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Leselupe.de > Gereimtes
Dieses Teufelsweib!
Eingestellt am 04. 01. 2009 16:19


Autor
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seelenstimme
???
Registriert: Sep 2008

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Zwei Studenten um die zwanzig
zum Mittagessen treffen sich.

Kommt der eine um die Ecke,
Ist gerannt die ganze Strecke.

"Mein Freund du wirst es nicht glauben!
Ich hab ein Rad, ohne zu rauben!

Ich war doch gestern da im Wald
und machte an einem Baum halt.

Da kam ein M├Ądchen mit 'nem Rad
angefahren ├╝ber den Pfad.

Als sie mich sah, da hielt sie an.
Ich fragte wie ich helfen kann.

Das M├Ądel fackelte nicht lang,
gef├╝hrt vom Abenteuerdrang,

All ihre Klamotten flogen
neben das Rad auf den Boden.

Mit rauer Stimme sprach sie dann,
dass ich ihr wirklich helfen kann:

"Komm jetzt und nimm dir was du willst,
damit du dir deinen Wunsch erf├╝llst."

Genau das hab ich auch gemacht,
hab gar nicht lange nachgedacht."

"Mein Freund, ich h├Ątt' genau wie du,
das Rad genommen ganz im Nu.

Denn wei├čt du, dieses Teufelsweib,
wollt dich nutzen zum Zeitvertreib,

Es wollte eigentlich nur sehn,
wie dir ihre Kleider stehn!"

__________________
Tr├Ąume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum! (Verfasser unbekannt)

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inken
Guest
Registriert: Not Yet

das teil hat was - ich musste schmunzeln und ich denke, so bl├Âd k├Ânnen eigentlich nur studierte sein

lg inken

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Sta.tor
Foren-Redakteur
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sprachlich etwas unbeholfen, aber der Witz kommt durch...

VG Sta.tor
__________________
schlimmer geht immer

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MuusTri
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Dec 2008

Werke: 25
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Ja, der Witz schon...

Du solltest an der Form arbeiten, denn so wie es jetzt ist, passt es einfach nicht ins Forum "Lyrik".

Gru├č,

Tristan
__________________
[Wer wei├č, was uns erwartet?]

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presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

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Hallo seelenstimme,

quote:
Mir wurde mal gesagt, bei Reimgedichten solle man darauf achten, dass alle Zeilen gleich viele Verse haben.

?!?!? Also ein "Vers" IST die "Zeile" eines Gedichts. Was du vielleicht meinst ist "Fu├č" oder auch "Silbe" - aber auch dann stimmt die obige Aussage hinten und vorne nicht! Was Reimgedichte haben sollten ist ein durchgehendes Metrum, und dahingehend m├╝sste man dein Gedicht einmal komplett ├╝berarbeiten. Es gibt viele sehr gute Einf├╝hrungen ins Metrum, nicht zuletzt auch bei Wikipedia... (├ťbrigens sind auch bei deinen Reimen zwei bis drei unreine dabei.)

Inhaltlich finde ich es leider auch uninteressant, da ich den Witz schon kannte und er f├╝r mich in der Gedichtform auch nichts hinzugewinnt.

Lg presque

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presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

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Hi seelenstimme,

bei der Silbenanzahl muss bei der ├╝blichen Reimlyrik eine gewisse Gleichm├Ą├čigkeit bestehen - wie diese genau aussieht, da hat der Dichter relativ viele M├Âglichkeiten.

Hier eins meiner Lieblingsgedichte von JoteS ("Abschied"):

quote:
Wer ist der Herr, von dem Du sprachst?
Hab keinen Schimmer.
Dein Haus steht grau an seinem Platz,
Genau wie immer.
Wie Wachs liegst Du nun aufgebahrt,
So muss es enden.
Man sagt, es l├Ąge nun der Rest
In Gottes H├Ąnden.
Zu selten hab ich Dich besucht,
Nun geht es nimmer.
Genau wie sonst fehlst Du mir nicht,
Nur heute schlimmer.
Das Gedicht hat eine sehr sch├Âne Melodie, obwohl die Verse abwechselnd 8 und 5 Silben haben - und es ist formal stimmig, obwohl sich nicht alles reimt. Das liegt daran, dass die Unregelm├Ą├čigkeiten ein System haben, und dass ein einheitliches Metrum (= ein Abfolgemuster von betonten und unbetonten Silben) vorliegt, n├Ąmlich ein "Jambus": Jede zweite Silbe ist betont, immer angefangen mit der jeweils zweiten Silbe eines Verses. Man sieht also, die unterschiedliche Silbenanzahl und die fehlenden Reime st├Âren nicht, sondern ganz im Gegenteil: Sie sorgen f├╝r die Melancholie in der Form, die so den Inhalt des Gedichts wiederspiegelt. Gute Form ist also viel mehr als blo├če Formalit├Ąt.

Ein anderes Beispiel, von viktor ("Grenzdebile Sommertunte"):
quote:
Grenzdebile Sommertunte,
riechst du nicht des Herbstes Lunte?
F├╝r ein Fass gepanschten Wein
l├Ądst du diesen Freier ein?

Für zwei Äpfel und ne Birne
schenkst du ihm die Sonne, Dirne!
Warum l├Ąsst du diesen Bock
unter deinen hellen Rock?

Siehst du nicht den Kerl dahinter,
seinen wahren Herrn, den Winter,
der die H├Ąnde reibt und lacht?
Troll dich Sommer, gute Nacht!
Hier haben die Verse wiederum unterschiedlich viele Silben: Die jeweils ersten beiden Verse jeder Strophe haben jeweils 8 Silben, die jeweils letzten beiden Verse jeder Strophe jeweils 7 Silben. Aber auch hier ist das Gedicht formal perfekt, weil die Unregelm├Ą├čigkeit System hat, und weil das Metrum durchgehend ist, ein "Troch├Ąus": Jede zweite Silbe ist betont, immer angefangen mit der jeweils ersten Silbe eines Verses. ├ťbrigens haben die Verse hier zwar unterschiedlich viele Silben, aber (im Unterschied zu JoteS' Gedicht) immer gleich viele Hebungen (= betonte Silben) - n├Ąmlich vier. Auch die Hebungen sind ein wichtiges Kriterium f├╝r die Regelm├Ą├čigkeit eines Reimgedichts, aber auch bei Hebungen hei├čt "Regelm├Ą├čigkeit" nicht automatisch "gleiche Anzahl" (wie JoteS' Gedicht zeigt).

Und noch ein Beispiel, von Walther ("[Fac.k.tum]"):
quote:
Grad erst klaren Geist beteuert
Schon bin ich total bescheuert
Wie vom Wahnsinn angeheuert
Und von Irrsinn angefeuert

Und ich schaue in den Spiegel
Geb mir selber Brief und Siegel
Oben fehln mir ein paar Ziegel
Denken sirrt so wie im Tiegel

Aus dem Schei├č statt Eisen flie├čt
Weil der Ofen Schwachsinn gie├čt
Aus dem Spundloch Dummheit schie├čt
Was den Eigner sehr verdrie├čt

Ich geh├Âre runderneuert
Doch selbst das w├Ąr ├╝berteuert
Wie mir etwas anges├Ąuert
Wieder klarer Geist beteuert
Hier haben tats├Ąchlich alle Verse jeder Strophe jeweils gleich viele Silben! Aber man merkt, dass eine solche Gleichf├Ârmigkeit relativ anstrengend ist, oder? Zu diesem Gedicht passt diese Form - gest├╝tzt durch das ungew├Âhnliche Reimschema - sehr gut: Es wirkt gehetzt, formal wie inhaltlich. Aber eine solche Form ist eben nicht DIE EINE perfekte Form.

Fazit: Ein regelm├Ą├čiges Metrum ist die Grundlage eines Reimgedichts. Die Anzahl der Silben und Hebungen muss hingegen nicht in jedem Vers gleich sein, sollte aber einem erkennbaren Muster folgen. Verse mit unterschiedlicher Silbenanzahl k├Ânnen dasselbe Grundmetrum haben. Die Bedeutung des Reims ist geringer als die des Rhytmus.

Jetzt aber nochmal zu deinem Gedicht:
Ich habe nicht alles nachgez├Ąhlt, aber bei dir haben nicht alle Verse die gleiche Silbenanzahl von 8 Silben: Vers sechs hat 9, der letzte Vers 7. Aber viel schlimmer ist, dass kein durchgehendes Metrum - also kein Muster von betonten und unbetonten Silben - erkennbar ist. Du hast zwar an einigen Stellen einen klaren Rhytmus, hier z.B. Troch├Ąus:
quote:
Kommt der eine um die Ecke,
Ist gerannt die ganze Strecke.
Und hier Jambus:
quote:
"Mein Freund, ich h├Ątt' genau wie du,
das Rad genommen ganz im Nu.
Aber es gibt eben keine Regelm├Ą├čigkeit. ├ťber die einzelnen Metren - da gibts neben Jambus und Troch├Ąus nat├╝rlich noch mehr - kannst du dich, wie gesagt, am besten bei Wikipedia oder auf anderen Seiten informieren. Da muss man sich ganz in Ruhe einarbeiten, und ich kann das Ganze hier auch nur in Grundz├╝gen und vielleicht auch nicht g├Ąnzlich richtig erkl├Ąren.

Lg presque

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Hallo Seelenstimme,

die Sache ist wirklich sehr kompliziert, leider. Ich m├Âchte einmal Deine Fragen wie folgt beantworten:

(1) Versma├če und Reime haben erst einmal nichts mit einander zu tun; wenn Du einmal beispielsweise H├Âlderlin nimmst, der griechische Metren in die deutsche Lyrik ├╝bertragen hat, wirst Du sehen, was ich damit meine.

(2) Nun ist es in der Tat so, da├č gereimte Lyrik in der Regel ein festes Versma├č hat.

(3) Des Weiteren gibt es Dichter, die ungereimte Texte quasi "metriklos" formulieren. Viele nennen das Vers libre, den freien Vers, ohne oft wirklich zu wissen, wovon sie sprechen.

Als Hinweis zum Nachlesen hier Literatur f├╝r Dich:

Martina Weber et al.: Lyrik schreiben und ver├Âffentlichen - Zwischen Handwerk und Inspiration, Uschtrin-Verlag, M├╝nchen 2008. 2. und v├Âllig ├╝berarbeitete Auflage, 236 Seiten, ISBN 978-3-932522-09-3

Raoul Schrott, Die Erfindung der Poesie, Gedichte aus den ersten viertausend Jahren, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), M├╝nchen, 1999, 2. Auflage 2003,
ISBN 3-423-13144-6

Andreas Thalmayr, Lyrik nervt! - Erste Hilfe f├╝r gestresste Leser, Carl-Hanser-Verlag, M├╝nchen/Wien 2004, gebunden, ISBN 3-446-20448-2

Wolfgang Kayser, Kleine deutsche Versschule, 26. Auflage 1999, A. Francke Verlag, T├╝bingen und Basel, ISBN 3-7720-1426-7

Dieter Breuer, Deutsche Metrik und Versgeschichte, 4. Auflage 1999, Wilhelm Fink Verlag, M├╝nchen, ISBN 3.7705-2711-9

Literaturzeitschrift Asphaltspuren, Hier klicken (eine unter vielen, da mache ich mit )

Mehr Literatur auch hier: Hier klicken

Ich rege an, Du f├Ąngst mit Martina Weber an, gr├Ąbst Dich dann durch Herrn Thalmayer durch (sehr spa├čig) - hinter dem ├╝brigens ein bekannter deutscher Lyriker steckt, das ist nur ein Pseudonym, ich verrat's aber nicht, wer -, um ├╝ber Raoul Schrott, danach bist Du endg├╝ltig in die Lyrik verliebt, garantiert, zur richtigen "Verskunde" zu kommen.

Viel Spa├č und Gl├╝ck auf!!!

Gru├č der W.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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