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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die tote Form des Lebens.
Eingestellt am 30. 04. 2002 08:54


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pleistoneun
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Registriert: Apr 2002

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Ernst-Ewald erwachte wie jeden Morgen: schweißnass, mit spröder Stimme und widerlichem Geschmack im Mund. Daran war nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich war an diesem Morgen nur, dass er tot war. Beim Lesen der Morgenzeitung fiel ihm zunĂ€chst nur auf, dass sie gar nicht da war. Auch der Morgenkaffee, der sonst immer schon auf dem FrĂŒhstĂŒckstisch stand, fehlte. Ernst-Ewald schöpfte Verdacht - eine böse Verschwörung seiner Frau? Seiner Kinder? Eine stille Demonstration gegen ihn? Trotzig wandelte er in den Schuppen um sich an die Arbeit zu machen. Doch dort, wo frĂŒher sein Pferdekarren stand, protzte jetzt ein neumoderner Wagen. Seltsam. Ernst-Ewald kratzte sich, wo er sich immer kratzte, wenn er spĂŒrte, dass etwas nicht stimmte. Und gerade als er im Begriff war, das Licht der Petroleumlampe heller zu drehen, ging das Garagentor auf und zwei wildfremde Menschen setzten sich in das Fahrzeug. Ernst-Ewald protestierte heftig, schrie und tobte, doch alles was er die beiden sagen hörte, war die Beanstandung der schlechten Luft in der Garage, die wohl von seinem ungeputzten Mund stammte.
Diese und Ă€hnlich geartete VorfĂ€lle ereigneten sich alltĂ€glich und allwöchentlich und allmonatlich und alljĂ€hrlich und immer mit derselben Verwunderung und derselben BestĂŒrzung Ernst-Ewalds. Dass er tot war, hatte er all die Jahre nicht bemerkt, er wollte nur seinem Alltag nachgehen: die Rösser vor den Karren spannen, am Dorfmarkt ĂŒberteuert Kohlen und Kartoffeln kaufen, das Feld bestellen, das Vieh hĂŒten, die Familie schlagen und sich jeden Abend ordentlich einen hinter die Binde kippen. Jetzt tummelten sich aber ortsfremde Menschen in seinem Haus.

Eines Tages hatte Ernst-Ewald die Nase voll und beging zum zweiten Mal in seinem Dasein Selbstmord. Einen Schlussstrich setzen, sich von der Welt verabschieden, konsequent den Weg zu Ende gehen, jawohl! Aber auch am nÀchsten Morgen stand da kein Kaffee auf dem Tisch, wo sonst immer einer war.

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Hallo pleistoneun,

bis auf den Hinweis auf 'The Sixth Sense' (mir unbekannt) hĂ€tte ich dir genau das geschrieben, was Columbia nun bereits getan hat. Sie war nur wesentlich ausfĂŒhrlicher, als ich es wohl gewesen wĂ€re.
Aber eines möchte ich noch betonen:
Idee - finde ich toll (birgt viel AnsĂ€tze fĂŒr humorige Szenen)
Plot - bĂŒschen dĂŒnne, aber ausbaufĂ€hig, ausbaufĂ€hig, ausbaufĂ€hig...

Scheiße - jetzt bin ich tatsĂ€chlich dabei, Columbia wiederzukĂ€uen. Also Schluss und Gruß
Ralph

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