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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die vier himmlischen Gesellen
Eingestellt am 10. 12. 2014 00:38


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ThomasWuerttemberger
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August 2011


Die vier himmlischen Gesellen

Die vier himmlischen Gesellen sa├čen betr├╝bt im Wirtshaus und lie├čen die K├Âpfe h├Ąngen. Sie hatten von den Menschen ihre Arbeitszeugnisse erhalten und sollten vor Gott treten und ihm Rechenschaft ablegen. Er wollte erfahren wie die Menschen ├╝ber seine Diener dachten. Jetzt klagten sie einander beim Wein ihr Leid.
ÔÇ×Ich habe versagtÔÇť, seufzte der Fr├╝hling, ÔÇ× dabei gab ich mir solche M├╝he. Den blauen Himmel breitete ich ├╝ber die Lande aus, setzte kleine wei├če Wolken darunter, Samen und Gr├Ąser lie├č ich wachsen, die Blumen auf den Wiesen habe ich aufgeweckt, die Obstb├Ąume mit wei├čen und rosafarbenen Bl├╝ten verziert, die V├Âgel zum morgendlichen Lobgesang vereint und deinen Dreck und Schmutz, lieber Freund WinterÔÇť, er zwinkerte seinem Tischgenossen zu, ÔÇ×habe ich auch wegger├Ąumt. Aber man war nicht zufrieden mit mir. Sie haben sich beschwert. Last mich vorlesen, was sie mir ins Zeugnis schrieben: Den Heuschnupfen hat er uns gebracht, wir wurden mit Allergieen aller Art geplagt, die Sonne war entweder nicht warm genug oder sie schien zu warm. Er hat unsere Kr├Ąfte geraubt, wir waren nur noch matt, schlapp, m├╝de, ersch├Âpft. Viele von uns waren krank, Wir sind froh, wenn er weg ist und freuen uns auf den Sommer.ÔÇť

Der Sommer nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas und begann: ÔÇ×Ja, in der Tat, sie haben sich auf mich gefreut und ich habe nat├╝rlich die Beschwerden ├╝ber dich, lieber Fr├╝hling, geh├Ârt.ÔÇť Er streckte sich nach vorn um seiner Stimme mehr Gewicht zu verleihen. ÔÇ×Ich habe mich m├Ąchtig angestrengt, den Wolken erlaubte ich erst am sp├Ąten Mittag ├╝ber Land zu ziehen und zu regnen. Damit waren sie nat├╝rlich nicht einverstanden, sie schimpften oft und machten ordentlich Rabatz, L├Ąrm, Blitze, Donner und manchmal sogar Sturzfluten. Ich lie├č mich aber nicht umstimmen,denn ich wollte, dass mich die Menschen den gr├Âssten Teil der Tage genie├čen konnten. Ich lud sie ein, an Seen, Fl├╝sse und ans Meer zu kommen und sich im k├╝hlen Wasser zu vergn├╝gen. Sie sollten ihre Speisen unter meinem endlosen, blauen Zeltdach genie├čen, abends und nachts sollten sie von Sternen und Mond berleuchtet, ihre Feste feiern. Den Bewohnern im S├╝den gab ich durch die W├Ąrme Gelegenheit zu faulenzen und nicht arbeiten zu m├╝ssen. Das Wachstum der Fr├╝chte das du, Geselle Fr├╝hling, eingeleitet hast, trieb ich voran und bereitete es f├╝r dich, Geselle Herbst, vor. Die Bienen wies ich an fleissig zu sammeln, damit es viel Honig gibt, die Farben in Gottes Garten habe ich noch verst├Ąrkt, das Gras, welches die Bauern f├╝r ihr Vieh brauchen, lie├č ich trocknen und verwandelte es in Heu, den Lavendel und die Rosen lie├č ich wachsen sowie viele wohlriechende Kr├Ąuter. Die Menschen sollten mich auch durch ihre Nasen erkennen. Die vielen Beernfr├╝chte, Aprikosen, die prallen Pfirsiche, Melonen und das zahlreiche Gem├╝se will ich ja gar nicht weiter erw├Ąhnen, denn ich hab┬┤s gern getan. Vor allem bescherte ich den Eisverk├Ąufern gro├če Gewinne. Aber all das war nicht gut genug.ÔÇť Er schluckte, rollte das Papier aus und las vor: Die Hitze war nicht auszuhalten. Tags├╝ber konnte man das Haus nicht verlassen, die Fensterl├Ąden mu├čten geschlossen bleiben, damit die Temperaturen in unseren Wohnungen ertr├Ąglich blieben., die Klimaanlagen in unseren B├╝ros und Einkaufszentren liefen auf Hochtouren, verursachten hohe Stromrechnungen und machten uns krank. Die M├╝cken, Bienen und Wespen waren eine Plage.ÔÇť Er blickte kurz auf: ÔÇ×Die schreibende Zunft hat sich ebenfalls ├╝ber mich beschwert. Ich h├Ątte sie in ein tiefes schwarzes Loch gerissen, aus dem sie sich nur mit ├╝bertriebenen Reportagen, erfundenen Skandalen und halbwahren Geschichten befreien konnten. Alle vermissten ihre K├Ânige und erwarteten sehnlichst den Herbst.ÔÇť

ÔÇ×Oh warteÔÇť, wehrte Geselle Herbst ab. Er r├╝ckte sein Glas zur Seite und rollte sein Zeugnis aus.ÔÇť Tats├Ąchlich sehnten sie mich herbei. Sofort nach Dienstantritt habe ich mich um die Sonne gek├╝mmert und ihre Kraft um mindestens die H├Ąlfte gedrosselt, vor allem habe ich dabei an die Winzer gedacht, die den ganzen Tag in den Weinbergen bei der Ernte sind. Vielen Dank ├╝brigens, euch beiden Gesellen Fr├╝hling und Sommer, ihr habt in der Tat gute Vorarbeit geleistet. Ich lie├č eine ├╝berreiche Ernte einfahren, f├╝llte ihre Vorratskammern mit ├äpfeln, N├╝ssen, Trauben, Quitten, Hagebutten und K├╝rbissen bis an den Rand. Wein, Most und S├Ąfte aller Art konnten sie bei mir pressen. F├╝r die Kinder lie├č ich Kastanien von den B├Ąumen fallen aus denen sie Figuren basteln konnten. Der Natur zog ich ein goldgelbes Kleid an und die Ahornw├Ąlder lie├č ich ganz ohne Feuer brennen. Die Kunst der Spinnen, deren Netze, verzierte ich mit meinem Tau. In den Wirtsh├Ąusern lie├č ich Wildbret und Schlachtplatten auftischen um sie f├╝r deine Zeit, Freund Winter, vorzubereiten. Ein Teil meiner Zeit geh├Ârt der Melancholie, der Traurigkeit, dem Abschied, wenn ich dichte Nebel ├╝ber die Erde rollen lasse, den St├╝rmen erlaube ├╝ber Flure und durch W├Ąlder zu tanzen und die letzten Bl├Ątter von den B├Ąumen zu sch├╝tteln und das hier ist mein Zeugnis Urteilt selbst: St├╝rme und K├Ąlte hat er uns gebracht, die Sonne geraubt, N├Ąsse, Husten, Schnupfen gebracht, die Tage hat er uns verk├╝rzt, die N├Ąchte verl├Ąngert. Ein ├╝bler Geselle ist er, eine grauenvolle Jahreszeit. Wir erwarten und freuen uns auf den Winter mit hoffentlich viel Schnee.ÔÇť

Jetzt war der Geselle Winter an der Reihe. Er warf sein Zeugnis auf den Tisch und sch├╝ttelte ratlos den Kopf: ÔÇ×Ich verstehe noch immer nicht, was ich falsch gemacht habe. Du, Freund Herbst, hattest mir ja mitgeteilt, was sie sich w├╝nschen und das habe ich ihnen ├╝ber die Ma├čen geschenkt. Ich hoffte, sie dadurch wieder mit uns zu vers├Âhnen. Nun, dazu war eine gewisse Vorarbeit n├Âtig. Zuerst besprach ich mich mit der Sonne. Ich senkte ihre Arbeitsstunden und gab ihr viel Freizeit. Die Natur schickte ich in einen tiefen Schlaf. Ich lie├č die K├Ąlte mit V├Ąterchen Frost ├╝ber die Lande ziehen und packte anschlie├čend mein Geschenk aus. Schnee soviel die Erde nur tragen konnte. Ich bedeckte die Natur und ihre St├Ątdte mit dem hellsten und reinsten Wei├č das man sich vorstellen kann.
Im Schnee sollten sie spielen, Ski laufen oder mit dem Schlitten fahren. Ich freute mich an den Schneem├Ąnnern mit ihren Karottennasen. Die armen R├Ąucherm├Ąnnchen, die das ganze Jahr in dunklen Schr├Ąnken stehen mu├čten, rauchten wieder fr├Âhlich ihre wohlduftenden Pfeiffen. Das gro├če Fest der Gemeinde Christi sollte in wei├čem Kleid gefeiert werden und so lie├č ich zu seinem Geburtstag eine extra Portion Schnee auf die Erde rieseln und ich pr├╝fte selbst jede einzelne Flocke an diesem Tag bevor ich ihr den Weg hinab zur Erde erlaubte. Die geschm├╝ckten B├Ąume funkelten, einer pr├Ąchtiger und gl├Ąnzender als der andere und Geschenke gingen hin und her, ├╝ber die Ma├čen. Vor dem Fest lie├č ich Sankt Nikolaus durch die Welt reisen und den Kindern S├╝├čigkeiten in ihre Schuhe stecken, auf M├Ąrten wurde der Wein mit Zimt, Piment, Orangen, Zitronen und Anis vermischt und erfreute alle Besucher und dem Jahr setzte ich ein grandioses Ende mit Feuerwerk, Blitz und Donner, fr├Âhlichem Feiern und ich versprach ihnen, da├č ihr drei alle wieder zur├╝ckkehren, alles wieder zum Bl├╝hen, alles mit frischen Farben und neuem Leben erwecken w├╝rdet. Und das war┬┤s was sie mir ins Zeugnis schrieben: Es gibt keine schlimmere Jahreszeit. Kaum Sonne, nur K├Ąlte, Schnee, Matsch. Tausende m├╝ssen fr├╝her aufstehen um rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Die Scheer├Ąumdienste waren rund um die Uhr besch├Ąftigt, das verstreute Salz schadet der Umwelt. Auf den Stra├čen und in den St├Ądten herrscht das nackte Chaos. Die Kaufh├Ąuser werden zu Kriegsschaupl├Ątzen. Alles k├Ąmpft, schiebt, dr├╝ckt, st├Â├čt, schimpft und flucht sich durch die G├Ąnge, jeder hastet an den Regalen entlang um in letzter Minute doch noch das passende Geschenk zu finden. Immer mehr von uns Menschen leiden gerade in dieser Zeit an Depressionen und Ersch├Âpfung. Die Einsamkeit sitzt jetzt bei vielen am Tisch und auf dem Sofa. Alles klagt ├╝ber die Arbeit die mit dem Fest einher geht. Zwischen den Beschenkten geht der Neid um. ├ärzte warnen. Alle st├Âhnen, ├Ąchzen und fragen: wann ist diese Zeit vorbei? Wenn nur schon der Fr├╝hling k├Ąme!

Mit traurigen Gesichtern machten sich die vier Gesellen zu Gott auf um ihm ihre Zeugnisse zu zeigen. Der las sie sich am├╝siert durch und sprach:
ÔÇ×Geht zur├╝ck, arbeitet nun gemeisam und gebt den Menschen was sie wollen, sobald sie es aussprechen, denn, des Menschen Wille ist sein Himmelreich!ÔÇť

So gingen sie zur├╝ck in die Welt und berieten sich. Sie kamen ├╝berein, da├č sie sich w├Ąhrend der Arbeitszeit des Fr├╝hlings, im Monat April, treffen wollten. Gesagt, getan! W├Ąhrend die drei anderen Geselle Fr├╝hling bei seiner Arbeit zusahen, h├Ârten sie jemanden schimpfen: ÔÇ×Wenn┬┤s doch nur w├Ąrmer w├Ąre!ÔÇť
Sofort setzte Geselle Sommer alle Hebel in Bewegung und brachte die Sonne zum Gl├╝hen. Kaum hatten sie diesen Wunsch erf├╝llt, h├Ârten sie einen anderen st├Âhnen: ÔÇ× Viel zu hei├č f├╝r diese Jahreszeit.ÔÇť Gleich sprang Geselle Winter zu Hilfe und lie├č die Temperaturen sinken, so da├č alles gefror, anschlie├čend schickte er einen eisigen Schneeschauer ├╝ber┬┤s Land.
ÔÇ× So ein MistwetterÔÇť, schrie einer in den Wind, ÔÇ×ich hab erst ges├Ąht, jetzt wird alles erfrieren!ÔÇť Jetzt bem├╝hte sich Geselle Herbst. Er schickte einen starken Wind um die Schneewolken von Geselle Winter zu vertreiben, lie├č es donnern und blitzen, schickte schwere Regenwolken nach und wusch den Schnee weg. Anschlie├čend kam ein schwerer, trockener Herbststurm um alles abzutrocknen. Zu guter Letzt tat die Sonne wie ihr gehei├čen und brachte den Erdboden mit ihren warmen Strahlen zum Dampfen.
Das tat einer alten Dame nicht gut, die sich hinlegen musste und st├Âhnte: Mein Kreislauf, mein Kreislauf!

Abermals traten die vier Gesellen ratlos vor Gott, beichteten ihm und erz├Ąhlten, da├č es ihnen wiederum nicht gelang die Menschen zufrieden zu machen. Der Ewige lachte herzlich: ÔÇ×Das schaffe nicht mal ich und ich bin euer aller Sch├Âpfer! Aber gebt mir nun eure Zeugnisse, ich will sie zerreissen!

Ende


__________________
TS

Version vom 10. 12. 2014 00:38

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