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Leselupe.de > Science Fiction
Die weite Feste
Eingestellt am 14. 03. 2007 21:28


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Fugalee Page
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2006

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W√§hrend des Falls kam es ihm erst gar nicht in den Sinn zu schreien. Er konnte einfach nicht glauben, was ihm da soeben passiert war. Dann, als er aufschlug und sich Schmerz mit grenzenlosem Entsetzen mischte, h√§tte er doch am liebsten j√§h losgebr√ľllt.
Doch es dauerte einige Sekunden, bis er sich wieder zurecht gefunden hatte. Mit den Armen wild umher paddelnd, hatte es ihn erst einige Male um die eigene Achse gedreht. Durch die Nase war Fl√ľssigkeit in die Atemwege gelangt. Nicht viel, doch es reichte, um Panik auszul√∂sen. Dann, als er mit einem Prusten die Oberfl√§che durchstie√ü, w√ľrgte er sich zun√§chst den nassen Tod aus dem Leib. Und als der Hustenreiz endlich nachgelassen hatte, er nunmehr in der Lage war, seiner Stimme die n√∂tige Kraft zu verleihen, da wunderte er sich, wie weit sich das Schiff bereits entfernt hatte. Im selben Augenblick war er sich bewusst, dass seine Hilfe-Rufe nichts brachten. Die Schallwellen seiner sich √ľberschlagenden Stimme trieben genauso nutzlos √ľber die kleinen K√§mme, wie er selbst. Auf und ab, dem Sektkorken gleich, den er wenige Minuten zuvor in den klaren Sternenhimmel geschossen hatte. Vielleicht trieb dieser Korken ja gar nicht so weit von ihm entfernt? Seltsam ‚Äď was einem f√ľr bl√∂des Zeug durch den Kopf ging, w√§hrend man vor Angst schier wahnsinnig wurde.

*


Doch so einfach klappte das nicht mit dem wahnsinnig werden. Er trieb nun schon eine ganze Weile durch die Nacht. Er fragte sich, wie viele Stunden es her war, seit er in v√∂lliger geistiger Umnachtung √ľber die Reling geklettert war. Eine Mutprobe? Eine pl√∂tzliche irre Laune des Alkohols? Was hatte ihn getrieben? Er h√§tte die Frage nicht beantworten k√∂nnen, oder ‚Äď vielleicht doch?
Eine Situation aus seiner Kindheit kam ihm in den Sinn. Seine Gro√üeltern hatten noch eines dieser alten Gartenger√§te besessen, das von eigener Hand bedient werden musste. Eigentlich idiotisch, da Zeitverschwendung. Wo doch jeder wusste, wie kostbar die Zeit war. Das Ger√§t, das in einem Arbeitsgang vertikulierte, kultivierte und kompostierte, lief nach Gebrauch stets ein wenig nach. Es war defekt, und Gro√üvater hatte es l√§ngst reparieren wollen. Ihm, als Kind, war das Ding wie ein Monster vorgekommen. Es hatte ihn bis aufs Blut gereizt, nur ein einziges Mal in dieses dunkle Maul hinein zu fassen. Klar, es w√§re bei dem einen Mal geblieben, wo er doch genau wusste, dass seiner Hand dort drinnen nichts Gutes widerfahren w√ľrde. Dennoch, ein innerer, unb√§ndiger Drang war da gewesen, umso st√§rker, je mehr er sich dagegen str√§ubte. Damals machte er zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Gartenteufel. Komm, greif hinein, forderte dieser ihn immer wieder dazu auf, w√§hrend er es sich auf seiner Schulter bequem machte.
Das alles war lange her. Damals hatte er sich gegen den inneren Dämonen zur Wehr setzen können. Heute Abend war ihm das nicht gelungen.

Als er sich zwang, klare Gedanken zu fassen, versuchte er sich die Menschen an Bord vorzustellen. Es war keinem aufgefallen, dass er √ľber Bord gegangen war, sonst h√§tte man anders reagiert. Sie h√§tten die Maschinen gestoppt und ein Rettungsboot zu Wasser gelassen, das sich auf die Suche nach ihm gemacht h√§tte. Und diese Suche w√§re ihm in der Dunkelheit nicht verborgen geblieben. In so einem Fall h√§tten sich Suchscheinwerfer in die Schw√§rze der Nacht gebohrt. Das Licht, als Teilchen losgeschickt, w√§re als Welle √ľbers Meer get√§nzelt. Was nicht bedeutete, dass es ihm in irgend einer Zustandsform Beachtung geschenkt h√§tte. Ein menschlicher Sektkorken war in dieser See verdammt schwer auszumachen. Bei Tageslicht h√§tte sich die Suche weit angenehmer gestaltet.
Aber auch zu dumm! Es gab doch l√§ngst intelligente Kleidung. Weshalb war eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, in den Smoking einen Sender zu integrieren, oder besser noch, eine Schwimmweste. In der momentanen Lage h√§tte er diese Person f√ľr den Nobelpreis vorgeschlagen. Allerdings kam es auch verdammt selten vor, dass sich ein Partygast derart idiotisch benahm. Tats√§chlich war es so, dass es in der Geschichte der galaktischen Kreuzfahrt, noch zu keinem Malheur dieser Art gekommen war.
Bleib ruhig, das wird schon, versuchte er sich Mut zuzusprechen. Wenn du in Panik gerätst, kannst du auch gleich kräftig ausatmen, und dich in die Tiefe sinken lassen.
Er rief sich die Zeit vor dem Sturz in Erinnerung. Seine Hoffnung beruhte auf einem ganz bestimmten Szenario. Allerdings st√∂rte es ihn, dass er keinerlei Einfluss auf das Geschehen nehmen konnte. Seine einzige Chance bestand darin, dass eine bestimmte Person richtig reagieren w√ľrde. Die Frau, mit der er den halben Abend geflirtet hatte.

Am Ende war sie ‚Äěreif‚Äú gewesen. Eigentlich ging es nur noch darum, ob man sich in ihrer oder seiner Kabine vergn√ľgen wollte. Sie hatte dann beschlossen, sich kurz die Nase pudern zu gehen, und ihn mit verf√ľhrerischem Blick auf ¬Ľbis gleich¬ę vertr√∂stet.
Alles lief bestens. Enuma Elisch war ein traumhaft sch√∂ner Planet, der Erde aus vergangenen Tagen nicht un√§hnlich. Er war erfolgreich, gesund, in den besten Jahren und befand sich auf einer s√ľndhaft teuren Erlebniskreuzfahrt mit der Septu Aginta. Hinzu kam, dass er in wenigen Minuten animalischen Sex mit einer Frau haben w√ľrde, die ihn fr√ľher keines Blickes gew√ľrdigt h√§tte.
In diesem Moment des √úbermuts hatte er Besuch von einem alten Bekannten erhalten. Wie einst hatte es sich dieser ohne zu fragen auf seiner linken Schulter bequem gemacht und riet ihm, etwas Verwegenes zu tun.
Der Kick wird dein Blut in Wallung bringen. Du wirst so richtig in Fahrt kommen. Keine Angst, beim Sex zu versagen ‚Äď Selbstvertrauen! Du wirst diese arrogante Schlange bis zum Jupiter v√∂geln. Und du wei√üt ja selbst, wie weit die Milchstra√üe von hier entfernt ist.
Ja, der Gartenteufel war schon ein listiges Kerlchen. Und so ganz Unrecht hatte er nicht. Gerade wenn man sich als toller Hecht vorkam, galt es dies auch hin und wieder zu beweisen.
So hatte er sich in einem unbeachteten Moment forsch √ľber die Reling geschwungen, und ‚Äď siehe da! Der Gartenteufel hatte die Wahrheit gesprochen. Im ersten Moment, als er in die Tiefe blickte, durchlief ein Fr√∂steln seinen K√∂rper und sein Herz trommelte wie wild los. Aber alles in allem, kein unangenehmes Gef√ľhl. Die Brise, die √ľber das Meer strich und ihm ins Gesicht blies, lie√ü ihn hellwach werden. Er lebte, lebte auf.
Junge, du traust dich aber was, hatte ihm der Gartenteufel zugefl√ľstert. Denk an die arrogante Schlange ‚Äď bis zum Jupiter!
Ja, er f√ľhlte eine unb√§ndige Kraft in sich aufsteigen. Er klammerte sich an der Reling fest und w√∂lbte den K√∂rper so weit es ihm m√∂glich war, hinaus, in die Gefahr. So war er eine ganze Weile gestanden und hatte in die Tiefe gestarrt. Es war gerade so hell, dass er meinte, die ruhige See erkennen zu k√∂nnen. Hinter ihm brauste das Leben. Offensichtlich hatte keiner seine waghalsige Aktion bemerkt. Niemand ahnte, dass hier ein Held √ľber Bord hing.
Dann hatte sich der Gartenteufel erneut zu Wort gemeldet.
Geht‚Äôs auch noch ein bisschen dreister, fragte er. Komm, halt dich nur mit einer Hand fest. Du bist doch stark. Zeig dir, was f√ľr ein Kerl du bist.
Nun, die Gefahr war kalkulierbar. Wieso h√§tte er sich nicht auf das Spielchen einlassen sollen? Auch bereitete es ihm keinerlei Probleme. Mit der rechten Hand hielt er sich fest ‚Äď auf der linken Schulter sa√ü der Gartenteufel ‚Äď und so lehnte er sich fortw√§hrend hinaus, um sich hernach an die Reling zur√ľck zu ziehen. Das funktionierte ausgezeichnet. Dies erkannte auch sein Qu√§lgeist.
Gut machst du das, sprach er zu ihm. Geht’s vielleicht noch ein bisschen dreister? Wechsel dich ab! Schließlich willst du die arrogante Schlange ja auch nicht nur in einer Stellung vögeln.
Oh ja, da konnte und wollte er dem Gartenteufel nicht widersprechen. Links, rechts, links, rechts ‚Ķ Auch diese Technik funktionierte einwandfrei. Ein regelrechter Adrenalinrausch √ľberkam ihn, der trefflich mit der Verwandtschaft, Rausch Alkohol, korrespondierte. Und die mutige Aktion lie√ü ihm nicht nur die Brust anschwellen. Eine m√§chtige Erektion machte ihn ganz wirr im Sch√§del, lie√ü ihn √ľberm√ľtig werden. Bislang hatte er noch darauf geachtet, beim Umgreifen nicht zu fr√ľh loszulassen. Jetzt schien es so, als hinge er f√ľr einen Augenblick v√∂llig ungesichert, wie festgetuckert in der Luft, bevor er nachfasste.
Einmal noch, sagte er sich, dann schwing‚Äė ich mich wieder zur√ľck √ľber die Reling, direkt in die Arme von dem Biest. Und dann, Gnade ihr Gott.
Ja, mach das so, hatte der Gartenteufel gesagt.
Das n√§chste, woran er sich erinnerte, war der Geschmack des salzigen Meerwassers, dass er sich aus der Nase rotzte. Die Erektion wie auch der Gartenteufel hatten es vorgezogen, oben, an Bord, zu bleiben. Im Detail gesehen, war sein beschnittener Schwanz nunmehr so klein, dass er in diesem Zustand bestimmt keine gemischte Sauna besucht h√§tte. Nein ‚Äď es war heute einfach nicht sein Tag. Und es sollte noch viel schlimmer kommen.

*


Zun√§chst versuchte er sich die Reaktion der Frau vorzustellen. Als sie vom Frischmachen zur√ľckgekehrt war, musste ihr die Sache doch seltsam vorgekommen sein. Welcher Mann macht sich schon ohne ein Wort davon, wenn er kurz davor steht, einen m√∂rderisch hei√üen Fick zu landen. Und um zu erkennen, dass er hei√ü auf sie gewesen war, brauchte es keine Diplomarbeit.
Vermutlich war sie dann so eine Weile gestanden. Es hätte ja durchaus sein können, dass auch er die Toilette aufgesucht hatte. Lieber gab er jetzt dem Harndrang nach, als dass es später zu einer unliebsamen Pause während des Vorspiels gekommen wäre.
Allerdings wartete sie vergeblich. Der selbsternannte Don Juan blieb verschollen. Dann war ihr ein anderer Gedanke gekommen. Vielleicht erlaubte er sich ja ein kleines Spielchen mit ihr. M√§nner sind aber auch so was von leicht zu durchschauen. Vermutlich hatte er ihr eine Memo hinterlassen. Deckstewards waren diskret. F√ľr eine Serviceeinheit waren menschliche Gel√ľste nichts weiter, als eine Ansammlung von Bits und Bytes. Ein Urteil zu f√§llen, √ľber Moral und Sitte, entbehrte somit jedweder Grundlage. Sicher hatte er ihr irgendetwas Schweinisches aufs Entra-Band gesprochen und forderte sie auf, schleunigst in seine Kabine zu kommen. Na gut, sie w√ľrde die Nachricht abh√∂ren und ihm den Gefallen tun. Demnach hatte sie den dienstbaren Robot zu sich her gewinkt und sogleich erkennen m√ľssen, dass sie sich get√§uscht hatte. Und nun war es von entscheidender Bedeutung, was sie als n√§chstes tun w√ľrde.
Was w√ľrdest du an ihrer Stelle tun, stellte er sich die Frage. Versetz dich in ihre Lage. W√ľrdest du vermuten, dass jemand auf die bl√∂de Idee kommt, vor einem m√∂rderisch hei√üen Fick √ľber die Reling zu steigen? Nein, darauf k√§mst du bestimmt nicht. Woher sollte diese Schlange auch wissen, dass auf deiner linken Schulter ein Gartenteufel sa√ü, der dir ins Ohr fl√ľsterte? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass sie sich sagt: Na gut, dann kommt halt ein anderer zum Zug.
Bestimmt steht sie in ihrem s√ľndhaft teueren Abendkleid schon beim N√§chsten, und s√ľlzt ihm nette Belanglosigkeiten ins Ohr. Sobald sich herausgestellt hat, dass es sich auf die eine oder andere Art f√ľr sie lohnt, wird sie mit ihm in die Kiste steigen. Und auf so einer Kreuzfahrt lohnt es sich immer. Denn so eine Reise leistet sich kein Hungerleider. Nein, eines wird sie jedenfalls nicht tun. Sie wird nicht v√∂llig aufgel√∂st zum Kapit√§n rennen, mit den Worten: Ich mache mir gro√üe Sorgen, um meinen Bekannten. Wir waren n√§mlich kurz davor, uns den Verstand heraus zu v√∂geln, als er pl√∂tzlich verschwand. Ich vermute, er ist kurz √ľber Bord gesprungen, um sich abzuk√ľhlen. Jetzt w√§re es aber nett, wenn man ein Boot zu Wasser lassen k√∂nnte. Man hat schlie√ülich noch etwas vor, und j√ľnger wird man ja auch nicht.
Ja, mach dir nichts vor. Du treibst hier alleine im Meer, und kein Schwein interessiert sich f√ľr dich.

Eigentlich wäre es jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen, vollkommen durchzudrehen. Aber er entschied, noch abzuwarten. Da war noch ein kleiner Hoffnungsschimmer in ihm: Wenn das bordeigene Überwachungsprozedere funktionierte, dann …
Sicher, dass jemand √ľber die Reling steigen w√ľrde, daran hatte die Company nicht gedacht. Aber es gab andere M√∂glichkeiten, in Schwierigkeiten zu geraten. Viele der Reisenden waren schon reiferen Datums. Da kam es schon einmal vor, dass man den Freuden nicht mehr gewachsen war, und den Tacho √ľberdrehte. In so einem Fall musste diskret f√ľr Abhilfe gesorgt oder wenn n√∂tig entsorgt werden. Schlie√ülich durfte durch so einen Vorfall kein Vergn√ľgungstief entstehen. So empfahl es sich, den Gast im Auge zu behalten. In seinem Fall w√ľrde das wie folgt ablaufen. Er hatte sich f√ľr morgen zu einer Beauty-Straffung angemeldet. Die Remodellierung der Haut entsprach dem g√§ngigen Standard der Noblesse. Da er zum Termin nicht erscheinen w√ľrde, lie√ü man ihm eine Nachricht zukommen, ob mit ihm alles in Ordnung sei. Diese w√ľrde unbeantwortet bleiben. Ein Decksteward w√ľrde nach dem rechten sehen und seine Kabine leer vorfinden. Dies allein war noch kein Grund, in Panik zu verfallen. Doch w√ľrden die einzelnen Serviceeinheiten Order bekommen, sich gezielt auf die Suche nach ihm zu begeben. Alles sehr diskret, versteht sich. Irgendwann w√ľrde man die offiziellen als auch die inoffiziellen Nutten mit in die Suche einbeziehen, und ihnen sein Bild vor die Nase halten. So w√ľrde sein Konterfei letztendlich bei einer bestimmten Person landen. Wenn dann noch ein F√ľnkchen Ehrlichkeit in ihr war, w√ľrde sie mit der Sprache herausr√ľcken.
Ja, ich kenne diesen Mann. Er ist gestern nach einem heftigen Flirt einfach verschwunden. Wo und wann haben sie ihn das letzte Mal gesehen, w√ľrde die Serviceeinheit nachhaken.
Das war dort hinten gewesen, an Deck, direkt neben der Reling. Sehen Sie, da!
Ja, der Robot w√ľrde sehen und hoffentlich die richtigen Schl√ľsse ziehen. Sie mussten ja nicht gleich soweit gehen, dass er es freiwillig getan hatte. Vielleicht hatte er sich an Bord Feinde gemacht. Spielschulden? Gut, das war weit hergeholt, aber die Robots dachten zum Gl√ľck logisch. Wenn er nirgends an Bord zu finden war, dann befand er sich eben nicht mehr dort. Und da ein Mensch nicht fliegen kann, musste er demnach im Wasser landen.
Ja, dieses Szenario vor Augen gab ihm vorerst Kraft durchzuhalten. Irgendwann mussten logische Denker diesen Schluss ziehen. Die Frage war nur, wie lange sie ben√∂tigen w√ľrden. Konnte er so lange durchhalten? Wieder kam ihm seine Gro√ümutter in den Sinn. Was hatte sie immer zu ihm gesagt: Du darfst im Leben niemals aufgeben. Das Leben ist ein einziger Kampf.
Ob sich die alte Frau wirklich bewusst gewesen war, wie Recht sie damit gehabt hatte? Dabei war es gar nicht seine richtige Gro√ümutter. Die Eltern seiner Eltern hatten sich gegen lebenszeitverl√§ngernde Ma√ünahmen ausgesprochen. So hatten ihn die Eltern zur Erziehung freigegeben. Durch die hohe Lebenserwartung kam der Mensch in arge Probleme mit bestimmten Phasen seines Lebens. An kritische Selbstreflexion war bis zum ersten Lebensviertel kaum zu denken. Erst sp√§ter formte sich, mehr oder weniger ausgepr√§gt, das Verantwortungsbewusstsein. Das ¬ĽWeise Gremium¬ę war so zu einer festen Instanz geworden. Auch Gro√üelternwaisen wurden zeitlich begrenzt zur Wertevermittlung in die Obhut von Alten gegeben. Seine zugeteilte Gro√ümutter, eine streng gl√§ubige Frau, hatte ihm oft aus der Bibel vorgelesen. Manche Passagen konnte er bis heute fehlerfrei wiedergeben. Nur von der Wertevermittlung war nicht viel √ľbrig geblieben. Nach Abzug der Erbschafts-, Sterbegeld-, Friedhofsgrund- und Erl√∂sersteuer war ihm ein ordentlicher Batzen vom elterlichen Verm√∂gen geblieben. In den letzten Jahren hatte er sich vollends der Dekadenz hingegeben. Dennoch, selbst wenn er kein Musterbeispiel des Homo sapiens sapiens abgab, wurmte es ihn doch, dass es so enden sollte. Eine aufgequollene Wasserleiche gab nun wirklich kein sch√∂nes Bild ab. Er hatte sich seinen Abgang anders vorgestellt.

*


Gott sprach: Es werde eine Feste inmitten des Wassers, und sie trenne Wasser von Wasser!
Gott machte die Feste und trennte das Wasser unter der Feste von dem Wasser √ľber der Feste. So geschah es.
Gott nannte die Feste Himmel. Es wurde Abend, es wurde Morgen: Der zweite Tag.


Und am Beginn des zweiten Tages w√§re er vermutlich gestorben, h√§tte sich das Teuflische nicht neu manifestiert. Er w√§re hinab gesunken. Ganz still, unspektakul√§r. Er hatte schlicht und einfach keine Kraft mehr. Weder physisch noch psychisch. Da war nur dieser endlose Horizont. Diese unglaublich erdr√ľckende Weite. Der Horizont und die See.
Er hatte keine Ahnung, wie es war zu ertrinken. Wenn sich seine Lungen erst mit Wasser gef√ľllt hatten, brauchte er sich dar√ľber keine Gedanken mehr zu machen. Was ihn verwunderte war, dass er keine Angst sp√ľrte. Vermutlich war er auch dazu viel zu ersch√∂pft.
Neben dem tauben Gef√ľhl der Ersch√∂pfung versp√ľrte er einen unb√§ndiges Verlangen zu trinken. Inmitten von Aberbillionen Hektoliter Wasser zu verdursten. Was f√ľr eine Qual. Was f√ľr eine perfide Form des Todes. Jemand der sich so etwas ausdachte, musste √ľber eine schwarze Seele verf√ľgen. Mehr noch, es musste der Herr aller schwarzen Seelen sein. Und wie auf Kommando meldete sich ein alter Bekannter zu Wort. Allerdings wunderte er sich, dass die Stimme diesmal von der anderen Seite kam.
Hey! Du willst doch nicht mir die Schuld in die Schuhe schieben. Hab ich vielleicht gesagt, lass los und spring ins Wasser?
Es war das erste Mal, dass der Gartenteufel nicht auf seinem angestammten Platz sa√ü. Um den Plagegeist zu verjagen, war er viel zu ersch√∂pft. Das √§nderte allerdings nichts daran, dass ihn beim Gedanken an den Kerl eine tierische Wut √ľberkam. Sicher freute sich der Teufel schon auf den baldigen Neuank√∂mmling. Nein! So leicht w√ľrde er es ihm nicht machen. Er w√ľrde ihm ein Schnippchen schlagen. Es war lange her, dass er gebetet hatte, aber er erinnerte sich noch an die Worte. Bevor ihn seine Kr√§fte verlie√üen, w√ľrde er ein Sto√ügebet zum Himmel schicken. Wenn dieser Trick funktionierte, musste er nicht bis in alle Ewigkeit in der H√∂lle schmoren. Denn dieser Gedanke erschien ihm angesichts dieser illustren Gesellschaft als unertr√§glich.

Irgendwann beschloss er aufzugeben. Mit seinen Armen und Beinen vollf√ľhrte er nur noch leichte Schwimmbewegungen. Immer √∂fter schluckte er salziges Meerwasser, hustete, w√ľrgte. Die See war weder kalt noch rau, aber er war nicht gut trainiert. Andere h√§tten vermutlich l√§nger durchgehalten, f√ľr ihn war es Zeit. Jetzt musste er dem Gartenteufel ein letztes Mal Paroli bieten. Im Halbschlaf kamen Worte √ľber seine Lippen. So leise, dass der Teufel ein H√∂rrohr anlegen musste, um sie zu verstehen.
Der Ertrinkende sprach ein letztes ¬ĽVater Unser¬ę, der Teufel horchte and√§chtig zu, und nur wenige Hundert Meter weiter t√§nzelte doch tats√§chlich der Sektkorken √ľber die Wellen, den ein gut gelaunter Partygast hatte zum Geschoss werden lassen.
So w√§re nun also das Ende gekommen, wenn da nicht etwas passiert w√§re, so unerwartet und voll grausamer Poesie, dass sofort wieder Leben in ihm war. Mehr noch, er war wie elektrisiert. Dagegen mutete die Erfahrung an der Reling des Schiffes wie ein gem√ľtlicher Sitzplatz im Faradayschen K√§fig an.
Die ganze Zeit schon hatte er sich vorgestellt, wie es sein w√ľrde zu ertrinken. Alle Variationen hatte er durchgespielt. Von einem pl√∂tzlich eintretenden bis hin zu einem qualvoll langen Tod. Niemals, niemals w√§hrend dieser Zeit war er auf die Idee gekommen, dass etwas v√∂llig anderes f√ľr sein Sterben verantwortlich sein k√∂nnte.
Er war aufrecht im Wasser getrieben, mit letzten Bewegungen dagegen ank√§mpfend nicht unterzugehen, als er ES gesp√ľrt hatte. Dass er seine Beine nicht sofort instinktiv angezogen hatte, verwunderte ihn. Aber eine Mischung aus Ersch√∂pfung und grenzenloser Angst l√§hmte ihn. Unter ihm war etwas entlang geschwommen. Er hatte ES gef√ľhlt ‚Äď und wie! Der Schuhe hatte er sich schon vor Stunden entledigt, da diese im Wasser einfach keinen rechten Sinn machten. Jetzt w√ľnschte er sich, er h√§tte es nicht getan. Mit barf√ľ√üigem Grauen war er in Kontakt mit dem Ding geraten. ES war nicht sehr schnell geschwommen, fast schien es so, als wollte ES sich ihm pr√§sentieren. Seine Haut hatte sich nicht so glatt angef√ľhlt, wie man es von einem Wasserwesen erwarten h√§tte. Spr√∂de war sie ihm vorgekommen. Rau und auf eine beunruhigende Art schuppig, flechtig. Doch was ihm viel mehr Kopfzerbrechen bereitete, war die Tatsache, dass er das Ding verdammt lange hatte sp√ľren k√∂nnen.
Da t√§uscht du dich bestimmt, versuchte er sich zu beruhigen. Wenn unter Wasser etwas an einem vorbei schwimmt, f√ľhlt sich das immer gewaltig an. Das ist nur deine Phantasie.
So, glaubst du? Na, wenn du es genau wissen willst, dann tauch doch ab, und SIEH ES DIR AN.
Er wusste, wer da wieder zu ihm sprach, und was der Teufel vorhatte. Er wollte ihn bis zum bitteren Ende quälen. Allein die Vorstellung, den Kopf unter Wasser zu tauchen, und dem Ding in die riesigen Augen zu schauen, brachte ihn fast um den Verstand.
Er stellte sich vor, wie er mit einem beherzten Zug die Lungen f√ľllen und dann abtauchen w√ľrde. Hektisch ging sein Blick in alle Richtungen. Eine Wand aus endlosem Blaugr√ľn umfing ihn. Nichts war zu sehen. Doch wartete das Unerwartete nicht immer bis zum geeigneten Augenblick? Er sp√ľrte, dass da etwas in der N√§he lauerte. Doch musste er auftauchen, um Luft zu holen.
Nein, tu das nicht! Halte noch aus! ES wartet doch nur darauf.
Dann war die Luft verbraucht. Er musste nach oben, stieg hastig auf, sah die Oberfl√§che auf sich zukommen. Dann, kurz vor dem Auftauchen, noch ein letzter Blick zur√ľck, nach unten. Und da sah er ES. Und ES war riesig. Das Ding schien lediglich aus Maul zu bestehen. Einem weit ge√∂ffneten Maul, in dem sich eine Reihe rasiermesserscharfer Z√§hne abzeichnete.
Als er mit einem Schrei die Oberfl√§che durchstie√ü, herrschte noch f√ľr einen schrecklichen Augenblick lang Ruhe. Dann lief das Chaos wie in Zeitlupe ab. Das Maul des Ungeheuers tauchte neben ihm, um ihn herum, einfach √ľberall auf. Verkehrte Welt. ES hob ihn aus dem Wasser heraus und dennoch sank er in einen gierigen Schlund hinein. Er wunderte sich, weshalb sein Schreien so abrupt endete. So als h√§tte jemand die Lautsprecherkabel einer nostalgischen Surroundanlage gekappt. Stattdessen vernahm er einen schnappenden, ihm seltsam unwirklich vorkommenden Laut, der ihn aus der Welt der Lebenden ins Reich der Toten katapultierte. Direkt an seinem Hals waren die Zahnreihen aufeinander geschnappt. Im selben Moment zog es ihn mit brachialer Gewalt hinab in die Schw√§rze der See. Nur sein Kopf tat sich schwer zu folgen. Langsam, fast als habe er ein schlechtes Gewissen, da er den kl√§glichen Rest allein gelassen hatte, schaukelte er mit weit aufgerissenen Augen in die Tiefe.
Ja, so w√ľrde das bestimmt ablaufen. Da war es schon besser, einfach still abzuwarten. Flucht machte eh keinen Sinn. Auf der einen Seite, der tolpatschig dahinstrampelnde Mensch, auf der anderen dieser Schatten; ein fremdartiges Wesen, das mit t√∂dlicher Eleganz durchs Wasser pfl√ľgte und sich all das nahm, worauf es Lust versp√ľrte.
Wenn ich ganz ruhig bleibe, dann verliert ES vielleicht das Interesse.
Pah! Das glaubst du doch wohl nicht im Ernst?
Er konnte inzwischen nicht mehr unterscheiden, wer wann in seinem Kopf dachte.
Aber es hat noch nicht zugebissen. Wieso hat es noch nicht gebissen? Gut, wir sind Wesen aus zwei verschiedenen Welten, aber inzwischen m√ľsste klar sein, dass ich vollkommen wehrlos bin. Vielleicht bin ich gar nicht nach seinem Geschmack? ES k√∂nnte sich ja auch von kleinen Lebewesen ern√§hren, oder vielleicht frisst ES lieber Pflanzen. Ja, so k√∂nnte es doch sein.
Er versuchte sich Mut zu machen, so gut es eben ging. Dann tauchte ES auf …

*


Die √úberraschung war gelungen. F√ľr einen Moment setzte sein Herzschlag aus, nur um gleich darauf erneut loszuh√§mmern. Dann, eine positive Einsch√§tzung. Das Ding war bei weitem nicht so gro√ü, wie er geglaubt hatte. Er sch√§tzte ES auf gut drei Meter. Sicher, auch das h√§tte ausgereicht, um ihm den Garaus zu machen, aber im Verhalten des Tieres lag nichts Bedrohliches. ES schwamm nur immer wieder an ihn heran und stupste ihn sanft mit etwas, das wie ein Schnabel aussah. Dabei gab ES Ger√§usche von sich, die ihn an das Pfeifen seiner Nebenh√∂hlen erinnerten, als ihn das Influenza-Virus Subtyp A befallen und er sich drei Wochen lang die Seele aus dem Leib gerotzt hatte. Alles in allem, ein wenig Furcht einfl√∂√üendes Wesen.
Freilich, die Zahnreihen wirkten alles andere als harmlos. Das war nicht das Gebiss eines Vegetariers. Was, wenn ES nur mit dir spielt? Katz und Maus. Katz und Maus. Katz und ‚Ķ M√ľ√üig dar√ľber nachzudenken. W√§re es so gewesen, h√§tte er nichts daran √§ndern k√∂nnen. Doch im Verhalten des Wesens kam ihm noch eine andere Sache seltsam vor. Er meinte, ein Verhaltensmuster zu erkennen. Die Art, wie ES nahe an ihn heran kam, wendete, weg schwamm und wieder zu ihm zur√ľckkehrte. Das hatte etwas von: Folge mir!
Wie soll ich dir folgen ‚Äď und weshalb? Ich habe keine Kraft mehr, wollte er losbr√ľllen. Aber die Zeit der lautstarken Worte war l√§ngst vorbei.
Und dann, täuschte er sich, oder war bei dem Wesen so etwas wie Hektik auszumachen? Nein, Hektik war nicht das richtige Wort. Die schrille Tonfolge, die das Wesen nun unablässig von sich gab, das zeugte eher von … Oh, mein Gott. Dann wusste er es.

Wie einf√§ltig war er gewesen. Das Wesen sp√ľrte etwas. ES hatte Angst! Dabei lag es nicht an ihm. Ja, er war ein Fremder in dieser Welt. Aber ES hatte l√§ngst erkannt, dass er keine Gefahr darstellte. Nein, er war nicht der Grund f√ľr das hektische Verhalten. Da war noch etwas anderes. Und sein Freund hier an der Oberfl√§che mit seinen gut drei Metern spielte in einer anderen Gr√∂√üenliga. Da unten zog ein weitaus gr√∂√üerer Schatten seine Bahnen. Dass er sich dies nicht einbildete, war ihm soeben klar geworden. Denn ihn hatte erneut etwas ‚Äď ber√ľhrt. Zum zweiten Mal an diesem Tag hatte er Kontakt mit etwas gehabt, dass seine Phantasie aufs √§u√üerste befl√ľgelte. Kraftvoll, majest√§tisch ‚Äď fremdartig hatte es sich angef√ľhlt. Direkt unter ihm, da r√§tselte ein Ding, ob er eine gute Mahlzeit abgab.
Zweimal ist es bereits an dir vorbei geschwommen, da es so einen Kerl wie dich noch nie gesehen hat. Aber aller guter Dinge sind drei. Wenn es das nächste Mal vorbei kommt, wird es einen Probehappen nehmen. Nicht viel zunächst. Es wird dich erst einmal testen. Vielleicht reißt es dir ein Bein aus, an dem als Zugabe ein verschrumpelter Schwanz und deine Eier hängen.
Mist verdammter! Dein neuer Freund hier an der Oberfläche hatte dich nur warnen wollen. Er kann nicht verstehen, weshalb du dich nicht schnell davon machst. Er kann nicht wissen, dass du dazu nicht im Stande bist. Du bist hilflos. Der hochentwickelte Mensch, der sich die Welten untertan gemacht hat, da er sich den Raum zurecht bog. Der von Ereignis zu Ereignis reist, eingesaugt vom Horizont. Endloser Horizont: Und der Mensch schuf eine Feste jenseits der Feste. Und in dieser weiten Feste vermischten sich Raum, Zeit und Materie. So geschah es. Punktförmige Distanz. Der jenseitige Tag.
Nein, ich komme niemals von hier fort. Ich werde hier sterben.
Aber, was tust du jetzt? Mein neuer Freund taucht ab. Es scheint nicht so, als ob er fl√ľchtet. Will er mir etwa helfen? Es kommt mir fast so vor. Ich muss das sehen!

*


Er taucht den Kopf ins Wasser und sieht. Da unten k√§mpft ein Wesen f√ľr ihn, setzt sein Leben aufs Spiel, f√ľr jemanden, den ES bis vor wenigen Minuten noch gar nicht gekannt hat. F√ľr ES ist er eine unbekannte Lebensform. Nur schemenhaft kann er den Kampf verfolgen. Ein ungleicher Kampf. Ein kleiner Schatten k√§mpft gegen einen weitaus gr√∂√üeren. Und doch, der kleine Schatten ist flink, gerissen. Da! Das Wasser f√§rbt sich rot. Wessen Blut ist es? Der gro√üe Schatten scheint sich zu entfernen. Ein Sieg?
Doch als ES auftaucht, ist der Schock gro√ü. Eine tiefe Wunde klafft an der Seite auf. In etwa l√§sst sich die Gr√∂√üe des Mauls absch√§tzen, das eine solche Verletzung verursacht hat. Sein Freund muss das mutigste Wesen im Universum sein. F√ľr ihn hat ES sich einem √ľberm√§chtigen Gegner gestellt, und diesen mit seiner Tapferkeit in die Flucht geschlagen.
Er ist √ľberw√§ltigt von so viel Ritterlichkeit. ES verh√§lt sich weit menschlicher, als dies Menschen f√ľr gew√∂hnlich tun.
Er wei√ü, das Wesen wird sterben. Tief ergriffen streicht er √ľber die Haut des Freundes. Dann h√§lt er sich an dessen R√ľckenflosse fest. ES tr√§gt ihn fort von hier. Diesem Ort des Schreckens und der eigenen Schande. Er wird sein Leben √§ndern. Heute, da ihm ein zweites geschenkt wurde. Er wird sein Verm√∂gen f√ľr etwas N√ľtzliches verwenden. Fortan wird er sich um das Wohl solcher Meeresbewohner k√ľmmern. Auf der Erde ist es fast schon zu sp√§t. Aber es gibt ja diese Welt.
Dann sieht er, dass er sich nicht in seinem Freund getäuscht hat.
Da vorne, am Horizont. Es ist Land. Ja, ich kann es erkennen. Mein Gott, ich war so nahe und doch h√§tte ich es ohne seine Hilfe nie erreicht. Das Wesen hat mich gerettet. Aber nun ‚Äď was ist? ES kr√ľmmt sich, verkrampft. Nur noch langsam geht es voran. Das Land kommt immer n√§her. Ich kann Einzelheiten erkennen. Was ist ‚Ķ Was sind das?
Aber ja! Jetzt, da die Wesen ins Wasser h√ľpfen, erkenne ich es. Sie sind wie du, nur kleiner. Ihr seid Amphibien. Und ich nannte dich die ganze Zeit Freund, dabei w√§re Freundin wohl treffender gewesen. Jetzt, da ich sehe, wie uns deine Jungen begr√ľ√üen. Doch es ist zu sp√§t. Deine Schwimmbewegungen verblassen. Grenzenlose Trauer steigt in mir hoch. Dein K√∂rper, wie erstarrt. Kein Leben mehr in dir. Du sinkst hinab in die Tiefe. Aber ich verspreche dir: Dein Tod war nicht umsonst. Du hast mich hierher gebracht. Ich werde mich um deine Kinder k√ľmmern. Was immer ich f√ľr euch tun kann, ich werde es tun.

Er l√§chelt, als er sieht, wie aufgeregt die Kinder auf ihn zu schwimmen. Freude auf beiden Seiten, doch ganz unterschiedlicher Natur. Seine Gedanken zerflie√üen in einem Meer voll aufsch√§umender Kaskaden. Sonare Impulse; fremdartige Metaebenen; ein wahrhaftiges Gef√ľhl ‚Äď so alt wie das Leben selbst: Hunger!

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Amadis
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hallo f.p.,

die story gef√§llt mir gut. zum einen, dass lange zeit nicht so recht klar ist, wohin du den leser f√ľhren willst, zum anderen nat√ľrlich die nette pointe am schluss. einige kleine anmerkungen habe ich allerdings:

quote:
Durch die Nase war Fl√ľssigkeit in die Bronchien gelangt.
hier bin ich √ľber die bronchien gestolpert. das passt irgendwie nicht. vielleicht w√§re atemwege besser ...

quote:
Das war lange her gewesen.

quote:
Wechsel dich ab!
da war mir zunächst nicht klar, was du meinst. vielleicht fällt dir noch etwas besseres ein.

im letzten abschnitt wechselst du in die gegenwartsform. ich weiß nicht, ob das absichtlich geschieht, oder ob dich der erzählfluss an dieser stelle einfach mitgerissen hat. es passt schon, sollte aber eine absicht dahinter stecken.

noch etwas grunds√§tzliches: ich bin kein mediziner, aber ich glaube, dass jemand, der so lange im ozean treibt, deutliche zeichen von unterk√ľhlung zeigt, evtl. sogar gar nicht so lange √ľberlebt. mitten im ozean ist das wasser zudem selten auch nur einigerma√üen warm. hier k√∂nntest du davon profitieren, dass sich dein prot auf einer fremden welt aufh√§lt. vielleicht sind ja hier die ozeane besonders war, sodass unterk√ľhlung kein problem darstellt. ansonsten w√ľrde ich mich da nochmal informieren, um das ganze etwas schl√ľssiger zu machen.

insgesamt aber wieder eine gute story von dir, die ich mit spaß gelesen habe.

gruß
mike
__________________
Eine erhebende Illusion ist mir lieber als tausend niedrige Wahrheiten - Puschkin

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Fugalee Page
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Hallo Mike,

freut mich, dass dir die Story gefallen hat. Danke auch f√ľr die Hilfe.
‚ÄěBronchien‚Äú h√∂rt sich vielleicht zu geschwollen an. Hab‚Äôs ersetzt.

‚Äěgewesen‚Äú hat sich verabschiedet.

quote:
quote:Wechsel dich ab!

da war mir zunächst nicht klar, was du meinst. vielleicht fällt dir noch etwas besseres ein.
Hmm‚Ķ ‚Äězun√§chst‚Äú bedeutet, dass es dir erst im Nachhinein klar wurde. Du bist demnach beim Lesen ‚Äěgestolpert‚Äú. Muss mir die Stelle mit ein bisschen Abstand sp√§ter noch mal ansehen. Kann gut sein, dass hier das Kopfkino nicht sch√∂n rund l√§uft.

Ja, die Perspektive war schon beabsichtigt. Die inhomogene Erzählstruktur zieht sich durch die ganze Geschichte, und soll auch ein wenig auf die aus den Fugen geratene Gedankenwelt des Prots anspielen. Zum Ende hin eine konsequente Gegenwartsform fand ich dann passend.

quote:
noch etwas grunds√§tzliches: ich bin kein mediziner, aber ich glaube, dass jemand, der so lange im ozean treibt, deutliche zeichen von unterk√ľhlung zeigt, evtl. sogar gar nicht so lange √ľberlebt. mitten im ozean ist das wasser zudem selten auch nur einigerma√üen warm. hier k√∂nntest du davon profitieren, dass sich dein prot auf einer fremden welt aufh√§lt ‚Ķ

Hier musste ich schmunzeln. Man merkt, dass sich hier ein Autorenkollege Gedanken macht. Mir ging beim Schreiben n√§mlich das gleiche Problem durch den Kopf. :-) Deshalb hatte ich im Text geschrieben ‚Äědie See war weder kalt noch rau‚Äú, um die Sache zu entsch√§rfen. Demnach trifft deine Vermutung, wonach das Meer auf Enuma Elisch generell w√§rmer ist, voll zu. ;-)

Ok, dann sag ich vielen Dank f√ľr die hilfreichen Anmerkungen. Mit dieser Story ist die blaue Schaffensphase vorerst abgeschlossen. Ich stelle n√§mlich fest, dass sich erste Schwimmh√§ute bei mir bilden. So wird es bis zur Anthologie: ‚ÄěGeschichten aus fremden Wassern‚Äú wohl noch ein Weilchen dauern. :-)

Gr√ľ√üle von Fugalee, der galaktischen Wasserratte

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Hallo jon, Inu und anonymus,

freut mich, dass euch die Story gut gefallen hat, und ich bedanke mich f√ľr die Bewertungen. Im Falle von Inu bin ich ja fast schon dunkelrot geworden. (Na gut, ich geb‚Äôs zu. Ich bin tats√§chlich dunkelrot geworden)
@ Inu
Wie ich sehe, bist du ein seltener Gast in der Sci-Fi Rubrik. Wenn ich dich ein bisschen neugierig machen konnte, ist das nat√ľrlich super. Du wirst hier sicher noch andere sch√∂ne Geschichten entdecken.
Ich muss in nächster Zeit auch wieder mehr lesen, um mich stärker zu beteiligen.
Also, bis bald.

Liebe Gr√ľ√üe von Fugalee

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