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Leselupe.de > Anonymus
Drei Tage scheintot
Eingestellt am 13. 11. 2017 20:15


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Ich f├╝rchte, ich mu├č mich erkl├Ąren. Ich war drei Tage ohne Internet. Meine Nabelschnur zur Welt war gekappt. Seit ich endlich meinen Zugang zum Internet habe, hat sich meine Familie vergr├Â├čert und bereichert. Wetterdienst, Meinungen, Termine - alles jederzeit zu haben! Eine Bibliothek ohne Grenzen, Musik nach Wunsch, Erkl├Ąrungen f├╝r die Welt - ohne ein einziges Zeitungsblatt! Und mein neues Erlebnisforum, samt Briefkasten in die gro├če, weite Welt hinaus.

Nimm ein iPad, hatte der Rat gehei├čen, das gehorcht einem leichten Druck deines kleinen Fingers. Also, ganz so leicht war es dann zwar nicht, mein neuer Hausgenosse ging oft eigene Wege, aber selbst ein Hund mu├č ja erst leinenf├╝hrig werden.

Ich lernte schnell, da├č ein Computer abst├╝rzen und ein Router sich aufh├Ąngen kann, beides nicht t├Âdlich. Die Wiederauferstehung folgte regelm├Ą├čig bald. Bis zu jenem schwarzen Mittwoch, als mein Funkverkehr zur Welt abrupt abbrach und ich mich allein in der kleinen Raumkapsel meiner Wohnstube wiederfand. Wo seid ihr? Tiefes Schweigen auf meinem Bildschirm. Ich bin da. Ich will zu euch zur├╝ck. Alles wie erstarrt. Ich kramte mein mittlerweile angestaubtes Telefon heraus und besann mich auf s├Ąmtliche Notfallnummern. Nein, mein Router zwinkert mir mit allen gr├╝nen L├Ąmpchen zu. Doch, der Akku meines iPads ist randvoll geladen. Mein Browser - was soll sein? Er k├Ânnte mich im Stich lassen, wenn ich ein Update mi├čachte? Nun ja, ein vers├Ąumtes Date kann nat├╝rlich kr├Ąnken, aber die Schuld trifft mich nicht allein! Warum mu├č er denn auch immer in dieser Fremdsprache mit mir reden? Ein Ersatzbrowser - das geht? Nein, ich habe nur den Herrn Safari, meine Generation ist noch zu sehr in der Monogamie verwurzelt. Aber ich bin lernf├Ąhig, wenn mein Browser mich tats├Ąchlich fallenl├Ą├čt wie eine hei├če Kartoffel, dann kann er sehen, wo er bleibt. Es gibt schlie├člich die Konkurrenz.

Langsam wurde ich w├╝tend. Kein Briefkasten, keine Neuigkeiten! Denken sie nun alle, ich will nicht? Nur allzu gern, aber ich kann nicht.
Ich a├č und trank nicht mehr, bekam in der Nacht kein Auge zu. Einzelhaft! Was hatte ich verbrochen? Die harte Pr├╝fung dauerte drei Tage, w├Ąhrend derer ich versuchte, mich allm├Ąhlich mit meinem Schicksal abzufinden. Hatte ich nicht mal Papier und Stifte besessen, gab es nicht irgendwo noch mein altes Adre├čbuch?

Drei Tage sp├Ąter, bei einem letzten Blick auf mein iPad, zum endg├╝ltigen Lebewohl, durchfuhr mich der Blitz. Die Seite des Wetterdienstes verhie├č f├╝r den heutigen Tag Sonne und frischen Wind. Was war passiert? Ein Alptraum? Viel sp├Ąter h├Ârte ich im Rundfunk etwas von einer Gro├čst├Ârung im Hamburger Netz, nunmehr behoben.
Besch├Ąmt umarmte ich mein schuldloses iPad, k├╝├čte meinen Router und tat meinem Browser Herrn Safari still Abbitte. Der Familienfrieden ist wiederhergestellt. Sie konnten allesamt nichts daf├╝r. Ich selbst allerdings genauso wenig. Wer rechnet denn gleich mit dem Katastrophenfall?

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