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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die verbale Handbewegung.
Eingestellt am 29. 04. 2002 08:51


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pleistoneun
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Registriert: Apr 2002

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Als GetrĂ€nkemakler, dachte er, hĂ€tte er eine ganz typische Handbewegung, falls sich Robert Lembke mal bei ihm melden sollte. Die typische Handbewegung war die hochgezogene Nase, die er machte, wenn er regelmĂ€ĂŸig auf der Suche nach dem Flaschenöffner war, mit dem er doch seine GetrĂ€nkeflaschen öffnen musste. Nebenberuflich war er als ReisefĂŒhrer fĂŒr Seelenwanderungen tĂ€tig. Man konnte ihn auch umblĂ€ttern und stundenlang offen auf der Ablage im Auto liegenlassen, wĂ€hrend die Menschen Besichtigungen machten. Er war ein offenes Buch sozusagen, aus dem zu lesen war, dass sein ganzen Leben darin bestand, Menschen auf FĂ€hrten zu locken; mal als Makler, mal als Seelensherpa.

Als Makler beherrschte er die blumigste Sprache, die seine Kunden in eine andere Welt entfĂŒhrten. Seine AusfĂŒhrungen entzĂŒckten die Menschen und die aufgerissenen Augen der Zuhörer zeigten, dass man sich der Magie seiner Worte nicht entziehen konnte und seine Sprache von edlem Charakter war.
Als SeelenwanderfĂŒhrer kannte er die entlegendsten Gebiete dieses Universums. TĂ€glich lockte er hunderte wanderfreudige MĂ€nner und Frauen in abgrundtiefe, schwarze Schluchten und feuerspeiende Gegenden. Dort erzĂ€hlte er ihnen dann von seinem Beruf als GetrĂ€nkemakler mit seiner typischen Handbewegung, die eigentlich eine typische Nasenbewegung war, und er damit bei Robert Lembke - falls sich dieser doch noch mal bei ihm melden sollte - gar nichts verloren hĂ€tte.

Er fĂŒhrte immer alle hierher, in das Tal des Grauens, des letzten Abschieds, der Pforte in eine andere Existenz. Doch der Missmut der AnhĂ€nger hielt sich gering, da seine Sprache nicht nur bewegend und betörend wirkte, sondern auch nervtötend und lĂ€hmend. Diese Kombination war ohne Ausnahme tödlich, fĂŒr jedermann, ausgeliefert den gewaltigsten Redeschwallen, die die Welt je hervorgebracht hat. Er wollte nichts Böses, im Gegenteil, seine Berufung verstand er darin, die Menschen mit einfĂŒhlsamen Geschichten ĂŒber GetrĂ€nke jeglicher Herkunft und Art den Alltag vergessen zu lassen. Sehr viel spĂ€ter erst, er hatte schon lange seine Berufe gewechselt - er war jetzt Leuchtturm-Agnostiker und World-Trade-Center-Imitations-Bauer (neu Ruinen-Landwirt) - sehr viel spĂ€ter also wurde ihm erst bewusst, dass seine Geschichten blutende Ohren verursachten und letztendlich zum Tod durch GeschichtenerzĂ€hlen fĂŒhrte. Er merkte es, als er einem Freund begegnete, der ihm von frĂŒher erzĂ€hlen wollte ...

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Hallo Fast-schon-Eiszeitlicher,

ziemlich skurrile Ironie in deiner Geschichte - aber hĂŒbsch zu lesen. Und geschmunzelt habe ich auch hin und wieder.

Gruß Ralph
__________________
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