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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dieser Hund
Eingestellt am 26. 09. 2012 22:50


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Lucien
Hobbydichter
Registriert: Sep 2012

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Der letzte Sonntag im September zeigte sich als wundersch├Âner sonniger Herbsttag.

Es machte Lukas Spa├č, beim Waldspaziergang mit den Schuhen das bereits gefallene Laub zu zerstieben, das raschelnde Ger├Ąusch hatte er schon als kleiner Junge gemocht. Damals noch ermahnten ihn die Eltern, dies sein zu lassen, da zersto├čene Schuhkappen nicht besonders h├╝bsch aussahen. Nicht einmal bei Jungen-Schuhen.

Nun gab es niemanden mehr, der sich f├╝r seine Schuhe interessierte.
Er selber achtete nicht darauf, denn daf├╝r hatte er schon zu oft Schuhe zu den Containern der Altkleidersammlungen gebracht, die l├Ąngst nicht zerschlissen waren.

Seiner Frau, die neben ihm herging, w├Ąre vor ein paar Monaten bestimmt noch ein "Ach Schatz, muss das denn sein?" herausgerutscht.
Weniger aus Sorge um seine Schuhe, sondern vielmehr als Bekundung, dass sie ihn und sein Tun wahrnahm.
Irgendwie vermisste Lukas das jetzt.

Dinkelm├Âpschen. Seine Frau mochte es, so genannt zu werden.

Mit seinem geliebten Dinkelm├Âpschen waren solche Spazierg├Ąnge vor ein paar Monaten noch ganz anders gewesen.
Da gingen sie h├Ąndchenhaltend und spielten mit den Fingern in der geschlossenen Hand des anderen.
Manchmal gingen sie vom Weg ab,stolperten durch das Gestr├╝pp,blieben stehen, "Wa-K├╝?" hatte Dinkelm├Âpschen gefragt und Lukas hatte sich gefreut und ihr ein "Wald-K├╝sschen" gegeben.

Jetzt ging Lukas neben ihr her, schaute sich die golden-orangenen Bl├Ątter der B├Ąume an, f├╝hlte die nur noch schwach w├Ąrmende Herbstsonne, genoss die w├╝rzigen und herben Ger├╝che des Waldes und h├Ątte gerne wieder die Hand seiner Frau gehalten oder noch besser, h├Ątte gerne seinen Arm um ihre Schultern gelegt und ihren an seiner Taille gesp├╝rt.
Es stimmte ihn traurig nur neben Dinkelm├Âpschen herzugehen, keine N├Ąhe, keine Ber├╝hrung und auch keine Aufmerksamkeit.
Sie war keinen Meter von ihm entfernt und doch f├╝hlte er sich alleine.

Denn Dinkelm├Âpschen war voll und ganz mit Spider besch├Ąftigt.

Spider, war das nicht das englische Wort f├╝r Spinne?
Spinne, wer nennt seinen Hund Spinne?
Es gibt diese Dinge im Leben, die Lukas nicht verstand und auch nicht verstehen wollte.
Spinne.

F├╝r sich w├╝rde er diesen Hund k├╝nftig Spinne nennen.
Das besch├Ânigte wenigstens nichts.

Eben an der Wegkreuzung hatte es einen dieser Vorf├Ąlle gegeben.
Ein ├Ąlteres Ehepaar hatte h├Âflich gefragt, welcher der drei Wege zur Wasserburg f├╝hrt.
An der Wandertafel konnten sie nichts erkennen, da diese ├╝ber und ├╝ber mit Graffiti bespr├╝ht war.

Dinkelm├Âpschen wollte gerade antworten, als Spinne den Mann erst unangenehm anknurrte und dann ohne viel Z├Âgern ins Hosenbein zwickte.
Der ├Ąltere Herr schien dar├╝ber ├Ąrgerlich zu werden, aber Dinkelm├Âpschen bremste ihn sofort wortreich ab.
Sie erkl├Ąrte ihm, dass Spider, so hie├če dieser Mischling, erkennbar doch von einem Boxer und Labrador abstammend, beides sympathische Rassen, also dass Spider als Welpe viel zuwenig Zuneigung bekommen h├Ątte und nun unter Verlust├Ąngsten leide.
Diese Verlust├Ąngste w├╝rden sich darin ├Ąu├čern, fuhr sie fort, dass er gro├če Angst habe, sein Frauchen wieder zu verlieren.
Sie sei das Frauchen, welches ihn aus dem Tierheim erl├Âste und fortan mit nahezu uneingeschr├Ąnkter F├╝rsorge und Liebe umgibt.

Das fremde Ehepaar machte unmissverst├Ąndliche Anzeichen, ihren Weg fortsetzen zu wollen, aber Dinkelm├Âpschen appellierte immer weiter an deren Verst├Ąndnis.
Der Hund m├╝sse erst die Sicherheit gewinnen, dass Frauchen ganz fest und f├╝r immer sein Frauchen sei und solange dieser Proze├č noch andauere, w├╝rde Spider aus seiner Not und beschr├Ąnkten Erfahrung heraus jeden wegbei├čen, der sich Frauchen n├Ąhert.

Lukas ging ein paar Schritte zu Seite.
F├╝r ihn war das nichts Neues.
Und er mochte es nicht mehr h├Âren.
Nach all den Monaten war er es leid.

Stundenlange, ersch├Âpfende Diskussionen hatten sie schon ├╝ber diesen Hund gef├╝hrt.
Er biss nicht nur Fremde weg.
Um dem Hund die ihrer Meinung nach so wichtige Sicherheit zu geben, duldete Dinkelm├Âpschen seit Monaten, dass Spinne auch ihn wegbiss.

F├╝r Lukas hatte der Hund eine waschechte Verhaltensst├Ârung.
Seine Frau wurde aber nicht m├╝de zu beteuern, dies sei nur unerw├╝nschtes Verhalten und ganz bestimmt w├╝rde sich das bald legen.
Sie zwang Lukas jeden Tag aufs Neue die Geduld auf, die er schon l├Ąngst nicht mehr hatte.

Ein Hund, ein fremder Hund, hat es geschafft, sich zwischen uns zu stellen, dachte Lukas bitter.

Kein H├Ąndchenhalten mehr.
Keine Wa-K├╝s mehr.

Kam Lukas abends nach Hause, lief ihm der Hund schon in der Diele entgegen, wenig begeistert und auch nur seine Anwesenheit tolerierend, nie aber ihn als Herrchen wahrnehmend.
Spider musste abgelenkt werden, damit das Begr├╝├čungsk├╝sschen mit seiner Frau m├Âglich wurde.

Der Hund hatte auch noch nicht gelernt, was der eigentliche Sinn des Gassi-Gehens war.
Dinkelm├Âpschen putzte die Hinterlassenschaften Spiders mit einem gewissen Enthusiasmus weg, st├Ârte sich auch nicht an dem Geruch, geradezu so, als sei es ihr eine Freude, Spider damit ihre Zuneigung demonstrieren zu k├Ânnen.

"Widerlich, eklig, bah, ich habe schon keine Lust mehr, nach Hause zu kommen." , Lukas machte aus seiner Abscheu keinen Hehl. "Und essen mag ich bald auch nichts mehr hier in der Wohnung."
Letztens hatte Spinne kleine Maden in den Ohrmuscheln gehabt.
Es war f├╝r Lukas nicht ertr├Ąglich gewesen, den Hund f├╝r die n├Âtige Behandlung auch nur festzuhalten.

In Lukas wehrte sich alles gegen diesen Hund.
Dabei war es Spinne gegen├╝ber ungerecht, dachte Lukas, der Hund nahm ja nur, was er bekam.

Sein Kumpel hatte ihn letzte Woche frech gefragt "Was hat er, was du nicht hast?"
Es war als Spa├č gemeint gewesen.
Lukas konnte dar├╝ber nicht lachen.


Version vom 26. 09. 2012 22:50

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