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Leselupe.de > Kurzprosa
Die wundersame Geldvermehrung
Eingestellt am 19. 04. 2005 19:53


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Inu
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

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Die wundersame Geldvermehrung

Man kennt das ja ... die Sache mit dem Geldbeutel, der, an einer unsichtbaren Nylonschnur befestigt, schön ruhig auf der Straße liegt und plötzlich wegschnellt, wenn einer danach greift.
Aber diesmal hat jemand einen 500-Euro-Schein als Köder ausgelegt. Einfach so. Lose.

Die Banknote wirbelt jetzt, vom Wind gepackt, vor den Augen der Passanten ĂŒber den BĂŒrgersteig und segelt dann aufs Pflaster zurĂŒck, wo sie reglos und fast hĂ€misch wartend liegen bleibt. BĂŒckt sich aber jemand und greift nach ihr, schwupp, saust sie ab in die Höhe!
Ein junger Bursche, der sie beinahe erwischt, stĂŒrzt ĂŒber die Bordsteinkante, es geschieht etwas Böses mit seinem Bein ... er sitzt da, hĂ€lt es und wimmert vor Schmerzen, wĂ€hrend der Geldschein von neuem hoch in der Luft herum flattert.

Ich lasse das verlockende Objekt nicht aus den Augen. Jetzt kommt es wieder und nĂ€hert sich ... mir. Ich springe ihm nach, mache die unsagbarsten Verrenkungen und schĂ€me mich sehr – ich muss den Zuschauern wahrhaft ein dĂ€mliches Spektakel bieten!
Ausdauernder als irgend jemand sonst, hechte ich dem zusammengefalteten Schein hinterher. Er scheint mit einem GummibĂ€llchen oder Ähnlichem versehen zu sein, denn immer wieder springt er federnd auf die Erde ... plopp ... und dann mit Schwung mehrere Meter hoch. Ich ihm nach, so gut ich kann.
Wie gesagt: im Gegensatz zu den anderen, hab ICH den Mechanismus sofort begriffen, weiß, da oben in einem der höheren Stockwerke sitzt unter Garantie ein grinsender Witzbold und verarscht die Leute nach Strich und Faden.

Egal wie wild ich der zappelnden Beute hinterher japse, es gelingt dem Typen stets, sie mir im entscheidenden Moment zu entreißen. Aber: wer zuletzt lacht ... Auch hab ich gesehen: dieser 500-Euro-Schein ist ECHT. Ich muss ihn kriegen, ganz gleich, wie. Nicht aufgeben ...
Am Fenster freut sich der leimrutenauslegende Joker herzhaft. Man sieht ihn nicht, hört nur sein Lachen als Salve bis auf die Straße herunterdröhnen.

Die Banknote hĂŒpft wie ein wild gewordener Frosch vor mir her und jedes Mal mit einem Riesensatz aus meiner Reichweite, wenn ich sie fast schon sicher in HĂ€nden habe. Meine bebenden Finger sind oft nur Zentimeter entfernt.
VorĂŒbergehende bleiben stehen, schauen fasziniert zu. Andere schĂŒtteln den Kopf. Doch ich werde nicht aufhören. Ja, ich bin verrĂŒckt nach dem Geld. Immer wieder hechle ich der zappelnden Beute hinterher. VollfĂŒhre zu ihrer Erlangung die bizarrsten SprĂŒnge. Sollen die Leute ruhig starren!
Aber, wie ich mich auch anstrenge, im letzten Augenblick macht das Billet stets diesen ausgeflippten Satz nach oben und entzieht sich.

Plötzlich ... ich traue meinen Augen kaum ... sehe ich: das ist nicht nur EIN Schein! Hinter dem vorderen stecken noch mehr FĂŒnfhunderter. Ein ganzes BĂŒndel! Hoffentlich merkt es sonst niemand. Das gĂ€be ein Gerangel!!

Geschlagene zehn Minuten jage ich jetzt wie wild hinter dem Ding her, habe alle sonstigen Interessenten durch Schnelligkeit und Ellbogengewalt aus dem Rennen geschlagen. Ich keuche bereits, bin echt erschöpft nach so viel Hetzerei und HochsprĂŒngen ... da, o Wunder, bekomme ich den lange ersehnten Schatz doch noch zu fassen.
"Halleluja." Ich halte das GeldpÀckchen triumphierend in die Höhe. Ja, wer wagt, gewinnt ...
Leute umringen mich, begeistert und neidisch.
Einige Umstehende fangen sogar an, spontan zu applaudieren.

Jetzt muss ich den ganzen Reichtum nur rasch heimschaffen.
Hastig verstaue ich das BĂŒndel in meine Handtasche. Die enthĂ€lt ĂŒbrigens schon ein schönes SĂŒmmchen, das ich letzte Woche bei AktiengeschĂ€ften verdient und gerade vorhin am Automaten in bar abgeholt habe. Ich lasse Geld nie lange auf dem Konto, denn die Banken sind sowas von unzuverlĂ€ssig, und nur, was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause ...

"Sie GlĂŒckspilz", sagt jemand.
"Sie hat es sich verdient", ruft ein anderer.

Da ... ein Donnerschlag. EXPLOSION. Was ist los? Meine Tasche zerreißt es in tausend StĂŒcke, dass mir Papier- und Lederfetzen nur so um die Ohren spritzen. Eine Frau fĂ€llt neben mir in Ohnmacht. Ich blicke an mir herunter ... bin schwarz wie ein Schornsteinfeger. Passanten suchen schreiend das Weite.

Mir ist nicht viel passiert. Nur mein Geld ist futsch. Mein Geld ist futsch!! Der von mir so sauer erjagte Mammon ... dieser Kerl hatte ihn mit einem tĂŒckisch getarnten Mechanismus versehen, einem ZeitzĂŒnder womöglich ... wie infam!

*

Ich wache auf, weil neben mir etwas lÀutet. Der Wecker?
Es war nur ein Traum. Gott sei Dank! Mittellos bin ich zwar, doch wie neugeboren. Sooo erleichtert. Ich atme frei. Das wird ein wunderschöner Tag!

"Besser arm, aber gesund", hat mein Großvater auch schon immer gesagt.

Eine Morgenzigarette wÀre jetzt gut! Doch ... was ist mit meinen HÀnden? Sie sind nicht da ...

Quatsch! Nun ist aber endgĂŒltig Schluss mit dem Alptraum!!

A u f w a c h e n!!

In Wirklichkeit bin ich vollkommen in Ordn... Wo aber sind meine HĂ€nde? Wo sind sie? Und diese Binden ... Hilfe!

Oh my God ...!





*


Copyright Irmgard Schöndorf Welch August 2002
ĂŒberarbeitet 03.06.2005



Version vom 19. 04. 2005 19:53

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Corinne
???
Registriert: Feb 2003

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Hallo Inu!

Ja, ja was man nicht alles fĂŒr das schöne Geld macht...

Dein Text gefÀllt mir wirklich sehr gut! Interessantes Thema, locker zu lesen, find ich sehr gelungen!

Einzig das Ende wĂŒrde ich etwas Ă€ndern. Die AbsĂ€tze nach "Passanten suchen schreiend das Weite" wĂŒrde ich weglassen. Dass das Geld nun verloren ist und wahrscheinlich ein versteckter ZeitzĂŒnder dabei war versteht der Leser, glaub ich, von selber.

Was mir als Schlusssatz grad so einfallen wĂŒrd, ist folgendes:
"WÀhrend ich auf meine blutenden HÀnde hinabsehe fÀllt mir ein was mein Vater immer gesagt hat - `Besser arm aber gesund`"

Ist aber natĂŒrlich nur ein Vorschlag und meine bescheidene Meinung!

Liebe GrĂŒĂŸe und Gratulation zum Text, Corinne

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Inu
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Liebe Corinne

Danke sehr fĂŒr Dein Lob. Ich habs noch ein bisschen verĂ€ndert, hab 'ihr' die HĂ€nde nicht ganz genommen

quote:
Einzig das Ende wĂŒrde ich etwas Ă€ndern. Die AbsĂ€tze nach "Passanten suchen schreiend das Weite" wĂŒrde ich weglassen. Dass das Geld nun verloren ist und wahrscheinlich ein versteckter ZeitzĂŒnder dabei war versteht der Leser, glaub ich, von selber.

Was mir als Schlusssatz grad so einfallen wĂŒrd, ist folgendes:
"WÀhrend ich auf meine blutenden HÀnde hinabsehe fÀllt mir ein was mein Vater immer gesagt hat - `Besser arm aber gesund`"


Deine Anregung wÀre eine durchaus gute Möglichkeit.
Ich warte mal ab, ob es noch andere Meinungen geben wird.

Erstmal vielen Dank. Ich komme wieder auf die Sache zurĂŒck.

Liebe GrĂŒĂŸe
Inu

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Nieselregen
???
Registriert: Jan 2005

Werke: 2
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Hallo Inu,
ich bin der selben Meinung wie Corinne. Am Schluß wird zu viel erklĂ€rt und damit geht viel von dem Pepp der Geschichte verloren. Ich persönlich wĂŒrde nach "Die Passanten..." nur noch den Wecker klingeln lassen und aus. Die Lebensweisheit mit dem "arm und gesund" ist zwar sehr wahr, aber leider etwas abgenutzt.
Ansonsten hast du die Story, kurzweilig und amĂŒsant erzĂ€hlt. Das Motiv kommt mir allerdings sehr bekannt vor, vieleicht aus "Verstehen sie Spaß?".

Liebe GrĂŒĂŸe
Nieselregen

__________________
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach

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Inu
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Registriert: Aug 2002

Werke: 120
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Liebe Nieselregen

Danke fĂŒrs Lesen und Kommentieren. Dein Rat wird registriert.

Ich warte mal noch ein bisschen ab ... kann mich doch nicht so schnell von der Bombe, dem abgedroschenen Sprichwort und den abgerissenen Fingern trennen.


quote:
Ansonsten hast du die Story, kurzweilig und amĂŒsant erzĂ€hlt. Das Motiv kommt mir allerdings sehr bekannt vor, vieleicht aus "Verstehen sie Spaß?".

JA, das Motiv kennt, glaube ich, jeder. Ich habe es zwar nicht aus 'Verstehen Sie Spaß', aber wir haben das frĂŒher mit einer alten Brieftasche gemacht und hatten viel zu lachen. Es war ein gebrĂ€uchlicher, kindlicher Schabernack.

SpÀter trÀumte ich, ich hÀtte so ein Ding aufgehoben, es sei explodiert usw. Na ja, das hab ich dann in dieser Geschichte verarbeitet.


Dir ein schönes Wochenende und
liebe GrĂŒĂŸe
Inu

__________________

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San Martin
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Kommentare: 267
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Ha, wĂ€re doch toll, wenn das lyrische Ich, nachdem es das Geld so mĂŒhsam errungen hat, es in die Tasche zu dem Börsengeld stecken will und dann bemerkt, das das letztere verschwunden ist und es die ganze Zeit hinterm eigenen Geld hinterhergejagt ist. Das Ende, wo alles nur ein Traum gewesen ist, finde ich etwas schwach. Wenn du die Geschichte ein bisschen abĂ€nderst und symbolischer machst, die Reaktionen der Leute abweisender, ablehnender, und die Erfahrung demĂŒtigender gestaltest, könnte es beinahe fĂŒr einen Kafkatext Modell stehen.
__________________
"I still can remember the way that you smiled on the fifth day of May in the drizzling rain."

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