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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die schräge Leidenschaft der Holly D.
Eingestellt am 25. 02. 2016 09:59


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Friedrich Malinowski
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2016

Werke: 9
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Holly war ein hübsches Ding.
Nur hatte sie Pech mit Männern.
Ihr erster Mann war einer von den Ärschen, auf die man immer wieder rein fällt. Das schien ein Naturgesetz zu sein. Den zweiten setzte sie beizeiten vor die Tür, bevor er sich voll entfalten konnte. Das war der Selbsterhaltungstrieb. Der dritte schließlich, mit genügend Potential ausgestattet, um daraus etwas halbwegs Brauchbares basteln zu können, starb ihr unter den Händen weg. Das war Pech.
Für eine Weile wollte sie jetzt die Finger davon lassen. Sie nahm ihre Männer Auszeit.
Ihr seelisches Gleichgewicht versuchte sie in ihrem Hobby, dem Skisport, wiederzufinden. Nach Neujahr packte sie ihre Sachen und machte sich auf den Weg.
Gleich am ersten Tag kam es zu einem Zwischenfall, der ihr Leben einschneidend verändern sollte.
Sie stand oben, am Rand der Piste, als sie urplötzlich ein unwiderstehlicher Harndrang überfiel. Sie konnte sich kaum rühren. Verzweifelt schaute sie sich um, aber in ihrer Nähe gab es nichts, was ihr Schutz hätte bieten können. Nur oberhalb ihres Standortes sah sie eine kleine, spärlich bewaldete Böschung, die aber außerhalb des markierten Geländes lag. Dorthin stakste sie auf ihren Skiern, so gut es ging. Sie stieß ihre Skistöcke in den steifen Schnee, zog die Hosen runter und ging in die Hocke.
In dieser abschüssigen Gemengelage war es ihr jedoch unmöglich, die Stellung zu halten. Der Versuch, sich aufzurichten scheiterte kläglich. Ihre Skier bekamen Auftrieb, gerieten ins Gleiten, ohne dass sie etwas dagegen hätte tun können, nahmen Fahrt auf, und sie rauschte, auf den Skiern kauernd, mit runtergelassenen Hosen, die Böschung abwärts.
Holly war ein hübsches Ding.
Aber in dieser Stellung? In der Hocke ist man nur die Hälfte wert!
Wie gesagt, die Böschung befand sich außerhalb der Markierung, da sind die Schikanen besonders gemein. Und die Schräge wurde immer schräger. Sie versuchte sich abermals aufzurichten, aber ohne ihre Skistöcke, befürchtete sie, das Gleichgewicht zu verlieren. Also blieb sie hocken.
Was letztlich den unaufhaltsamen Abstieg der Holly D. ein jähes Ende bereitete, wurde nie so richtig geklärt. Sanitäter fanden sie und brachten sie in die nahe liegende Unfallstation. Später kam sie ins städtische Krankenhaus.
Holly war ein hübsches Ding.
Gewiss! Aber wie sie so da lag. Gegipst, gepflastert und vernagelt. Und die Begleitumstände erst. Äußerst peinlich. Da man sie darauf nicht ansprach, ließ sie es auf sich beruhen.
Die Zeit, die Wunden heilt, brauchte drei Wochen.
Dann bekam sie ihre ersten Heilmassagen. Sie legte sich auf die Pritsche, mit dem Nötigsten am Leib. Ihr Masseur, ein braungebrannter, sportlicher Mitfünfziger mit gemischten Gesichtszügen, auf denen sich, soweit sie das dem Geruch nach beurteilen konnte, das neue „Patrick“ von Süskind bereits flächendeckend etabliert hatte.
entspannte sich zusehends. Da, wo er sie mit seinen Händen berührte, war der Schmerz verflogen.
Der Mann verstand sein Handwerk
Holly fand, jetzt wurde es Zeit, ein Gespräch anzufangen.
„Da haben Sie aber Glück gehabt, dass es nicht ihren Arm erwischt hat“, ging sie vorsichtig auf Tuchfühlung und spielte dabei auf seinen rechten Fuß an, der dick bandagiert war.
„Meine Hände sind versichert, das ist nicht das Problem. Aber ich hätte nicht lachen dürfen.“
„???“ Sie wartete auf den Zusammenhang.
Er schob das Tuch weiter nach oben und widmete sich ihren Waden.
„Also, so etwas passiert einem in hundert Jahren nicht. Vor ungefähr drei Wochen stehe ich auf der Piste. Korrigiere meine Bindung. Da höre ich plötzlich ein lautes Geschrei.
Oben vom Quersattel kommt eine Frau laut fluchend und wild gestikulierend, die schräge Böschung runter. Und wie ich genauer hinschaue, da sehe ich, dass mit ihrer Kleiderordnung etwas nicht stimmen kann. Die hockt auf ihren Skiern, aber mit runtergelassenen Hosen.
Ich denk noch so, wenn der Geiselheiner das sieht, der von der Aufsicht, dann kriegt die glatt die rote Karte. Exhibitionismus ist hier unerwünscht. Auch außerhalb des markierten Geländes.
Und wissen Sie was, während mir das alles durch den Kopf geht, und ich mir vorstelle, wie der gestrenge Geiselheiner mit der roten Karte in der Hand vor der hockenden Frau steht…, da packt mich ein derartiger Lachkoller, dass meine Skier sich verkannten, und es mich seitwärts hinhaut. Da habe ich mir halt den Fuß verdreht. Aber wert war´s schon.
Er klatschte das Tuch und sagte: „So, Madame, das war´s!
Aber Holly war schon wieder auf Abwegen. Mit ihren Gedanken.
Gesund sieht er ja aus. Potential hat er auch. Und seine Hände sind versichert.



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Frima

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