen wortlos in die Richtung aus der Diro gekommen war.

Gon war überrascht. Bereits nach ein paar Minuten hatte er zum ersten Mal wieder harten, unnachgiebigen Boden unter den Füßen. Straßen dieser Qualität kannte er bis jetzt gar nicht. Sie war die ganze Zeit so nah. Hätte er das gewusst, wäre er vielleicht lieber ihr gefolgt. Aber wahrscheinlich war es gar nicht so schlecht, wie es gekommen war. Immerhin befand er sich jetzt ja endlich auf dem Weg nach Tatlor und hatte auch noch Gesellschaft. Nicht die schlimmste, zumindest wenn einer der beiden endlich wieder einen Ton sagen würde.

Ihr Gefährt war eine einfache Kutsche. Ein offener Wagen mit einem Ackergaul davor.

Diro hatte die Kisten in zwei Stapeln aufgestellt und band jetzt alle mit Seilen fest. Dann nahm er seine Schwester und platzierte sie wie ein Kleinkind auf dem Kutschbock. Keine Einwände. Kein Protest. Sie blieb sitzen.

Seine Laune besserte sich zusehends und das verhasste Grinsen kam wieder in sein Gesicht zurück. Gon wurde von ihm höflich gebeten zwischen der Ware Platzt zu nehmen.

Im Schneidersitzt setzte sich Diro ihm gegenüber.

Augenblicklich begann die Kutsche sich zu bewegen. Die Geschwister schienen wohl nicht unbedingt reden zu müssen.

„Du fährst also zum ersten Mal nach Tatlor? Bist du schon aufgeregt?"

Der Wagen schien sanft über die moderne Straße zu schweben.

Gon versuchte das Grinsen seines Gegenübers zu erwidern, ohne dass es gezwungen wirkte. „Ja, es ist das erste Mal, dass ich überhaupt von zuhause weg komme." Er war von seiner Offenheit selbst schockiert, doch dieser Kerl hatte irgendwie etwas sehr Vertrauen erweckendes an sich und eigentlich hasste er sein Grinsen auch gar nicht. Der Typ war gut aussehend und nett. Gon versuchte wieder ihn zu hassen.

Diro' s Augen sahen in die Ferne und er nickte nur. Für Gon's Geschichte hatte er wohl doch nicht so viel übrig.

Zeit verging und die Straße führte die Kutsche immer noch genau so ruhig ihres Weges.

Gon stand auf und sah sich um. Er stützte sich an der Rückenlehne des Kutschbocks ab und musterte die Umgebung. Der Wald war nur noch klein in der Ferne zu entdecken und um ihn herum war nur noch grünes, hügeliges Land zu sehen. Der Wind war schwächer geworden und ein paar Sonnenstrahlen schafften es sogar sein Gesicht ein wenig zu wärmen. Der Herbst war schon fortgeschritten.

Er versuchte die Stadt zu erkennen, aber die letzten Hügel am Horizont ließen seinen Blick nicht vorbei.

Lira sah über ihre Schulter und warf ihm einen giftigen Blick zu, der ihn mit so einer Wucht traf, dass er dich umdrehte und sein Blick wieder auf Diro fiel, der nun eingesunken zwischen den Kisten angefangen hatte an den Seilen zu spielen, die er stramm an der Kutsche befestigt hatte.

Doch es war kein unbeschwerter Sunnyboy, der dort lag. Seine Augen verrieten, dass er tief in seinem eigenen Gedankensumpf herum fischte und das sah nicht nach Spaß aus.

Gon fragte sich, wie lange es jetzt wohl noch dauern würde. Er setzte sich einfach wieder hin.

Der Träumer sah ihn jetzt wieder an und ein diesmal schwaches, aber sehr ehrliches Grinsen erschien in seinem Gesicht, als er wieder anfangen wollte zu sprechen. Er setzte an, aber beugte sich dann doch zuerst ein Stück zu Gon herüber.

„Lira ist sauer auf mich." Das war nichts Neues. Gon verzog keine Miene und deutete ihm an fort zu fahren. Diro verstand. „Ich hatte ihr versprochen, dass ich spätestens gestern wieder bei ihr sein würde..."

Das war zumindest der Ansatz einer Erklärung für ihr unmögliches Verhalten.

Er schüttelte den Kopf und sah in Lira's Richtung. Sie hörte zu. Das konnte man an der Art, wie sie ihren Kopf hielt sehen.

„...Ein Mädchen sollte nicht alleine sein und schon gar nicht an so einem einsamen Ort. Und nach dem Vorfall gestern..."

Er presste seinen Rücken gegen die Kisten und setzte sich gerade hin und atmete tief durch.

„...Ich werde eine Zeit lang auf der Farm bleiben. Es ist nur so schwer zu vereinbaren. Ich habe so viel zu tun."

Gon machten diese Worte nachdenklich. Die zwei schienen es nicht leicht zu haben.

Er prüfte sich selbst, indem er an seine Brüder dachte. An seinen kleinen Bruder Ben, der ihn immer voller Ehrfurcht ansah, ihn mit seinen dicken Bäckchen angrinste, so dass sie ganz rot wurden und ständig rief: „ Gon! Du bist der stärkste Mann auf der ganzen Welt!"

In Bühlon war er das auch.

Dort war er der Größte und der, der am meisten Fässer tragen konnte.

Wenn er allerdings Diro ansah...

Hatte er Heimweh? Wollte er wieder zurück? An den Ort, an dem es ihm gut ging und zu seinen Brüdern, die sich bei weitem nicht so viele Gedanken machen mussten, wie Lira und Diro?

Nein! Er wollte endlich diese Stadt sehen. Seine Tasche war immer noch offen und der Reiseführer lugte heraus.

Er wollte es endlich wissen!

„ Steh auf, Großer!" Diro rüttelte an seiner Schulter. Fast wäre er eingeschlafen. „ Da ist sie, schau!"

Gon sah in Diro's Augen. Sie leuchteten. Er schien sich mit ihm zu begeistern.  Die Aufregung stieg mit einem Herzschlag in seinen Körper. Er zog sich an den Kisten hoch und sah nach vorne.

Ehrfurcht erfüllte ihn. Tatlor war so riesig, dass sie einen Schatten warf, der erhebliche Fläche neben ihr verschlang. Obwohl noch helllichter Tag war, verschwand die Sonne immer weiter, je näher sie der Stadt kamen.  Dort, wo die Landschaft in Dunkelheit getaucht war, konnte man ein Netz aus Adern der Flüssigkeit sehen, die sogar durch den Boden schien. Die große Pyramide erhob sich jetzt so mächtig vor ihnen, dass sie selbst den Wind abhielt. Durch die Stille drang ein blechernes Geräuschbündel aus Stimmen.

Diese Stadt schien alles zu verschlucken. Dort angekommen, blieben sie nun in einem Gang stehen. Es war dunkel.

Zwei kräftige Soldaten traten von den Wänden hervor. Das Stimmenraunen war hinter einer massiven Holztür zu hören. Lira hüpfte herunter und flitzte wie selbstverständlich durch diese Tür.

Es ging so schnell, dass er nicht sehen konnte, was sich dahinter verbarg.

Die Soldaten reagierten nicht auf sie, aber sahen in seine Richtung und fingen an zu tuscheln.

Diro hatte hinter ihm schon angefangen die Seile zu lösen. „ Hey Großer, komm mal her."

Gon fühlte Scham. Er hatte sich ablenken lassen und stand schon wieder unnütz herum. Sofort hüpfte er zu Diro hin, kümmerte sich nicht weiter um die beiden Männer, die sie beobachteten und half ihm die Seile zu lösen. Seine Finger rutschten ständig ab. Er war so aufgeregt.  Niemals hätte er gedacht, dass Tatlor so groß ist. Er hätte nicht gedacht, dass irgendetwas so groß ist.

Ob Diro es bemerkt hatte?

Ja, hatte er.

„Die tuscheln nicht wegen dir. Mach dir keine Sorgen." In diesem Moment öffnete die Tür sich erneut, doch dieses Mal  weiter.

Stimmen und Geräusche von beschäftigten Menschen drangen kurz durch und wurden sofort wieder gedämpft, als die schwere Tür wieder zu viel.

Lira kam polternd mit einem Handkarren wieder zurück.

Sie ging an den flüsternden Männern vorbei und grüßte sie diesmal beiläufig: „ Hei Pitschie, wie geht's deinem Bein?"

Zögernd ging Pitschie auf Lira zu, die das Wägelchen neben die Kutsche gestellt hatte. „Hör mal Lira, das geht nicht. Wir werden euch nicht verraten..." Er tauschte flüchtig ein paar Gesten mit seinem Kollegen aus. „...Ihr müsst wieder gehen."

Die Situation zog sich zu. Die Männer wurden ungeduldig und Diro riss die Deckel der Kisten nur so ab und ließ die Glibberhaufen in den Handkarren platschen. Es war wirklich ekelig.

Pitschie drängte: „ Diro, bitte!"

Ungeordnet schmiss Diro all die Kisten in die Kutsche. Dann stieg er auf und drehte. „Dann ist es jetzt also soweit. Na gut." Er nickte den beiden Männern entschlossen zu.

Lira rannte zu ihrem Bruder. Der stieg noch einmal von der Kutsche ab und nahm seine Schwester in den Arm. „ Sie haben sich entschieden. Es ist soweit." Er küsste sie auf die Stirn und drückte sie noch einmal fest. „ Dich können sie nicht aussperren. Grüß Mama von mir, ok?"

Gon konnte seine Neugier nicht zurück halten und wandte sich an Pitschie. Ob er ein Elrik war? „Warum darf Diro nicht rein?"

Er war sich gar nicht sicher, ob er rein durfte.

„Unser lieber Diro glaubt, er muss seine eigene Stadt bauen." Er sah sich um, als ob sie jemand belauschen könnte und fügte hinzu: „ Das passt vielen hier nicht, weißt du?"

Eine eigene Stadt bauen?

Gon sah Diro noch einmal hinterher, sah in seine Augen, die voller Leben und Hoffnung waren.

Lira war schon wieder auf dem Rückweg und ihr Bruder stand da und hob den Arm zum Abschied.

Gon hob seinen Arm ebenfalls. Er prägte sich das Bild von diesem Mann nochmal genau ein.

Sah so ein Rebell aus? Oder ein Bürgermeister? Oder war es das Bild eines absoluten Spinners?

Sie würden ihn eine ganze Weile nicht mehr sehen.

Die Tür öffnete sich wieder und er wurde von dem Lärm fast erschlagen. Das Rattern ihres Kleinen Wagens welches er zuvor noch als störend empfunden hatte ging jetzt unter. Auch sie wurden verschluckt.

So viele Menschen. Er wusste überhaupt nicht wo er hinsehen sollte.

Dieser Krach, diese Bewegung. Diese Luft. Es roch nach Leder und nach Stoffen. Die letzten Spätsommertage schienen auch noch immer hier gefangen zu sein.

Gon fühlte Aufregung.  Es war, als ob er von jeder Richtung, in die er sich begab ein neues Abenteuer warten würde. Die Größe des Platzes war nicht zu ermitteln.

Die Faszination nahm schnell ab, als er spürte, wie sein Körper unter dieser Reizüberflutung litt. Er durfte Lira nicht verlieren.

Seine Augen suchten hektisch die Menge ab.

Dort stand ein alter Mann, der einen Glibberhaufen in der Hand hielt.

Im nächsten Moment fuhren schwarze Haare hinter dem Mann hervor und eine kleine, flinke Hand schlug nach seiner.

Gon sah, dass Lira's Mund sich bewegte und sich vor Wut verzog. Langsam wurde es zu einem vertrauten Anblick. Die Nadeln ihres Giftblickes trafen endlich mal jemand anderen.

Lira legte ihr Stück Ware wieder auf den wabbelnden Berg zu den anderen.

Gon folgte ihr zu einem überdachten Marktstand am Rande des Platzes.

Als sie im gedämpften Licht verschwanden, atmete er kurz durch.

Sie stellte den Wagen ab und fing an eine Verkaufspyramide auf einem der Tische zu errichten.

Er eilte um ihr zu helfen. Es war ihm immer noch zuwider das Zeug anzufassen, doch er riss sich zusammen.

Lira schrie in sein Ohr: „ Ich muss zur MMZ. Pass du hier auf. Acht pro Stück sind zu wenig und zwölf ist ein super."

Das konnte sie nicht ernst meinen.

Er reagierte zu langsam. Sie war schon verschwunden. Er rief hinter ihr her, aber er konnte seine Stimme selbst nicht hören.

Was war eine MMZ? Eine Monster-Meldungs-Zentrale?

Gon schmunzelte über seinen eigenen Witz.

Er erkannte erst jetzt, dass um ihn herum auch Verkaufsstände waren.

Eine andere Verkäuferin nickte ihm freundlich zu. Sie war ähnlich gekleidet wie Lira.

Er konnte die Menschenmasse immer noch nicht fassen, aber sein Verkaufstisch bildete eine Barriere zu dem Getümmmel und Gon versuchte die Kulisse distanziert zu betrachten.

Beschäftigte Menschen und Menschen, die es unglaublich eilig hatten, zeichneten sich ab. Würde man sich die befremdliche und zum großen Teil einheitliche Kleidung weg denken, blieb die gleiche Art von Menschen übrig, wie die in Bühlon und in den umliegenden Dörfern.  Einige hatten vielleicht eine dunklere und einige eine hellere Hautfarbe, als es dort üblich war.

Er musste an die Nomaden denken, die er damals besucht hatte. Sie hatten viel kleinere Nasen und viel breitere Köpfe, als die Dorfbewohner. Aber das fand er damals wie heute nicht besonders befremdlich. Menschen waren Menschen. Dieser Gedanke beruhigte ihn.

Nach der Begegnung mit den Kriechern und dem Wesen namens Astd war er sich nicht sicher, was ihn hier erwarten würde.

Sein Blick verharrte bei einem Kind, das vollkommen vermummt und mit einer viel zu großen Jacke sehr unbeholfen zwischen den Erwachsenen herum stolperte. War es alleine?

Sein Blickfeld wurde erschüttert.

Etwas hatte ihn am Kopf getroffen. Entrüstet verfolgte er die Flugbahn zurück. Das Geschoss kam von der Marktfrau links von ihm.

Sie deutete auf seinen Stand und zog die Augenbrauen hoch.

Eine Hand tätschelte an der Glibberpyramide herum.

Eine bläulich schimmernde Hand mit Fingern, die eher an einen Hühnerfuß erinnerten.

Durch den Haufen sah er die Gestalt nur sehr verzerrt, aber erkannte sie dennoch sofort. Es war der Alte. Schon wieder.

Gon verdrehte die Augen, überlegte erst ihm auf die knochigen Finger zu schlagen und entschloss sich dann doch um den Tisch herum zu gehen.

Er brüllte dem Mann ins Ohr: „Kann ich ihnen helfen?" Durch die Anspannung konnte er seine Aggression nicht zurück halten.

Das Männlein drehte sich zu ihm um, nahm seine Finger aber immer noch nicht weg.

Gon ekelte sich. Das eingefallene, bläuliche Gesicht verschwand hinter tränigen, stumpfen Augen, die ihn riesengroß musterten.

Er wollte gar nicht so genau hinsehen. Hautlappen ringelten sich darum. Dieser Mann hatte einfach zu viel...Augenlid.

Gon wollte gar nicht darüber nachdenken, was er war. In den Dörfern hatte er schon sehr hässliche Menschen gesehen, die in zufälliger Weise mit Tieren zu vergleichen waren. Aber eher im lustigen Sinne. Bei diesem Alten war es anders. Es fühlte sich an, als ob Urinstinkte ihn  dazu bringen wollten die Flucht vor diesem Wesen zu ergreifen.

„Sieben?" Zischte es aus dem Tiergesicht. „Sieben und ich nehme alle."

Jede Zelle in Gon stäubte sich, als das Hühnerhändchen nach seinem Arm griff.

Er wollte ihn loswerden. Wollte einfach Ja sagen, sich aus dem Griff lösen und alleine sein.

Lira's Stimmte hallte in seinem Kopf Wieder: „ Acht pro Stück sind zu wenig..."

Acht was? Er kannte nicht einmal die Währung dort. Eine Stimme drang durch den Glibberberg: „Neun und du bekommst sie alle!"

Es war die blonde Frau vom Nachbarstand. „ Sieben! Du spinnst ja wohl!"

In einer übertriebenen Geste fasste sie sich an den Kopf. Sie war eine Vollblutverkäuferin.

Gon sah zu ihrem Stand rüber. Sie war alleine und hatte ihn verlassen. Er schien wirklich hilfsbedürftig zu wirken.

Ein Blickduell fand zwischen ihr und der Gestalt statt und sie gewann.

Das Männlein sah weg und holte seinen Geldbeutel heraus.

Kopfschüttelnd, aber ohne weiteres Zögern zeigte er Gon an, dass er seine Hände aufhalten soll.

Fremdartige, eckige Münzen klimperten auf seine Hände und die kleinen, spitzen Finger fingen an sie hin und her zu schieben.

Er ekelte sich wieder, denn die Krallen kratzen dabei über seine Haut.

Gon versuchte mit zu zählen, doch er konnte die Münzen nicht zuordnen. Zu seiner Erleichterung beugte sich die Frau mit rüber und zählte mit.

Alles schien seine Richtigkeit zu haben und das Männlein nahm zwei Münzen zurück in seinen Beutel.

Wortlos packte er seine Einkäufe in einen Sack und war endlich verschwunden.

„ Wo ist Lira?" das Weib zog ihn unsanft am Arm und drückte ihn an ihre zusammengeschnürte Brust.

„Zur MMZ" flüsterte er. Gon war eingeschüchtert. Bei dem Lärm hätte sie ihn gar nicht verstehen können. „MMZ!" brüllte er ihr jetzt direkt ins Ohr und sie lockerte den Griff.

Er sah in ihre Augen sie wirkten angespannt und nachdenklich und sie nickte: „Komm mit!"

Der Griff zog sich wieder zu und sie lotste ihn zurück zu ihrem Stand.

Mit einer Hand zog sie an einem Band  mit einer Troddel daran und ein Faltvorhang bedeckte die Verkaufstheke.

Es ging weiter. Sie zog ihn zum nächst gelegenen Stand, an dem ein dicklicher, grober Man mit Bart stand. Sie deutete ihm an, dass er ein Auge den Ihren haben soll. Wie immer in einer übertriebenen Geste und mithilfe von Zeichensprache.

Der Mann nickte freundlich.

Gon's Blick musterte die Käfige, die  mit feinen Seidentüchern abgedeckt waren und fragte sich, was der Bärtige hier anbot.

Obwohl eines der Tücher ein wenig zur Seite gerutscht war, konnte er nicht sehen, was sich dahinter verbarg.

Bevor er weiter grübeln konnte, zog die Blonde weiter und die Geräuschkulisse erschlug ihn erneut, als sie sich plötzlich wieder mitten im Getümmel befanden.

Er hatte so viele Fragen, als er weitere echsenähnliche Wesen, gleich dem Greis mit den Klauenhänden sah, aber keine Zeit sie zu stellen.

Sie blieben stehen—an einem Geländer.

Gon hielt sich fest. Er war sich nicht sicher, wie lange er diesen Krach, das Gedränge und diese schreckliche Luft noch ertragen konnte.

Der Griff der Blonden hatte sich endlich gelöst.

Jetzt war Zeit um einmal tief durchzuatmen. Er legte den Kopf in den Nacken und die Sonne, blendete ihn. Nun schienen sie sich in der Mitte des monströsen Kastens zu befinden.

Als er ein paar Mal blinzelte, erkannte er, dass sich auf der nächsthöheren Etage ein ähnliches Geländer als Absperrung diente. Doch niemand war dort zu sehen. Gon musterte auch die Etage darüber. Ebenfalls ein Geländer.

Als er die Augen zusammenkniff konnte er dort in der obersten Etage eine Gestalt ausmachen, die von der Entfernung herabblickte.

Schlagartig kam eine Frage in ihm auf und er setzte an, um sie an seine Begleiterin zu richten.

Er sah zu ihr herüber. Sie war im Begriff eine Schale mit Obst zu leeren.

Er wartete. Als sie den letzten Bissen im Mund hatte und Gon erneut ansetzten wollte, warf sie das leere Schälchen in einer beiläufigen Bewegung über ihre Schulter. Sein Blick folgte dem fliegenden Abfall über das Geländer. Seine Frage blieb ihm im Hals stecken.

Da war also die vierte Ebene von Tatlor.

Es war so finster dort unten. Das Licht streute sich nur wenig durch die verhältnismäßig kleine Öffnung im Boden.

Ungläubig starrte er nun zur blonden Verkäuferin, die ihn ebenfalls ungläubig über die Schulter musterte:" Was?"

Gon rang nach Worten: „Was ist da unten?"

Sie antwortete nicht. Ihre Stimme nahm einen quietschenden Ton an und sie fing übertrieben an zu strahlen: „Sie h nur!" Ihre üppigen Wangen wurden knallrot. „Sieh nur!" Wiederholte sie in einem grantigen Ton und Gon spürte an seinem Arm wieder diesen Griff, noch unsanfter als zuvor.

„Da oben! Es ist Rakor!"

Dabei quietschte sie wieder und ihr freier Arm winkte so hastig, dass man Angst haben musste, jemand würde seiner Schlagkraft zum Opfer fallen.

Gon sah nach oben. In der Etage über ihm standen nun drei Männer lässig über das Geländer gelehnt. Rakor warf seiner Liebsten einen ebenso lässigen Handkuss zu. Die drei muskulösen Männer klopften sich gegenseitig auf die Schultern und lachten. Dann drehten sie sich um und waren verschwunden.

Gon wurde am Arm hin und her gezogen und das Weib brachte in einem nervtötenden Ton hervor: „ Er ist mein Verlobter!"

Sie machte eine Pause und sah ihn erwartungsvoll an.

„Schön ",  grinste er.

Ihr Blick wurde schärfer und ihr Griff noch fester. „Wenn ich erst einmal seine Frau bin, muss ich mich nie wieder hier unten aufhalten und schon gar nicht an einem Verkaufsstand!", zischte sie.

Ihr Tonfall wurde nun übertrieben hochnäsig. Man hätte sie schlagen wollen.

„Mein Rakor wird bald Hauptmann der Elrik!"

Gon hätte es sich denken können. Diese Muskelprotze mussten Elrik sein. Schon jetzt verstand er, warum er nie einer von ihnen sein könnte. Er fühlte sich als ob jemand seinem Herz einen dumpfen Faustschlag verpasst hätte. All seine Pläne und Hoffnungen zerplatzen vor ihm und sein Körper wurde schwer.

Mehr denn je fragte er sich, was er hier suchte.

Der tosende Lärm verschwand kurz und die Stimmen um ihn herum wurden leiser. Genug Abenteuer und Enttäuschungen. Er wollte nach Hause.

Als sie sah, dass er seine Begeisterung nicht teilte, stieß sie Gon in irgendeine Richtung einfach in die Masse hinein und zeigte auf ein Holzschild.

Es war eine Übersichtstafel. Als er sich nach ihr umdrehte, war sie verschwunden.

MMZ↑ verriet ihm die Tafel.

Es standen noch so viele andere Begriffe darauf, doch der einzige, der für ihn jetzt noch interessant war, war: Stadttor↘

Ein paar Minuten später hatte er sich endlich durch die Masse gekämpft und sah Lira in der Schlange stehen. Sie sah so winzig aus.

Er stellte sich neben sie und sie bemerkte ihn, sah ihm aber nicht direkt in die Augen.

Stattdessen murmelte sie vor sich hin: „Es ist sehr voll heute —viele Vorfälle."

Gon war fertig mit diesem Tag. Etwa zwanzig Minuten standen sie nur da. Dann bewegte sich die Schlange um ein ganzes Stück.

In dem Gebäude herrschte eine angenehme Ruhe. Trotzdem war es zu voll und stickig.

Gon 's Blick hüpfte von Gesicht zu Gesicht. Die meisten Leute hier sahen normal aus. Auch keine Echsenfratzen dazwischen.

Er stellte sicher, dass Lira noch in seiner Nähe stand.

Die Menge bewegte sich wieder ein Stück vorwärts.

Gon drehte sich um und entdeckte wieder eine Tafel, die zwischen den Köpfen zu sehen war.

Sie besagte: „Herzlich willkommen in ihrer Monster-Meldungs-Zentrale!"

„Wirklich jetzt??...."

Zu Gon' s Überraschung reagierte Lira auf sein Gemurmel:

„Was meinst du?"

Verwundert über ihr Interesse tat er es ab und sagte: „ Ach nichts."

„OK."

Gon musterte wieder ein paar der herumstehenden Leute. Einige hatten Skizzen in der Hand. Manche tauschten sich über ihre aus und eine fusselige Frau hörte er sagen: „Nein! Also solche Kreaturen gab es früher nicht! Zu Tode hat sich mein kleiner Sohn erschreckt!" Sie klang ähnlich wie die Blonde.

Dabei fuchtelte sie mit ihrem Blatt Papier herum und es fiel auf den Boden. Eine andere Frau hob es auf und Gon lachte lauthals los.

„Hat ihr Sohn auch diese Skizze gemalt?"

Entrüstet sah die Frau ihn an und dann ein paar schmunzelnde Mitwartende um sie herum. Dann drehte sie sich mit erhobener Nase um und sah stur nach vorne.

Gon war jetzt alles egal. Die Leute hier waren komisch. Er mochte sie genau so wenig, wie diese Stadt. Nichts war so, wie er es sich vorgestellt hatte.

Seine Hand griff energisch in seine Tasche und zog den Reiseführer heraus.

Er blätterte hastig durch die Seiten, überflog seine Zeichnungen.

Erinnerungen kamen in ihm hoch. Wie viele Stunden hatte er in der Bibliothek beim krummen Jonas verbracht? Atlanten und Naturführer verschlungen, bis ihm im stumpfen Kerzenlicht die Augen brannten und er zu Hause den Hintern versohlt bekam, weil er schon wieder das Abendessen versäumt hatte.

Aber immer, wenn er in seinem Zimmer bedächtig eine weitere Seite mit Bildern und Informationen über Tatlor auf die anderen Seiten knotete, fand er dass es sich gelohnt hat und spät schlief er mit einem Grinsen ein.

Nun überflog er weiter eine Seite nach der anderen. Lügen!

Es waren Lügen, an die er geglaubt hatte.

In seiner Vorstellung war dies ein reiner Ort, eine bessere Welt.

Sauber und fröhlich.

Wütend klappte er den Reiseführer wieder zu und begann ihn wieder irgendwie in seine Tasche zu stopfen. Unsanft, wenn nicht sogar grob.

Ein „Pling" war zu hören.

Das Band war gerissen und ehe er es realisierte, flogen die Blätter einzeln zwischen den Füßen der Leute herum.

Gon fing an sie aufzusammeln. Dabei beeilte er sich nicht besonders.

Als er den voluminösen Packen Papier in beiden Händen hielt, knüllte er ihn zusammen und warf das spröde Bündel in eine Mülltonne.

Schnaufend drehte er sich wieder um.

Die Frau mit der Skizze von dem „unheimlichen Monster" stand direkt vor ihm und lächelte schadenfroh.

„Na? Das sieht aber auch nicht besser aus, als meine Zeichnung!"

Sie hatten die volle Aufmerksamkeit.

Wartende Bürger, die gelangweilt in der Behörde herumstehen sind ein dankbares Publikum für jede Art der Abwechslung.

Gon rümpfte die Nase und sah auf sein Datenblatt über die Elrik-Elite

mit einer schematischen Zeichnung einer typischen Uniform und einem typischen Langschwert, mit der die Alte weitläufig herumfuchtelte und erwiderte: „Der Unterschied ist, dass ich damals tatsächlich noch ein Kind war!"

Verdutzt sah die Frau ihn an.

Durch ihre heruntergezogenen Mundwinkel sah sie aus wie eine dämliche Kröte.

Gon reihte sich wieder neben Lira ein. Die nächsten zwei Minuten sah sich niemand in der MMZ an oder sprach miteinander.

Es ging wieder drei Schritte vorwärts.

Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, dass Lira immer wieder zu ihm hinauf sah.

Er fing ihren nächsten Blick auf und wartete.

Sie sprach leise, aber direkt zu ihm: „ Ich hasse diese Stadt!"

Diese Überraschung ließ Gon seinen wütenden Bauch kurz vergessen und er entgegnete nur ein verschwörerisches Lächeln.
************************************


Gon musst eingenickt sein. Er steckte die Hand tief in das Fell, auf dem er lag. Es war so flauschig, dass seine Hand darin verschwand.

Seit ungefähr drei Stunden genoss er jetzt die Einsamkeit und die Ruhe in dem runden Zimmer, in dessen Mitte er es sich auf dem ebenfalls runden Hocker gemütlich gemacht hatte.

Alles ging so schnell nachdem Lira in der MMZ an den klobigen Schalter trat und dem schwitzigen Beamten kurz und bündig eine Was? —Wann?—und Wo?—Angabe zum Wesen namens Astd gemacht hatte.

Wieder im belebten Treiben und Schieben des des Marktplatzes schien die Herbstsonne nur noch abgegrenzt durch die eckige Öffnung im Dach Tatlors. Harte, kantige Gesichter wurden teilweise beschienen. Einige bauten ihre Stände ab und zogen Handkarren in einem Gerangel hintereinander her.

Sie standen wieder am Geländer in der Mitte. Gon stützte sich mit den Ellenbogen auf und sah diesmal mit unverhohlener Neugier hinunter und entdeckte im schmalen Lichtkegel das ranzige Obstschälchen der grässlichen, blonden Frau. In ihrer abwesenden Art tat Lira es ihm gleich bis sie einige Sekunden später merklich ungeduldig wurde. „Was jetzt?" nuschelte er. Sein Gesicht lag auf seinen Armen, aber sie verstand ihn.

Er erwartete keine umgehenden Antworten mehr und starrte weiterhin den Müll an.

In das beleuchtete Fleckchen Erde schob sich eine dürre Gestalt mit einem Besen. Erst konnte man nur Umrisse erkennen, doch die Frau sah zu ihm hoch und in ihrem Gesicht erkannte er wieder Echsenaugen und bläuliche Haut. Er fühlte sich bei weitem nicht so abgestoßen wie von dem alten Greis. Ihr Anblick weckte eher Mitleid in ihm.

Die Frau ließ den Kopf wieder hängen und verschwand fegend wieder in der Dunkelheit.

Gon sah auf und ein paar Leute starrten ihn von Gegenüber pikiert an.

Er versuchte seinen Interesse an dem Elend zu verbergen und legte seinen Kopf nun ganz in seine Arme und drückte ihn kurz gegen den Stoff seiner Ärmel, bis er kleine Sternchen in der Dunkelheit sah.

Nach diesem kurzen Moment des Sammelns drehte er den Kopf nach links und versuchte nur Lira zu sehen und alles andere auszublenden.

Es klappte nicht.

Das schwarzhaarige Mädchen stand neben ihm starrte ihn mit einer Antwort auf den Lippen an. Er hatte schon wieder vergessen, dass er eine Frage gestellt hatte.

Sie platzte heraus: „Da runter!"

Ohne sich aufzurichten folgte er ihrem Fingerzeig über das Geländer.

Das war ja klar.

Er stellte keine Fragen mehr und folgte ihr, als sie loshetzte.

Ihr rotes Kostüm glänzte in der Sonne.

Die Leute waren nun angespannter als zuvor und bald waren sie in einem Teil der Stadt angekommen, den die Sonne zu keiner Tageszeit erreichte.

Sie blieben stehen. Das Getöse der Stadt klang nun hohl und blechern.

Sie schoben sich an ein paar düsteren Gestalten vorbei und Gon sah eine breite Treppe hinunter, die nicht zu enden schien.

Ein unbehagliches Gefühl machte sich breit und wurde schlimmer, denn immer mehr düstere Gestalten, die auf der Treppe herumgammelten, drehten sich zu ihnen um die quietschenden Geräusche, die manche von ihnen machten, verschlimmerten die Situation zusätzlich.

Ein paar griffen nun mit ihren schmutzigen Fingern nach Lira's Haaren und ein Kapuzenmann rief mit rauchiger Stimme: „Verpiss dich!"

Ein kleiner Fettsack stimmte mit ein: „Ja genau! Du hast hier nichts zu suchen, du verwöhntes Miststück!"

Gon schlug nach allen Händen, die nach ihr griffen und versuchte die Arme schützend um sie zu legen, doch sie kamen von allen Seiten.

Lira beschleunigte zwar ihren Schritt, ging aber weiter ohne eine Mine zu verziehen.

Je dunkler es wurde, desto weniger fielen sie auf und als sie auf der unteren Etage angekommen waren, schoben sie sich schnell durch die Masse, bevor sie auch dort Aufmerksamkeit erregen konnten.

Plötzlich waren sie hinter einer Tür verschwunden.

Gon stolperte und hielt sich an einer Wand fest, die trotzdem sie metallisch und rau war, nicht kalt zu sein schien.

In vollkommener Dunkelheit hörte er nur noch ein Rumoren wie von langsam fließenden Wasser. Er erinnerte sich an die adrigen Kanäle mit der leuchtenden Flüssigkeit im Schatten der Stadt.

„Lira"? Er hielt den Atem an um sie zu hören.

Eine tiefe, brummige Stimme erklang: „Wer ist das? Wo ist Diro?"

„Diro kommt nicht und jetzt lass uns durch, Mann!"

Gon freute sich ihre vertraute, keifende Stimme zu hören.

Die fremde Stimme grunzte nur und er hörte wie Lira ein paar raschelnde Schritte vorwärts ging.

Plötzlich packte ihn die grobe Hand des Brummigen und legte sie auf eine Stange, die sich schnell als Leitersprosse herausstellte.

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