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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Draussen!
Eingestellt am 06. 03. 2002 16:33


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bassimax
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Draussen

Jetzt wird es wohl gleich soweit sein. Ich werde sterben. Alles riecht danach. Die Menschen die um mich herumstehen, der
ganze Raum. Ich liege festgebunden auf dem gro├čen Tisch.
Ich kenne diesen Tisch. Schon oft hat mich der Mann mit dem wei├čen Kittel auf ihn gehoben, und freundlich zu mir gesprochen. Meistens f├╝hlte ich mich schlecht wenn ich hierher gebracht wurde. Er tat dann immer irgendwelche Dinge mit mir. War er fertig sagte er ÔÇ×Braver Hund!ÔÇť und gab mir ein Leckerli. Ich wusste das er gut f├╝r mich war, das es mir bald besser gehen w├╝rde.
Wir sind nur zu dritt in diesem Raum. Herrchen und Frauchen
sind nicht da. Sie m├Âgen mich nicht mehr.
Ich lebte lange mit ihnen zusammen, meistens war es gut gewesen. Auch wenn ich ihre komischen Regeln und Gesetze oft nicht verstand. Und ich glaube, dass ich deshalb hier bin. Ihre unvern├╝nftigen Regeln.
Und jetzt werde ich gleich sterben. Aber das macht nichts. Ich
will gar nicht mehr leben. Denn ich wurde versto├čen.
Ich hei├če Freddi. Und ich bin Riesenschnauzer.

Wir lebten zu viert im Haus. Herrchen, Frauchen und der Kleine. Das Haus war gro├č, ich hatte viel Platz. Und es gab noch mehr Platz hinter dem Haus, im Garten. Da war ich oft. Lag d├Âsend in der Sonne, beobachtete was in den Nachbarg├Ąrten vor sich ging, und passte nat├╝rlich auf das niemand ├╝ber den Zaun kam. Ich hatte mit der Zeit gelernt das ich hier keine L├Âcher graben durfte, und das es verboten war die Blumen zu markieren.
Ich lebte nicht immer hier. Ich wei├č nicht genau wo ich vorher war. Aber in Tr├Ąumen sehe ich manchmal K├Ąfige, enge R├Ąume und viele andere Hunde. Und besonders auch: furchtbar lautes Gebell. Das hasse ich am meisten, dann wache ich immer auf. Ich wei├č ich war dort, und es war schlecht dort zu sein.
Hier im Haus wurde ich immer viel gestreichelt. Meistens von der Frau. Wenn sie mit mir sprach war ihre Stimme anders als wenn sie mit Herrchen sprach. Es war dieselbe Stimme mit der sie zum Kleinen sprach.

Herrchen ging fast jeden Tag fort. Gleich morgens. Wenn er um diese Zeit ging, durfte ich nie mit. Ich war immer etwas traurig dar├╝ber. Aber das half nichts. Wie gerne w├Ąre ich mitgekommen! Raus, in die Welt!
Bevor der Kleine kam, war ich den Tag ├╝ber immer allein mit der Frau. Sie war freundlich zu mir und sah mich oft an. Und sie sprach zu mir. Manchmal legte sie sich sogar zu mir auf den Boden. Aber nur wenn wir allein waren. Sie dr├╝ckte sich an meinen R├╝cken und ich h├Ârte ihren Atem an meinem Ohr. Das war angenehm. In der Zeit, in der alle laut waren, da hat sie manchmal geweint wenn sie an mir lag. Das mochte ich nicht. Ich wollte dann weggehen, in den Garten, aber sie hielt mich fest. Wenn sie dann aufstand gab sie mir immer etwas besonderes zu fressen. Das war gut.

Die Frau war schwach. Das war auch gut. Ich war ├╝ber ihr. Sie respektierte das. Sie beugte sich zu mir herab um mich zu begr├╝├čen und sie sprach mit unterw├╝rfiger Stimme. Oft sa├č ich sogar auf der Couch, h├Âher als sie und sie sa├č auf dem Boden und h├Ârte Musik
Auch drau├čen benahm sie sich sehr gut. Sie kannte ihren Platz. Ich bestimmte den Weg. Und ich schn├╝ffelte solang ich wollte. Sie stand daneben und wartete bis ich weiter wollte.
Dennoch sp├╝rte ich genau wenn ihr etwas nicht passte. Sie mochte es nicht wenn ich zerrte, wollte langsam gehen. Dann schimpfte sie. Und ich ging langsamer. Denn sie hatte das Futter. Und wenn sie ganz laut schimpfte passierte es oft das sie am
Abend mit Herrchen ├╝ber mich sprach. Ich h├Ârte meinen Namen und sie sahen mich zwischendurch an. Herrchen roch dann
nach Wut und Raufen. Ich legte mich in meinen Korb, den Kopf ganz flach auf dem Boden. Und blickte ihn lieber nicht an. Aber das n├╝tzte nichts. Denn er kam mit schnellen Schritten auf mich zu, packte mich w├╝tend am Nacken, br├╝llte und schlug mit einem Schuh. Ich hatte immer Angst dabei.
Aber nach einiger Zeit war er wieder freundlich und zog mich aus Spa├č am Ohr oder kitzelte mich. Dann war ich gl├╝cklich. Die Frau aber kam fast immer sofort nach den Schl├Ągen zu mir und streichelte mich. Dann wurde Herrchen zu ihr laut.

An den Tagen an denen alles anders war ging er mit mir raus. An diesen Tagen schliefen alle lang und Herrchen blieb zuhause.
Mit ihm drau├čen zu sein war wundervoll. Denn er ging mit mir in den Park, und dort durfte ich freilaufen und mit anderen spielen. Und wenn er mich zu sich rief kam ich sofort zu ihm. Das freute ihn. Dankbar lief ich zwischendurch immer wieder zu ihm und sprang an ihm hoch. Dann t├Ątschelte er mich.
Herrchen sprach normal zu mir, so wie er auch mit der Frau sprach. Er machte immer alles richtig. Niemals lie├č er mich vor ihm fressen. Immer ging er zuerst durch die T├╝r. Und er erlaubte
auch nicht das ich oben sa├č. Gab er einen Befehl, so bestand er darauf das ich ihn sofort ausf├╝hre, und zwar ganz genau.
All das war gut. Denn ich brauchte mir keine Sorgen dar├╝ber zu machen ob wir eine guten Rudelf├╝hrer hatten. Oder ob ich es vielleicht besser k├Ânnte. Ich konnte mir ersparen nach Schw├Ąchen oder Fehlern zu suche, oder um seinen Platz zu k├Ąmpfen. Denn er war einfach der Richtige. Ich war froh ihm zu dienen.
Um wie viel mehr galt ein Streicheln von ihm als das der ├Ąngstlichen Frau! Wie viel sch├Âner war es wenn er freundlich
zu mir war! Ich bekam dann immer das Gef├╝hl das ich richtig war.
Bei der Frau war mir das egal. Denn sie ├╝bergoss mich den ganzen Tag mit allen m├Âglichen Freundlichkeiten. Die waren nicht so wertvoll. Sie streichelte mich wieder und wieder. Manchmal st├Ârte es mich sogar. Dann knurrte ich sie an, fixierte sie. Herrchen sah es ja nicht. Und sie sagte es ihm nicht, denn sie roch nach Schuld wenn ich knurrte. Wie ein Welpe den ich im Park zurechtweise und der dann wei├č das er zu frech war. Es h├Ątte nur noch gefehlt das sie sich auf den R├╝cken legte und mir ihre Kehle zeigt.
Aber ich mochte sie dennoch. Ich passte auf sie auf. Sie gab mir
Futter. Und oft genug war es angenehm von ihr gekrault zu werden. Nur achten tat ich sie eben nicht.
Einmal kam ein Fremder an die T├╝r. Es wurde viel und laut gesprochen. Ich roch ihre Angst bis in den Garten. Sie rief
nach mir. Eigentlich war die T├╝r zum Garten verschlossen gewesen.
Aber sie schloss nie richtig. Ich konnte sie mit den Pfoten beiseite-
schieben. Als der Fremde mich dann sah, als er sah wie ich auf ihn zugeschossen kam, sprang er ├╝ber den Zaun. Noch nie hatte ich bis
dahin einen Menschen gesehen der sich so schnell bewegen konnte. Er war gest├╝rzt. Ich wollte zu ihm. Ich wollte ihn bei├čen und an ihm zerren. Aber ich konnte nicht zu ihm gelangen. Ich war rasend. Dennoch war es gut gewesen. Ich hatte mich stark gef├╝hlt und war befriedigt ├╝ber meine erfolgreiche Verteidigung. Sie gab mir daf├╝r ein ganzes Schnitzel aus dem K├╝hlschrank.

Aber es gab leider etwas in unserem Rudel das mich qu├Ąlte. Etwas
das in mir einen Krieg entfachte. Und das war das Kind. Sie nannten es "Florian". Er war nicht immer da. Er war nach mir gekommen, vor zwei Jahren. Es war nicht gut f├╝r uns das er gekommen ist.
Seit einiger Zeit konnte er gehen. Und er begann zu sprechen. Aber es klang anders als bei den Gro├čen. Er ging auch komisch. Seine Schritte waren stampfend und kurz. Wenn er hinfiel schrie er grauenerregend laut. Das hasste ich. Sei Kopf wurde dabei rot und Wasser floss aus seinen Augen. Das schmeckte salzig. Die Frau kam dann sofort aufgeregt angerannt. Sie benahm sich als sei etwas ganz schlimmes passiert, nahm ihn hoch und war sehr freundlich zu ihm. Ganz komisch. Es war niemand da der ihn bedroht hatte, und es war nirgends Blut zu sehen. Und dennoch diese Schreierei, diese Angst. Ich verstehe warum sie ein Haus hatten. Drau├čen h├Ątten sie nie ├╝berlebt. Sie brauchten H├Ąuser.
Nur mein Herrchen h├Ątte keines gebraucht. Wir h├Ątten drau├čen gro├čartig leben k├Ânnen. Ich h├Ątte uns verteidigt und w├Ąre jagen gegangen, ihm gezeigt was ich alles kann.

Der Kleine war schlimm. Fr├╝her schrie er einfach in der Nacht los.
Ohne jeden Grund. Einfach so. Und alle standen dann auf. Wie
kann man nur ohne Not das ganze Rudel alarmieren? Und wieso lie├čen sie sich das gefallen?
Komischerweise behandelten sie ihn als sei er das wertvollste was es gab. Und das verstand ich nicht. Weshalb nur?
Sein K├Ârper war l├Ącherlich schwach. Seine Haut war so weich das sie keinen Schutz bot. Und er konnte ├╝berhaupt nichts was
von Nutzen gewesen w├Ąre.

Anfangs dachte ich das sich das noch ├Ąndert, wie bei unseren Welpen. Auch sie sind erst mal schwach und werden umsorgt. Wenn auch nicht ganz so weinerlich. Aber er war nun schon
zweimal so alt wie ein Welpe brauchte um erwachsen zu werden. Nur ein kleines bisschen war er gr├Â├čer geworden. Ich glaubte er w├╝rde einfach immer so bleiben. Aber wozu gab es ihn dann?

Andauernd machte er Dinge die er nicht sollte. Immer suchte er herum, riss Dinge heraus, zerst├Ârte sie. Wenn die Frau das dann nicht wollte, fing er einfach wieder an zu schreien. Auf diese
unertr├Ągliche Art. Eigentlich war dieses Schreien das einzigste was
er kraftvoll machte. Nicht mal seinen Haufen machte er dort wo ihn die anderen machten. Stattdessen trug er ihn oft bei sich

Sogar Herrchen verbot all das nicht. Obwohl er gekonnt h├Ątte.
Ihm h├Ątte sich der Kleine f├╝gen m├╝ssen.

Sobald ich aber an einem falschen Schuh nagte, oder zu lange bellte, wurde ich sofort bestraft, an meinen Platz verwiesen. Und ich folgte. Ich f├╝gte mich den Regeln.
.

Aber mit all dem h├Ątte ich leben k├Ânnen.
Wenn nur das eine nicht gewesen w├Ąre.
Wenn er mich in Frieden gelassen h├Ątte.
Das tat er aber nicht.

Die wenigen Dinge die mein eigen waren nahm er mir einfach weg. Meinen Ball, den Schuh, das Stofftier. Ganz egal was es auch war, wenn er es wollte nahm er es. Und nur ganz selten sagte die Frau 'Nein!' zu ihm. Worauf der Kleine nat├╝rlich wie verr├╝ckt schrie und w├╝tend wurde. So w├╝tend das er mich an den Haaren riss.
Er schmiss meine N├Ąpfe um. Und auch in meinen Korb durfte er sich legen. Er schlief dort sogar ein. Herrchen fand das "s├╝├č". Er freute sich dar├╝ber. Und ich roch was f├╝r sch├Âne Gef├╝hle er hatte. Aber wieso hatte er solche Gef├╝hle wenn der Kleine mir meinen Platz wegnahm?

Und wehe ich wehrte mich mal gegen ihn! Einmal wollte er meine Decke unter mir wegziehen. Ich knurrte kurz. Die Frau hatte das
geh├Ârt und st├╝rzte in das Zimmer. Sie war ganz anders also sonst.
Sie war kampfbereit. Voller Kraft. Ihre Augen blitzten vor Wut. Ich war ├╝berrascht. Und wie direkt sie mir in die Augen sah! Ich h├Ątte das eigentlich gro├čartig gefunden. Aber ich fand es nur ungerecht.
Was w├Ąre passiert wenn ich seine Decke geraubt h├Ątte? Ich war wehrlos. Alles musste ich erdulden. Ich, der ich das Haus bewachte. Ich, der einen Feind bis an das Ende des Horizonts verfolgt h├Ątte, der bereit war sich f├╝r Herrchen in St├╝cke schlagen zu lassen.
Einmal dachte ich das ich mich wehren k├Ânnte wenn sie im Keller ist. Ich zog deshalb an seiner Kleidung und er fiel sofort hin. Und br├╝llte. Wie ein Pfeil kam sie ins Zimmer geschossen. Irgendwie erkannte sie sofort das ich schuld war und schlug mit dem Pantoffel auf mich ein.
Und am Abend sprachen sie wieder ├╝ber mich. Und Herrchen schlug mich auch. Das Kind tanzte w├Ąhrenddessen um mich herum, zeigte mit dem Finger auf mich und sagte "b├Âse"! So als sei nun auch er ├╝ber mir.

Ich hasste ihn.

Am meisten schmerzte mich allerdings Herrchen den Kleinen wichtiger fand als mich. Ihn ├Âfter kraulte als mich. ├ľfter mir ihm drau├čen war. ├ľfter mit ihm spielte und dabei gl├Ąnzende Augen bekam. Und tats├Ąchlich ├Ąnderte das auch seine Stimme wenn er mit ihm sprach. Er sprach so mit ihm wie es die Frau tat. Schwach. Der Kleine machte ihn schwach! Raubte Mut und Entschlossen- heit. Machte ihn zu dem was die Frau war.

Eines morgens lag ich mal wieder d├Âsend im Korb. Nachdem der Kleine mich am Vortag wieder mal ge├Ąrgert hatte, hoffte ich, das er diesmal nicht auf mich aufmerksam wird. Er war wie immer unterwegs. Ich sah ihn durch die T├╝r├Âffnung hin- und hergehen. Mal hielt er etwas in H├Ąnden, mal nicht. Mal sprach er, mal nicht. Und dann blieb er im T├╝rrahmen stehen. Und wendete seinen Blick auf mich. Sein Gesicht ver├Ąnderte sich. So als sei ihm jetzt erst eingefallen das es mich ja auch noch gab. Er freute sich, denn jetzt konnte er irgend etwas mit mir machen. Lachend kam er auf mich zugestampft. Er ging vor dem Korb in die Knie. Und streichelte mich. Er gab dabei bes├Ąnftigende Laute
von sich. Dieses mal war es gut gegangen.
Am Nachmittag aber kam er und setzt sich einfach auf mich,
hielt einen Stock in den H├Ąnden und schlug mich, sagte "B├Âse, B├Âse!" Das schlimme war nicht der Schmerz. Der war gering. Aber der aufsteigende Hass war unertr├Ąglich. Er wurde gewaltig, gr├Â├čer und gr├Â├čer. T├Âdlich. Und diese gewaltige Kraft musste ich in mir halten. Mit allem was ich hatte wand ich mich gegen mich. Gegen meine Natur. Gegen alles was einen Hund ausmacht.
Gegen das was ich will und was ich bin. Das war die unertr├Ąglichste Qual die ich jemals erlebt hatte. Ich konnte nicht einmal aufstehen um in den Garten zu gehen. Der Kleine h├Ątte dabei st├╝rzen k├Ânnen. Und dann w├Ąre es mir schlecht gegangen. Vielleicht h├Ątte man mich aus dem Rudel geworfen.
Erst sp├Ąter konnte ich in den Garten fliehen, wo ich Runde um Runde im Kreis lief. Schneller und noch schneller.

Ich merkte deutlich, das sich die Stimmung gegen mich gewandt hatte. Seit ich den Kleinen angeknurrt hatte. Sie freuten sich nicht mehr ├╝ber mich. Oft schickten sie mich aus der K├╝che wenn sie abends dort sa├čen. Ich lag dann im Flur vor der T├╝r. H├Ârte ihr lachen, roch ihr Essen. Dort war es warm und freundlich. Und ich war drau├čen.

Manchmal sprachen sie ├╝ber mich. Das war nicht gut f├╝r mich. Ich witterte, roch es, sah es an der Art wie sie sich bewegten und merkte es am Klang ihrer Stimmen. Und ich kannte all das, hatte es schon einmal erlebt. Es hatte mit den Gittern zu tun, die ich manchmal im Traum sah. Dann bekam ich Angst. Ging zu Ihnen. Setzte mich vor sie. Aber sie beachteten mich nicht.

Als ich dann das n├Ąchste mal mit Herrchen im Park war, lie├č er mich dort wie immer frei laufen. Endlich mal wieder! Wild spielte ich mit Meinesgleichen. Tobte herum, lief und balgte mich. Blickte ich mich zwischendurch nach meinem Herrchen um sah ich das er nur gelangweilt herumstand. Er hatte keine Freude an meinen Bewegungen, an meinem Spiel und an meiner Kraft. Seine Sinne waren woanders.
Aber das konnte mich heute nicht bremsen, denn der Park war mein Paradies. Jemand hatte einen Ball dabei. Und um den ging die wilde Hatz. Es war sch├Ân. Alles alte Kameraden. Gro├č wie ich. Endlich sp├╝rte ich mal wieder den Wind an der Nase wenn ich rannte, das Fell eines anderen Hundes wenn wir rauften, und freute mich ├╝ber vertraute Neuank├Âmmlinge.
Bis ein Dackel pl├Âtzlich den Ball schnappte. Der Dackel geh├Ârte nicht zu uns. Das durfte er nicht. Er schnappte den Ball und rannte damit zu seinem Herrn. Und der nahm den Dackel auf seinen Arm. Mit unserem Ball. Den ich zuletzt hatte. Das machte mich w├╝tend, ja hassend. Ich stand kurz unbeweglich da. Ich st├╝rzte vor, sprang an dem fremden Herrchen hoch und entriss ihm den Dackel. Ich biss zu. Ich erwischte ihn in der Flanke. Lie├č nicht mehr los. Beutelte ihn. Um mich herum h├Ârte ich lautes Geschrei. Aber das nahm ich nur am Rande war, denn ich hatte ein Ziel. Ich war blind und taub vor Zorn. Ich sp├╝rte wie Blut in meine Schnauze rann. Es schmeckte s├╝├č. Ich kannte den Geschmack. Ich wei├č aber nicht woher.
Schl├Ąge prasselten von allen Seiten auf mich nieder. Es trommelte geradezu. Mein Herrchen war auch dabei. Einer packte mich an den Hinterbeinen und zog. Ein Anderer trat gegen meine Nase. Ich lie├č ab, wurde weiter geschlagen und schlie├člich mit zittriger Hand angeleint. Der Dackel jaulte, die Wunde war gro├č. Der Dackelmensch schrie meinen Herrn an. Ich war noch w├╝tend genug um ihn zu sch├╝tzen und machte trotz der Leine einen Satz nach vorn. Ich wollt ihn am Bein packen. Ein starker Ruck warf mich im letzten Augenblick nach hinten.

Wir gingen heim. Herrchen zitterte noch immer. Sein Atem raste. Er schwitzte. Zwischendurch blieb er kurz stehen.

Die folgende Nacht musste ich im Garten schlafen, denn die T├╝r zum Haus war verschlossen. Ich wachte auf. G├Ąhnte. Streckte
mich. Und legte mich wieder hin. Langeweile. Zur Stra├čenseite f├╝hrte der Garten leider nicht. Das h├Ątte ich mehr zu sehen gehabt. Ein grauer Tag. Fernes Gebell. D├Âsen.
Ein Ger├Ąusch. Wach. Ein Ger├Ąusch an der T├╝r zum Haus. Der Kleine zw├Ąngte sich durch. Die T├╝r schoss nicht richtig. Er stand da. Sah sich um, war unschl├╝ssig. Ich beobachtete ihn. Jetzt trat er einen kleinen, roten Ball. Er folgte ihm aber nicht. Er sah sich weiter um. Er hatte wohl auch Langeweile. Jetzt blieb sein Blick auf dem W├Ąschest├Ąnder ruhen.
Da hing meine Decke.

Die Decke die immer in meinem Korb lag. Sie war grau und feucht. Wenn sie da gehangen hatte roch sie nach nichts mehr. Aber ich kriegte sie immer wieder.

Der Kleine n├Ąherte sich der Decke. Langsam.
Das verbotene Gef├╝hl, ich sp├╝rte es wieder. Es war aufgewacht. Ich konnte nichts dagegen machen. Vielleicht ist noch ein anderer Hund in mir.

Schritt f├╝r Schritt n├Ąherte er sich tapsig meiner Decke.
Es wurde st├Ąrker.
Er sollte das nicht tun.
Jetzt stand er vor ihr.
Es wuchs weiter.
Jetzt streckte er seinen Arm aus, seinen k├╝mmerlichen Arm, mit dem bunten Pflaster.
Und jetzt greift er nach ihr.

Ich rannte los. Wie besessen. Er sah mich an und wusste was geschehen wird. Gr├Â├čer und gr├Â├čer wurde er in meinem Blickfeld. Er quiekte und trampelte auf der Stelle. Ein ganze St├╝ck vor ihm l├Âste ich mich mit einem gewaltigem Satz vom Boden, st├╝rzte auf ihn nieder. Er fiel. Ich packte ihn am Hals. Fest ist mein Biss, fest und sch├╝ttelnd. S├╝├č wurde es in meinem Maul.


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ingridmaus
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Hi bassimax,

von allen Geschichten, die ich bereits von Dir gelesen habe, hat mir die ausnahmsweise mal etwas weniger gefallen. Liegt wahrscheinlich am Thema und daran, dass ich so ein Tiernarr bin, aber ich finde, die Hundperspektive ist Dir nicht soo gut gelungen.
Erstmal ist die Auswahl der Hundeart nicht so gelungen (das ist jetzt eine kleinkraemerische Kleinigkeit, Verzeihung): Riesenschnauzer sind zwar gross, stehen aber auf der Liste der beissgefaehrlichen Hunde ungefaehr auf Platz 365, gerade mal vor den Bernersennenhunden - was harmloseres (und kinderlieberes) laeuft auf dieser Welt nicht rum.
Dann der Konflikt an sich: Ein Hund wird eifersuechtig auf das neue Rudelmitglied, das aber doch Herrchens Liebling ist - Unterwerfung waere eher angebracht, selbst wenn das Kind auf die Nerven faellt.
Und auch das der Hund so unverstaendig gegenueber der Idee "Kleinkind" reagiert, ist seltsam: Ein Rudel zieht ja schliesslich auch seine erstmal schutz- und hilflosen Welpen gemeinsam auf und beschuetzt sie mit allen Mitteln - obwohl das schwaechste Mitglied sind sie doch auch das wichtigste, da sie den Fortbestand sichern. Da das Kind, wenn auch wie gesagt nervig, zu Freddis Rudel gehoert, wird er eher den Instinkt haben es zu beschuetzen.
Gut fand ich dagegen die Beschreibung des Verhaeltnisses zu Frauchen, diese respektlose Zuneigung zu einem niedriger Gestellten. Und auch den "Entlastungsangriff" auf den Dackel kann ich noch halbwegs nachvollziehen, denn der gehoert ja nicht zum Rudel. Aber den Welpen des Rudelfuehrers totbeissen? Hm...
Ich hoffe, das war konstrunktive Kritik!
Gruss
Ingrid
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bassimax
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hallo ingrid!

ja, ich bin selber der ansicht das diese geschichte bis-
her meine schw├Ąchste ist. was nicht zueletzt am thema
liegen mag. deshalb war ich gespannt wie diese geschichte
aufgenommen wird. jetzt trotzdem zu deiner kritik:
im vordergrund steht bei dir, das du nicht so recht glaubst
das ein hund soetwas tuen w├╝rde. aber es werden doch immer
wieder kinder in der familie totgebissen. zum anderen
sollte der hund gest├Ârt sein. ich wollte das verdeutlichen
indem ich durchblicken liess das er im tierheim war usw.
vielleicht h├Ątte ich st├Ąrker darauf hinweisen sollen.
aber is schon o.k., so ganz toll finde ich die geschichte
wie gesagt selb er nicht.
danke das du dir die zeit genommen hast.
gr├╝sse von sebastian

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ingridmaus
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Hi Bassimax,
ohne jetzt das vielbesprochene Kampfhundthema in die Laenge zu ziehen :
Ein Hund, der zum Beisser wird, muss irgendwann Aggressivitaet gelernt haben, eigentlich von seinem Rudelfuehrer/Herrchen, und er muss gelernt haben, dass diese Aggressivitaet gut ist, dass sie anerkannt wird. Diese ueberzogene Aggressivitaet laesst sie dann ploetzlich austicken und ein MItglied des Rudels/Kleinkind faellt ploetzlich unter das Beuteschema.
Aber Freddi hat ja eigentlich, so wie ich das verstanden habe, ein strenges, aber gutes Herrchen. Es wuerde vielleicht glaubwuerdiger, wenn Du rausarbeitest, dass Freddi von seinem Herrchen fuer seine Kraft gelobt wird, dass er trainiert wird, wie er auf Angreifer zuzugehen hat (naemlich moeglichst aggressiv), etc... nur eine Tierheim-Stoerung ist ein bisschen wenig, um ein Tier wirklich boshaft zu machen, zumal Freddi ja jahrelang ein lieber Gefaehrte war.
Und wenn es dann zum Angriff auf das Kind kommt, mach ein Beuteschema draus. Vielleicht hat das Kind einen Kratzer und riecht nach Blut, oder es faellt ploetzlich hin und praesentiert Freddi eine ungeschuetzte Kehle oder dergleichen...
Die Eifersucht passt fuer mich halt nicht so ins Bild.
Gruesse
Ingrid
P.S.: Ich danke aber fuer die Anregung, ich glaube, ich muss mich in naechster Zeit mal an ner Geschichte aus Katzenperspektive versuchen.
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bassimax
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ingrid! so h├Âre doch! wach auf!
DER HUND SOLL VORGESCHÄDIGT SEIN! und zwar bevor er in
diese familie eintrat. also in seiner pr├Ągephase. er ist
ja nicht grundlos im tierheim gelandet.
noch viel liebere gr├╝sse
der hundefreund
sebastian

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ingridmaus
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Is ja gut, bassimax, ganz ruhig, wir wollten an unserer Kritikfaehigkeit arbeiten, weisst Du nocht? tief durchatmen, wir sind doch hier alle Freunde...
Na gut, wenn Du den Hund aber total vorgestoert haben willst, dann musst Du das schon vorher klarstellen. Lass noch ein paar Erinnerungen an ein ganz starkes (aggressives) frueheres Herrchen einfliessen, an ein paar Kaempfe (mit blutigem Ausgang) im Tierheim...
Momentan ist das einfach nur ein eigentlich lieber Hund, dem es eigentlich gut geht, und das der ploetzlich und ziemlich grundlos durchdreht, nehm ich Dir nicht ab, sorry.
*schnurr*
Katzenbesitzerin Ingrid
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