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Leselupe.de > Feste Formen
Drei bei Gerlinde im Wald (Sestine)
Eingestellt am 18. 08. 2010 18:22


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HerbertH
???
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Drei bei Gerlinde im Wald

Im Tale schwankt ganz leise eine Eiche,
vom Sturm geschĂŒttelt knirschen morsch die Zweige,
vom Blitz geschlagen dunkelschwarz die Rinde.
Ein Kakadu besetzt kackfrech das Loch
im Stamm, das Spechtens hartes lautes Trommeln
dort hinterließ, befreit vom dicken Wurm.

Den Laubbaum beißt derweil der nĂ€chste Wurm,
von vielen Bissen stirbt sogar die Eiche.
Zum Kakadu! Die Dommeln lockt das Trommeln,
wie auch den Mann mit Geige, durch die Zweige,
der, weil er von Gerlinde trÀumt, ins Loch
gleich fĂ€llt und sich den Kopf stĂ¶ĂŸt an der Rinde.

Was ritzt denn da der junge Koch die Rinde,
ins Holz? Schenkt er Gerlinde einen Wurm?
Ei, gleich gehört der Kerl dafĂŒr ins Loch!
DafĂŒr reicht leider nicht das Loch der Eiche,
die hĂŒllt sich schamvoll in die eignen Zweige
und lauscht betroffen auf des Spechtens Trommeln.

Des Koches Chef lauscht auch aufs laute Trommeln,
er schrieb Gerlinde Checks -- doch nichts auf Rinde! --
und teilt mit Lust Gerlindens feinste -- Zweige
und schaut, genießt und riecht -- an ihr. Als Wurm
betrachtet er sich nicht, gleicht einer Eiche
er lieber doch, die Form passt zu dem Loch!

Gerlinde blÀst schon auf dem letzten Loch
der Flöte, denkt an ihre Hochzeitstrommeln,
Musik, und Möbel ganz aus Teak und Eiche.
Versonnen kaut sie Brot und knabbert Rinde:
Zum Angeln fetter Fische dient der Wurm,
am Haken hÀngt er, nicht am Zweige!

Man fragt sich, wer zerbrach Gerlindes Zweige?
Stieß einen sie aus Pech ins Kerkerloch?
Ist sie schon schwanger mit nem kleinen Wurm,
spielt in Gedanken schon mit Rasseln, Trommeln,
und Windeln ganz in Schwarz? An dieser Baumesrinde
verlor sie ganz ihr Herz: Das schmerzt die Eiche.

Jetzt stĂŒrzt die Eiche, krachend lĂ€ĂŸt sie Zweige.
Wer schnell die Rinde ritzt, trifft der das Loch?
Drum schlag die Trommeln, lieber Specht, dem Wurm.

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Version vom 18. 08. 2010 18:22
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Bernd
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Mir gefÀllt, wie Du aus der vorgegebenen Form eine Geschichte geschmiedet hast. Dadurch wird die Sestine nicht kangweilig.

Gut gefÀllt mir ein Detail: der alte Genitiv "des Spechtens".


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HerbertH
???
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Lieber Bernd,

danke fĂŒr die positive RĂŒckmeldung. Ich hab die gleiche Anfangsstrophe wie bei der Sestinenvariation genommen und wollte "die gleiche Geschichte" wie dort abbilden. Aufgrund der strengeren Anforderungen der identischen Endwörter ist das hier nicht so einfach gewesen und auch nicht zu 100% gelungen. Dennoch hat sich auch hier eine Geschichte ergeben.

Der Genitiv ist zwar eine vom Aussterben bedrohte Art, aber man muss ja nicht alles mitmachen und die alte Form gefÀllt mir sowieso und passt auch zu der Sestinenform.

Liebe GrĂŒĂŸe

Herbert


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Bernd
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Ich habe ĂŒbrigens bei GrĂŒmmer "Spielformen der Poesie" nochmal nachgelesen. Auch andere Autoren haben manchmal in neuerer Zeit Sestinen in Reinform geschrieben. Deshalb ist der Zusammenhang zwischen Deinen beiden Gedichten besonders bemerkenswert.
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HerbertH
???
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Lieber Bernd,

irgendwie reizt es also, die Sestine durch Reime zu variieren. Ich werde diese Form sicherlich ab jetzt hÀufiger verwenden.

lG

Herbert
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