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Leselupe.de > Humor und Satire
Die schwarze Mimi
Eingestellt am 13. 06. 2017 09:12


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Detlef Schumacher
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2009

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Zu Hause ist sie im Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die nebenan wohnenden Hunde mögen sie nicht. Sie sie auch nicht. Die in, unter und neben dem Haus wohnenden Mäuse fürchten sie, weil sie ständig bemüht ist, ihnen das Leben zu nehmen. Frau Wollfaden, Inhaberin des Hauses, liebt die schwarzfellige Katze Mimi. Sie ist die einzige Person, die diesem Tier gut ist. Ihrem Mann kann sie nicht mehr gut sein, da sie Witwe ist.
Auch Mimi ist Witwe, weil ihr Liebhaber, der Kater Stanislaus, der sie zweimal zur Mutter gemacht hatte, von einem böswilligen Nachbarn erschlagen wurde. Den störten deren nächtliche Paarungsgeräusche zur Frühlingszeit.
Auch der Junggeselle Thomas Knopfloch, der in Sichtweite des Wollfadenschen Hauses in einer Pension lebt, hasst die schwarze Mimi. Er hasst eigentlich alles, was schwarz ist: den Tod, die Grufties, den Schornsteinfeger und die Bluse der Pensionsinhaberin Isabella, deren üppiger Inhalt ihm manchmal zur sittlichen Bedrohung wird, wenn sie ihn mit ihm touchiert. Thomas hasst auch die tiefschwarzen, mondlosen Nächte, in denen er das Eindringen von Räubern fürchtet. Isabella wollte ihm die Furcht mittels Beischlaf nehmen, doch er beharrt trotz nächtlicher Gefahr auf dem Alleinschlaf. Er ist sehr abergläubisch, was seinen Hass auf Mimi verständlich macht. Schwarze Katzen bringen Unglück, wenn sie vor einem den Bürgersteig passieren. Mimi überquert gern den Bürgersteig, vornehmlich dann, wenn Thomas auf ihm daher kommt. Sie tut das absichtlich, da sie ein hinterhältiges Biest ist und Thomas nicht leiden kann, weil er sie mal „Blöde Katze!“ genannt hat. Sie ist nicht blöd, glaubt sie. Das glaubt auch Witwe Wollfaden. Die ihrer Katze gegoltene Beleidigung durch Herrn Knopfloch bezog sie auch auf sich, Deshalb stellte sie ihn zur Rede.
Was ihm einfalle, ein unbescholtenes und friedfertiges Tier so grob zu behandeln. Er habe sie nicht behandelt, sondern lediglich ein mündliches Urteil über ihre Heimtücke abgegeben, rechtfertigte er sich. Heimtücke nahm die Witwe auch für sich in Anspruch, weshalb sie Mimi aufforderte, Herrn Knobloch zu kratzen. Miauend fragte sie, an welcher Körperstelle.
„Die du mit einem Sprung erreichen kannst“, sagte Frauchen.
Mimi sprang auf den Küchentisch – die Unterredung fand in der Küche statt – und prüfte mit listigem Blick, wo Herr Knopfloch am empfindlichsten zu kratzen sei. Da er von Hals bis Fuß bekleidet war, blieb nur sein Gesicht verwundbar. Weil es sich in günstiger Nähe befand, wagte sie einen kühnen Sprung und – landete im Kochtopf mit der fertigen Erbsensuppe. Thomas hatte seinen Kopf zur Seite geneigt, um ihren Flug nicht zu behindern. Mit kläglichem Miauen kroch Mimi aus der noch nicht erkalteten Suppe. Witwe Wollfaden stimmte in deren Klagegesang ein und schlug mit einem Kochlöffel auf Thomas Knopfloch ein. Der wich den Schlägen so geschickt aus, dass ein nächster Schlag Katze Mimi traf, die sich zwecks Linderung ihrer Schmerzen auf den Küchentisch zurückbegeben hatte. Da Katzen sieben Leben haben, überlebte Mimi auch diese Marter. Doch war sie nun bewegungsunfähig. Sie lag alle Viere von sich gestreckt. Witwe Wollfaden glaubte entsetzt, sie sei verblichen. Mit einem schrillen Klageschrei warf sie ihren Oberkörper auf die Tischplatte über die auf ihr befindliche schier leblose Katze. Die war auf eine solche Wucht nicht vorbereitet und quälte sich mit letzter Willenskraft zwischen den fast plattgedrückten Brüsten Frauchens an den Rand des Tisches. Hier verhielt sie schwer atmend.
Herr Knopfloch hatte das alles mit innerer Teilnahme verfolgt. Er, dem die Arglist gegolten hatte, hätte zufrieden das Haus verlassen können, doch tat er es nicht. Nicht im Moment.
Mit seiner rechten Hand strich er beruhigend über den Hinterkopf der Witwe und mit der linken besänftigend über das suppenverklebte Rückenfell Mimis. Dabei sprach er, dass heute Freitag, der 13. sei, ein Tag so recht zum Misslingen.

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