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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Doris
Eingestellt am 28. 06. 2006 13:40


Autor
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Gerd Geiser
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2006

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Meine Puppe hie├č Doris. Sie war eine gute Puppe, keine von der gew├Âhnlichen Sorte. Bestimmt h├Ątte sie ihren Platz in meinem Herzen gefunden, doch dummerweise war sie aus Porzellan. Nur die guten Puppen, das lehrte man mich damals, wurden aus Porzellan hergestellt, und dieses war anf├Ąllig, und eine Puppe aus solcherart Material folglich zu schade, als dass man mit ihr h├Ątte spielen d├╝rfen.

Sto├čanf├Ąllig war sie, vor allem ihr Kopf, und als Mittel der Wahl gegen diese Schlaganf├Ąlligkeit wurde ihr H├Âhenluft verordnet. Man suchte einen Platz f├╝r sie, an dem sie sich schonen konnte, einen absolut sicheren Schonraum, der die Gew├Ąhr daf├╝r bot, keinen Schlagunfall zu erleiden und fand ihn auch prompt zwischen Zinnbierhumpen und einer kleinen Kl├Âppelarbeit hoch oben auf dem obersten Bord unseres B├╝cherregals. Hier kurte sie wohl lange Zeit, ohne dass f├╝r mich eine Besserung ihres latenten Gesundheitszustandes in Erwartung stand. Ich sp├╝rte, dass ihr liebevolle Zuwendung zuteil werden musste, sollte eine Linderung ihres Anfallleidens eintreten, war auch bereit (und ich schw├Âre, ich war┬┤s!), ihr diese zu geben, doch Mutters Verbot und die H├Âhe ihres Luftkurortes lie├čen eine Genesung in unerreichbare Ferne r├╝cken. Mit rot geschminkten Lippen und traurigen Augen fristete sie ihr Dasein oberhalb des t├Ąglichen Wohnzimmertreibens, ihrem Schicksal ergeben.

Einzig an Freitagen zog ein wenig Leben in ihre Trostlosigkeit ein. Dann war Visite, und Mutter, auf einer Trittleiter stehend und sich nach ihr reckend, f├Ąchelte Doris mit einem weichen Staubwedel Sauerstoff zu, hob sie mitunter auch hoch und zupfte ihre Kleider zurecht. Doch diese Augenblicke der F├╝rsorge reichten f├╝r eine dauerhafte Gesundung nicht aus. Ihr Lebenswille schwand, ihre Ausstrahlung verblasste und verschmolz allm├Ąhlich mit der der Bierhumpen. Die freit├Ąglichen Akte der Reanimation wurden mir zunehmend egal, meine ungestillte Sehnsucht wich einem Gef├╝hl der Gleichg├╝ltigkeit ihr gegen├╝ber, Doris entschwand meinem Blickfeld.

Sie war von Anfang an ein Irrl├Ąufer. Bis heute wei├č ich nicht, wer ihr zum Einlass in unsere Familie verholfen hatte, noch wei├č ich etwas ├╝ber ihren endg├╝ltigen Verbleib. Jahre sp├Ąter fand ich sie zuf├Ąllig in einem der W├Ąschef├Ącher unseres Kleiderschrankes wieder, auf wei├čes Linnen gebettet, mit Wangen, die ich roter in Erinnerung hatte und Augenlidern, die geschlossen waren. Ein kleines B├╝schel Herbstkr├Ąuter (wohl gegen Mottenbefall) lag ihr zur Seite und rundete die Szene ab. In die Dunkelheit dieses Schubfaches hatte sie ein St├╝ck ungelebtes Leben von mir mitgenommen. Hier hatte sie ihre Ruhest├Ątte gefunden, ohne selbst je wirklich gelebt zu haben.

Vor 10 Jahren traf ich sie wieder. Sie hie├č Doris. Mein Freund hatte sie mitgebracht und stellte sie mir als seine neue Errungenschaft vor. Ihre erotische Ausstrahlung befl├╝gelte meine Fantasie, und f├╝r kurze Zeit flatterte ich aufgescheucht durch unruhige Tage und N├Ąchte.

Danach war es gut.

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Gandl

Autorenanw├Ąrter

Registriert: Jul 2003

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Hi Gerd Geiser,
hm ... ÔÇ×TagebuchÔÇť ist ja so was wie n ÔÇ×gesch├╝tzter RaumÔÇť ... da darf man ja eigentlich nicht motzen ... Aaaaber: ich kann nicht anders, sorry, was raus muss, muss raus.
Ich finde den Text indiskutabel. Mir fehlt hier die Lust, die Details aufzuschreiben. Nur kurz: mich macht diese Maniriertheit, diese Geschraubheit der Sprache, dies krampfhaft-witzig-sein-Wollende, diese hohle Aufgeblasenheit so unbeschreiblich m├╝de ...
Hinzu kommen die Rechtschreib- und sonstigen Fehler, die falschen Bez├╝ge in den langen S├Ątzen, in denen du einfach den ├ťberblick verlierst.
LG
Gandl

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
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Gandl, nat├╝rlich darf man motzen. Das ist hier ein Werkeforum. Bei einem Text, der offensichtlich der Aufarbeitung eigener schwerer Probleme dient, w├Ąre ich etwas sanfter, aber hier scheint das nicht der Fall zu sein.

Gru├č,
Gabi

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Gerd Geiser
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2006

Werke: 243
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Hallo Gandl

Alles Geschmackssache.
Der Text ist so in einer Anthologie eines Bremer Verlages erschienen und wurde vorher lektoriert. Lange S├Ątze sind nicht jedermanns Sache. Danke f├╝r deinen Kommentar.
Gru├č GG

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pablo
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2004

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Hallo Gerd,

ich finde deine Geschichte wunderbar. Sie ist witzig, spritzig geschrieben und strotzt von einem gewissen englischen Humor, ├╝ber den ihr da oben im hohen Norden Deutschlands verf├╝gt und den ich bewundere.

Doris ├Ąhnelt meiner Puppe Hannelore. Auch sie konnte einen lieblichen Porzellankopf ihr Eigen nennen. Leider durfte sie nicht zur Kur nach Oberschrankberg, sondern wurde von mir oft und ausgiebig bespielt, was zur tragischen Folge hatte, dass ihr zierliches Haupt eines Tages in tausend Scherben zerbrach. Nun denn, Scherben bringen ja bekanntlich Gl├╝ck. Und so kam es, dass mein P├╝ppchen eines sch├Ânen Weihnachtens durch ein dralles Plastikmodell ersetzt wurde, was keineswegs bedeutet, dass ich Hannelore jemals verga├č.

Toll, dass dir Doris als Fleischgewordene noch einmal begegnete.
Man sagt nicht umsonst den Jungs, die in der Kindheit schon mit flotten Puppen umzugehen wussten, nach, diese seltene Gabe bis ins hohe Alter weiter zu beherrschen.

Klasse geschrieben!
Lediglich ein paar kleine Fl├╝chtigkeitsfehler habe ich entdeckt: prompt, schwand, dummerweise, mitgenommen und hinter "wei├čes Linnen gebettet" fehlt das Komma.

Das war┬┤s auch schon. Also nichts Weltbewegendes. Dies kann wirklich jedem im Eifer des Gefechtes passieren.

Gru├č
Pablo
__________________
pablo

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jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
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ÔÇŽ also mir sagt der "geschraubte Stil" hier sehr zu, weil er die passende Stimmung zeichnet. Vielleicht h├Ątte es ein Tick weniger auch getan oder ein Tick mehr Variation (in Zusammenhang mit den Zeit-Fenstern), aber "einklagen" w├╝rde ich ds wei├č Gott nicht.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

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