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Leselupe.de > Kurzprosa
Dreiwintermorgen
Eingestellt am 18. 02. 2008 17:31


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Wipfel
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Still nun. Es war vorbei. Lange schon. Stunden wurden nicht gezählt, Tage nicht, und auch die Monate flossen dahin, ohne dass Mascha hätte sagen können, wie viele schon vergangen waren. Drei Winter, von diesen wusste sie. Kam die Kälte, schnitt diese an wunden Rändern, saugte warmes Blut hervor, ließ es gerinnen. Schnitt. Hässliche braune Verkrustung. Schnitt. Grindeln nannte Mascha es, wenn sie ihre Verkrustungen in die Kälte warf. Diesen süßen Schmerz konnte sie spüren. Wenn es Winter wurde, kehrte zählbares Leben zurück. Dreifach. Mascha war stumm geworden. Niemals redete sie über sich; niemals über andere. Niemals schmerzte diese Stille so wie an diesem Wintermorgen. Dicke Eisblumen waren über Nacht gewachsen, kalt und schön. Als es an das Fenster klopfte, erschrak Mascha. Sie konnte nicht sehen, wer zu ihr wollte. Es klopfte wieder. Und wieder. Das Klopfen klang nicht aufdringlich, nicht laut, nicht heftig. Eher so, wie Mascha klopfen würde.

Mascha stand von ihrem Lager auf, ging zum Fenster und hauchte Kreise in den Morgen. Die Eisblüten verloren ihre Farbe und gaben den Blick ein Stück frei. Niemand war zu sehen. Noch einmal versuchte sie ein Hauchen gegen die eisige Pracht, doch ihr Atem war zu schwach. Mascha lauschte. Wieherte etwas entfernt ein Pferd? Angst hatte sie. Große Angst. Dennoch öffnete Mascha das Fenster. Zunächst war sie geblendet, dann allmählich erhob sich aus dem Weiß die vertraute Allee, und endlich erkannte sie auch den alten Brunnen wieder, der geschützt am Waldrand stand. Eine junge Frau ritt den Weg zurück, drehte sich noch einmal um, winkte Mascha zu und verschwand dann mit Galopp im Wald. Auf dem Fensterbrett im Schnee lag ein roter Apfel. Es war vorbei, nicht? Mascha nahm den Apfel, küsste ihn und ging, nachdem sie das Fenster geschlossen hatte, zu ihrem Lager zurück. Still nun, sonst hört sie das nahe Wiehern im dritten Winter nicht.

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