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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Drama
Eingestellt am 27. 08. 2001 15:45


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muskl
???
Registriert: Jul 2001

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Drama


Es war wieder passiert, wie so oft. Er war es eingegangen, hatte nach relativ kurzer Zeit ein gutes Gef├╝hl daf├╝r entwickelt und die Situation scheinbar klar gesehen. Das war der Punkt an dem eine Entscheidung f├Ąllig, die er aber wieder nicht traf, wie immer. Seltsamerweise passierte es ihn immer und nur in dieser Situation. Danach wachte er immer auf, als w├Ąren ihm Schleier vor den Augen entfernt worden und er hatte so etwas wie einen schlimmen Kater nach einer durchzechten Nacht. In gro├čer Verzweiflung schwor er sich dann regelm├Ą├čig, beim n├Ąchsten mal auf seine Gef├╝hle und Wahrnehmungen zu h├Âren und kein St├╝ck davon abzuweichen. Aber immer wieder kam es zu einem n├Ąchsten mal und es begann wieder von vorn. Es war wie sein pers├Ânliches Drama, das er immer wiederholte.

Das Wesen pers├Ânlicher Dramen war, man konnte sie erst erkennen, sobald sie abgelaufen waren. Verschiedene Situationen ├Ąhnelten sich und schienen immer wieder den gleichen Ablauf zu haben. Automatisierung hatte ja durchaus auch positive Seiten, manche Prozesse lie├čen sich dadurch beschleunigen, ohne ├╝ber den Prozess nachzudenken. Betr├╝blich nur, das es diesen Ablauf auch im negativen gab, der nat├╝rlich zu den Oft eher unangenehmen Erlebnissen f├╝hrte. Wie bei allem geh├Ârte auch hier das Negative zum Positiven und umgekehrt, was es aber nicht unbedingt leichter machte.

Gemeinsam hatten sie alle, dass sie wie ein Computerprogramm in die Pers├Ânlichkeit implementiert waren. Wenn man es gro├čz├╝gig sehen wollte oder konnte, ├╝bergab man die Verantwortung der Programmierung, dem Leben selbst, so das die Erfahrungen automatisch zur Programmierung f├╝hrten.
Daraus w├╝rde sich die Logik entwickeln, alte Erfahrungen werden durch neue abgel├Âst, also eine neue f├╝r eine alte Programmierung. Wenn man irgendwann einmal eine bestimmte schlechte Erfahrung gemacht hatte, w├╝rde sie durch eine gute ausgel├Âscht werden. Vorraussetzung daf├╝r w├Ąre nat├╝rlich, eine bessere Erfahrung zu erkennen, sie als richtig wahrzunehmen. Sie dann aufzunehmen und zu speichern, d├╝rfte dann ja eigentlich kein Problem mehr sein. Es wird also immer wieder auf eine bessere M├Âglichkeit gewartet, um sie dann f├╝r sich zu gebrauchen.

Was ist in dem Fall aber mit der alten Programmierung? Sie wird sich ja wohl nicht mitten im Hirn aufl├Âsen, Wenn, zu was l├Âst sie sich auf. Es wird ja wohl kein feiner Nebel sein, oder in der anderen Form als Wasser, obwohl man das bei den meisten Menschen leicht vermuten k├Ânnte. Auf einem Computer sind gel├Âschte Dateien auch nur scheinbar gel├Âscht, sie sind immer noch da, deswegen k├Ânnen sie auch oft wieder hergestellt werden, blo├č ein Zugriff kann nicht mehr stattfinden. Also k├Ânnen sich alte Erfahrungen sich nicht zu nichts aufl├Âsen, sie spuken immer noch im Hirn herum und warten auf ihre Reaktivierung. Sie d├╝rften sich in dieser Lage ziemlich zur├╝ck gesto├čen f├╝hlen, also nur auf den Moment zu warten, wenn ihre Erfahrung wieder gebraucht w├╝rde. Das w├Ąre dann wohl die zuf├Ąllige Variante.

Es besteht nat├╝rlich auch die M├Âglichkeit, dass die alten Erfahrungen keine neuen zulassen. Sie h├Ąngen weitere Erfahrungen einfach an sich an, dabei w├╝rden s├Ąmtliche Zugriffe erst einmal ├╝ber sie gehen. Somit w├╝rden sie die Kontrolle ├╝ber den gesamten Prozess haben, was ausgel├Âst wird, entscheiden sie alleine. Das w├Ąre wohl dann die diktatorische Variante. Allerdings w├╝rde es sich dabei nur um eine Erfahrung drehen, aber es gibt ja viele Erfahrungen, damit liegt der Gedanke nahe, dass es sich um mehrere Diktaturen handelt. ├ťbertragen gesehen h├Ątte man einen Hitler, einen Mussolini und einen Stalin nebeneinander. Hitler ist klar, st├Ârende alte und neue Erfahrungen werden vernichtet, Mussolini ergibt ein Chaos. Einen Stalin, weil sich manche Erfahrungen sehr geschickt tarnen k├Ânnen, indem sie die neue Erfahrung scheinbar bestimmen lassen. Wenn es allerdings zu gef├Ąhrlich wird, greift nat├╝rlich die alte Erfahrung ein und spult ihr Programm ab. Wahrscheinlich werden die renitenten alten und neuen Erfahrungen dann in eine kalte Gehirnecke deportiert. Vorteile haben damit nat├╝rlich die Erfahrungen, die still im Hintergrund arbeiten und sich nicht vordr├Ąngen.

Die dritte M├Âglichkeit besteht wohl in der normalen Variante. Sie k├Ânnte aus der ├ťbernahme von Erfahrungen bestehen, seien es nun alte oder neue, gute oder schlechte. Man k├Ânnte sie damit auch als die "Ich-mach-immer-das-was-andere-machen" -Variante bezeichnen. Eigene Erfahrungen werden damit nat├╝rlich auch gemacht, allerdings nur um sie gleich wieder in einem entfernten Winkel des Gehirns zu verbannen. Angewendet werden sie nur alleine im stillen Einsamkeitswinkel, wenn keiner hinschaut.

Vorraussetzung ist die Angst, eigene Erfahrungen k├Ânnten eventuell als bindend festgemacht werden, soll hei├čen, man sollte f├╝hren, als erster voran gehen. In diesem Fall wird sich nicht der gr├Â├čten Erfahrung angeschlossen, eher der Erfahrung, die am lautesten schreit und zu der die meisten ja sagen. Die normale Variante beginnt wahrscheinlich schon als Kind, die kleinen Erfahrungen werden von einer sehr gro├čen, dominanten Erfahrung gesprengt. Das allerdings so nachhaltig, dass im Gehirn eine eigene stille Ecke f├╝r neue eigene eingerichtet wird, die dann auch immer sofort in die Ecke gehen und auf ihren geheimen Einsatz warten.

Vorraussetzung f├╝r alle Varianten ist ein Geheimwort oder eine Sichtweise, wenn es f├Ąllt wird die Variante ge├Âffnet und das Drama beginnt. Es gibt gute und schlechte Dramen, gleich sind sie nur durch ihren automatischen Ablauf. Sie ist schwer zu unterbrechen, zum einen muss man sie erst einmal erkennen, zum anderen als etwas wahrnehmen, was sich st├Ąndig wiederholt. Es gibt keinen Weg heraus, wenn man es nicht selbst will. Wenn man es will, muss die Programmierung ge├Ąndert werden, was kaum alleine zu schaffen ist. Dabei w├Ąre es so einfach, man m├╝sste es nur anders machen. Aber alle Verhaltensbefehle kommen von oben und verlangen eine sofortige Reaktion, da bleibt kaum Zeit um dar├╝ber nachzudenken. Unter Druck werden Entscheidungen erzwungen, die man mit gen├╝gend Zeit nie getroffen h├Ątte. Das Erwachen danach ├Âffnete immer die Augen, ein Drama hat immer Folgen und Konsequenzen.

Sein Drama schien so klar auf der Hand zu liegen, er brauchte es blo├č anzufassen und zu ├Ąndern. Darin bestand aber die Schwierigkeit, er wusste nicht ob er es anfassen wollte. Vielleicht genoss er ja immer wieder die pers├Ânliche Entt├Ąuschung seines Versagens der Situation gegen├╝ber. Vielleicht brauchte er jedes Mal die schlechte Erfahrung, lie├č sie aber nicht in eine gute Umwandeln und voraus gehen, mit der er zufriedener leben konnte. Sie wurde wahrscheinlich gleich immer wieder durchgereicht und hinten angeh├Ąngt, um neben den vielen anderen abgelegten irgendwo im Gehirn zu versauern. Er musste es also nicht anders machen, auch eine neue Erfahrung w├╝rde nicht helfen, w├╝rde sie doch auch sofort nach hinten durchgereicht werden.

Der Schl├╝ssel lag also in einer alten Erfahrung, die keine neue zulie├č. Daf├╝r musste er den Schl├╝ssel finden, damit sie ihn an sich heran lie├č, um ihr eine andere Programmierung zu geben. Er wollte und konnte sie nicht vernichten, aber sie vielleicht davon ├╝berzeugen, sich hinter den anderen auszuruhen. Sie hatte so lange die ganze Arbeit gemacht, immer wieder das selbe, das war ihr Drama, ein Leben lang vergebliche Arbeit, wie unter einem Zwang. Wie er den Schl├╝ssel zu dieser alten Erfahrung finden konnte, wusste er noch nicht, aber er w├╝rde sich Hilfe dabei suchen, er war bestimmt nicht alleine damit.

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