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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Doppelfehler
Eingestellt am 16. 07. 2003 11:16


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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

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Doppelfehler

Der junge Mann lag b├Ąuchlings auf dem Parkettboden des Wohnzimmers. Im R├╝cken, sch├Ân genau zwischen den Schulterbl├Ąttern ragte noch der Brief├Âffner heraus.'Wie in einem drittklassigen Krimi', schoss es M├Âllenbach durch den Kopf. 'Nur dass die Leiche echt ist und ich bin der Kommissar.'
M├Âllenbach guckte sich um. Alles vom Feinsten: die Designerm├Âbel, die Kleidung des Opfers, der neueste Krimi vom angesagten Schreiberling. Und die Mordwaffe war aus schwerem, altem Silber, besetzt mit Halbedelsteinen. 'Fast wie bei Agatha Christie.' M├Âllenbach musste sich zwingen, an das Hier und Jetzt zu denken und nicht an irgendwelche Krimifiguren.
"Gibt's schon was, Frau M├╝ller?", wandte sich M├Âllenbach an die schlanke Frau im wei├čen Overall. Die Rechtsmedizinerin zog gerade das Messer aus dem R├╝cken, behutsamer als sonst, wie M├Âllenbach registrierte.
"Abwarten, Herr M├Âllenbach. Da ist ein Fingerabdruck. K├Ânnte vom T├Ąter sein, wahrscheinlich aber vom Opfer selbst. Au├čerdem noch keine klitzekleine Schleimspur. K├Ânnte von einem Nieser stammen. Muss man sehen." Sie deutete auf den kleinen Stapel Briefe, der auf dem Schreibtisch verteilt war und hielt die Tatwaffe so, dass M├Âllenbach alles genau sehen konnte. Der Kommissar nickte. "Sonst noch was von Bedeutung?" Frau M├╝ller zuckte mit den Schultern. "So, wie der Brief├Âffner steckt, kann der Stich nur von einer weiteren Person ausgef├╝hrt worden sein. Selbstmord scheidet definitiv aus. So ersticht sich keiner! Der Rest wie gehabt und in zwei Tagen." Frau M├╝ller packte ihre Siebensachen zusammen, ├╝berwachte den Abtransport der Leiche.
"Herr M├Âllenbach, ich bin dann fertig. Bis Montag." M├Âllenbach zuckte zusammen, gerade so als h├Ątte jemand einen Kanonenschuss hinter ihm abgefeuert. "He, Herr M├Âllenbach, warum denn so schreckhaft? Haben Sie nen Geist gesehen?"
Der Kommissar drehte sich langsam um. Er wies mit der Linken auf das Familienfoto an der Wand, das er die ganze Zeit ├╝ber angestarrt hatte. "Nein Frau M├╝ller, keinen Geist, aber den M├Ârder." "Herr M├Âllenbach", die Angesprochene wusste nicht ob lachen oder weinen, "sie wollen mir doch nicht allen Ernstes erz├Ąhlen, dass Ihnen das Foto da erz├Ąhlt hat, wer der M├Ârder ist. Auf dem Bild sind doch nur das Opfer, die Eltern und der Zwillingsbruder zu sehen. Und das ganze ist mehrere Jahre alt. Ein Schnappschuss von irgendeiner Hochzeit." "Sie sagen es, Frau M├╝ller. Sie sagen es. Zwillinge."

"Wie sind Sie mir drauf gekommen?" Der junge Mann auf dem Besucherstuhl vor M├Âllenbachs Schreibtisch hatte seine Fassung immer noch nicht ganz wiedergefunden. "Was hat Sie auf die Idee gebracht, stehenden Fu├čes, direkt von der Leiche meines Bruders, zu mir zu kommen, meine Fingerabdr├╝cke zu nehmen und mir auf den Kopf zuzusagen, dass ich den Peter umgebracht habe?" M├Âllenbach zuckte mit den Schultern, grinste ein bisschen verlegen. Schien fast, als wollte er sich bei Martin Wonmars entschuldigen, dass er ihn - wie der junge Mann so sch├Ân sagte - stehenden Fu├čes verd├Ąchtigt hatte. "Es hat damit zu tun, Herr Wonmars, dass Sie ein Zwilling sind. Ich bin ├╝brigens auch ein Zwilling, w├Ąre sonst nie auf die Idee gekommen."
Wonmars verstand keine Silbe. Hilfe suchend schaute er die Frau an, die neben dem Fenster stand. Frau M├╝ller hatte alles stehen und liegen lassen, als sie von der Verhaftung Martin Wonmars h├Ârte. Spitzte nun die Ohren und lie├č sich nichts entgehen. Ihre Untersuchungen hatten zwar M├Âllenbachs Verdacht best├Ątigt, aber von alleine h├Ątte sie den Bruder nie verd├Ąchtigt.
"Das ist ganz einfach, Herr Wonmars. Schon bei der ersten fl├╝chtigen Untersuchung des Tatorts fiel Frau M├╝ller auf, dass sich ein Fingerabdruck auf dem Brief├Âffner befand. Vom Opfer war er nicht, also musste er vom T├Ąter stammen. Nur - wer hinterl├Ąsst heutzutage noch Fingerabdr├╝cke auf einer Mordwaffe? Ein absoluter Dummkopf oder einer, der gar keine Angst hat, Spuren zu hinterlassen. K├Ânnen Sie mir folgen?" Der Gerichtsmedizinerin ging langsam ein Licht auf. Wonmars kapierte immer noch nichts. Ein feines L├Ącheln huschte ├╝ber M├Âllenbachs Gesicht. "Sie und Ihr Bruder, Herr Wonmars, waren Zwillinge. Ich nehme an, Sie gingen davon aus, dass eineiige Zwillinge identische Fingerabdr├╝cke haben." Martin Wonmars nickte.
Er war der festen ├ťberzeugung gewesen, dass seine und die seines Bruders Fingerabdr├╝cke identisch seien, dass er gar keine Handschuhe ben├Âtigte, um irgendwelche Fingerabdr├╝cke zu vermeiden. "Ich habe mit Absicht keine Handschuhe ├╝bergezogen, Herr Kommissar. Die letzten Abdr├╝cke sollten die meines Bruders sein. Es sollte ein R├Ątsel sein, ein unl├Âsbarer Fall."
"Damit haben Sie Ihren ersten Fehler gemacht. Auch eineiige Zwillinge sind nicht vollst├Ąndig identisch. Es gibt da kleine Abweichungen, z. B. bei den Fingerabdr├╝cken. Sie und Ihr Bruder haben, wie alle anderen Zwillinge auch, verschiedene Fingerabdr├╝cke." "Und mein zweiter Fehler?" "Nun, Herr Wonmars. Ihr zweiter Fehler bestand darin, dass Sie und Ihr Bruder gar keine eineiigen Zwillinge sind bzw. waren."
"Zweieig? Der Peter und ich zweieiig?" M├Âllenbach nickte. "Mir fiel das sofort auf, als ich Sie zum ersten Mal gesehen habe. Es waren n├Ąmlich die Augen. Sie, Herr Martin Wonmars, haben graue Augen mit einem Stich ins blaue, Ihr Bruder Peter hatte graue Augen mit einem Stich ins gr├╝ne. Minimal nur, man muss schon wissen, wonach man suchen muss.Wie ich schon sagte, bin ich auch ein Zwilling. Zweieiig. Ich wusste, wonach zu suchen war. Und der kleine Schleimtropfen von Ihrem Nieser lieferte nur noch das Vergleichsmaterial f├╝r den DNA-Test."

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Michael Schmidt
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Hallo MarleneGeselle,

sch├Ân erz├Ąhlte Geschichte.

Nur : Au├čerdem noch keine klitzekleine Schleimspur.

Mu├č eine hei├čen, oder?

Zum Plot : Wenn einei├şge Zwillinge nicht die gleichen Fingerabdr├╝cke haben, sollte Martin das Wissen, oder?

Du hast zwei Beweise:
Den Fingerabdruck und die Schleimspur. Vielleicht solltest du die Schleimspur weglassen und genauer er├Ârtern, warum Martin der Umstand mit den unterschiedlichen Fingerabdr├╝cken nicht bewu├čt war.

So wie es da steht, wirkt der gute Martin allzu dilletantisch.

Aber trotz meiner Anmerkungen eine sch├Âne, gut geschriebene Geschichte. Gef├Ąllt mir!

Bis bald,
Michael

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MarleneGeselle
???
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Hallo Michael,

danke f├╝r deinen netten und vor allen Dingen prompten Kommentar. Dass mit den nicht identischen Fingerabdr├╝cken bei eineiigen Zwillingen ist kaum verbreitet. Habe selber Zwillinge in der Verwandschaft - und die sind der festen Meinung, V├ľLLIG identisch zu sein. Ich selber habe von der Sache mit den verschiedenen Abdr├╝cken vor Jahren mal gelesen. Der Irrtum meines Protagonisten ist also verst├Ąndlich.
Und was die Schleimspur angeht: Ich wollte unbedingt einen zweiten Fehler einbauen, der ├ťberschrift wegen. Da fiel mir auf die Schnelle halt nur der Nieser ein. Hab gerade selber ein bisschen Schnupfen.

Gr├╝├če
Marlene

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Michael Schmidt
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Hallo Marlene,

der Doppelfehler pa├čt doch gut zum Zwillingsthema. Und diese Unkenntnis von Martins solltest du besser herausstellen ( oder den Zufall herausstreichen, dass der Kommissar es wei├č ).

Bis bald,
Michael

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