Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92195
Momentan online:
499 Gäste und 21 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dreieier
Eingestellt am 17. 12. 2006 15:56


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Haarkranz
???
Registriert: Oct 2006

Werke: 53
Kommentare: 85
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Haarkranz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Dreieier

An diesem Morgen dr├╝ckte Kurt den Wecker ab. Sonst war seine Frau als erste auf den Beinen, machte Fr├╝hst├╝ck, bevor er zur Arbeit ging.
Heute wollte er sie nicht sehen. Zu sehr hing ihm das Gel├Ąchter seiner Kumpels nach, f├╝r die war Dreieier ein gefundenes Fressen. Schuld war Ediths Klatscherei mit Frauke, ├╝ber den ihm wegoperierten dritten Hoden.
Dreieier, noch rief ihn niemand so, doch bald w├╝rd er f├╝r jeden Dreieier sein.
Er kannte seine Frau genau, wusste, ihre freundliche Beflissenheit war Werkzeug ihn zu lenken, aufsteigenden Zorn im Keim zu ersticken. Hei├čer Kaffee, und frisch aufgebackene Br├Âtchen, geh├Ârten zu ihren Instrumenten.
Er lag still, horchte auf ihren sanft schnurrenden Atem. Er liebte Edith, beteuerte es jedenfalls, wenn sie fragte. Da er ungern log, glaubte er sich.
Sie waren jetzt im zw├Âlften Jahr verheiratet, kinderlos, was ihn nicht st├Ârte, im Gegenteil. Jeden Tag best├Ąrkte ihn das endlose Geschimpfe seiner Kollegen, ├╝ber die undankbare Brut in der Gewissheit, wie gut es ihm ging.
Was die Liebe anging, dar├╝ber hatte immer Edith befunden. Beim ersten Mal, als er sie in den Arm nahm, seinen Mund ungeschickt ├╝ber ihren st├╝lpte, hatte sie gefragt:
ÔÇ×Du willst mich k├╝ssen Kurt, liebst du mich auch?ÔÇť
Was sollte er sagen? Er wollte sie k├╝ssen, das war erst der Anfang. Er wollte viel mehr. Wenn er mit seinen Kumpels, die Bierflasche in der Hand, an der Trinkhalle stand, hatten alle schon das mit den M├Ądchen gemacht, was nach dem K├╝ssen kam. Alle, nur er nicht. Mit jeder Flasche ging es tiefer in die Details der weiblichen Schl├╝pferanatomie.
Wie man unter den eng an das Fleisch anliegenden H├Âschen sich vorschiebt, dahin, wo es hei├čer und feuchter wird. Wie die M├Ądchen bei dieser Prozedur vor Wonne st├Âhnend, eifrige Unterst├╝tzung bei gleichzeitigem Widerstand praktizierten.
Mit Edith hatte er das nie versucht. Den Kuss bekam er, nachdem er sagte, er liebe sie. Das hei├čt, er hatte, als sie ihn fragte, ja gesagt, ja.
Sie darauf: ÔÇ×Was ja, Kurt?ÔÇť
ÔÇ×Du hast mich doch gefragt, Edith.ÔÇť
ÔÇ×Kurt, was hab ich gefragt?ÔÇť
ÔÇ×Ich hab doch schon geantwortet, ja, Edith.ÔÇť
ÔÇ×Ja, gen├╝gt mir nicht, Kurt! Du k├╝sst mich, und sagst einfach ja. Was soll ich damit anfangen? Kannst du einer Frau deine Gef├╝hle nicht zeigen?ÔÇť
ÔÇ×Ja, ich m├Âchte dich immer k├╝ssen, Edith,ÔÇť hatte er gefl├╝stert. Da schubste sie ihn weg und wollte nach Hause.
Er kleinlaut: ÔÇ×Ich bring dich,ÔÇť
ÔÇ×Nein lass nur,ÔÇť die Edith, drehte sich um und ging.
Nun lag sie neben ihm im Bett, war seine Frau. Er schlich sich an ihr vorbei in den Flur, von da in die K├╝che, Hose und Hemd in der Hand, verzichtete auf das Fr├╝hst├╝ck, und machte sich weg.
Sie w├╝rde aus allen Wolken fallen, wenn sie das leere Bett entdeckte. War gut so. Sollte sie sich Sorgen machen, hatte sie verdient.
Kurt ging quer durch das Feld zur Bushaltestelle. Er war viel zu fr├╝h, fror in der feuchten, k├╝hlen Morgenluft. Die Sonne war dabei ├╝ber den Horizont zu klettern, f├Ąrbte den Osten rosig.
Kurt dachte, wenn Edith bei mir w├Ąre, ich f├Ąnd keine besseren Worte als rosig, w├╝rde sie wieder den Kopf auf die Art sch├╝tteln, die er auf den Tod nicht ausstehen konnte.
Er setzte sich auf die Bank im Warteh├Ąuschen, d├Âste vor sich hin. Der Bus, den er seit zw├Âlf Jahren jeden morgen von hier zur Arbeit nahm, w├╝rde erst in einer halben Stunde kommen. Sich ein wenig lang machen, auf der Bank konnte nicht schaden. Er nahm seine Jacke, dreht die zusammen, legte sie unter den Nacken. Das erste Mal seit zw├Âlf Jahren ohne Fr├╝hst├╝ck zur Arbeit, ging es ihm durch den Kopf . Er f├╝hlte das Loch im Magen, vermisste den Kaffeeduft, der ihn erst so richtig in Schwung brachte. Ist es bl├Âd, sinnierte er, wegen solcher Lapalie, wie Edith das nennen w├╝rde, Aufstand zu machen?
Edith w├╝rde nicht einsehen, was sie damit zu tun hatte, schlichtweg nicht zugeben, dass sie Frauke, ├╝ber den Zustand seiner Eier informiert hatte. Seinen Bef├╝rchtungen, Dreieier genannt zu werden, auch keinerlei Gewicht beimessen. Vielleicht hatte sie ja recht, vielleicht benehme ich mich einfach halbstark. Wie oft hatte Edith ihn schon ermahnt, endlich erwachsen zu werden. Ich will einen ganzen Mann, keinen halbfertigen Nachschw├Ątzer.
War das mit Dreieier, auch wieder halbfertiges Nachschw├Ątzen?
W├Ąhrend er dalag, aus dem Warteh├Ąuschen hinauf in den Himmel starrte, kam das Haltestellenschild ÔÇ×Drei EichenÔÇť in sein Blickfeld, schwarz ├╝bermalt und ver├Ąndert in ÔÇ×Drei EierÔÇť. Er konnte es nicht glauben, buchstabierte wie ein Analphabet jeden einzelnen Buchstaben, aber da stand: ÔÇ×Drei Eier.ÔÇť
Etwas zog sich in seiner Magengrube zusammen. Eine Leichtigkeit breitete sich aus, wie er sie noch nie gef├╝hlt hatte. Pl├Âtzlich war sein Kopf voll roter Glut, zwang ihn auf die F├╝├če, zwang ihn zu br├╝llen, quer ├╝ber das Feld zu toben, hin zu seinem H├Ąuschen, in dem Edith neben seinem leeren Bett schlief. Er f├╝hlte, wie die Leichtigkeit ihn hochhob, ihn vorw├Ąrts trug ├╝ber den Acker.
Die Schuhe versanken in der weichen Krume, doch nichts konnte ihn halten. Er rannte nicht, er flog. Nie gef├╝hlte Kraft, trieb ihn vorw├Ąrts. Er schrie: ÔÇ×Ich komme, Edith! Dreieier kommt, Edith! Dreieier kommt!ÔÇť
Als er die Strasse erreicht hatte, sah er, wie die Haust├╝r aufging. Edith stand im Nachthemd in der T├╝r, ÔÇ×KurtÔÇť rief sie angstvoll, ÔÇ×was ist dir,ÔÇť mehr ging nicht. Er packte ihren d├╝nnen Hals, quetschte und drehte, f├╝hlte ganz fern ihre Fingern├Ągel seine Handr├╝cken zerkratzen, dann lie├č er sie fallen und wunderte sich, wie verkr├╝mmt sie auf der T├╝rschwelle lag.
Jemand stand vor ihm, hatte ihn wach ger├╝ttelt.
ÔÇ×Aufstehen, Kumpel! Der Bus ist gleich da!ÔÇť
Es war Gottfried, der Mann, den alle in der Fabrik f├╝rchteten. Gottfried, so ging das Ger├╝cht, hatte eine Erfindung gemacht, die die H├Ąlfte von ihnen ├╝berfl├╝ssig machen w├╝rde. Wie kam der hierher, nach Drei Ei---? Kurt war wieder in der Wirklichkeit. Das Schild! Drei Eichen stand da, Bushaltestelle. Er hatte getr├Ąumt, niemand hatte Drei Eier dr├╝bergeschmiert. Edith lebte.Traum, Albtraum.
ÔÇ×Geschrien und gest├Âhnt haste, zum Gotterbarmen, Kumpel,ÔÇť sagte Gottfried, als er sich neben ihn auf die Bank plumpsen lie├č.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


NicoD
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

Werke: 2
Kommentare: 62
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um NicoD eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Eine interessante Geschichte! Du solltest allerdings auf die Kommata achten, da sind ein paar definitiv zuviel.

Mit jeder Flasche ging es tiefer in die Details der weiblichen Schl├╝pferanatomie.

Halte ich - mit Verlaub - f├╝r eine zu gewagte Formulierung. Erstens hat ein Schl├╝pfer keine Anatomie. Zweitens hat da eine Bierflasche nichts zu suchen (glaube ich jedenfalls) ;-)

Sich ein wenig lang machen, auf der Bank konnte nicht schaden.

Satzstellung.

Ist es bl├Âd, sinnierte er, wegen solcher Lapalie, wie Edith das nennen w├╝rde, Aufstand zu machen?

Ist das eine Lapalie? Sieht sie es nicht ein oder will sie es nicht wahrhaben? Wird m.E. nicht ganz klar.

Wie oft hatte Edith ihn schon ermahnt, endlich erwachsen zu werden. Ich will einen ganzen Mann, keinen halbfertigen Nachschw├Ątzer.
War das mit Dreieier, auch wieder halbfertiges Nachschw├Ątzen?


Mir ist hier nicht ganz klar, wer was nachschw├Ątzt? Ist der Held nun in den Augen seiner Frau ein ewiger Ja-Sager? Oder schw├Ątzt seine Frau zu viel?

Diese Anmerkungen sind von mir absolut konstruktiv gemeint und sollen nur andeuten, was Du verbessern k├Ânntest. Wie gesagt, ich finde diese Geschichte sehr lesenswert.

Viele Gr├╝├če

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!