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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Drei Minuten zuviel
Eingestellt am 06. 07. 2015 18:48


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Lio
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Sie wartet schon, als er vorfährt und sieht eigentlich nicht anders aus als vor vier Jahren. Der süße Po fällt ihm sofort wieder auf in der Hot Pants und natürlich ihre auffälligen Augen, die man bei ihrer dunklen Teint nicht vermuten würde, der Vater ist Kolumbianer, Botschafter, oder irgendeine hohe amtliche Position, und die Mutter Engländerin. Er sagt: „War doch eine gute Idee“ und sie antwortet, „Ja, finde ich auch.“ Und nicht bei dem ersten Blick, sondern wegen dieser Antwort, weiß er wieder, was ihm bei ihr immer gefehlt hat. Weswegen sie niemals so interessant gewesen ist, dass er sich ernsthaft um sie bemüht hatte, diese Zurückhaltung, auf Norm geeicht, dieses Potential in ihr, dass sie nicht abruft und vielleicht niemals abrufen wird, diese Durchschnittlichkeit, die ja auch er in sich spürt, die ihn antreibt. Und sofort verfallen sie wieder in alte Rollenmuster. Weil sie keine Anstalten macht, loszufahren, überholt er sie mit seinem Rad noch auf dem Bürgersteig. Gibt das Tempo vor, freihändig natürlich, rote Ampeln, überhaupt Regelungen, die haben ihn niemals interessiert. Die sind für andere, für Bürger, die solche brauchen, die ein Funktionieren der Gesellschaft garantieren.
Natürlich sagt sie nichts, deshalb beginnt er zu erzählen. Über die letzten Jahre, in denen er viel geschafft hat, Studium beendet, Promotion beendet, Anstellung an der Fakultät. Wovon er nicht spricht: Dass diese ganze Rennerei, die vielen kurzen Nächte, all die Recherchereisen und der Aufenthalt in verstaubten Bibliotheken, dass ihn das alles sehr sehr müde gemacht hat und noch immer müde macht. Die Nerven sind angespannt, die Konzentration ist schlecht, immer überschlagen sich die Gedanken, weil noch dieses oder jenes organisiert werden muss, und dabei ist es nie genug. Seinem Chef, Prof. Harber nicht, ihm selbst nicht und seiner Freundin, oder sollte er sagen, seiner Ex-, erst Recht nicht.
Zum Glück ist es am Rheinufer ein bisschen kühler. So eine Hitze hat er das letzte Mal in Berkeley erlebt, die berühmten Hitzewellen, nur in dem campuseigenen Pool auszuhalten. „Und du?“, fragt er und sie erzählt von ihrer Diplomarbeit oder war es ihr Master?, schon wieder nicht zugehört, Sie sagt: „Es war ein bisschen stressig die letzte Zeit, aber jetzt bin ich fertig!“
Er fragt nach dem Thema, und sie sagt es ihm, oder redet über irgendetwas anderes, er weiß das nicht so genau. Er denkt daran, dass sie jetzt so nebeneinander fahren wie ein Pärchen, aber nicht wie Frischverliebte oder Abenteurer, sondern wie zwei Legitimierte, die sich verabreden, um schwimmen zu gehen. Sie kommen an bei den Rheinstränden und erstaunlicherweise sind sie nicht so überfüllt wie andere Badeorte in der Stadt. Sie will bald abfahren, weil sie wieder arbeiten muss. Und er denkt: Das ist zumindest ´mal eine klare Aussage, aber wahrscheinlich ist diese Aussage auch nur so klar, weil da schon der nächste Zwang aufscheint. Getrieben von Zwängen, denkt er. Foucault lässt grüßen. Und dann: Zum Glück habe ich das jetzt nicht gesagt, weil ich dann in dieses Klischee eines Wissenschaftlers verfallen wäre, in das ich früher oder später verfallen werde, wenn das alles immer so weiter geht. Einen Denker mit einer Alltäglichkeit verbinden, das ist Wissenschaft. Er sagt: „Mir ist es egal, wo wir hingehen. Ich kann arbeiten, wann ich will.“
Und sie: „Och, das ist gemein!“ Dabei ist er jetzt schon seit eineinhalb Jahren in die Drittmittelbeschaffung eingebunden, was dem Arbeitsfeld einer stellvertretenden Geschäftsleitung entspricht, oder mit anderen Worten: demjenigen einer Tipse. Hat sich am Anfang weiß Gott was darauf eingebildet, das er genommen wurde vom Institut und dann stellt sich heraus, dass sie nur einen zuverlässigen Arbeiter brauchen. Einen, der Zahlen hin- und herschieben kann und vorgefertigte Ideen in Baukastensätze überführt.




Als sie über den Sand gehen, müssen sie aufpassen, weil hier überall Scherben herumliegen. Aber der heiße Sand unter den nackten Fußsohlen und die Brise, ein bisschen fühlt sich das jetzt doch nach Urlaub an. Sie zieht Pants und Shirt aus und wie sie jetzt vor ihm steht, ihr der Schweiß glänzend über die Haut rinnt, ihre formidablen Brüste da sind, wo sie hingehören, bemerkt er doch wie sich da unten etwas bei ihm ausbreitet, ein Organ, das sich bei Sonnenlicht öffnet wie eine seltene Wasserblume.
Sie gehen ins Wasser, sie vorsichtig, wegen der glitschigen Steine, er, sich hineinstürzend, weit hinaus schwimmend, obwohl die Strömung hier stärker wird. Im Wasser, das wird ihm von unten gemeldet, verliert sie ihre Durchschnittlichkeit, weil ihre Brüste und ihr gerade rasierte Scham, die sich unter dem Slip abzeichnet, an Raum gewinnen. Weil das durchschnittliche Gesicht mit den durchschnittlichen Gedanken unwichtiger wird. Er sieht es ja an den Blicken der Macker, die gar nicht mehr so weit entfernt neben ihr stehen, und sie selbst weiß es natürlich. Aber statt das jetzt zu genießen, dass sich da ein wachsendes 360 Grad-Interesse aufbaut, fragt sie ihn, ob er noch trainiert. Da muss er an seine Freundin denken. An ihre letzten vier Jahre, in denen das gemeinsame Glück, wobei man bei Zweisamkeit ja von Zufriedenheit sprechen muss, hat Handtke gesagt, in denen das in den letzten Jahren immer weniger wurde. Bis sie sich nicht mehr unterhalten konnten ohne zu Streiten, über jede Kleinigkeit. Aber sie hätte die Blicke der anderen genossen, sie hatte von Anfang an dieses Selbstbewusstsein eigene, bunte Stachel zu zeigen; das hat ihm gefallen und weil er plötzlich wieder wütend ist oder enttäuscht oder beides, sagt er: „Macht dich das an!“ und als sie so tut, als würde sie nicht verstehen, wiederholt er: „Ob dich das anmacht?“
Sie antwortet nicht. Das hätte er sich ja denken können, dass sie nur zum Wasser blickt, es ihr die Sprache verschlägt. Also wieder zurück zum Strand, wo er sich neben sie aufs Handtuch setzt, ihr, wie selbstverständlich, weniger Platz lässt. Er beginnt über Politik zu räsonieren, nicht, weil er glaubt es interessiert sie, sondern einfach nur so aus Gewohnheit. Dabei quält sie sich, will ihm einerseits näher kommen, das merkt er ja, wie sie sich immer nach vorne und nach hinten beugt, und traut sich dann doch nicht. Einmal verirrt sich ihre Hand auf seine, und sofort zieht sie zurück. Er lässt seine liegen, tut so als wäre nichts gewesen, führt sogar den Satz zu Ende, den er schon über zwei Ecken entwickelt hat. Und dann fragt sie ihn doch, ob er noch immer dort im Amselweg wohnen würde, also zusammen mit der Freundin. Und er: „Ja, klar!“ Und Sie: „Und wie geht´s deiner Freundin, Frau?“ Und er: „Freundin, ja, der geht’s gut.“
Denn wenn er erzählen würde, dass sie seit zwei Tagen fort ist, dass sie ihre Sachen gepackt hat wegen dieser dämlichen Diskussion um die verbrannte Toastbrotscheibe, dann würde er auch das letzte bisschen Glanz verlieren. Wenn dieser blöde Vorfall auf der Gäste-Toilette nur nicht gewesen wäre, damals, vor vier Jahren auf ihrer Einweihungsparty. Das konnten nicht länger als ein paar Minuten gedauert haben: Er sieht wie sie, die Dunkle, die jetzt neben ihm sitzt, in dieses engen Kabuff geht und denkt sich in seinem betrunkenen Hirn: „Der folge ich jetzt ´mal!“ und als er drin steht und sie, logischerweise auf der Toilette sitzt, da macht er seine Hose auf und bemerkt auch den Grund, weshalb er ihr gefolgt ist, nämlich seinen Steifen. Und was dann passiert ist, daran kann er sich nur teilweise erinnern, ein einziges klatschendes und reibendes Lamento. Weiß noch, dass er sie umkrallt, und sie von hinten besteigt wie ein Affe und ihr das gefällt, das spürt er deutlich, als er sich in sie hineinarbeitet. Weil er sie sehr schnell, sehr tief und sehr dicht spürt. Und sie ihm ihren Po immer wieder entgegenstreckt, wie ein Bonopo-Weibchen.
Er hat es seiner Freundin gestanden, direkt am nächsten Morgen. Hat ihr gesagt, dass er blau war und es keine Bedeutung hatte. Wollte, dass sie entscheidet, wie es jetzt weitergeht, er selbst hätte es ihr wohl nicht verziehen, aber sie tat es als Lappalie ab. „Hey, wir leben im 21. Jahrhundert, da kann so was schon ´mal vorkommen!“ Sie hatten beide gedacht, dass man sich nach so einem Vorfall vielleicht die nächsten Wochen oder Monate argwöhnischer gegenübertritt und dass das alte Vertrauen irgendwann wieder kommt. Hatten sich das so gedacht, weil es für beide die erste längere Beziehung gewesen ist. Weil sie noch nicht wussten, dass man sich später, in komplizierten Zeiten, alles vorhält, was es zum vorhalten gibt.
Und jetzt will sie schon wieder ins Wasser. Ihre Ohrmuscheln haben sich errötet und er guckt hinab und sieht, dass sich ihre Schamlippen deutlich unter dem Stoff abzeichnen. Also wieder ins Wasser. Jetzt traut auch sie sich hinauszuschwimmen. Sie kommen sich nah da draußen, dringen in den intimen Radius des anderen ein. Wenn er wollte, könnte er sie jetzt küssen. Das würde sie von ihm erwarten, das weiß er, weil sie ihn so anguckt, weil sie sich wahrscheinlich an ihn drücken würde, wenn er ihr näherkäme. Weil sie jetzt und in Zukunft immer tun würde, was er von ihre verlangt. Deshalb sagt er: „Vielleicht gehen wir ´mal zusammen ins Theater, in Kalk, hat ein neues eröffnet, mit einem ganz guten Ensemble“, und sie antwortet: „Ja, gerne!“, immer noch mit diesem Blick, der ihm all das anzeigt, das er gerne rückgängig gemacht hätte, dieses Treffen in der Toilette, das ihm die letzten vier Jahre gekostet hat, das diese abstruse Rennerei überhaupt erst ausgelöst hat. Er könnte sie haben, er könnte zu ihr schwimmen und an den Po fassen, sie an sich drücken, aber er beginnt von Politik zu sprechen. Und weil er weiß, dass sie keine Meinung dazu hat, fragt er sie: „Und was denkst du darüber?“ Und lässt sie nach Worten suchen, so wie er in den letzten vier Jahren nach Antworten suchen musste.
Und als sie jetzt wieder über den Strand laufen, zu diesem einen Handtuch, und er immer noch redet über Belanglosigkeiten, da spürt er wieder wie diese Müdigkeit zurückkommt, noch stärker als beim letzten Mal. Er sucht in seinem Kopf verzweifelt nach einer amüsanten Geschichten, eine von jenen, die man bei einer Party mit einem intellektuellen Zitat verbinden kann, aber ihm fällt nur der Ausflug auf die griechischen Inseln ein. Welche war das noch einmal? Wie hieß die nochmal? Vergessen. Erzählt davon, wie er den Riesenschildkröten auf die Panzer geklopft hat und eines dann ganz wild wurde und ihn verfolgt hat, wieso auch immer, wahrscheinlich weil der Nachwuchs in der Nähe schwamm. Berichtet wie er um sein Leben gekrault sei und dass der Mensch sich ja Gott sei dank entwickelt habe. Und dann sagt er: „Gott sei dank haben wir die Kommunikation!“ und überlegt, wer jetzt genannt werden müsste: Luhmann? Oder jemand anderes? Und wie sie ihn die ganze Zeit anguckt, mit diesem leicht schräg gestellten Kopf, ihm so offensichtlich nicht zugehört hat, das kann er nicht mehr, da bekommt er keine Luft mehr und sagt:
„Ich muss los. Ich ruf dich an!“ Und ist schon aufgestanden und geht schnell davon, in Richtung der Räder, immer mit diesem entsetzlich blauen Himmel und der strahlenden Sonne über sich.

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