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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Diese modernen Dichter können mich nicht kratzen
Eingestellt am 11. 04. 2018 10:28


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Willibald
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2002

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Diese modernen Dichter können mich nicht kratzen (Komische Elegie)


Distichen kratzen ins Eis

Über Berlin dahin im Winter watet der Eisbär,
Barsches, knirschendes Weiß deckt die Bäume des Parks.

Siehe, dort drängt sich die Jugend zum See, zur spiegelnden Eisbahn,
Weithin wiegt sich die Schar auf dem bekuften Schuh.

Wie sie sich suchen und fliehn! Schräg flattern die Shawls der Mädchen,
Wo sich die Lieblichste zeigt, stürmen ihr Jünglinge nach.

Zaghaft zuerst, nah am Ufer, versuch ich mein lyrisches Ego,
Dann in die Weite ganz keck streb ich schließlich hinaus,

Distichen kratzt mein Fuß in den endlos schimmernden Spiegel.
Über mir zieht ein Aar stetig die ruhige Bahn.

Oben schläft einsam Apoll. Wann denkt noch seiner ein Schreiber?
Heute beherrscht das Geschäft: Benn. Und ähnliches Volk.

Leb´ in vergangener Zeit. Und sprech´ in verschollenen Zungen,
Ach, wie ist mir egal, dass mich der Tag nicht versteht.


_________________________________________________________

Erläuterungen,
Polemik,
Oberlehrervorwurf,
Begütigendes,
also das Nachfolgende,

genieße der geneigte Leser
unter Rückgriff
auf die ersten Versionen

_______________
__________________
alis nil gravius


Version vom 11. 04. 2018 10:28
Version vom 11. 04. 2018 18:02
Version vom 15. 04. 2018 15:40
Version vom 16. 04. 2018 14:22
Version vom 16. 04. 2018 14:37
Version vom 17. 04. 2018 08:13
Version vom 19. 04. 2018 18:02
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Version vom 15. 05. 2018 19:56

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aligaga
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Leider stolpert der Schlittschuhläufer, o @Willi - bald fiel er gar auf die Nas', wenn's dergestalt* weiterging, denn:

Wen interessierte schon der Inhalt eines beliebigen, postmodernen Bücherg'stells, wenn's keinen Bezug gäb' zum Jetzt? Bedenk er - die Muse mag's nicht, wenn der Dichter längst Vergangenes collagiert. Da lässt sie den Lühriker glatt auf dem Eis zurück, einsam, und geht mit Marco ins beheizte Freibad.

Glucksend

aligaga

*und auch: Bei zwiefachem Subjekt setz' er das Prädikat in den Plural!

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Mondnein
Routinierter Autor
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quid sibi vult?

Ich verstehe nicht, lieber Willibald,

warum Du diese englische Erklärung von Selbstverständlichkeiten vor Deine Distichen geschaltet hast?

Und dann noch die Goldelse gleich hinterher?

Streich diese Passagen, sie gehören nicht hierher.

Zur Sache:

quote:
Zaghaft zunächst, ufernah, versuch ich mein lyrisches Ich,

Was soll das sein? Etwa ein Hexameter?

Du betonst "ufernah" xxX (oder ..-), nun ja. Verzeihlich.
Aber der Abbruch auf auf einer betonten Silbe, der anapästische Schluß, - geht gar nicht.

Das ist kein Hexameter, und es wirkt in Anbetracht des englischen Vorspanns besonders peinlich.
Oder wolltest Du hier den Leser auf die Probe stellen? Ob er etwa bemerkt, daß Du durch die selbstauferlegte Prüfung gefallen bist?

grusz, hansz

__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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Willibald
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Nun, dann wollen wir den kratzenden Korrekturgriffel ansetzen.

Distichen kratzen ins Eis

Über Berlin dahin im Winter watet der Eisbär,
Barsches, knirschendes Weiß deckt die Bäume des Parks.

Siehe, dort drängt sich die Jugend zum See, zur spiegelnden Eisbahn,
Weithin wiegt sich die Schar auf dem bekuften Schuh.

Wie sie sich suchen und fliehn! Schräg flattern die Shawls der Mädchen,
Wo sich die Lieblichste zeigt, stürmen ihr Jünglinge nach.

Zaghaft zunächst, ufernah, versuch ich mein lyrisches Ich dort,
Dann in die Weite ganz keck streb ich schließlich hinaus,

Distichen kratzt mein Fuß in den endlos schimmernden Spiegel.
Über mir zieht ein Aar stetig die ruhige Bahn.

Oben schläft einsam Apoll. Wann denkt noch seiner ein Schreiber?
Heute beherrscht das Geschäft: Benn. Und ähnliches Volk.

Leb´ in vergangener Zeit. Und sprech´ in verschollenen Zungen,
Ach, wie ist mir egal, dass mich der Tag nicht versteht.

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alis nil gravius

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Willibald
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Ταράσσει τοὺς ἀνθρώπους οὐ τὰ πράγματα,
ἀλλὰ τὰ περὶ τῶν πραγμάτων δόγματα.

[img]http://www.emito.net/files/pictures/picture-48586.jpg[/img]
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alis nil gravius

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Willibald
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quote:
German Snoopy, poet, iceskater,
speaking about urban and Martialian Disticha,
then explicating in German verses
his point of view, a well defined (postmodern) position

Agedum!

Dogmata als Element des Tristram-Mottos: Ταρασσει τοὐϚ Ἀνϑρώπους οὐ τὰ Πράγματα, αλλα τὰ περι τῶν Πραγμάτων, Δογματα.

more geometrico als Beleg, dass Informationen in diesem Forum nützlich und gar nicht so oberlehrerhaft sein müssen

quote:
Das Gedicht nimmt Bezug auf das Anfangskapitel des Trstram Shandy von Laurence Sterne (und auf den Namen dieses Autors).

Jetzt eben läuft im Deutsch Landfunk eine Sendung über Sterne, die dort auch in den folgenden Tagen noch abgerufen werden kann.

Mich wundert, daß das kein Leser selbst heraufgefunden zu haben scheint.
grusz, hansz

Snoopy als magister der Distichon-Poetik, vis comica et ludus ....

Martial als Referenz zu (mehr oder weniger martialischer) Polemik samt Spott auf zeitgenössische Instanzen

Postmodern als Hinweis auf vergnüglichen parodistisch-ernsthaften Eklektizismus

katalexis in unam syllabam (nach einem fünften daktylischen Fuß, und damit Verfehlung der festen zweisilbigen Form) als Zeichen des probierenden lyrischen Ichs und als Abbildung eines vorsichtigen Probelaufes auf dem Eis

Insgesamt eher der Satura Lanx als möglichem genre zugeordnet. Dieser Trimalchio verhaut massiv die Distichon-Norm.

Mag sein, dass hier dann auch Dein Hinweis auf stinkende falsche Freunde seinen Platz hat.

ceterum censeo: ridere fortasse licet, poeta magisterque doctissime et illustratissime

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alis nil gravius

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