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Leselupe.de > Ungereimtes
Die zwei Schwestern
Eingestellt am 09. 10. 2002 17:48


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Ohrensch├╝tzer
???
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Die zwei Schwestern

Die zwei Schwestern

Zer kratzt dich. Zer bei├čt dich.
Zer frisst dich. Zer rei├čt dich.
Bis Zer f├Ąllt.
Bis sie nichts h├Ąlt.

Ent f├╝hrt dich. Ent ehrt dich.
Ent t├Ąuscht dich. Ent leert dich.
Bis Ent spricht.
Oder auch nicht.

Zer, die nagende Ungewissheit.
Ent, die z├Ąhe Hoffnung.

Zer sprengt dich. Zer splittert dich und Zer setzt.
Zer st├Ârt dich. Zer knittert dich und Zer fetzt.
Bis Zer birst.
Du endlich sicher wirst.

Ent hemmt dich. Ent nervt dich und Ent wendet.
Ent h├Ąrtet dich. Ent sch├Ąrft dich und Ent sendet.
Bis Ent bindet.
Neue Opfer findet.

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Kadra
Guest
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Hallo Ohrensch├╝tzer,

erst heute habe ich, beim Bl├Ąttern in den hinteren Seiten, diese sehr ideenreichen Zeilen entdeckt. Sehr guter Ansatz, ich mag solche Wortspielereien und Sinnakrobatik.

W├Ąren es meine, w├╝rde ich noch weiter straffen. Besonders der Endteil wird langatmig. Weil ich als Leser, das Wortspiel verstanden habe und nun nach verdichtetem Sinn suche. Das k├Ânnte man komprimierter machen.

Lieben Gru├č von
Kadra

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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

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Eineinhalb Schwestern

Hallo Kadra,

Vielen Dank f├╝r die an sich positive und dazu noch konstruktive Kritik. Derzeit habe ich bei den Moderatoren scheinbar besonders hohe Sympathiewerte...

Du meinst, dem Gedicht w├╝rde eine K├╝rzung/Straffung gut tun. Dem muss ich deutlich widersprechen, auf die Gefahr hin, trotzig zu erscheinen. Der zweite Teil ist f├╝r mich eine unerl├Ąssliche Steigerung des ersten; sprachlich (zB durch den reichen Reim), der Form nach (durchgehaltene Struktur), und vor allem von der Aussage her.

Nat├╝rlich ist sehr viel in wenigen Worten dicht verpackt, da gebe ich dir vollkommen Recht. Aber die Aussage des Gedichts w├Ąre ohne den zweiten Teil unvollkommen, weil nicht die notwendige Tiefe ausgeleuchtet wird. Was ich mit Tiefe meine, mache ich dir am besten deutlich, indem ich Gedanken wiedergebe, die aus einer Diskussion ├╝ber das Gedicht heraus entstanden sind:

Zer als die aggressive Schwester; Ent die widerspr├╝chliche.
Wie ist die Ungewissheit zu sehen? H├Ąlt sie uns in einem Schwebezustand, oder halten wir sie? Sie f├Ąllt auf jeden Fall, weil sie nichts mehr h├Ąlt. Tr├Ągt sie in sich schon den Keim der Gewissheit, welche zuguterletzt aus ihr durchbricht oder l├Âst sie sich selbst auf, sind wir der Reibebaum, an dem sie vergeht? Obwohl die Ungewissheit uns Qualen bereitet, sie wird niemals Sieger bleiben. Entweder sie wird von der Gewissheit verdr├Ąngt oder ger├Ąt ins Abseits, wo sie leise weiter├Ątzen kann. Ihr einziger Triumph bleibt ihre Existenz.
Wann ist die Hoffnung zu Ende? Wenn sie die Dinge konkret beim Namen nennt, oder wenn das Angestrebte Wirklichkeit geworden ist oder gar nicht mehr Wirklichkeit werden kann? Wenn sie verbindlich geworden ist oder wenn sie frei f├╝r anderes macht? Die Hoffnung l├Âst die widerspr├╝chlichsten Dinge in uns aus: Wie nahe beieinander sind letztlich doch die sich scheinbaren Gegens├Ątze f├╝hren und entf├╝hren, wie negativ sowohl t├Ąuschen und entt├Ąuschen, wie positiv sowohl sch├Ąrfen und entsch├Ąrfen. Sie ehrt uns vor uns selbst, weil wir ein Ziel haben, das wir zu verfolgen nicht aufgeben; sie entehrt uns vor uns selbst, weil wir es nicht erreichen. Wenn wir es dann erreicht haben und mit ihm verbunden sind, werden wir von dem Zwang des Weiterstrebens entbunden. Das Opfer der Hoffnung ist dann das angestrebte Ziel; wenn sie uns jedoch nicht losl├Ąsst, uns an sich bindet, und wir letztlich am Erreichen des Ziels scheitern: Dann sind wir selbst Opfer der Hoffnung geworden.

Das Interessante an dem Gedicht ist f├╝r mich die Aussage, dass es nicht nur wichtig ist, ob/dass etwas getan wird, sondern auch von wem. Die handelnde Person verformt die Handlung selbst bis zum krassen Gegenteil, womit man das Gedicht auf zwei Arten lesen kann. Aber das ist eigentlich ein Nebenaspekt.

Soweit meine etwas ausladende Antwort (vielleicht kann man diese ja noch k├╝rzen ). Nochmals Danke f├╝r den gewogenen Kommentar, liebe Gr├╝├če
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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Kadra
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Ohrensch├╝tzer,

klar, machen wir uns hier untereinander auf interessante neue Mitglieder aufmerksam. Rosinen picken, nenn ich sowas.

Ich habe mich falsch ausgedr├╝ckt. Statt "komprimierter" h├Ątte ich "deutlicher" schreiben sollen. Vielleicht bist du in die Falle getappt, in der ich mich selbst so oft wiederfinde. Du hast ein Vehikel, eine sehr interessante Form gefunden einen gew├╝nschten Inhalt zu transportieren. Dieser Form wird aber nun alles untergeordnet und *schwupp* sie tr├Ągt den gew├╝nschten Inhalt pl├Âtzlich nicht mehr. Was ich sagen will ist, du setzt voraus, dass der Leser deine Gedanken versteht - und ├╝berforderst hier an der Stelle.


Meine Idee dazu: Hoffnung versus Ungewissheit, bleibe streng bei diesem Inhalt. Mach den Kampf unmittelbarer. ├ťberziehe die Aspekte der Ungewissheit NUR ins Negative und die der Hoffnung NUR ins Positive. Ist es doch ohnehin fraglich, ob die Hoffnung beispielsweise hemmt, oder ob dies nicht eben gerade ihr Schwester die Ungewissheit ist.
Du k├Ânntest auch durch einen differenzierteren Titel den Leser auf deine F├Ąhrte locken.

Alles nur meine v├Âllig subjektiven Gedanken zu dem Thema. Es bleibt eine wunderbare Idee die du da hattest!

Lieben Gru├č von
Kadra

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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

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Rosine an Picker

Liebe Kadra,

Ich denke, ich verstehe, was du meinst. Du hast insofern Recht, als dass die Form in diesem Fall wichtiger als der Inhalt war, und damit der Leser ziemlich gefordert ist, Schl├╝sse zu ziehen. Mein Ansatz war aber nicht, dass man sofort den inhaltlichen Clou des Gedichts versteht, sondern sich an der sprachlichen Idee verhakt, beim Durchlesen pl├Âtzlich nicht mehr wei├č, wie man die Verben nun lesen soll, sich ertappt, pl├Âtzlich das Subjekt wegzulassen und dadurch nachzuforschen beginnt, was nun wirklich gemeint sein kann, dies nicht erkennen kann und nun die beiden Lesarten vergleicht, zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten kommt und diese pl├Âtzlich auf den Begriff Hoffnung und Ungewissheit umlegen kann - du siehst, man kann den Vorgang sogar in einem Satz ausdr├╝cken !

Es ist mir bewusst, dass es viel direktere L├Âsungen geben kann, ├╝ber diese Form den Inhalt zu ├╝bermitteln; aber in diesem speziellen Fall wollte ich die Grenzen der Form ausloten, auch auf die Gefahr hinaus, das Gedicht schwer lesbar zu machen. Ich m├Âchte hinzuf├╝gen, dass es sich vielleicht gerade deshalb um ein besonderes Liebkind von mir handelt, das ich mir ungelogen schon an die tausend Mal durchgelesen habe, stetig auf meine eigenen Tricks hereinfallend. Daher ├╝bt es auf mich eine gro├če Faszination aus, und aus diesem Grund der besonderen emotionellen Bindung w├╝rde es mich ausgesprochen gro├če ├ťberwindung kosten, es zu ├Ąndern. Am ehesten kann ich mir noch Adaptierungen am Titel vorstellen, aber da habe ich keine z├╝ndende Idee (wie w├ĄrÔÇÖs mit ÔÇ×Nimm dir eine Stunde ZeitÔÇť? ).

Danke sch├Ân f├╝r die intensive Auseinandersetzung, ich hoffe, du kannst auch meinen Standpunkt nachvollziehen ÔÇô ich m├Âchte den Eindruck eines ÔÇ×ich hab das geschrieben und bastaÔÇť-Typs vermeiden, denn dann k├Ânntest du dir logischerweise jegliche konstruktive Kritik sparen. Deine offenen und aufbauenden Worte geben mir Mut und Motivation, mich wieder mehr, intensiver und besser aktiv in der Literatur zu engagieren.

Ein sch├Ânes Wochenende und liebe Gr├╝├če
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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