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Leselupe.de > Kurzprosa
Diese Haut
Eingestellt am 21. 08. 2004 23:10


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Silberwölfin
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Diese Haut

DIESE HAUT...


Sie wusste, sie hatte sie irgendwo zur√ľckgelassen.

Sie hatte sie abgelegt, um noch einmal dorthin zur√ľckzugehen,
wo das Leiden begann.

Mit Erfolg ging sie zur√ľck,
lernte die uralten Botschaften zu enträtseln und zu entmachten.

Aber die Haut, die sie damals fortlegte um ganz offen f√ľr ihr
Vorhaben zu sein, die fehlt ihr heute.

Nun gut, es war eine Flickenhaut,
die manchmal zu groß und manchmal zu eng war.
Die auch die Farbe wechselte, je nach Tages-und Jahreszeit.

Verlassen konnte sie sich nicht auf diese Haut, aber sie war immerhin ein Schutz, eine H√ľlle.
Damals hatte sie angenommen, es w√ľrde ihr eine neue Haut wachsen,
wenn alles erledigt wäre.

Deswegen hatte sie auch nicht darauf geachtet an welchem Ort sie die alte Haut zur√ľcklie√ü.

Aber aus einem unerklärlichen Grund war ihr keine neue Haut gewachsen,
außer vielleicht eine Übergangshaut, die hier und heute ihre Spannkraft verlor und zu schuppen begann.

Verlassen konnte sie sich in diesem Leben auf scheinbar gar nichts.

Immer wieder stand sie mit leeren Händen an einem neuen Anfang,
obwohl sie zuvor so viel gesammelt hatte.

Ohne ihre alte Haut und ohne √úbergangshaut fror es sie.

Jeder noch so kleine Windhauch fand Einlass in ihr Haus.

Da war auch mit Kleidung nichts zu machen.

Auch vertr√§umte Decken n√ľtzten nichts mehr.
Wovon auch träumen ohne Haut, ohne Schutz, ohne Kontur.
Die traumbringenden Decken waren löchrig und verschlissen.

Alles, was sie sich auszumalen versuchte, entwich durch die Löcher.

Es hatte keinen Sinn dies Spiel fortzusetzen. Es war ein Verliererspiel.

Sie f√ľhlte sich wie ein Verlierer und begann abzuwarten,
nachdem sie versucht hatte, in alle Richtungen auszuweichen.

Eine gro√üe Hektik hatte sie ergriffen. Auf einmal meinte sie, alles, was aus ihrer eigenen Hand in den letzten Jahren entstanden war, wegwerfen zu m√ľssen, um
noch einmal ganz von vorne anzufangen.

Alles musste verändert werden und am Besten sofort.

Sie versuchte sich einen neuen Sinn zu geben, wollte jemand ganz anderes sein.

Lief hektisch hin und her,
war von Angst ergriffen,
war von Mut ergriffen.
Ständiger Wechsel.
Wollte alles neu gestalten, in eine fremde Haut schl√ľpfen...,
die sie nicht fand.

Die Versprechungen auf ein glorreiches Leben, die sie sich gegeben hatte
und die Träume aus Regenbogenfarben, die sie sich gesponnen hatte,
waren von Motten zerfressen.

Jetzt galt es, erneut sich selbst zu begegnen, allein, hier und heute.
Nicht mehr zur√ľckblicken und erinnern, sondern die Leere,
das gro√üe Loch zwischen ihren Augen wahrzunehmen und es zu f√ľllen
mit dem, was sie war, werden w√ľrde.
Dann w√ľrde sie auch ihre Haut wiederfinden, das sp√ľrte sie.



© by Carola Hamm-Giese

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rosste
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2004

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Hallo Silberwölfin,
Du gibst eine gute Beschreibung von einem (einer), der (die) wächst, das Alte abwirft, und sich jetzt etwas verletzbar, nackt und hilflos vorkommt.
Ich kenne diesen Zustand. Er ist zum Verzweifeln.
Alte H√ľllen wegwerfen ist das beste, was man machen kann.
Viele schaffen das ihr Leben lang nicht und spielen bis zu ihrem Tod eine Rolle. Sie sind nicht sie selbst gewesen.

...die Haut,... die fehlt ihr heute. - Gegenwart finde ich hier besser.
...verlassen konnte sie sich nicht... - anstelle von "man"
...sie konnte sich... - anstelle von "man"
... immerwieder stand sie... - anstelle von "man"
...obwohl sie...usw. finde ich besser.
Ein paar Kommas fehlen ...vor "um", nach "alles" und vor "entwich", nach "versucht hatte", nach "meinte sie", nach "alles", nach "m√ľssen", nach "gegeben hatte" und nach "galt es"
Gruss, Stephan

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Silberwölfin
Autorenanwärter
Registriert: Aug 2004

Werke: 8
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Diese Haut

Hallo Stephan,

vielen Dank f√ľr dein Feedback.
Du hast Recht, ich habe deine Vorschl√§ge √ľbernommen, denn es liest sich so wirklich besser. Danke auch f√ľr die Kommasetzung, das ist auf jeden Fall meine Schw√§che ;-) .

Liebe Gr√ľ√üe
Silberwölfin

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