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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die wundervollst Zeit aller Tage
Eingestellt am 01. 06. 2015 22:52


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John House
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2015

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Die wundervollste Zeit aller Tage

Die wundervollste Zeit aller Tage war, wenn ich nach einigen Stunden Gammeln auf der Arbeit, oder nach einem 10 Stunden Tag in der Schule nachhause kam und das Geschehen in Ramneyport beobachten konnte, als alle alten Arbeiter sich auf den Weg machten und ein Dunst von Freunde und Dankbarkeit in der Luft lag. Am wundervollsten in den Wintertagen, wenn ich aus der alten Tankstelle raustrat in friedvolle Dunkelheit, oder vielleicht noch einen letzten roten Schein am Himmel ├╝ber dem Schr├Ągdachhorizont, der dir nichts sagen sollte, au├čer dass die warme, zufriedene Ewigkeit irgendwo da drau├čen warten, im S├╝den, im Westen, auf der Stra├če. Ich konnte dann im Schatten der Dunkelheit raustreten, ein paar Meter loslaufen und gem├╝tlich eine Zigarette anz├╝nden und in die milchig scheinenden Fenster von H├Ąusern und Autos und beschlagenen Brillen gucken. Alte M├Ąnner, die in dicke braun-graue M├Ąntel geh├╝llt waren und manche sogar noch an Zigarrenstummeln mampften, oder Fahrschulautos, wei├č, gl├Ąnzend, die mit langsamer Perfektion und scheinbarer Leichtigkeit durch die leergefegten Stra├čen rollen, der Schall von Motoren und raus gelassenen Hunden in der Luft. Ein weiches L├Ącheln in meinem Gesicht und Friede, als ich plane wo es noch hingeht, vielleicht in den n├Ârdlichen Teil der Stadt, mit mehr L├Ąden und Menschen und belebten Kreuzungen voller grinsender Beamter, eine SMS von ihrer Frau auf dem schimmernden Handydisplay unterm Lenkrad. Ich w├╝rde essen, Kaffedampf in der dunklen, braunen K├╝che beobachten und vor mich hin tr├Ąumen, w├Ąhrend meine Mutter diskutiert, alle Leichtigkeit bei ihr verflogen, au├čer das wissende Teilhaben, an meinen Pl├Ąnen f├╝r die Nacht. Es ist nicht einmal Wochenende, vielleicht sogar erst die Mitte der Woche, aber unser abgedrehter Kreis von Hellk├Âpfen muss raus aus der Winterdepression, zu viel Geld um zu wissen wie wenig es ist. Als ich mich umziehe, werde ich bitter und starre in mein leeres unbewegtes Zimmer, ohne bearbeitete Aufgaben, die mich eh nicht interessieren, aber die ich auch mit Reue am n├Ąchsten Tag nicht abgeben kann und ohne die ber├╝hrte, verstaubte Laptop-Tastatur, das leise, leichte Klicken, seit Tagen verstummt. Also str├Âmt ein wenig gepresste, stille Musik in meine Kopfh├Ârer und ich schwing mich auf mein Plastik-Fahrrad Richtung Norden, ohne ein Auge f├╝r die Welt, sondern mit dem Kopf schon in der n├Ąchsten Bar, wo ich die n├Ąchsten Stunden verbringen werde, Pl├Ąne f├╝r das Ende des Jahres, Geschichten, vom Anfang. Nach ein paar kalten Bieren und Cocktails und schielenden Blicken auf Kellnerinnen, oder dumm-grinsenden, anderen Jugendlichen, auf in eine kleine mexikanische Imbissbude, wo die fantastisch lockeren, warmen Akzente meine Ohren beruhigen, und die geschwungenen Fladenbrote meine m├╝den Augen. Ich denk dar├╝ber nach, dass ich immer noch zu wenig schlafe und grinse, selbst-beeindruckt, wegen dieser dummen Idee vor mich hin, w├Ąhrend Roman oder irgendwer in seinen Taco murmelt. Eine letzte Zigarette, 22 Uhr und ich schwinge mich wieder auf das quietschende Fahrrad, dessen Maulen ich abstell, mit Jazzradio in den Ohren, nun die Augen halb ge├Âffnet, aber wahrnehmend, was passiert, denn alles f├╝hlt sich pl├Âtzlich an wie Jazz. Ampeln werden gr├╝n, wenn der wilde Schlagzeuger seinen Riff beendet und der Bass zittert durch seinen Takt, wie die Betrunkenen an den seicht beleuchteten Bahngleisen. Als ich wieder in den S├╝den komme, keine 5 Meilen, aber ├╝ber die Hauptstra├če, Harrison Street, die vom Nebel umh├╝llten Lampen des King's Pub in meinem inneren Auge, sehe ich das Willkommensschild, "Welcome to South Ramneyport", zur├╝ck im Stadtteil der gelben Laternen und roten Gehwege und Passagen. Ah, ich k├Ânnte die ganze Nacht von South Ramneyport, oder Epe, oder Port Angeles, oder wie auch immer ein Herz-zerrissener, aufgedrehter, Schriftsteller es nennen will, schreiben. Wenn ich an dem Schild vorbeikomme und sich rechts in einer kleinen Grasfl├Ąche, neben den letzten Fabriken das gro├če, Sandstein-gemei├čelte Kreuz mit Jesu erhebt und er herabblickt, in Frieden und geheimen Wissen ├╝ber den Heiligenschein dieser Stadt, geht mein Herz auf und ich atme in tiefen Z├╝gen die kalte Luft ein, ein leichter Geschmack und Geruch von ├ľl und Reifen an den alten Tankstellen und pure Luft von Laub und Nacht, als ich die alte Kirche passiere, g├Âttlich im Schein, der milden Bodenstrahler, der Jazz klackert leise weiter in meinen Ohren, als ich die letzten Meter nach Hause mache und mir denke, "Warum zu H├Âlle, all die Sorgen, all die erdichtete Weisheit, wenn du deine Augen immer vor dem Leben verschlie├čt." Ich steig in mein Haus, w├╝nsche meine Mutter gute Nacht, halb schlafend auf dem alten Ledersessel, ihrem Wachposten der vergangenen Jahre, fr├╝her besorgt ├╝ber meinem Vater, zusammen mit den anderen verdreckten Spinnern, die ihren Monatslohn in Briefumschl├Ągen zur n├Ąchsten Kneipe brachten und ihn unter besch├╝tzendem Zigarettenqualm in eine sorgenfreiere W├Ąhrung tauschten. Die alten Zapfh├Ąhne damals noch gl├Ąnzend und wahr und nun, k├╝mmert sich meine Mutter nur noch um mich, langsam m├╝de und schwach vor Kummer und sie legt ihre Stirn in Falten von meinem Rauchgeruch und dem Geruch von Bier und Verr├╝cktheit. Ach, ich sag's dir, es gibt keine wundervollere Zeit, aller Tage

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