Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
148 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Draußen
Eingestellt am 19. 09. 2007 16:05


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Draußen


Hinter meinem Fenster beginnt für mich das Grauen. Schon, wenn ich nur den Kopf hinausstrecke, beginnt mein Puls zu rasen, wird mein Mund trocken, bekomme ich kaum noch Luft. Dabei ist es gerade heute besonders schön. Die Sonne spiegelt sich sogar in meinen verdunkelten Scheiben. Vögel singen seit dem frühen Morgen und der Duft nach Frühling dringt durch jede Ritze, selbst durch den kleinen Spalt unter meiner Haustür. Ich möchte hinausgehen, ihn fangen, mit vollen Händen wieder zurück kommen, ihn konservieren, ihn für den Rest meiner Zeit behalten. Doch hinter meiner Tür beginnt das Grauen.

Früher war das nicht so. Da zog es mich beständig aus der Wohnung, hatte ich Hummeln im Hintern. Als Kind ging es auf den Spielplatz, später zum Shoppen mit den Freundinnen, noch später zum Knutschen hinter die Hecke. Doch heute... nicht, dass ich es nicht wollte. Ich habe es immer wieder versucht, nicht einmal, hundert, tausend Mal.

Er ist irgendwo da draußen. Auch, wenn er nicht weiß, wo ich jetzt wohne, weil ich umgezogen bin, er ist da draußen. Ich fühle mich nur in meiner Wohnung sicher. Schon verschiedene Therapeuten wollten mich aus meinem Gefängnis befreien, mir Mut machen, mein Selbstbewusstsein stärken, aber sie kennen ihn nicht.
Ich bin gern meine eigene Gefangene, wenn ich dafür vor ihm sicher bin.

Draußen ist das Grauen. Draußen ist er. Draußen ist mein Vater.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

Werke: 28
Kommentare: 516
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Eve eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Franka,

der erste Absatz ist sehr stark in seinen Bildern und in seiner Wirkung. Im zweiten erklärst du, wie es früher war, da lässt die Intensität (wohl automatisch) etwas nach ... im dritten Absatz muss die Spannung wieder ansteigen – für mein Empfinden sind die Sätze dort zu abgehackt, zu kurz. Gerade im Vergleich zum Anfang, wo man als Leser über das Mit-Gefühl in den Text gezogen wird.

Mein Vorschlag wäre, die Zeilen und die Aussage etwas zu verdichten, etwas runder zusammen zu ziehen:

quote:
Die ganze Stadt hat damals nach ihm gesucht. Vergeblich - er ist immer noch da draußen. Auch, wenn er nicht weiß, wo ich jetzt wohne, weiß ich, dass er dort draußen ist. Nur in meiner Wohnung fühle ich mich sicher. Meine Therapeutin sagt, ich soll mich aus meinem Gefängnis befreien, sie will mir Mut machen, mein Selbstvertrauen stärken. Aber sie kennt ihn nicht, weiß nichts über seine Stärke, seine Ausdauer. Ich bin gern meine eigene Gefangene, wenn ich dafür vor ihm sicher bin.

Ich bin gern hier drinnen, denn draußen ist das Grauen. Draußen ist er – mein Vater.


Auch den letzten Satz habe ich etwas verändert, weil er für mich persönlich zu plötzlich im Raum stand und - vielleicht durch die kurzen Sätze - mir zu abrupt endete.

Es ist dir gelungen, Interesse zu wecken ... unweigerlich möchte ich wissen, was damals passiert ist ;-) aber das wäre dann sicher eher etwas für eine längere Geschichte.

Viele Grüße,
Eve

Bearbeiten/Löschen    


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Eve,
danke für deine Anregungen, die ich leider hier nicht aufgreifen kann.
Der Text sollten nicht rund werden, das Thema ist es ja auch nicht. Auch die Steigerung zum Schluss ergibt sich für mich folgerichtig aus dem Thema, das Schlimmste eben zum Schluss.
Bei solchen und ähnlichen Themen schreibe ich absichtsvoll sehr "eckig", da soll kein unnötiges Wort das Thema “glatt bügeln”. Ich finde, dass so die Grausamkeit des Tuns, hier des Vaters, besonders hervorgehoben wird.

Liebe Grüße
Franka

Bearbeiten/Löschen    


maerchenhexe
???
Registriert: Nov 2006

Werke: 42
Kommentare: 519
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um maerchenhexe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hallo Franka,

ein Text, der das Grauen transportiert. Stark geschrieben, direkt und kompromisslos. Hatte aber auch beim zweiten und dritten Lesen ein Problem mit dem 'hinter'. Müsste es nicht 'vor' dem Fenster und 'vor' der Tür sein? Das 'hinter' verbinde ich immer mit innenliegend. Und das ist ja in den Augen deiner Protagonistin der einzig sichere Rückzugsraum. Von außen blickend würde ich sagen: hinter den Gardinen, hinter den Fensterscheiben...

ganz lieber Gruß
maerchenhexe
__________________
Tend the garden, that you seeded,
be a friend, where a friend is needed and you won't have to look round the other way.

Bearbeiten/Löschen    


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo maerchenhexe,

danke erst einmal für dein positives Feedback.
Deine Frage/deine Überlegung hat mich nachdenklich gemacht. Ich wollte schon ändern, dann habe ich mich noch einmal in die Lage meiner Protagonistin versetzt, sie steht ja tatsächlich davor, nämlich vor ihrem Fenster, vor ihrer Wohnungs-/Haustür. Hinter der Tür beginnt das Treppenhaus, oder der Vorgarten, oder... hinter der Tür könnte er ja stehen, er stände dann vor ihrer Tür.
Ich glaube, das ist alles nur eine Frage der Sichtweise. Ich kann mich hinter einem Baum verstecken und stehe doch davor.

Lieben Gruß
Franka

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!