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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Drei Bilder: Die Passion des Zeichners
Eingestellt am 25. 01. 2006 10:41


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Asmodeus
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Ach, Mallorca

Nach etwas mehr als zwei Stunden kommen wir an und ich bereue schon, das klimatisierte Flugzeug verlassen zu haben. Wenig sp├Ąter wundere ich mich, was solange daran dauert, einen von Deutschland aus gebuchten und bezahlten Mietwagen dem wartenden Kunden zu ├╝bergeben. Ich frage mich, warum ich ├╝berhaupt hier bin und ob ich nicht besser irgendwo ein kaltes Bier trinken sollte. Aber der Gedanke daran, mich durch die badebeschlappte Menge zu w├╝hlen, l├Ą├čt mich geduldig ausharren. Schlie├člich sitze ich in einem silbernen Opel Corsa und man├Âvriere mich zur Autopista in Richtung Manacor.

Ich konzentriere mich so gut es geht auf die Stra├če, schnappe visuelle Fetzen von dem auf, was sich au├čerhalb meines asphaltierten Horizontes bewegt. Ich kann mir nicht helfen und kein Interesse an der verdorrten, sandig-rotbraunen Landschaft finden. Inspiration? Was f├╝r eine idiotische Schei├če!

Zwischenhalt in Unaussprechlich. Ich versorge mich mit dem N├Âtigsten. Ein kaltes Amstel, Klimaanlage und Sonnenbrille vers├Âhnen mich leidlich mit dem solaren Dauerangriff. Die Uhr zeigt 13h (Sommerzeit). Ich verfahre mich zweimal, meine Laune sinkt auf den Nullpunkt. Gegen 14:40 erreiche ich endlich das Lokal, an dem ich einbiegen und einen staubigen Camin hochfahren mu├č. Ich folge der Zeichnung, die den Weg zur Finca beschreibt, und lande schlie├člich an meinem Bestimmungsort, meiner kreativen Eremitage.

Wie nicht anders zu erwarten reagiert niemand auf mein Klingeln. Nach einer halben Stunde und einem lauwarmen Bier kommt ein Wagen. Er bef├Ârdert einen Mann in den F├╝nfzigern und eine junge Frau, Anfang zwanzig. Das V├Ąterchen kurbelt das Fenster herunter, wir verst├Ąndigen uns mit H├Ąnden und F├╝├čen und kommen zu dem Ergebnis, da├č wir in dieselbe Finca wollen. Er ist der Verwalter, dessen Namen zwar auf der Wegbeschreibung steht, den ich aber kaum entziffern geschweige denn aussprechen kann. Er erz├Ąhlt mir etwas, vollkommen unbeeindruckt davon, da├č ich offenkundig kein Wort spanisch verstehe - von seiner Schwiegermutter, die dringend ins Krankenhaus mu├čte, und da├č es schon seit sechs Monaten nicht mehr geregnet habe und da├č sein Schwager ein elender Hurenbock sei und ihn um zwanzig Euro betrogen habe und da├č ihm sein Schwanz verfaulen soll, Himmelmariahilf. Was wei├č ich. Wir gehen ins Haus und die junge Frau, deren Namen ich auch nicht verstanden habe, macht sich in der Finca zu schaffen, ├Âffnet Fenster, bezieht das Bett. Unterdessen kontrolliert er den K├╝hlschrank und den Pool, zeigt mir den Fernseher mit Satelliten-Receiver. Es dauert nicht lange und sie lassen mich mit meinem lauwarmen Bier allein. Aber sie fahren nicht ab, sondern beziehen eine Wohnung im gleichen Haus, mit welcher Absicht, ist mir nicht klar. Ich hatte nicht damit gerechnet, dieses Refugium mit jemandem teilen zu m├╝ssen, aber was soll's.

Obwohl ich von der Reise und der Klimaumstellung wie erschlagen bin, str├Ąube ich mich vor dem Gedanken, ins Bett zu gehen. Die Hitze ist einfach menschenunw├╝rdig. Ich lasse meinen Blick lustlos von der Terasse ins Tal wandern. Nichts motiviert mich, meine H├Ąnde mit etwas anderem als einem kalten Bier - Stift und Papier etwa - zu besch├Ąftigen. Ich wende mich ab, nehme den Ventilator aus dem Wohnzimmer und stelle ihn in der K├╝che auf den Esstisch. Ich setze mich davor und bem├╝he mich, den Kopf zu leeren. Ich d├Âse ein.

Wieder wollen sie mich nicht gehen lassen, h├Ąngen sich an mich, nackte, feuchtgeschwitzte Leiber. Irgendetwas treibt mich von ihnen weg, auch wenn ich dem Drang nicht nachgeben und mich wieder in die finstere Schw├╝le st├╝rzen m├Âchte. Bekannte und unbekannte Gesichter, die vorgeben, mir bekannt zu sein, mit Stimmen, fremden Stimmen, die ich bekannt h├Âre. Langsam l├Âst sich alles auf, die Stimmen verhallen und die K├Ârper trocknen zu papiernen Silhouetten, bis sie ├╝ber die Kuppe des Erwachens gleiten, dem Horizont des Vergessens entgegen, verschluckt von der dr├╝ckenden Hierjetztwirklichkeit. Ihre Stimmen verschwinden im Brummen des Ventilators, der sie zu Traumstaub zerschreddert. Schlaftrunken stakse ich unter die Dusche. Ich h├Ątte die Hose vorher ausziehen sollen.

Das Bier ist zwar mittlerweile kalt geworden, daf├╝r aber auch schnell leer. Langsam setzt die D├Ąmmerung ein. Hunde kl├Ąffen, ein paar Ziegen bimmeln nach ihrem Pedro. Ich beschlie├če, in dem Lokal unten an der Stra├če etwas zu essen.

Welcher Teufel hat mich geritten, den ganzen Weg zu Fu├č zu gehen? Ich futtere mich durch das Sortiment an Empanados und trinke dazu heimischen Rotwein aus einem Ort, ├╝ber dessen Artikulation ich nur Vermutungen anstellen kann.

W├Ąhrend ich auf meine Bestellung warte, versuche ich mir die Kombination der Laute bildlich vorzustellen. Zugegeben, es wirkt etwas konstruiert, und die anf├Ąnglichen Kritzeleien mit Kuli auf Serviette bedienen sich allzu vordergr├╝ndiger kubistischer Strukturen zur Darstellung des "tx". Allerdings durchbricht der dunkelrote Abdruck des Weinglases das Vordergr├╝ndige, und der Abschlu├č mit den lasierenden fettigen Fingerabdr├╝cken sowie die Tiefenwirkung nach dem kunstfertigen Drappieren der Serviette als Zeichen ihres Gebrauchs vers├Âhnen mich mit dem Werk.

Als Entsch├Ądigung f├╝r die Strapazen des bevorstehenden Aufstiegs lasse ich mir noch eine Flasche des nicht besonders guten Hausweins mit auf den Weg geben und stapfe los. Als ich oben ankomme, ist es dunkel.

In der gut sortierten K├╝che sind Korkenzieher und Weinglas schell zur Hand. Der Korkenzieher - Modell Hebelwirkung - liegt gut in der Hand, er dreht sich fast von selbst in den Recyclingkorken. Ich setze mich auf die Terasse und lausche der Nacht. Hunde kl├Ąffen, Zikaden schrillen, Fr├Âsche quaken und pl├Ątschern. Fr├Âsche? Hier? So schlecht ist der Wein nun auch wieder nicht. Na ja, sollen sie halt, in Gottes Namen, quaken - aber wenn sie so laut planschen, dann will ich verdammt noch mal nicht wissen, ob sie so gro├č sind, wie ich es mir vorstelle.

Ich nehme einen kr├Ąftigen Schluck und lausche. Das Quaken kommt von unten, das Planschen von oben. Dort ist der Pool. Leise steige ich im Dunkeln die Stufen empor und sp├Ąhe ├╝ber den Treppenrand. Da schwimmt tats├Ąchlich jemand im Pool. Es dauert eine Weile, bis mir der Verwalter (ich nenne ihn in Gedanken Pedro; nein, so hei├čt schon der Ziegenhierte. Dann eben Juan.) einf├Ąllt und seine - seine was eigentlich? Hatte er nicht gesagt, sie seine Tochter? Oder Nichte? Und wenn schon, ich h├Ątte es ja ohnehin nicht verstanden, der Mann spricht kein Wort deutsch, jedenfalls nicht mit mir. Ich trinke einen Schluck, ich beobachte, wie sie aus dem Wasser steigt. Am Nachthimmel geistert nur noch die Erinnerung ans Tageslicht herum, doch ich erkenne deutlich, da├č sie nackt ist. Ihr K├Ârper gl├Ąnzt wie schwarzes Glas, es w├╝rde mich nicht wundern, wenn sich das Licht der Sterne in ihr brechen w├╝rde. Sie wringt ihre Haare aus, ich mache es mir auf der Treppe bequem. Pl├Âtzlich h├Ąlt sie inne, die Hand tastet nach dem Handtuch. Sie sagt etwas auf spanisch, dann: "Ist da wer?" Sie spricht leise, fast fl├╝sternd. Ich seufze innerlich, r├Ąuspere und raffe mich auf, als k├Ąme ich soeben die Treppe hoch, tue ├╝berrascht. Habe nicht erwartet, jetzt noch jemanden hier zu treffen, entschuldige mich und will mich verabschieden. Kein Problem, antwortet sie in perfektem deutsch, sie will sowieso grad gehen. Nicht n├Âtig, sage ich, ich will sie nicht vertreiben, aber sie winkt ab - was habe ich anderes erwartet? Trotzdem unternehme ich noch den Versuch, sie zu einem Glas Wein einzuladen. Sie z├Âgert, klopft sich Wasser aus dem Ohr. "Nein, danke. Ein andermal vielleicht. Gute Nacht." Nacht, in der Tat, das ist es. Ich setze mich auf den Rand des Pools, h├Ąnge meine Beine ins Wasser. Hinter mir verschwindet die Frau ├╝ber den oberen Laubengang in die andere Wohnung, ohne da├č ihre nassen F├╝├če patschige Ger├Ąusche auf den warmen Fliesen machen. Die Hunde bellen schon wieder - oder immer noch - und die Fr├Âsche quaken immer noch - oder schon wieder. Ich ├Ąrgere mich, da├č ich die Serviette liegengelassen habe, und trinke den Wein aus.

Jetzt l├Ą├čt es sich einigerma├čen ertragen. Ich schalte das Licht auf der Terasse ein, hole meine Arbeitsutensilien, Skizzenblock und Bleistifte. Ich bem├╝he mich, meine Serviettenzeichnung zu rekonstruieren, aber der Versuch ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Zudem ist der Wein leer, ich kann keine Abdr├╝cke mehr machen. Trotz der angenehmen n├Ąchtlichen Temperaturen fange ich an zu schwitzen; kaum sitze ich nur noch in Unterhose da, ├╝berkommt mich die n├Ąchste Plage: Insekten. Ich resigniere, schalte das Licht aus und sitze mit meinem Skizzenblock auf den Knien im Dunkeln. Immer wieder blitzen Konturen auf meiner Netzhaut auf, Photonenerinnerungen zellular gespeicherter optischer Eindr├╝cke. Lustlos lasse ich meinen Bleistift die abstrakten, in immer neuen Variationen in sich hineinsinkenden Reflexionen des zuvor Gesehenen rekapitulieren. Ich verpasse den Moment, an dem sich die Hand vom Verstand l├Âst. Die Bleistiftspitze bricht ab, fluchend werfe ich den Stift beiseite, der Block f├Ąllt auf den Boden. Der Kuli! M├╝hsam krame ich nach dem Stift, krieche zum Block und neige mich in Gebetshaltung dar├╝ber. Der silbrige Lichtschatten l├Ą├čt mich vage Konturen erkennen, wogend, ich folge ihnen mit dem neuen Zeichenisntrument, zaghaft zun├Ąchst, dann zuversichtlicher, sicherer. Ich kann mein Gl├╝ck kaum fassen, als sich die Formen vom Papier zu l├Âsen beginnen. Sie steigen auf, schl├Ąngeln sich empor und vereinen sich mit den phosphoreszierenden Impressionen auf meiner Netzhaut. Sie dringen in mein Hirn und verselbst├Ąndigen sich.


Nachtlicht

Als ich am n├Ąchsten Tag erwache, brennt die Sonne direkt in mein traumwundes Hirn. Es dauert einen Moment, bis ich mich beisammen habe, ein undurchdringliches Geflecht von Schmerzen erschwert mir die Orientierung: Ist das der Kopf oder die Schulter? Und wenn das mein rechtes Bein ist, was h├Ąngt denn so leblos an der anderen Seite? Und was klebt da an meiner Backe? Ach so, der Kuli...

Ich schleppe mich ins Bad und stelle mich unter die Dusche. Anschlie├čend setze ich mich mit nassen Haaren ins Auto, um Fr├╝hst├╝ck zu organisieren. Auf der Terasse braten meine n├Ąchtlichen Krakeleien.

Ich kehre zur├╝ck, als sich die Sonne dem Zenit n├Ąhert. In meiner Begleitung befinden sich diverse Cortados, zwei St├╝ck Kokoskuchen und ein Eis (abdominal) sowie 20 Skizzen vom Markt in Arta sowie K├Ąse, Wurst, Brot, Gin. Ich ├╝berlege kurz, ob ich noch einen Ausflug an den Strand unternehmen sollte, entscheide mich aber dagegen. Ich stelle den Ventilator neben das Bett und schlafe.





Gegen 17h wache ich auf. Unten aus dem Tal h├Âre ich B├Âllern, Sch├╝sse. Gro├čstadtj├Ąger auf der Suche nach dem Hemingway-Feeling beim Tontaubenschie├čen (Jagdsaison, wie ich sp├Ąter erfahre). Mein Magen knurrt, ein gutes Zeichen. Wenn ich Hunger habe, kann ich gut arbeiten. Ich packe meine Eink├Ąufe auf ein Holzbrett und stelle sie mit dem Gin auf den Tisch. Chorizo picante, Ziegenk├Ąse, Wei├čbrot und Gin. Dieses Ensemble macht einen derart elementaren Eindruck auf mich, da├č ich gleich zum Skizzenblock greife. Entgegen meiner Gewohnheit, Skizzen nur mit Ort und Datum zu versehen, g├Ânne ich dieser noch einen Titel: "Die 4 Elemente". Die Wurst ist gut, auch wenn die hinterh├Ąltige, schleichende Sch├Ąrfe auf einen fiesen Charakter schlie├čen l├Ą├čt. Der K├Ąse ein wenig zu fade, das Brot ist O.K., den Gin genie├če ich mit gebotener Vorsicht. Da der Wagen meiner Mitbewohner nicht vor dem Haus steht, benutze ich den Pool ohne Badehose. Als ich ├╝ber die Terrasse gehe f├Ąllt mir ein, da├č hier ja noch meine Zeichnungen herumliegen sollten. Jemand hat sie aufgehoben und fein s├Ąuberlich auf dem Tisch gestapelt. Ein halbes Dutzend wilder Kritzeleien, unter denen der Beschreibstoff sichtlich gelitten hat. Ich frage mich, was sie wohl darstellen. Da die Vorderseite keinen Platz mehr bietet, will ich das Datum auf die R├╝ckseite schreiben. Dabei f├Ąllt mir auf, da├č die Kugelschreiberstriche das Papier gewisserma├čen modelliert, zu einem Relief verarbeitet haben. Ich lasse die Fingerspitzen ├╝ber das Papier gleiten und versuche mich darauf zu konzentrieren, woran mich diese Landschaft erinnert. Das einzige, was mir in den Sinn kommt und eine entfernte ├ähnlichkeit zu dem aufweist, was ich da ins Papier gekerbt habe, sind Schamlippen. Ich greife mir ein Badetuch und steige hinauf zum Pool. Langsam lasse ich mich ins Wasser gleiten. Ist das nun profan oder elementar, die Erkenntnis, in der Nacht ├╝ber einer selbstgeschaffenen Vagina in Gebetshaltung dem Rausch gehuldigt zu haben? Oder pathologisch? Ich ziehe ein paar Bahnen und ├Ąrgere mich, da├č man zum Schwimmen die Sonnenbrille abnehmen mu├č. Unter Wasser allerdings betrachte ich die weich gestreuten Sonnenstrahlen, deren K├Ârperlosigkeit und gleichzeitig unzweifelbare Existenz mich faszinieren. Oder ist nur der Gedanke an sie real? Wo kommen sie denn schon her - und wo bleiben sie? Mir geht die Luft aus.

Irgendwann, die Sonne geht gerade unter, trockne ich mich ab und schlendre zur├╝ck zur Terrasse. Ich setze mich in die Restabendsonne und trinke ein Glas. Gegen halb zehn h├Âre ich den Wagen vorfahren. Badeschlappenschritte, T├╝renklappen, Plastikt├╝tenrascheln, gerollte R's. Mal was anderes unter all dem Ziegenbl├Âken, Bellen und Quaken. Ob sie heute wieder schwimmen geht, nackt? Ich trinke noch ein Glas, schalte die Au├čenbeleuchtung an und klemme mich hinter meinen Zeichenblock. Oben ├Âffnet sich eine T├╝r, dann pl├Ątschert Wasser. Ich k├Ânnte sie mal fragen, was ich mit meinem M├╝ll machen soll. Oder wo man gut Essen gehen kann. Vielleicht sollte ich mir wenigstens vorher eine Unterhose anziehen.

Nein, ich mache mich heute Abend nicht mehr zum Narren, ich warte besser bis morgen. Ich zeichne die Schatten des Glases nach, spiele Tic-Tac-Toe gegen mich und verliere 6:4, balanciere den Stift auf der Fingerspitze und perforiere das Zeichenpapier nach dem Umri├č eines Swimmiingpools zum selber Falten. Pl├Âtzlich ein Ger├Ąusch, ich blicke auf. "Hi", sagt sie, steckt den Kopf um die Ecke. "N'Abend", antworte ich und will in einen Anflug deplazierter Galantrie aufstehen. Zum Gl├╝ck entsinne ich mich und bleibe sitzen. "Lust auf einen Schluck Wein", fragt sie. Klar, gern, sage ich. Sie hat sich das Badetuch vor der Brust verknotet, ich biete ihr einen Platz an. Sie setzt sich und schaut mich an, als w├╝rde sie auf etwas warten. Ob ich einen Korkenzieher habe, will sie wissen. Ja, schon, denk ich mal, sage ich, irgendwo - keine Ahnung, l├╝ge ich, ich habe ihn noch nicht gefunden. "Macht nichts, ich kenne mich hier aus", sagt sie und geht in die K├╝che. Das Badetuch ist nicht sehr breit, sie geht durch die finstere Wohnung, ohne Licht zu machen. Ich stelle mir vor: Lichtreste, Haut, Stoff, Reibung - hey, komm runter! Wir trinken, Wein, Rioja. Sie fragt, ob ich K├╝nstler sei - sie habe die Zeichnungen gesehen und aufgehoben. "So kann man das nicht nennen", winke ich ab. "Sie gefallen mir, die Bilder", sagt sie, "aber ich kann mir nichts drunter vorstellen."

Ich auch nicht, erwidere ich. Sie lacht, lehnt sich zur├╝ck, ihre Haut schimmert dunkel im schwachen Licht, ihre Haare gl├Ąnzen schwarz, wie Glas, schwarzes Glas. "Malen Sie immer Sachen, von denen Sie nicht wissen, was sie darstellen?" Sie mustert mich mit ironischem Blick. "Ich zeichne", belehre ich sie, und: "Ich gebe dem Betrachter die M├Âglichkeit, Teil des kreativen Prozesses zu werden; ich ├╝berlasse ihm die Entscheidung, was er da zu sehen bekommt." Was f├╝r eine gequirlte Schei├če! "Ich bin Wolkenmacher, sozusagen." Schon besser, aber nicht von mir. Von Katie. "Aha", sagt sie und l├Ąchelt in ihr Glas. "Sie machen Wolken, und wir hier unten sehen darin ein Schiff oder eine Gie├čkanne." Ja, genau - sozusagen. Ich kann meine Gedanken nicht davon abhalten, sich immer wieder auf die Nacktheit ihrer Haut unter dem Tuch zu richten.

Irgendwann geht sie. In der Nacht tr├Ąume ich von gl├Ąsernen Frauen, auf denen r├Âmische Galeeren dahinziehen, und von wolkenen Gie├čkannen, die sandige Leiber w├Ąssern. Der Sand wird weggesp├╝hlt, und zur├╝ck bleiben dunkelfeucht gl├Ąnzende K├Ârper mit vollen Br├╝sten und saftigen Geschlechtern, die lustvoll ihre Abdr├╝cke auf meinem papiernen Leib hinterlassen. Zwischendurch wache ich mit einer Erektion auf, bekomme Papier und Stift in die Hand und beginne, wie besessen auf dem Fu├čboden zu zeichnen, bis mir die Knie wehtun. Ich wei├č nicht, wann ich wieder aufs Bett krieche, aber es sind keine Hunde zu h├Âren, nur die Fr├Âsche.

Am n├Ąchsten Morgen rei├čt mich eine Stimme aus dem Schlaf. "...was mitbringen?" Was is' los? Ich erkenne die Stimme, sie ist es. "Sind Sie schon wach?" Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich darauf antworten soll. Wie es scheint hatte ich noch mehr angenehme Tr├Ąume, mein Schwanz ist immer noch - oder schon wieder steif. Im Moment der Bewu├čtwerdung tritt sie in die T├╝r. Es f├Ąllt mir nicht schwer, mich schlafend zu stellen, genau genommen schlafe ich und tr├Ąume, da├č sie da in der T├╝r steht und einen wildfremden Mann mit einer Erektion im Schlaf beobachtet. "Hallo", fl├╝stert sie. Schweigen. Was soll ich auch sagen. Eine Plastikt├╝te raschelt, sie wird wohl gehen. Dann Papier - das Ger├Ąusch von Papier, das behutsam in Fingern gewendet wird und mit dem Begriff "Rascheln" nur ungen├╝gend beschrieben w├╝rde. Sie hockt sich, ihre Knie knacken, ich h├Âre sie atmen, und meine Erektion macht keine Anstalten, sich zu entspannen. Es dauert eine Ewigkeit, bis sie endlich geht - nachdem sie die Bilder wieder auf dem Boden verstreut hat.

Ich dusche. Zuerst will ich mir die Zeichnungen gar nicht ansehen - die meisten sind von ├Ąhnlicher strukturhafter Art wie die ersten, aber weniger abstrakt, unverbl├╝mter. K├Ârper, das K├Ârperliche ist deutlicher herausgearbeitet, und es tauchen auch einige Gesichter auf. Erstaunt stelle ich fest, da├č sich in den Gesichtern leicht die Frau erkennen l├Ą├čt, die gerne Wolken betrachtet. Ich frage mich, ob diese Erkenntnis schon einen Gin wert ist, entscheide mich dann aber dagegen. Stattdessen schalte ich den Ventilator ein und verschlafe den Vormittag.

Rastlos verbringe ich den angebrochenen Tag in meiner m├╝hsam abgedunkelten Klause. An Arbeit ist nicht zu denken, also sortiere ich und datiere, kontrolliere den K├╝hlschrank und denke ernsthaft ├╝ber eine Kontaktaufnahme mit konkreten Absichten nach. Die Entscheidung wird f├╝r mich getroffen. "Hallo, sind Sie da", ruft sie durch die T├╝r. Da ich angezogen bin, bitte ich sie herein. Ihre Augen suchen die Papiere ab, die sich im Raum verteilen. "Ich war heute morgen schon mal da und wollte fragen, ob ich Ihnen etwas aus dem Supermarkt mitbringen soll?"

"Ja", nehme ich dankend an, "Rotwein, wenn du eine Einladung f├╝r heute abend annimmst." Sie lacht, ihre dunklen Augen lachen auch. Sie deutet auf die Zeichenbl├Ątter: "Sie haben wieder gezeichnet?" Pause. "Darf ich?" Ich bejahe. Sie schaut - ich schaue. "Und", frage ich nach einer Weile, "siehst du Wolken?" Sie nickt, stumm, mit dunklen Augen, die durchs Papier blicken. "Soll ich das sein", fragt sie schlie├člich. "Woher soll ich das wissen?" Ich zucke mit den Achseln - mu├č ich wirklich darauf antworten? "Das sind keine Fotos, sondern Wolken. Such es dir aus, ob du's sein willst, das kannst du selbst entscheiden." Sie gr├╝belt. "Vom Gesicht her schon, aber der Rest ist eher etwas..." Sie sucht nach den richtigen Worten. "Wirr", schlage ich vor. "Ja, auch."

Ich frage sie, ob sie mir Modell stehen w├╝rde. "Dann werden die Bilder weniger wirr." Sie deutet auf die Ergebnisse meiner feuchten Tr├Ąume, fragt: "Nackt?" Ich hebe die Schultern. "Kannst du dir selbst aussuchen. Aber wenn du schon fragst: Ja, gerne." Sie ├╝berlegt. "Vielleicht", sagt sie und geht. "Gehst du heute wieder schwimmen", rufe ich ihr nach. "Bestimmt", ruft sie und lacht.

Gegen halb zehn taucht sie am Pool auf. Ich erwarte sie mit Wein und Zeichenblock. "Ich dachte immer, Zeichner brauchen gutes Licht." Sie deutet auf das Papier. Sie hat sch├Âne H├Ąnde, schlanke, kr├Ąftige Finger. "Ja, ich auch", antworte ich. "Aber mit Licht klappt's bei mir nicht." Wir kichern wie alberne Teenies und trinken Wein. Dann zieht sie sich aus und steigt nackt ins Wasser. Ich wei├č nicht, was es ist, aber irgend etwas erinnert mich an meine Tr├Ąume. Au├čer ihrem Kopf, der gelegentlich abtaucht, ist nichts von ihr zu erkennen. Doch ich bin mir der Tatsachen bewu├čt, und das einzige Gef├╝hl, das st├Ąrker ist als meine Erregung, ist das Bed├╝rfnis, dieses Gef├╝hl ins Papier zu graben.

"Warum seid ihr eigentlich so versessen darauf, nackte Frauen zu malen", fragt sie. "Sind Br├╝ste und ein nackter Po k├╝nstlerisch wertvoller als bekleidete K├Ârperteile?" Sie verschr├Ąnkt die Arme am Beckenrand und st├╝tzt das Kinn auf. "Nein, aber eine nackte Frau schaut mann sich lieber an als eine in Jeanshosen. Und wer l├Ą├čt sich schon die Gelegenheit nehmen, eine nackte Frau unter dem Deckmantel der Kultur zu betrachten." Sie steigt aus dem Wasser, setzt sich auf die warmen Terracotta-Fliesen und umschlingt die Beine mit den Armen. Ernst schaut sie mich an, eine gl├Ąnzende, gl├Ąserne Statue. Ich sehe sie an und kratze mit dem Stift auf dem Papier, ich wei├č nicht wie lang. "St├Ârt dich der Gedanke", will ich von ihr wissen. "Ich wei├č noch nicht", sagt sie leise, sanft.


F├╝r den Augenblick

Auf den ersten vier Zeichnungen sehe ich haupts├Ąchlich Gesichter, ihr Gesicht, umgeben von strukturlosem Nachtlicht. Es sind ruhige Bilder mit einem Anflug leichter Naivit├Ąt. Aber dennoch ernsthaft und aufrichtig. Nackte Frau beim Nachtbad, I-IV. Die ├╝brigen Zeichnungen sind die durch und durch mi├člungenen Versuche, eine Frau, die um Mitternacht an einem unbeleuchteten Pool sitzt, zu zeichnen. Langweilig und dilettantisch.

Sie hat versprochen, am Abend zu mir zu kommen, also stehe ich rechtzeitig gegen Mittag auf und bereite mich vor. So ein Tag kann ganz sch├Ân lang sein, also nutze ich die Zeit f├╝r ein paar Besorgungen. Zum Schlu├č organisiere ich mir Kulis aus dem Postamt in Arta. Gekaufte Kulis bringens nie, es sind immer die, die man am Lottoschalter mitgehen l├Ą├čt oder die die Bedienung am Tisch vergi├čt. Den Rest des Tages verbringe ich in der K├╝che vorm Ventilator. Gelegentlich kontrolliere ich meine Bleistifte, spitze und sortiere sie. Der Nachmittag kommt, ich dusche, esse Brot, Wurst, K├Ąse (der mir mittlerweile besser schmeckt), trinke ein Glas Gin und warte.

Sie kommt gegen sieben. Sie hat die dunklen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie tr├Ągt ein leichtes, kurzes Kleid. Sie scheint wie in Gedanken versunken, abwesend. "Hallo, Wolkenmacher", sagt sie. Ich biete ihr einen Gin an, sie nickt. "Hast du schon 'mal Modell gestanden?" Sie sch├╝ttelt den Kopf, auch wegen des scharfen Getr├Ąnks, streicht eine Haarstr├Ąhne hinters Ohr.

Ich erz├Ąhle ihr dies und das, Belanglosigkeiten, die sie etwas ablenken sollen. Wir gehen ins Wohnzimmer. Ich schlage vor, wir beginnen mit ein paar bequemen Posen, ein Portrait, sitzend im Sessel und dergleichen. Sie sitzt, stocksteif, wie beim Fotografen anno 1900, ich beginne trotzdem zu zeichnen. Ich erz├Ąhle, da├č sich die spannenden Bilder durch die Interaktion von Zeichner und Modell ergeben. Es gibt Zeichner, die jede Kleinigkeit vorgeben, aber das sind meiner Meinung nach B├╝rokraten, Kunstb├╝rokraten. Wenn sie sich etwas gelockert hat, kann sie sich selbst Posen ├╝berlegen, sich bewegen, agieren, um ihren Punkt zu finden, an dem ich dann ins Spiel komme. Sie blickt und h├Ârt, konzentriert, regungslos. Sie solle sich entspannen, sage ich, der anstrengende Teil stehe uns noch bevor.

Langsam l├Âsen wir uns aus der Statik des Augenblicks, sie beginnt, sich im Raum zu bewegen. Sie betrachtet Zeichnungen, ich zeichne. Ihre H├Ąnde streichen die Wand entlang, ich zeichne. Langsam, in geb├╝hrlichem Sicherheitsabstand kreisen wir umeinander. Zwischendurch machen wir Pause, trinken kaltes Bier und machen eine erste Bestandsaufnahme. W├Ąhrend sie auf dem Boden sitzt und die Zeichnungen durchsieht, zeichne ich sie. Sie zupft ihr Kleid zurecht. Sie bemerkt, da├č ich die harmlose Geste aufmerksam registriere, wendet den Blick wieder den Zeichnungen zu, rafft den Stoff langsam weiter nach oben. Ich zeichne ihr Profil, das rundgeschwungene. Allm├Ąhlich l├Âst sie sich von den Zeichnungen und beginnt sich von den Dingen frei zu machen.

Wie erwartet wird die Zeichenstunde anstrengend - haupts├Ąchlich f├╝r mich. Ich habe M├╝he, sie f├╝r einen Moment zu b├Ąndigen, mir Zeit f├╝r ein paar hastige Striche zu verschaffen. Anfangs spielt sie mit der verborgenen Bl├Â├če, doch als sie das Kleid abgelegt hat, scheint sie eine gewisse Ruhe, Selbstsicherheit gefunden zu haben. Ich gebe ihr ein paar Anregungen, suche nach dem richtigen Blick, dem perfekten Strich; doch es gelingt mir nicht, den erforderlichen Standpunkt einzunehmen. Ich sp├╝re, wie ich unzufrieden, gereizt werde. Als die Abendd├Ąmmerung einsetzt, schlage ich vor, Schlu├č zu machen. Sie scheint entt├Ąuscht.

Wir trinken Bier und betrachten die Zeichnungen. Sie ist noch immer nackt, und sch├Ân. Sie lobt die Bilder, ich winke ab. "Wo liegt das Problem", will sie wissen. "Alles nur Technik, da steckt nix drin", ereifere ich mich. "Seele, Leidenschaft, Kampf - irgendwas, verstehst du, die Bilder m├╝ssen irgendetwas ausdr├╝cken, aber das da..." Sie schaut mich verst├Ąndnislos an, wirkt geknickt. Nee, so hab' ich das nicht gemeint, und: das liegt nicht an dir - ich versuche zu erkl├Ąren, doch sie sch├╝ttelt den Kopf, will nichts h├Âren. Sie streift das Kleid ├╝ber - verdammt, warum habe ich meinen Block nicht zur Hand? - und sagt: "Danke f├╝r's Bier", und geht.

Mein Kopf dreht sich, ich mu├č ihn festhalten, damit er sich nicht vom Hals abschraubt. Was mach ich hier eigentlich? Noch ein Bier auf? Ich laufe nach oben, zum Pool, durch die noch warme D├Ąmmerung und suche nach ihr. Ich begegne dem Verwalter und frage ihn nach der jungen Frau. Er f├Ąngt an, mir irgendetwas zu erz├Ąhlen, da├č es hoffentlich bald Regen gibt, oder da├č seine Mutter unl├Ąngst 82 geworden ist und da├č alle Tanten und Onkels da waren. Ich gehe weiter ├╝ber die Terasse, den Gang entlang, an geschlossenen T├╝ren vorbei; eine ist offen. Ich sp├Ąhe hinein, ich sehe ein St├╝ck von ihrem Kleid, ihre F├╝├če. Wenn ich doch blo├č... Ich bemerke, da├č ich meinen Block tats├Ąchlich mitgenommen habe! Und einen Kuli. Ein Zeichen? Zwei Zeichen.

Leise trete ich ins Zimmer. Sie wei├č, da├č ich es bin, bewegt sich nicht. Sie hat einen Arm ├╝ber die Augen gelegt, der andere ruht auf ihrem Bauch. Ich setze mich auf einen Stuhl und betrachte sie, suche nach den Worten, die ich jetzt benutzen w├╝rde, wenn es Zeichenstifte w├Ąren. Da├č sie nicht schuld an meiner Unf├Ąhigkeit ist, da├č es immer lange dauert, ehe man den richtigen Strich findet, da├č es oft gar nicht klappt, und da├č ich manchmal eben ein ziemlicher Idiot bin. Sie antwortet nicht. Sie legt die Hand in den Scho├č. Ich beginne zu zeichnen. Stoff, Haut, Haar, Licht, Schatten. Ich transformiere alles in elektrische Impulse, eigene, k├Ârperlose Entit├Ąten, die sich ihren Weg selbst durch das undurchschaubare Geflecht meiner Nerven bahnen m├╝ssen. Ich will daf├╝r nicht verantwortlich sein, soll sich doch jemand - Etwas? - anderes darum k├╝mmern. Ich habe genug damit zu tun, zu sehen und den Kugelschreiber zu halten!

Ein Blatt f├Ąllt zu Boden. Vorsichtig beuge ich mich ├╝ber sie und nehme ihre Hand. Das erste Mal, da├č ich sie ber├╝hre. Ich mu├č daran denken, dieses Gef├╝hl zu zeichnen. Ich lege ihre Hand, die sch├Âne, kr├Ąftige, auf ihren Bauch, damit ich ihr Gesicht zeichnen kann. Ein weiteres Blatt auf dem Fu├čboden.

Sie legt wieder ihre H├Ąnde aufs Gesicht. Sie ├Âffnet ihre Beine, klappt sie weit auseinander. Noch ein Blatt; die Bl├Ątter fallen wie im Herbst, scheinbar ohne mein Zutun. Wieder nehme ich ihre H├Ąnde behutsam in die meinen, ihre geschlossenen Augen, die Lippen, ein Bild. "Wenn du mich ber├╝hrst, werde ich feucht", fl├╝stert sie. Ich erstarre, ein hitziges Prickeln stichelt ├╝ber meine Kopfhaut; wie auf frischer Tat ertappt worden sein. Ich kann darauf nichts antworten, ein Bild. Ich kann nicht sagen, was mich st├Ąrker gefangen nimmt, das Bild oder die Vorlage. Es riecht nach weicher, blauer Tinte, sie nach warmer, salziger Haut. Beide verselbst├Ąndigen sich. Lange Schatten ziehen sich ├╝ber ihren Leib, den erneut entbl├Â├čten, ├╝ber ihre Br├╝ste. Ein Bild - und was f├╝r eins! Ich sehe zwar nicht, was ich da zeichne, aber ich glaube, es sieht gut aus. Ihre H├Ąnde an meinem G├╝rtel. Ein Bild. Ihr K├Ârper auf den noch warmen Fliesen und ein Bild.

Ein Ger├Ąusch, wir halten inne. Irgendwo f├Ąhrt ein Wagen vorbei, ich kann das nicht so genau sagen, ich habe genug zu tun, meinen K├Ârper zusammen zu halten, meine Augen, meine H├Ąnde. Ihr Atem geht schwer, meine Erektion pocht mir bis in den Hals. Ich sp├╝re ihre Hand, brennende Haut auf Haut auf Papier, ein Bild. Eine Ber├╝hrung am Bein, eine hitzige, nichtl├Âschende Feuchte; ihr Becken schiebt sich vor und zur├╝ck, ihre Hand schiebt sich vor und zur├╝ck, mir treten Facetten der Lust vor die Netzhaut;; ich mu├č sie nur abpfl├╝cken„, mit dem Kulli einsammeln - - ein Bild.....

Sie zieht mich zu sich heran, ihre glutfeuchten Lippen auf meinem Penis - was f├╝r ein Bild! Ich zeichne - mein Penis zwischen ihren Br├╝sten. Sie dreht sich unter mir - oder drehe ich sie? Ich lege den Block auf ihren R├╝cken und meinen Schwanz zwischen ihre Rundungen, yet another picture. Energisch greift sie danach und f├╝hrt mich an die Tore ihrer Weiblichkeit, die sie einladend ├Âffnet, f├╝r ein weiteres Bild. Das zeichne ich mit meinem Schwanz. Write me your poetry in motion...

Dem letzten Blatt folgt die R├╝ckpappe des Zeichenblocks. Danach beginne ich, ihre Haut zu bezeichnen. Ich zeichne das Muskelspiel ihres R├╝ckens, das Gl├Ąnzen ihrer Haut. Das Nachtlicht auf ihrem K├Ârper. Ihre Haut f├╝llt sich mit unserem St├Âhnen, in sich selbst verschlungen wie eine keltische Initiale, in steter Bewegung. Ich bezeichne sie von innen nach au├čen; wo sich unsere K├Ârper mal sanft, mal heftig begegnen, springt das Bild auf mich ├╝ber, ├╝berwuchert meine H├╝fte, kriecht ├╝ber meinen Bauch, zur Brust, ich sp├╝re es im Gesicht. Diese Zeichnung l├Ą├čt sich nicht beenden, soviel ich auch zeichne. Ich sp├╝re den immer leeren Punkt, der sich unaufh├Ârlich leert, je mehr ich ihn zu f├╝llen suche. Ich sp├╝re den letzten Strich kommen, setze den Punkt, ziehe den Schlu├čstrich; von da an l├Ąuft alles r├╝ckw├Ąrts. Ich sinke, sinke in sie. Sie umh├╝llt mich mit matter W├Ąrme, alles um mich herum scheint und klingt wie durch z├Ąhe Luft, fl├╝ssiges Glas. Ich schlie├če das Buch unserer Bilder und verharre in ihr, bis die Spannung endlich weicht.

Nach dieser Nacht zeichne ich kein weiteres Bild mehr. Ich habe alles gezeichnet, was ich in meinem Leben zu zeichnen hatte, und ich wei├č, da├č ich nichts vermissen werden, wenn ich damit aufh├Âre. Sie hat mich davon geheilt. Ich habe sie nicht einmal nach ihrem Namen gefragt, und das ist auch gut so. Sie hat mich zum Flughafen begleitet und sie sie fragte nicht, ob wir uns mal wiedersehen. Daserh├Âht die Wahrscheinlichkeit f├╝r ein unvorhersehbares Ereignis, auch wenn ich es nicht vorhabe. Bevor ich einchecke, ├╝berreiche ich ihr das B├╝ndel Kritzeleien, die ich mit einem St├╝ck W├Ąscheleine zusammengebunden habe, das ich im Abstellraum der Finca fand. Ich hbae noch nie im Leben leichten Herzens eine Zeichnung verschenkt; nun erkenne ich, wie eitel das war. Vielleicht bin ich n├Ąchstes Jahr Schreiner oder G├Ąrtner, oder ich zeichne auch wieder, beispielswise Beipackzettel f├╝r IKEA-Regale - schon m├Âglich. Sie freut sich ├╝ber die Zeichnungen und winkt zum Abschied.

So schlecht war Mallorca auch wieder nicht, denke ich mir, als ich in D├╝sseldorf bei 13 Grad Celsius und leichtem Nieselregen wieder zu mir komme. Ich frage mich, wovor ich eigentlich weglaufe.

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Penelopeia
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Hallo Asomodeus,

ich bin ja sonst selten in dieser Rubrik unterwegs, die meisten der (schein-)literarischen (Schein-)Erotismen kommen mir einseitig, vordergr├╝ndig und dadurch recht ├Âde vor. Mir vergeht die Lust...
Deine "Passionsgeschichte" ist eine Ausnahme. Hier werden Sexualit├Ąt und Suche nach einem Lebenssinn zusammengebracht. Der einzige Weg, denke ich, der geschlechtlichen Seite des Menschen seine W├╝rde zu bewahren (klingt ein bisschen pathetisch, sorry; aber die vorbehaltlose Darstellung "reiner" Sexualit├Ąt stiftet in der Regel nicht viel Sinngebendes).

Es sind sehr viele einpr├Ągsame Wendungen im Text: "traumwundes Hirn", "Geflecht von Schmerzen". S├Ątze wie "Mein Kopf dreht sich, ich mu├č ihn festhalten, damit er sich nicht vom Hals abschraubt." - bleiben im Ged├Ąchtnis.

Besonders angetan hat es mir der Schluss:

Nach dieser Nacht zeichne ich kein weiteres Bild mehr. Ich habe alles gezeichnet, was ich in meinem Leben zu zeichnen hatte, und ich wei├č, da├č ich nichts vermissen werden, wenn ich damit aufh├Âre. Sie hat mich davon geheilt.

Das Ende der Kunst - nichts Schlimmes. Eher eine Befreiung. Ein Vorgang, der vielleicht gerade f├╝r besessene Schreiber eine Bedeutung haben kann. Ich nenne zwei Beispiele: B. Russell hatte irgendwann nicht mehr viel Lust auf Philosophie. Er wandte sich - f├╝r eine Zeit - dem Sex zu. Wittgenstein entdeckte eines Tages (er schreibt selbst, es sei eine seiner wichtigsten Entdeckungen), dass er, mir nichts dir nichts, einfach mit dem ewigen Philosophieren aufh├Âren k├Ânne...

Die Qualit├Ąt der Metaphern hob ich schon hervor. Einige scheinen mir ein bisschen ├╝berbordend bzw. verschwommen:

Ihre Haut f├╝llt sich mit unserem St├Âhnen, in sich selbst verschlungen wie eine keltische Initiale, in steter Bewegung.

Im letzten Absatz stecken ein paar Fl├╝chtigkeitsfehler drin.

LG

P.

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Asmodeus
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Danke f├╝r deine Anmerkungen, Penelopeia (um so mehr, da es nicht dein "Stammforum" ist).

Ich habe den Text w├Ąhrend des letzten Urlaubs geschrieben, dessen N├Ąchte ich schlaflos, n├Ąmlich mit dem Schreiben dieser Geschichte verbrachte. Urspr├╝nglich hatte ich sie viel handlungs├Ąrmer geplant, der Situation entsprechend, dass mir die Geschichte immer etwas voraus war. Seltsam, dass sie am Ende so wenig Sex abbekommen hat.

Tja, als dann der Urlaub um war, hatte die Geschichte noch kein Ende. Das musste ich mir m├╝hsam zu Hause erarbeiten, und als sie dann endlich fertig war, wollte ich sie nur noch los werden. Die Fl├╝chtigkeitsfehler am Textende sind wirklich peinlich.

Dass die Sprachbilder zuweilen verschwommen und schw├╝lstig sind, ist mir bewusst; ich habe sie so gut es ging ausgeb├╝gelt, aber so ganz gelungen ist es mir wohl nicht. Ich wollte (mit der keltischen Initiale) darstellen, dass "Er" faktisch auf der Frau herummalt, und dass es aus dem Akt resultiert.

Deine Anmerkung (oder Pl├Ądoyer?) bzgl. der W├╝rde des Menschen im Angesicht der Schilderung sexueller Vorg├Ąnge ist nicht unbedingt pathetisch; es ist immer ein schmaler Grat, und die richtigen Mittel sie darzustellen sind schwer zu finden. Es freut mich, dass ich ins richtige T├Âpfchen gegriffen habe ;>


Asmodeus.

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Penelopeia
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Hallo Asmodeus,

ich denke schon, du hast ins richtige T├Âpfchen gegriffen! Mit den "verschwommenen" Metaphern meinte ich ├╝brigens nur einen ganz kleinen Teil. ├ťberwiegend ist die Sprache klar und keineswegs schw├╝lstig.

Zu meinem Kommentar: Ich schrieb in der Eile: "...seine W├╝rde..." Ist nat├╝rlich Quatsch, die W├╝rde bezog sich auf die Sexualit├Ąt; es muss hei├čen: "...ihre W├╝rde..."
Was, bei erneutem Nachdenken, mir schon wieder bl├Âdsinnig erscheint. Denn Sexualit├Ąt an sich hat keine W├╝rde, nur eine Funktion. Man kann wohl nur von der W├╝rde des sexuell und anderweitig aktiven Menschen sprechen.

LG

P.

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Asmodeus
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@anonym

Ich kann ja verstehen, dass jemandem der Text nicht gef├Ąllt. Aber bislang war ich davon ausgegangen, dass es sich bei der Leselupe in erster Linie um ein Arbeitsforum handelt; die Bewertungen als solche sind zwar recht nett (klar, vor allem, wenn sie positiv ausfallen), aber sie sind nicht selbsterkl├Ąrend. Wenn also jemand der Ansicht ist, der Text sei verbesserungsbed├╝rftig oder gar ziemlich misslungen, dann sollte der Note doch wenigstens der Hauch eines Ansatzes eines Hinweises folgen, worin die Schwachstellen liegen. Andernfalls kann ich keine Textarbeit in der Bewertung erkennen.

Asmodeus

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Penelopeia
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Arbeitsforum

Lieber Asmodeus,

an ein Arbeitsforum glaubte ich auch einmal. Ich denke, es verh├Ąlt sich mit der LL im Wesentlichen nicht sehr viel anders als mit der gesamten Literatur: sie ist vieles, also sowohl Arbeitsforum wie auch Neidforum, Boxring, Therapieanstalt f├╝r Patienten mit narzisstischen St├Ârungen usw.

Eine Betonung des Aspektes "Arbeit am literarischen Text" lie├če sich m.E. nur mit der Streichung der M├Âglichkeit anonymer Wertungen erreichen.

Am besten geht man dem Problem aus dem Weg, indem man keine Wertungen abgibt, sondern Kommentare schreibt, und indem man abgegebene anonyme Wertungen nicht beachtet.

Liebe Gr├╝├če

P.

Nachsatz: "Gerne dien ich den Freunden, doch tu ich es leider mit Neigung, und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin." Meinte Schiller sich, oder beschrieb er gar die literarische Szene allgemein?

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