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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Drei Minuten
Eingestellt am 05. 07. 2015 00:17


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Lio
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2009

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Sie wartet schon, als er ein paar Minuten zu spĂ€t mit dem Rad vorfĂ€hrt. Er hat die Mail geschrieben, sie – immerhin - den Ausflugsort vorgeschlagen. Bei der ersten genaueren Analyse: keine VerĂ€nderung, derselbe, muskulöse Oberkörper, dasselbe kurzgeschnittene schwarze Haar, derselbe klare Blick. Viellicht sind ein paar FĂ€ltchen um die Augen hinzugekommen, SorgenfĂ€ltchen?, aber die schaden MĂ€nnern Ende Zwanzig nicht.
„War doch eine gute Idee“, sagt er.
„Ja, finde ich auch!“ Die ĂŒblichen SprĂŒche, dass was man eben sagt, wenn man sich trifft und glaubt sich zu kennen, weil man sich mal gespĂŒrt hat. Er gibt das Signal zum Losfahren, sie ĂŒberqueren den Gehsteig, und dann ist er es, der die roten Ampeln ĂŒberfĂ€hrt und sie, immer wieder stoppend, nach rechts und links blickend, fĂ€hrt auch hinĂŒber, obwohl sie eigentlich mĂŒde ist, gerade erst angekommen in der Nacht, und lieber die Verbote achten wĂŒrde.
Er erzĂ€hlt von sich, fĂ€hrt freihĂ€ndig neben ihr, die Autos hupen nicht und sofort weiß sie wieder, was sie an ihm mag, immer gemocht hat: diese selbstverstĂ€ndliche Art und Weise Besitz von Dingen zu ergreifen, in diesem Fall von der Straße, und, das könnte sie schwören, es ist seine Selbstgewissheit, die auch die Autofahrer bemerken, die sie nicht hupen lassen. Stattdessen fahren sie brav hintendrein, warten bis die Straße frei ist und ĂŒberholen erst dann. Nicht ein einziges KopfschĂŒtteln, sie beobachtet das ganz genau. Er erzĂ€hlt von seinen Erfolgen, Studium, Promotion abgeschlossen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Reisen, die er gemacht hat, natĂŒrlich immer zur Recherche, kein Spaßtourismus und sie fragt sich, welchen Platz in seinem Leben seine Freundin einnimmt. Oder seine Ex? Wieso dieses Treffen. Doch nur, weil er wieder frei ist, weil er sich an sie erinnert hat.
Sie fahren den Rhein entlang, Gottseidank mit RĂŒckenwind, weil jede Brise bei dieser Hitze schon eine kleine Rettung ist. Beide sind sie sportlich, ĂŒberholen die anderen FahrrĂ€der, er, immer noch freihĂ€ndig, nur gelegentlich greift er zum Lenker, bei einer scharfen Kurve oder wenn MĂŒtter mit explorierendem Nachwuchs auftauchen.
„Und du?“, fragt er und sie erzĂ€hlt ihm nicht das, was sie schon unzĂ€hlige Male erzĂ€hlt hat in den letzten Jahren, von der Schwierigkeit eine einmal begonnene Arbeit zu beenden, dass sie mit Ach und Krach die letzte PrĂŒfung bestanden hat, sie sagt: „Es war ein bisschen stressig die letzte Zeit, aber jetzt bin ich fertig.“
Und er will das Thema ihrer Masterarbeit wissen und sie sagt es ihm, und er erinnert sich, dass es doch einmal etwas ganz anderes war, worĂŒber sie geschrieben hat und jetzt kommt sie doch in ErklĂ€rungsnöte. Denn sie hat das Thema der Arbeit ja mehr als einmal geĂ€ndert, kurz vor knapp, dann noch ein viertes Mal und dann nicht mehr geschlafen, eine Woche lang nur geschrieben, um es irgendwie noch zu schaffen. Aber soll sie ihm das jetzt sofort erzĂ€hlen? Und was wĂ€re dann die nĂ€chste Frage? Die nach dem Wetter?
Sie kommen an. Sie will nicht lange fahren, muss am frĂŒhen Abend wieder arbeiten. Ihm ist es egal. Er arbeitet dann, wann er will, kann die DrittmittelantrĂ€ge, fĂŒr die er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter zustĂ€ndig ist, auch nachts schreiben. „Ist eine Übergangsphase“, sagt er und dass er sich nach anderen Stellen umschauen wĂŒrde, wenn er im nĂ€chsten Jahr nicht andere Bereiche bearbeiten dĂŒrfe. Beide visieren einen Schattenplatz an, weil, darĂŒber ist sie ĂŒberrascht, auch er hat keine Sonnenmilch dabei. Sie ziehen sich ihre T-Shirts aus und sofort ins Wasser. Bei dieser Hitze hat sich sogar der Rhein aufgewĂ€rmt, wie in einem Babybecken, so pissewarm ist das Wasser. Nur etwas weiter in den Fluss hinein, dort wo die Strömung zunimmt, bringt es Erfrischung. Jetzt, wo sie nur noch Bikini und Slip trĂ€gt, mischen sich in diese vielen Dinge, von denen er erzĂ€hlt, kleine Anekdötchen und Witzchen. Sie weiß nicht, ob er will, dass er lacht, aber sie tut es und dann fragt sie ihn, ob er trainiert und er sagt: „Ja, klar!“, und sie antwortet:„Das sieht man“ und er: „Macht dich das an?“, was sie nicht versteht und er wiederholt es ohne sie aus seinem Blick zu lassen: „Ob dich das anmacht?“




Das will sie nicht beantworten, obwohl sie es beantworten könnte. Lieber blickt sie zum schlammigen Grund des Flusses, den man nur vermuten kann, so dreckig ist das Wasser, dass es sie bis zum Bauchnabel verhĂŒllt.
Sie schwimmen wieder zurĂŒck, geben darauf acht nicht auf die Glasscherben zu treten, die hier ĂŒberall am Strand herumliegen. Er hat kein Handtuch dabei, setzt sich wie selbstverstĂ€ndlich mit auf ihres. Dann sitzen sie also nebeneinander wie ein Paar, nur dass sie keins sind, weil er vor vier Jahren eine andere hatte, die von allem ein bisschen mehr besaß als sie – mehr Orientierung, mehr BrĂŒste, mehr Geld. und jetzt?
Sie reden ĂŒber berufliche Orientierung und einmal berĂŒhren sich ihre HĂ€nde, weil sie immer wieder die Position verlagert, wegen dieser schrecklichen Hitze. Und das ist verwunderlich: seine Hand ist gar nicht so verschwitzt wie sie sein sollte, wie ihre ist, sie fĂŒhlt sich eher materiell an, ohne Spannung. Und wĂ€hrend sie ihre Hand zurĂŒckzieht, bleibt seine liegen, wie ein Klotz, referiert an ihn selbst, an seine Gewissheit ĂŒber das Leben und die Liebe. Das ist jetzt also der Zeitpunkt sich nach seiner Freundin, der Ex?, zu erkundigen, zu fragen: „Wohnst du eigentlich immer noch im Amselweg?“ Und er: „Ja, klar!“ Sonst nichts. Aber weil sie die Dreizimmer-Wohnung kennt, weil sie ihn und seine Freundin ja besucht hat, bei der Einweihungsparty, weil sie sich da auf dem kleinen GĂ€ste-WC getroffen haben, nur ein paar Minuten hat das gedauert, und keiner will etwas gesehen haben, weil sie jetzt weiß, was er fĂŒr einer ist, harkt sie nach: „Und deine Freundin, Frau?“
„Freundin, ja, der geht’s gut.“ Aber nichts darĂŒber, ob sie jetzt zuhause auf ihn wartet oder weiß, dass er ihr diese Mail geschrieben hat und von ihrem kleinen TĂȘte-Ă -tĂȘte im GĂ€ste-Klo wusste. Wirklich keine drei Minuten waren das und man hat nichts gesehen, weil irgendso ein Spaßvogel draußen das Licht ausgeknipst hat, aber dafĂŒr wĂ€re sie beinahe mit dem Kopf gegen den Kosmetikspiegel gestoßen und dabei immer diese Hitze in ihr drin und wie er sie umfasst hat mit den HĂ€nden auf die Haare und ĂŒber das Gesicht, so dass sie sich klein gefĂŒhlt hat, wie auf einen Zentimeter zusammengeschrumpft. Drei Minuten, sie hat auf die Uhr geguckt, als er zu ihr hinein ist, er muss sie abgepasst haben. Nein, in den Sinn kam es ihr nicht ein Wort zu sprechen, oder Rock und Slip hochzuziehen oder den Mund zu verschließen, als er seine Hose öffnet und ihn herausspringen lĂ€sst. In den Sinn kam es ihr nicht, sich zu wehren als er sie hinaufzieht und sie umdreht, wie eine Spielpuppe und fest zustĂ¶ĂŸt, mit seinem harten Glied keine RĂŒcksicht nimmt, was sie nur noch mehr kitzelt. Sie spĂŒrt es selbst wie es da unten feucht wird, wĂ€hrend seine Kraft zunimmt, wĂ€hrend seine Arme immer drahtiger werden, er ihr die Finger in den Mund steckt, an denen sie saugt wie eine Verdurstende.
Und jetzt, nichts von alledem. Nur er, ein Klotz von einem Mann, erzĂ€hlt darĂŒber, dass er nach Kuba gehen wird, zu Recherchezwecken, zahlt natĂŒrlich die FakultĂ€t, wĂ€hrend sie spĂŒrt, wie ihre Schamlippen sich öffnen, was man doch sehen mĂŒsste bei ihrem knappen, weißen Slip, was doch einen Abdruck hinterlassen mĂŒsste. Deshalb schlĂ€gt sie vor wieder ins Wasser zu gehen, sich noch einmal zu erfrischen, also wieder hinein, an spielenden Kindern vorbei und anderen MĂ€nnern, die muskulöser sind als er und knappere Badehosen tragen, die ihr nachblicken, ihre Busenweite abschĂ€tzen und auf ihr Höschen klotzen, bestimmt weil man den Fleck sieht, und dann schwimmen sie auch schon und er sagt: „vielleicht gehen wir ÂŽmal zusammen ins Theater, in Kalk, hat ein neues eröffnet, mit einem ganz guten Ensemble“, und sie antwortet: „Ja, gerne!“, und denkt dabei an SamtvorhĂ€nge, die es dort ja bestimmt gibt, in die man sich einwickeln kann und zwischen denen es genauso dunkel werden kann, wie in einem GĂ€steklo. Oder an eine Sitzbank fĂŒr zwei Personen und wie er ihr, mitten in der Vorstellung sagt, dass es jetzt an der Zeit fĂŒr sie wĂ€re sich vor ihn zu knien, und, dass sie nicht nachfragen wĂŒrde, es tun wĂŒrde, wĂ€hrend er den Film weiter verfolgen wĂŒrde bis es dann zur Explosion seiner Macht kĂ€me, die sie schlucken wĂŒrde, ohne auch nur einen Moment zu zögern. Denn das hat er getan in der GĂ€stetoilette, mitten in sie hinein, ohne zu fragen, ob sie die Pille nimmt oder ihre fruchtbaren Tage hat oder bereit ist die Pille danach zu nehmen. Hat so laut gestöhnt, dass die GesprĂ€che im Gang verstummten fĂŒr einige Sekunden.
Jetzt spricht er von der Politik. Weil er sich natĂŒrlich informiert und auch eine klare Meinung zu Griechenland hat. Er fragt sie: „Und was denkst du darĂŒber?“ und sie stammelt herum. Weil sie Nido liest und manchmal, wenn sie ganz mutig ist, Psychologie heute, aber die Politik interessiert sie nicht, und die Weltpolitik erst Recht nicht.
Wieder nach draußen, wieder spĂŒren wie das Flusswasser an einem hinunterlĂ€uft und schon wieder aufgewĂ€rmt wird von der Hitze, noch bevor man hinausgegangen ist. Und sie sieht die vielen nur mit ein bisschen Polyester bedeckten Körper am Strand, die Penisse und Muschis, an denen Gesichter hĂ€ngen, die manchmal irgendetwas denken, aber vor allem denken sie an nichts, beziehungsweise ans Vögeln, so wie sie. Sie ĂŒberlegt es ihm zu sagen. Ein Satz wĂŒrde reichen, aber sie sagt nichts. Sagt nur: „Ja“ und „Nein“ und denkt „ficken“ und „Schwanz“. Und dabei fragt sie sich, ob sie andere Gedanken hĂ€tte, wenn sie eine andere Sozialisation erlebt hĂ€tte, wahrscheinlich nicht, aber andere Wörter, die wĂŒrde sie mit etwas weniger Bildung vielleicht schon sagen: „Ficken und Schwanz“ zum Beispiel anstatt diesen ganzen Mist mitzumachen. Dieses Geschwafel ĂŒber die Karriere und die Politik, das, wenn man einmal ehrlich war, niemanden interessierte. Aber dann erzĂ€hlt er doch noch eine lustige Geschichte: Über seinen letzten Aufenthalt in Griechenland, natĂŒrlich geschĂ€ftlich, eine Tagung organisieren. Eine Insel mit Riesenschildkröten, mit denen er schwamm, denen man auf den Panzer klopfen konnte, und die einen dann mit ihren Terrierfratzen nur unbeteiligt angeblickt hĂ€tten. Aber dann sei doch einmal eine aggressiv geworden, wegen der Brut, klar, weswegen sonst, da sei er um sein Leben geschwommen und knapp sei es trotzdem gewesen. Gerade so hĂ€tte er den Strand vor der Riesenschildkröte erreicht, die mit ihren vier Pfötchen dann nicht so schnell vorangekommen wĂ€re wie er, Gott sei Dank habe der Mensch sich entwickelt. „Gott sei dank haben wir die Kommunikation!“ Das sagt er und schaut ihr in die Augen und sie schaut zurĂŒck, mit einem ganz leicht schrĂ€g gestellten Kopf, der ihm schon von Anfang an klar machen soll, ich bin nicht die Bedrohung, sondern du. Aber statt sie in den Nacken zu fassen oder in die Wange zu kneifen, lĂ€chelt er. „Ich muss los. Ich ruf dich an!“ Und noch bevor sie etwas antworten kann, ist er aufgestanden, um zu seinem Fahrrad zu gehen, das ja mit ihrem zusammengeschlossen ist. Dann schließt er seines auf und lĂ€sst ihres unabgeschlossen zurĂŒck? Und obwohl sie das weiß, folgt sie ihm nicht. Wartet stattdessen auf ihrem Handtuch, wo der nasse Abdruck beweist, dass er dort gerade noch gesessen hat. Wo sie von den umstehenden Kerlen schon wieder in den Blick genommen wird, als mögliche Beute, als spaßbringende Maschine mit BrĂŒsten und einer gestutzten Scham, wartet bis er wohl gefahren ist, um dann ihrerseits zu ihrem Rad zu gehen und ihm in Richtung der Stadt hinterherzuradeln.

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 76
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Profil

Halleluja!

Endlich mal eine, die echte GefĂŒhle beschreiben kann, kein Avatar, der nur eine PerĂŒcke aufhat und im immergleichen Schleim rĂŒhrt.

Du beweist uns, @Lio, dass Erotik auch sophisitcated geht. Wirklich gut!

Kleine Randbemerkung: In Griechenland gibt's zu Wasser und zu Lande keine Riesenschildkröten, und wenn doch, dann betreiben sie nie Brutpflege - sie graben ein Loch in den Sand, legen ihre Eier hinein, buddeln es zu und hauen wieder ab. Die Kleinen mĂŒssen selbst schauen, wo sie bleiben.

Tipp: Den Typen was anderes erzĂ€hlen lassen oder ihm vorhalten, dass er lĂŒgt, um sich wichtig zu machen. Sonst bleibt die MĂŒnchhausen-Nummer an der Autorin kleben, und das wĂ€r doch schad.

Gruß

aligaga

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