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Leselupe.de > Ungereimtes
Dramatische Metaphorik
Eingestellt am 29. 01. 2017 21:50


Autor
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Oreste
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2015

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Als Anneke mich verlassen hatte,
fand ich am Mittag drauf
einen dieser kleinen Kakteen im Tontopf
vor meiner Haust├╝r.
Dazu einen Zettel mit den Worten:
Denk mal dr├╝ber nach!
und:
~ adieu ~

Anneke hatte schon immer einen Hang
zur dramatischen Metaphorik,
und ich einen Hang dazu, das nicht zu kapieren.
Daf├╝r liebten wir uns.

Ohne entsprechend dar├╝ber nachzudenken,
stellte ich den Kaktus auf meinen Fernseher
und a├č B├╝ckling aus der Dose.
Aus Trotz spielte ich mit dem Gedanken,
dem bl├Âden Ding einen albernen Namen zu verpassen;
etwa Bernd. Oder Klaus. Oder G├╝nter Verheugen.
Wenig sp├Ąter ohrfeigte ich mich selbst f├╝r die Idee ÔÇô
brach ihm stattdessen einen Stachel ab,
was ich fortan jeden Tag wiederholte.

Es l├Ąsst sich nicht mit Sicherheit sagen,
was mich zu dieser Handlungsweise bewegte ÔÇô
ob Liebeskummer, Langeweile oder aber
ich missverstand es
als eine Art umgekehrte Voodoopuppe, ja;
mit jedem Stachel, den ich vom Kaktus entfernte,
musste Anneke schlimme Schmerzen leiden.

Wie auch immer.

Drei Wochen
oder einundzwanzig lose Stacheln sp├Ąter
war es geschehen:
Ich lag unrasiert in F├Âtusstellung auf dem Sofa
ÔÇô im Fernsehen lief die BR Alpha Space Night ÔÇô,
als die ersten Sonnenstrahlen
auf den mittlerweile kahlen Kaktus fielen.
An dessen Spitze ├Âffnete sich jetzt wie im Zeitraffer
eine pinke Bl├╝te
und schaute angewidert zu mir herab.

Pink ÔÇô das war Annekes Farbe.
Und in diesem Moment war mir klar:
das w├╝rde ihr letztes
Dramatische-Metaphorik-Ding sein,
das ich nicht kapierte.
__________________
in ein Taxi steigen und gen Himmel zeigen

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Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

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z.B.

In der Tat ist es Prosa.
Um ein Gedicht zu werden, m├╝├čte es verdichtet werden. Ich versuchs:



Anneke verlie├č mich
Am Mittag fand ich
einen kleinen Kaktus
vor der Haust├╝r

Dazu einen Zettel:
Denk mal dr├╝ber nach!

So ein
Dramatisches Metaphorik-Ding

Kapierte ich nicht
Daf├╝r liebten wir uns

Ich brach ihm einen Stachel ab
und von da an
jeden Tag
einen

Umgekehrte Voodoopuppe
Mit jedem Stachel
den ich entfernte
lie├č ich Anneke schlimme Schmerzen leiden

Drei Wochen sp├Ąter
lag ich in F├Âtusstellung auf dem Sofa
als die ersten Sonnenstrahlen
auf den kahlen Kaktus fielen

An dessen Spitze ├Âffnete sich
eine pinke Bl├╝te
Annekes Farbe

ihr letztes
dramatisches Metaphorik-Ding

das ich
nicht kapierte


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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revilo
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Registriert: Nov 2008

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einer der besten Texte, die ich hier je gelesen habe.......

Gratulation......LG revilo
__________________
Manch mal wei├č ich nicht
ob der Tag anbricht oder
ausbricht (revilo)

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Mondnein
Routinierter Autor
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nein, das ist nicht revilo.

der echte revilo k├╝rzt und schiebt zusammen. dieser hier l├Ą├čt prosa unverdichtet stehn. der hier ist das positiv zum negativ, oder das negativ zum positiv. komplement├Ąr. so wie oliver zu revilo oder sonja zu mondnein.

wo ist revilo?


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 494
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Gut

Ein kleiner Scherz, denn revilo ist ein ausgezeichneter Kritiker, der leider nichts mehr hier einbringt, aber ein gutes Auge f├╝r das hat, was in einem Gedicht als substanziell und notwendig ├╝brigbleibt, wenn man alles ├ťberfl├╝ssige wegstreicht. So, da├č es eben ein Ge-"dicht" wird.

Aber ich hab es l├Ąngst eingesehen, da├č Dein Prosagedicht gerade in der Lockerheit, in der es sich ausspricht, nichts ├ťberfl├╝ssiges enth├Ąlt. Es ist, meine auch ich, wirklich gut.


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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morgenklee
???
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Martin & G├╝nni?

Oreste

Wunderbar!
Warte mal, wenn aus dem Zweitagebart erst einmal ein Dreiwochenbart geworden ist...

Aber warum kommt Verheugen ins Spiel? Wegen seiner chicken dicken Brille? Oder wg. seiner etwas schmolligen Naturlippen?
Oder verbirgt sich etwa hinter "Oreste" Martin Schulz, der seinen alten Genossen G├╝nni nat├╝rlich aus gemeinsamen EU-Zeiten kennt?

Ach, ist ja wurscht!

PS:
Wenn man schon in die W├╝ste geschickt wird, kann es doch gar nicht schaden, schon erste Erfahrungen mit Kakteen gemacht zu haben.
__________________
morgenklee

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Monochrom
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Registriert: Nov 2012

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Hi,

bin durch die Email "Werk des Monats" auf diesen Text aufmerksam geworden.

Hmm, ehrlich gesagt, ist das O.K., aber ich verstehe nicht so die Brillanz, die eine ├╝berschwengliche Bewertung veranlassen kann.

Vielleicht bin ich, was Lyrik betrifft, einer dieser Ahnungslosen, die nur gro├če Worte machen aber nichts verstehen.

Oder ich bin neidisch? Hmm... nee, auch nicht.

Was macht dann diesen Text so gut? Ich bin ratlos und vergebe keine Bewertung, bleibe hier mal mit einem Schulterzucken zur├╝ck...

Das ist anst├Ąndige Prosalyrik, aber ich sehe, was Wortwahl, Enjambements und Spiel mit der Sprache betrifft, einige Baustellen.

Tsch├╝ss,
Monochrom

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