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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
Dreams
Eingestellt am 28. 08. 2019 09:50


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shwinchester
Hobbydichter
Registriert: Aug 2019

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Vorwort

Ich denke, dass ich nicht nur fĂŒr mich spreche, wenn ich sage: Viele Menschen haben TrĂ€ume. Sie trĂ€umen, wie sie die Liebe ihres Lebens treffen, wie sie Millionen im Lotto gewinnen oder einfach nur, wie es wĂ€re, wenn sie im Leben mehr GlĂŒck hĂ€tten. Dann gibt es aber auch diejenigen, zu denen ich mich zĂ€hle, die davon trĂ€umen Abenteuer zu erleben, gegen Monster und DĂ€monen zu kĂ€mpfen oder MĂ€dchen aus allen möglichen lagen zu retten. Dabei frage ich mich immer wieder, wie unsere Welt wohl aussehen wĂŒrde, wenn Drachen, DĂ€monen, Hexen, Zauberer, Elfen, Riesen usw. existieren wĂŒrden. GĂ€be es dann auch Helden, die Unschuldige beschĂŒtzen, Jungfrauen vor riesigen Drachen retten und die Welt vor dem Bösen bewahren? Es gĂ€be sie, bestimmt. Ich gebe zu, in den meisten meiner TrĂ€ume bin ich selbst so ein Held, der mutige Taten vollbringt. Aber in Wirklichkeit bin ich auch nur ein Mensch, wie alle anderen. Ich habe eine Familie, Kinder und einige Freunde, stehe morgens auf und gehe zur Arbeit oder treibe ab und zu etwas Sport. Dennoch habe ich noch etwas, das viele Menschen nicht mehr oder nur sehr wenig besitzen: Fantasie! In meinen TrĂ€umen kann ich meinem Alltag entfliehen und ein sogenannter Held sein. Jeder Mensch kann das, wenn er will. Die Hoffnung, irgendwann etwas Außergewöhnliches zu leisten, das niemals vergessen wird, sollte nie sterben. Dieses Buch soll fĂŒr mich der Anfang sein. Ich will euch einen meiner TrĂ€ume erzĂ€hlen. Einen Traum, in dem ich ein Held werden kann und mir die Chance gegeben ist Außergewöhnliches zu leisten.


Kapitel 1: Eine fast verlorene Liebe

Es war ein heißer Nachmittag im SpĂ€tsommer. Nick Smith stand an einer Ampel, die Hand schĂŒtzend ĂŒber die Augen haltend. Als die Ampel auf GrĂŒn schaltete nahm er die Hand herunter und lief los. Einen kurzen Augenblick reflektierten seine blauen Augen die Sonne, dann senkte er den Kopf.
Er war ein 20-jÀhriger junge, etwa eins achtzig und sportlich.
Er hatte gerade Feierabend und machte sich auf den Nachhauseweg. Er freute sich die lange Jeans durch eine etwas bequemere Shorts zu ersetzen. An seinem Arbeitsplatz, der Entwicklungsabteilung eines renommierten Automobilzulieferers, war es ein ungeschriebenes Gesetz, das mÀnnliche Angestellte keine kurzen Hosen tragen sollten.
Es war kurz nach halb vier, als er sein Auto erreicht hatte und nach Hause fuhr.
Er war vor einem Jahr von der Schule zu der Firma gewechselt, somit reichte das Geld noch nicht fĂŒr eigene Wohnung. Er wohnte bei seinen Eltern, trĂ€umte aber davon bald auszuziehen. Er hoffte, dass er in seinen eigenen vier WĂ€nden etwas mehr Ruhe und Zeit fĂŒr sich hĂ€tte, als in seinem Elternhaus, bei dem es auch fĂŒr ihn immer etwas im Haushalt zu tun gab.
Nick hatte wegen der Hitze das Fenster auf der Fahrer Seite komplett geöffnet. Er mochte keine Klimaanlagen, da er fĂŒrchtete sie könnte Krankheiten verursachen. Er fuhr gerade auf die Autobahnauffahrt, als aus den Lautsprechern „Hells Bells“ von AC/DC tönte. „Perfekt!“, dachte er sich, setzte seine Sonnenbrille auf und drehte die LautstĂ€rke höher.

Zuhause wĂ€rmte er sich die Reste vom Mittagessen auf und zog sich damit in sein Zimmer zurĂŒck, um fern zu sehen. Das war sein normaler Tagesablauf an Werkta-gen, weshalb er schon montags voller Vorfreude auf das Wochenende war. Dann kam er aus seinem Arbeits- und Alltagstrott etwas heraus. Mit Freunden weggehen oder au einem Fest bis in die Morgenstunden feiern, waren dabei die ĂŒblichen Akti-vitĂ€ten.
Immer wieder nahm er sich vor es nicht zu ĂŒbertreiben mit dem Trinken und Rauchen, aber wenn seine Freunde es taten, wollte er ihnen in nichts nachstehen.

Nick war ein Mensch, der fĂŒr alles gerne einen Plan hatte. Also ging er in Gedanke stichpunktartig den weiteren Ablauf durch:
„Essen, Nickerchen machen, dann duschen und fertigmachen. Gegen acht mit den Jungs treffen. Vielleicht das ein oder andere MĂ€dchen ansprechen. Und vor allem: Es nicht so ausarten lassen wie letzte Woche.“
Ein guter Plan, wie er befand.

Nicks Erfahrungen mit Frauen waren ĂŒberschaubar. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wĂ€re.
Er hatte leuchtend blaue Augen und schwarze Haare, meist etwas zerzaust. Dazu war er witzig, gebildet und hilfsbereit; einfach jemand mit dem man Pferde stehlen konnte, wie ihm auch seine Freunde attestierten. Allerdings ging er lieber unauffĂ€llig durchs Leben. Auch kleidungstechnisch verzichtete er darauf groß aufzufallen. Am liebsten trug er normale Jeans, Kapuzenpullis und an den FĂŒĂŸen Turnschuhe. Einfach bequem. Auf modische Accessoires wie Piercings, Ohrringe oder Tattoos legte er keinen Wert. Einzig und allein sein GlĂŒcksbringer in Form einer Halskette musste immer dabei sein.
Schlechte Eigenschaften hatte er natĂŒrlich auch, hauptsĂ€chlich das Rauchen und ĂŒbermĂ€ĂŸiges Feiern. Dazu gesellten sich JĂ€hzorn, Ironie und SchĂŒchternheit, was sich beim Kennenlernen von Frauen als großes Problem erwies.
Seine Frauen Bekanntschaften ließen sich an einer Hand abzĂ€hlen. Er hatte hohe AnsprĂŒche an die Frau seiner TrĂ€ume und meistens fand er einen Grund die Bekanntschaft zu beenden oder erst gar nicht einzugehen.

Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont und tauchte den Himmel in ein sanftes orange. Nick war bereit fĂŒr den bevorstehenden Abend: GenĂŒgend Geld war im Portemonnaie, Zigaretten und Feuerzeug waren in den Taschen und was fĂŒr ihn das Wichtigste war, sein GlĂŒcksbringer in Form eines schwarzen Lederban-des und eines kleinen Schwertes, um das ein Drache gewunden war, hing um seinen Hals.
Nick wartete auf der Straße vor seinem Elternhaus auf seine Freunde, dabei bemerkte er nicht, dass seine Großmutter, die auch mit im Haus wohnte, von einem der oberen Fenster auf ihn herabsah.
Sie hatte im ersten Stock des Hauses ihre eigene kleine Wohnung: Wohnzimmer, KĂŒche, ein kleines Badezimmer und ein gerĂ€umiges Schlafzimmer. Darin wohnte sie ganz alleine, seit ihr Mann vor einigen Jahren gestorben war.
Die alte Dame rief zu Nick herunter:
"Wo geht es denn heute Abend hin?"
Nick hatte drehte sich um und sah zu ihr hoch. Er sah ihr faltiges aber gĂŒtiges Gesicht, das von weißen locken bedeckt war. Eine dicke Hornbrille thronte auf ihrer knolligen Nase.
"Ich treffe mich mit meinen Freunden. Wir wollen nach Townville, zum Dorffest. Wird wohl spÀt werden.", antwortete er mit fester Stimme.
"Aber ĂŒbertreib es nicht mit dem Alkohol wie letzte Woche! Und rauch bitte nicht so viel!", mahnte sie.
Er nickte nur, wohl wissend, dass sie es nur gut meinte und ihm nicht den Spaß verderben wollte.
Der Kopf der alten Frau verschwand und das Fenster schloss sich. WĂ€hrend Nick sich umdrehte, holte er wie aus Protest seine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche und steckte sich eine Zigarette an. Auch wenn sie es nur gut meinte, er mochte es nicht mit 20 Jahren noch bemuttert zu werden.

In der Zeit, in der er auf seine Freunde wartete und seine Zigarette genoss, dachte er ĂŒber seine Arbeit nach. WĂŒrde es ihm ergehen wie den meisten anderen Menschen auch? Das ganze Leben lang arbeiteten, nur um irgendwann unbekannt und vielleicht sogar allein zu sterben. Wer erinnert sich an solche Menschen? Die Verwandten, klar, aber auch die wĂŒrden einen irgendwann vergessen?
Nick dachte kurz an seinen Opa.
So wollte er nicht enden. Er wollte Fußspuren hinterlassen, die nicht wie ein Rauschen im Wind in Vergessenheit geraten wĂŒrden. Aber er wusste noch nicht, was ER der Welt hinterlassen könnte, dass ihn unvergesslich machen wĂŒrde.

Stimmen drangen die Straße herauf und rissen ihn aus dem Gedanken. Nick konnte sie seinen beiden Freunden, Andy und Michael, zuordnen. Andy hielt ebenfalls eine Zigarette in der Hand. Neben ihm lief Michael, den sie nur Mike nannten. Er hatte das Rauchen schon vor lĂ€ngerer Zeit aufgegeben. Das ungleiche Duo kam Nick entgegen und sie begrĂŒĂŸten sich mit einem Handschlag. Danach machten sie sich sofort auf den Weg zum Fest, ohne sich lĂ€nger vor Nicks zuhause aufzuhalten.
"Wo hast du deine Freundin gelassen?"
Nicks Frage war an Andy gerichtet, den einzigen der drei, der eine Beziehung hatte.
"Sie war mĂŒde und hatte keine Lust mitzukommen. Umso besser fĂŒr mich, hehehe!", antwortete er und beendete den Satz mit einem fĂŒr ihn typischen, lauten, hĂ€mischen Lachen.
Andy war fast zwei Meter groß, schlank, hatte einen Kinnbart und kurze schwarze Haare, die er wie die Stacheln eines Igels hochgestellt hatte. Trotz seiner 21 Jahre verhielt er sich aber manchmal wie ein VierzehnjĂ€hriger. Er war kindisch, wollte immer im Mittelpunkt stehen und machte Witze, ĂŒber die niemand lachen konnte.
Mike war das genaue Gegenteil von Andy: klein, sehr kurze, blonde Haare, Brille. Er war noch zurĂŒckhaltender was Frauen anbelangte als Nick, trotz, dass er mit 25 Jahre der Ă€lteste der Freunde war.

Der Weg zum Dorffest war nicht sonderlich weit. Sie mussten an der Kirche ihres Dorfs vorbei. Von dort aus fĂŒhrte ein Feldweg, der von Mais- und Kornfeldern umringt war. Zu dieser Zeit des Jahres standen die Pflanzen im vollen Korn. Der Weg fĂŒhrte Sie ĂŒber eine schmale BrĂŒcke, die einen kleinen Bach kreuzte. Dann kamen sie an Schafsgehegen vorbei. Die Tiere lagen faul auf dem Feld und genossen wohl, dass die Sonne unterging und es etwas kĂŒhler wurde. Der Fußmarsch dauerte nur etwa 20 Minuten. WĂ€hrend dessen tauschten sie die neuesten Nachrichten aus, lachten oder sangen sogar.

Es herrschte schon reger Betrieb auf dem Fest. Viele bekannte Gesichter, aus Fußballverein, Schule oder die man einfach so kannte, ragten aus der Menge und wollten begrĂŒĂŸt werden.
Es war inzwischen halb neun und Andy fand, dass es Zeit fĂŒr die erste Runde war. Sie liefen durch die Straßen und suchten sich einen Platz in einem gemĂŒtlichen Hof mit Musik.
Überall an den Straßenseiten waren EssensstĂ€nde, LĂ€den mit SĂŒĂŸigkeiten oder GeschĂ€fte mit allerlei Schmuck, Spielzeug oder Kleidern. Hier roch es nach BratwĂŒrsten, da nach gebrannten Mandeln. Ein ganzes Sammelsurium an EindrĂŒcken prasselte auf die Besucher ein
Die Freunde beschlossen, dass Nick die erste Runde GetrÀnke besorgen sollte. Er steckte sich eine weitere Zigarette und machte sich auf zum GetrÀnkestand.
Eine lange Schlange hatte sich gebildet und es dauerte einige Zeit, bis er an die Reihe kam. Gerade als er die drei Bier zu ihrem Tisch bringen wollte und sich einen Weg durch die Schlange bahnen wollte, sah er im Augenwinkel in einiger Entfernung ein blondes MĂ€dchen, dass in seine Richtung winkte. Das Gesicht konnte er allerdings nicht genau erkennen. Er drehte sich um und schaute nach, ob sie je-mand anderes meinen könnte, aber niemand reagierte. Als er sich wieder umdrehen wollte um genauer nachzusehen, wer ihn dort grĂŒĂŸte, schwappte eines der BierglĂ€ser ĂŒber und kleckerte auf seinen Pullover. Er schaute an sich herunter, regte sich ĂŒber seine Ungeschicklichkeit auf und schaute wieder in die Richtung, wo er zuvor das MĂ€dchen gesehen hatte. Aber sie war in der Menge verschwunden. Nick vergaß sie schnell wieder und ging zurĂŒck zu seinen Freunden.
Jeder der drei Freunde holte nach und nach eine Runde. Sie lachten und sangen mit den Musikern auf der BĂŒhne mit. Dann und wann gesellte sich ein Bekannter zu ihnen und sie redeten, sofern es die LautstĂ€rke in dem Hof zuließ. Zuletzt tanzten und schunkelten sie auf den BĂ€nken. Der Alkohol hob die Stimmung von Minute zu Minute und die Freunde feierten ausgelassen. Nach der letzten Runde Bier beschlossen sie den Hof zu verlassen und woanders weiter zu feiern. Andy meinte, dass er einen tollen anderen Hof kannte, in dem Musik gespielt wurde und immer viel los war. Es war inzwischen halb elf, als die Jungs weiterzogen.
Der Andrang war noch grĂ¶ĂŸer geworden und sie hatten alle MĂŒhe, zusammen zu bleiben.
Nick merkte die Auswirkungen des Alkohols schon leicht. In seinem Kopf wurde alles leichter. Er hatte die Arbeitswoche vergessen und seine schweren Gedanken, die er am frĂŒheren Abend hatte, waren wie weggewischt. Plötzlich wurde er am Arm festgehalten und jemand sprach ihn an:
„Hey, du hast mich vorhin wohl nicht erkannt oder?“
Das Gesicht des MĂ€dchens, das vorhin winkend in einiger Entfernung gestanden hatte, lĂ€chelte ihn an. Blaue Augen strahlten ihn an wie die Scheinwerfer eines alten KĂ€fers und ein kleines Muttermal zierte die rechte Wange. Ihr schlankes, hĂŒbsches Gesicht wurde von schulterlangen, blonden Haaren umrandet. Sie war etwas kleiner als Nick und durch ihre Bluse und ihre engen Jeans konnte man ihre sehr schlanke Figur erkennen.
„Eve Miller. Klar erkenne ich dich. Du warst vorhin nur zu weit weg und dann auch so schnell wieder verschwunden.“, log Nick leicht verlegen.

Eve Miller war eine ehemalige MitschĂŒlerin Nicks auf dem Gymnasium. Sie besuchten einige Kurse zusammen und sie war sehr klug. Sie machte ihren Abschluss als eine der Jahrgangsbesten.
Nick war nach seinem Realschulabschluss auf das Gymnasium gewechselt, da er noch nichts mit seinem Leben anzufangen wusste. Er dachte drei weitere Jahre Schule wĂŒrden ihm in dieser Hinsicht die Augen öffnen. In gewisser Weise stimmte das auch. Allerdings anders, als er sich das vorgestellt hatte. Er hatte erkannt, dass das Abitur doch nichts fĂŒr ihn war und verließ die Schule nach zwei Jahren ohne Abschluss. Er wollte nicht studieren und fĂŒr einen sehr guten Abschluss hĂ€tte er mehr Zeit investieren mĂŒssen, als er bereit war.
Zu ihrer gemeinsamen Schulzeit war Nick etwas verliebt in Eve, hatte sich aber nie getraut, sie nach einer Verabredung zu fragen, da er dachte sie wĂ€re zu gut fĂŒr ihn und könnte sich sowieso nie fĂŒr ihn interessieren. Er bewunderte sie, da sie die Schule mit einer Leichtigkeit bewĂ€ltigte, die er auch gerne gehabt hĂ€tte. Aber auch Eve musste hart fĂŒr ihre guten Noten arbeiten. Sie war die Tochter einer Ärztin und eines Uni Professors. Von daher lastete schon ein immenser familiĂ€rer Leistungsdruck auf ihr. Auch wenn ihre Eltern sich das niemals eingestehen wĂŒrden, aber sie wĂŒnschten sich, dass ihre einzige Tochter einmal genauso erfolgreich sein wĂŒrde wie sie selbst. Auch Eve wĂŒrde ihren Eltern niemals attestieren, dass sie Druck auf sie ausĂŒben wĂŒrden, aber dennoch wollte sie Unterbewusst die Erwartungen an sie mehr als erfĂŒllen.

„Wie lange ist das jetzt her? Was machst du zurzeit?“, wollte Eve wissen.
„Es ist schon eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Über ein Jahr glaube ich. Ich habe inzwischen eine Ausbildung als Konstrukteur bei einem großen Automobilzulieferer angefangen und bin derzeit zweiten Lehrjahr. Was machst du?“, antwortete Nick.
„Wow, das klingt interessant, du musst mir unbedingt mehr darĂŒber erzĂ€hlen. Ich fand es schade, dass du die Schule verlassen hast. Ich bin auf der Uni und studiere Kunstgeschichte. Mein erstes Semester hat gerade angefangen
“, fing Eve an zu erzĂ€hlen. Doch sie wurde unterbrochen.
„Kommst du, Nick?“, rief Andy, der ungeduldig gewartet hatte, bis Nick das GesprĂ€ch endlich beenden wĂŒrde und sie weiterziehen konnten. Als das nicht der Fall war, entschloss er sich nachzuhelfen.
Nick war etwas verwirrt, dass Eve so an seinem neuen Job interessiert war und enttÀuscht war, dass er die Schule verlassen hatte. Die meisten ihrer GesprÀche in der Schule waren nur oberflÀchlicher Smalltalk. Er dachte aber sie wolle wahrscheinlich nur höflich sein.
„Gleich.“ sagte Nick zu Andy gewandt.
„Ich muss weiter. Vielleicht sehen wir uns spĂ€ter nochmal. Ist Susan auch hier? Ihr wart doch immer gut befreundet.“ Sie antwortete mit einem etwas Verstörten lĂ€cheln:
„Ich habe sie vorhin kurz gesehen aber wir haben nicht mehr so viel miteinander zu tun. Warum fragst du?“
Susan und Eve waren zu seiner Schulzeit beste Freundinnen und da er sich bei Eve nie Chancen ausgerechnet hatte, machte er das bei ihrer besten Freundin. Sie war genauso klug wie Eve aber Ă€ußerlich komplett anders. Nick erinnerte sich: Schulterlange braune Haare, Brille, sportlich.
Er hatte gehofft, Eve und sie wĂ€ren zusammen hier und er könnte sie treffen. Er ignorierte Eves Frage nach dem „warum“. Stattdessen fragte er:
„Weißt du, ob sie im Moment mit jemandem zusammen ist?“
Eves Gesicht verlor das LĂ€cheln jetzt endgĂŒltig. Sie drehte sich um und ging kopfschĂŒttelnd durch die Menge. Nick war im ersten Moment perplex und hörte nur noch Eves abgehacktes Gemurmel:
„Ich hĂ€tte gar nicht erst herkommen sollen!“
„Komm schon, lass uns weitergehen.“ sagte Andy genervt und zog einen konsternierten Nick am Arm weiter.

Eve wusste nicht genau, wohin sie wollte. Einfach nur weg von dem Idioten. Irgendwann kam sie zur Dorfkirche, um die sie herumging und sich unter einen der BĂ€ume im Kirchgarten setzte. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf und vereinzelte TrĂ€nen rannen ĂŒber ihre Wangen.
„Was habe ich mir dabei nur gedacht! Er hatte sich schon zu unserer Schulzeit nicht fĂŒr mich interessiert, warum sollte sich das heute geĂ€ndert haben?“, dachte sie.
TatsĂ€chlich war sie in ihrer gemeinsamen Schulzeit auch in Nick verliebt gewesen. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wann es passiert war. Eines Tages regnete es wie in Strömen. Sie fuhr auf den Schulparkplatz, stieg aus und rechnete schon damit durchnĂ€sst im SchulgebĂ€ude anzukommen. Doch Nick kam mit großen Schritten zu ihr gelaufen und hielt ihr einen Schirm ĂŒber den Kopf.
„Ist zwar nicht groß, aber fĂŒr uns beide reicht er.“ scherzte er.
Auf dem Weg zur Schule unterhielten sie sich und lachten zusammen. Das war der Moment, in dem Eve sich in Nick verliebt hatte. Aber sie war immer zu sehr mit Lernen oder BĂŒcher wĂ€lzen beschĂ€ftigt und dachte, dass diese GefĂŒhle im Moment nur stören wĂŒrden. SpĂ€ter, als Nick weg war und ihre GefĂŒhle fĂŒr ihn nicht verschwanden, bereute sie ihm nie gesagt zu haben, was sie empfand. Sie hatte zwar gehofft ihn irgendwo wiederzusehen und das nachzuholen, bis zum Tag des Dorffestes. Und tatsĂ€chlich, an einem GetrĂ€nkestand in einiger Entfernung hatte sie ihn gesehen. Sie winkte ihm in der Hoffnung, dass er sie bemerken wĂŒrde. Aber er hatte sie wohl nicht bemerkt und als sie sich bis zu seiner Position durchgekĂ€mpft hatte, war er schon wieder weg. Sie zog mit ihren Freundinnen weiter, bekam Nick aber nicht aus dem Kopf. Irgendwann stand Nick plötzlich vor ihr. Sie hielt ihn am Arm fest und fragte ihn aufgeregt:
„Hey, du hast mich vorhin wohl nicht erkannt oder?“

Als Nick nach Susan fragte und ob sie mit jemandem zusammen wĂ€re, wusste sie, dass sie sich lĂ€cherlich machen wĂŒrde, wenn sie ihm nun ihre GefĂŒhle offenbarte. Er hatte kein Interesse an ihr. Das hatte sie nun begriffen. Trotzdem tat es höllisch weh.


Nach einiger Zeit beruhigte sie sich wieder und fasste den Entschluss zurĂŒck zu ihrem Auto zu gehen und von dort aus ihre Freundinnen zu kontaktieren. Sie hat-ten schon probiert sie anzurufen und Nachrichten geschrieben, weil sie so lange weg war, aber Eve ignorierte sie. Sie stand auf, wischte sich die feuchten Wangen und Augen trocken und ging zurĂŒck auf die Straße. Sie war eine ganze Weile an dem Baum gesessen und es waren nicht mehr so viele Menschen unterwegs wie zuvor. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es schon halb eins war. Viele der Höfe waren bereits geschlossen Doch nach einigen Minuten sah sie blaue Lichter und eine Menschenmenge. Sie ging darauf zu und versuchte auszumachen, was dort los war und was sie sah, ließ ihr den Atem stocken.

Nick war zuerst mit seinen Freunden mitgegangen und hatte noch was getrunken. Aber die Situation mit Eve hat ihn nicht losgelassen und seine Laune war nicht mehr so fröhlich wie vor dem Treffen. Warum hatte sie so reagiert? HĂ€tte er nicht nach Susan fragen sollen? Nachdem er sich eine ganze Weile den Kopf darĂŒber zerbrochen hatte, verabschiedete er sich von seinen Freunden und suchte auf dem fest nach Eve, um nochmal ĂŒber das Geschehene zu reden, doch er konnte sie nicht finden.
„Sie ist bestimmt schon nach Hause gefahren“, dachte er.
Er wollte sich auch gerade auf den Nachhauseweg machen und schlich durch eine schlecht beleuchtete Nebenstraße des Dorfs, als er plötzlich von etwas aus den Gedanken gerissen wurde. Vor ihm standen ein paar Ă€ltere Leute aus deren Mitte er lautstarke Schreie hörte. Neugierig ging er darauf zu. Auf dem Boden kniete eine junge Frau, wohl kaum Ă€lter als er selbst, die ein erschreckendes Bild abgab. Sie weinte. Das Gesicht war blutverschmiert und ihre HĂ€nde waren aufgeschĂŒrft. Ein Mann mittleren Alters kniete neben ihr und versuchte sie zu beruhigen. Doch sie schrie immerzu:
„Er will mich umbringen! Er will mich umbringen!“
Nick konnte sich aus solchen Situationen noch nie raushalten und kniete sich zu dem Mann.
„Was ist hier passiert? Soll ich die Polizei oder einen Krankenwagen rufen“, fragte er.
„Polizei und Krankenwagen sind schon unterwegs. Sie wurde offenbar von ihrem betrunkenen Freund verprĂŒgelt, ist hingefallen und hat sich dabei die Verletzungen an Gesicht und HĂ€nden zugezogen,“ antwortete der Mann.
„Kennst du sie?“ fragte er weiter.
„Nein. So ein Drecksack, hoffentlich wird er
“, doch er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen.
Vor ihnen öffnete sich die Menge und mit wĂŒtendem und lallendem GebrĂŒll kam ein etwa zwei Meter großer, krĂ€ftiger Mann mit Glatze auf die drei am Boden knienden Menschen zu.
Die Frau fing sofort hysterisch an zu schreien und machte sich immer kleiner.
„Die Schlampe gehört zu mir! Macht, dass ihr hier wegkommt sonst passiert was“, brĂŒllte er.
„Bleib hier du Hure, sonst bring ich dich um! Ich werde dir zeigen was passiert, wenn man mich betrĂŒgt!“
Der Mann, der neben ihr gekniet war, sprang auf und baute sich vor dem wĂŒtenden Kerl auf. Nick kniete noch, hatte sich aber zum Geschehen umgedreht. Der Ă€ltere Mann schrie:
„Lass das MĂ€dchen in Ruhe. Die Polizei ist schon unterwegs. Am besten du gehst jetzt!“
„Sonst was?“ damit schlug der Glatzkopf dem Mann ansatzlos mitten ins Gesicht, so dass dieser wie ein nasser sack zusammenfiel. Er hielt sich die Nase und steckte noch einen weiteren tritt in die Magengegend ein, der ihn komplett außer Gefecht setzte. Die anderen Leute, die bei dem Geschehen standen, waren von der Gewalt eingeschĂŒchtert und machten keine Anstalten den Kerl aufzuhalten. Im Gegenteil, die meisten wichen zurĂŒck, um selbst nicht Ziel der Gewalt zu werden.
Nick stand auf und stellte sich beschĂŒtzend vor die Frau. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er musste den betrunkenen Kerl solange aufhalten, bis die Polizei kam. Er war unberechenbar und Nick wollte sich nicht ausmalen, was er mit der Frau machen wĂŒrde. All seinen Mut zusammennehmend sprach er den Glatzkopf an:
„Es reicht jetzt. Wenn du jetzt nicht abhaust wird dich die Polizei verhaften.“
Nicht das KlĂŒgste oder Schlagfertigste was ihm in dem Moment einfiel.
Der Glatzkopf stand etwa einen Meter entfernt von Nick und fing an zu lachen:
„Ich scheiß auf die Bullen. Hast du nicht gesehen was mit Leuten passiert, die sich zwischen mich und diese Schlampe stellen? Mach Platz du kleiner passen, sonst reiß ich dich in StĂŒcke!“
„Komm schon, ich spendiere dir ein Bier und du beruhigst dich jetzt mal!“, versuchte Nick die Situation zu entschĂ€rfen und den Angreifer zu besĂ€nftigen.
Ohne weitere Worte zu verlieren, sprang er auf Nick los.


Nick war ĂŒberrascht, doch er konnte dem ersten Schlag um Haaresbreite ausweichen. Die Bewegungen des angreifenden waren zwar nicht so schnell und zielstrebig, was wohl am Alkohol lag, dennoch lag viel Wucht und BrutalitĂ€t darin. Ad-renalin schoss durch Nicks Körper. Dem zweiten Angriff des Glatzkopfs konnte er nicht komplett ausweichen. Die linke Faust des Mannes erwischte Nick an der Wange, zwar nicht mit voller Wucht, da er noch etwas zurĂŒckweichen konnte, aber dennoch kraftvoll genug, um ihn taumeln zu lassen. Er fĂŒhlte etwas Warmes, mit metallischem Geschmack in seinem Mund. Er hatte sich weggedreht und stand auf der Seite, von der der Angreifer gekommen war. Er tastete in seinen Mund und sah, dass Blut an seinem Finger klebte. Um ihn herum herrschte Stille, von der er nicht wusste, ob sie sich nur in seinem Kopf abspielte. Leicht benommen starrte er auf seinen blutverschmierten Finger. Der Glatzkopf drehte sich zu ihm um und machte sich fĂŒr den nĂ€chsten Angriff bereit. Nick sah von seinem Finger auf und im Hintergrund sah er etwas, das ihn wieder klarer denken ließ: das MĂ€dchen saß mit weit aufgerissenen Augen vor ihm und schrie etwas fĂŒr ihn UnverstĂ€ndliches. Er wusste, dass sie die nĂ€chste sein wĂŒrde, könnte er den Angreifer nicht lange genug aufhalten. Nick sah auf und blickte zu seinem Gegner, der wie ein wilder Stier auf ihn zu gerannt kam. WĂ€hrend er noch mit seiner Rechten ausholte, machte Nick einen schnellen schritt auf ihn zu, drehte sich dabei und rammte ihm den Ellenbogen in die Seite. Der Glatzkopf stoppte abrupt seinen Angriff, sank keuchend auf die Knie und schnappte nach Luft. Mit diesem Gegenangriff hatte er nicht gerechnet. Nick selbst war von sich ĂŒberrascht, wo er die Kraft hergenommen hatte, doch letztendlich schob er es auf den Adrenalinstoß. Nick stand wieder auf der Seite der verletzten Frau. Von weitem hörte er Sirenen, wodurch er eine Sekunde abgelenkt war.
Ein dumpfer Schlag ertönte. Nick spĂŒrte einen brennenden schmerz auf seinem Hinterkopf. Warmes Blut rann durch sein Haar, ĂŒber die Ohren und Wange. Nick drehte sich um und der schmerz auf seinem Kopf wurde ĂŒberlagert von einem stechenden Schmerz in seiner Seite, der ihn auf die Knie sinken ließ.
Der Glatzkopf hatte sich von dem Ellenbogenschlag erholt und war, wÀhrend Nick kurzzeitig von den Sirenen abgelenkt war, rasend schnell aufgesprungen, riss einem Mann eine leere Bierflasche aus der Hand und schlug sie dem Jungen auf den Kopf. Der Boden der Flasche zersprang bei dem Schlag und nachdem sich Nick umgedreht hatte, stach er ihm die Reste der Flasche in den Bauch.
Doch zur Verwunderung aller, auch des Glatzkopfes, stand Nick wieder auf. Kurzzeitig vergaß er den Schmerz und seine Übelkeit. Er ging auf den verdutzten Glatz-kopf zu, packte ihn an den Schultern und rammte ihm in einer schnellen Bewegung sein Knie in den Magen. Er stöhnte auf und musste sich wieder hinknien. Nick ließ keine weitere Sekunde verstreichen und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Dabei glaubte er spĂŒren zu können, wie der SchĂ€del des Glatzkopfes unter der Wucht seines Schlages brach. Er fiel bewusstlos zu Boden und Blut lief ihm aus Mund und Nase. Nick spuckte das Blut, dass sich in seinem Mund gesammelt hatte, auf den Gegner am Boden. Dann wurde er sich seines eigenen Schmerzes wieder bewusst und fiel seinerseits zu Boden. Er konnte noch blaue Lichter erkennen und dass immer mehr Leute sich um ihn versammelten. Dann wurde er ohnmĂ€chtig.

Eine Gestalt mit langem schwarzem Mantel und Kapuze löste sich aus der Menschenmenge und verschwand im Schatten einer Seitenstraße.


Version vom 28. 08. 2019 09:50

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flammarion
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simbad
Hobbydichter
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Ich habe die Geschichte nicht komplett gelesen. Aber dennoch mal meine völlig unmaßgebliche Meinung dazu.

Gleich im ersten Abschnitt fangen, gefĂŒhlt, alle SĂ€tze mit „Er 
..“ an. Das nervt regelrecht. Ich hĂ€tte nicht gedacht das es jemals Situationen geben wĂŒrde in denen ich den Begriff fĂŒr einen Text verwenden wĂŒrde

Ich bin ziemlich ungeĂŒbt darin Texte vernĂŒnftig zu beurteilen. Aber im vierten Absatz fĂ€ngt es an:

quote:
Nicks Erfahrungen mit Frauen waren ĂŒberschaubar. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wĂ€re.

Naja. Was als attraktiv gilt sieht wohl jeder anders. Hier denkt sich jeder was anderes. Vor allem wird das wohl zwischen MĂ€nnlein und Weiblein nochmal unterschiedlich bewertet werden.

Aber dann beginnst du mit der Beschreibung wie Nick aussieht. Erst objektive Dinge:

quote:
Er hatte leuchtend blaue Augen und schwarze Haare, meist etwas zerzaust.

Und dann wieder Dinge die völlig subjektiv sind, und wo jeder sich was anderes drunter vorstellt:

quote:
Dazu war er witzig, gebildet und hilfsbereit; einfach jemand mit dem man Pferde stehlen konnte, wie ihm auch seine Freunde attestierten.

Worauf ich hinaus will. Man schafft es nicht sich die Person initial vorzustellen und dann im Kopf mit dieser Figur durch die Handlung zu gehen.
Selbst wenn du ihn nicht nĂ€her beschrieben hĂ€ttest, wĂ€re die Geschichte problemlos erzĂ€hlbar gewesen. Denn auf sein Äußeres kommt es doch nicht an. Oder?

Vielleicht kann das mal einer von den Könnern hier nochmal besser beschreiben.
Letztendlich ist das halt auch der Grund warum ich den Text nicht so ĂŒberzeugend finde.

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