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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 01. 12. 2003 13:54


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masterplan
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2001

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Macht alle, was ihr wollt, denke ich. Ich habe Lust mich zu betrinken. Oder einfach nur zu schlafen. Beides w├Ąre eine Form von vergessen oder egalisieren, k├Ânnte man sagen. Wenn ich mich nur versuche abzulenken, kommen die Gedanken wieder. Sie dringen durch mein Bewu├čtsein und k├Ąmpfen sich an die klar denkende Oberl├Ąche. Dort mischen sie sich mit dem Allt├Ąglichen und verursachen die Depressionen, mit denen ich zu k├Ąmpfen habe. Auch wenn es niemand erwartet und wenn es noch so unm├Âglich und sinnlos erscheint. Es passiert einfach. Da bin ich sehr empfindsam - zu meinem Leidwesen. Die Stimmung kann sich von diesen auf den n├Ąchsten Moment ruckartig wandeln. Mein Wesen l├Ąsst sich nicht als Optimist oder Pessimist kategorisieren. Erst bin ich optimistisch aber nachdenklich, dann erkenne ich das Tats├Ąchliche und werde realistisch. Schlie├člich treiben mich viele, dunkle, blitzschnelle aber eindeutige Gedanken ├╝ber diesen Realismus zum Pessimismus. Schon bin ich down, wie man so sch├Ân sagt.
Ich trete auf den Balkon und z├╝nde mir eine Zigarillo mit Vanillegeschmack an. Die Flamme des Imitat- Zippo- Feuerzeugs brennt nur noch schwach und erlischt, als ich es in den lauen Wind halte. Der erste Zug an dem gefilterten Stumpen schmeckt wie gasf├Ârmiger, dichter und bei├čender Schmutz auf meiner Zunge und an meinem Gaumen und breitet sich schlie├člich als Duft von Tabak und Vanille aus. Das Ausatmen des Giftes ist das Beste am Rauchen. Der K├Ârper jauchz, er macht schier freudenspr├╝nge und setzt Gl├╝ckshormone frei, wenn der Moment kommt, da ihn die schmutzigen Gase verlassen, aus seinen Lungen heraustreiben. Er wei├č, dass der n├Ąchste Zug reine Luft ist. Der Stoff aus dem seine Tr├Ąume sind. Blutbahnen str├Âmen damit. Lebenswichtige N├Ąhrstoffe werden transportiert. Wenn wir kein physisches Leben w├Ąren br├Ąuchten wir die Luft nicht und k├Ânnten ebensowenig rauchen.
Eigentlich habe ich keine Lust mehr auf diese Party. Genauer gesagt, habe ich eigentlich schon den ganzen Abend kein bisschen Interesse an oberfl├Ąchlichen, wenig intellektuell ansprechenden, einfach dummen Smalltalks. Auch die wenig besseren Witze k├Ânnen mich nicht aus meiner Stimmung befreien. Deswegen ziehe ich auch gerade an dieser Zigarette f├╝r Genie├čer, wie es auf der quadratischen Schachtel steht. Das mache ich n├Ąmlich nur, wenn ich mich anderst f├╝hlen will, als ich mich im Moment tats├Ąchlich f├╝hle. Dann m├Âchte ich niedergeschlagen sein und daran denken, dass mir sowieso alles egal ist. Es ist ein gutes Gef├╝hl, so quer zu reagieren - wenn es funktionieren w├╝rde. Denn meistens kann ich es nicht wirklich aufrecht erhalten. Ich will f├╝hlen und gef├╝hlt werden. Wenn einem dies bewu├čt ist, kann man sehr unter dem Gegenteil davon leiden. Also dr├╝cke ich die Zigarillo aus und versuche mich zu fangen.
Als ich wieder durch die Balkont├╝r hinein gehe, erkenne ich ein paar verstreute Partyg├Ąste, die entweder in dunklen Ecken des gro├čen Wohnzimmers, oder m├╝de, mitten im Raum aufhalten. Daran erkennt man, dass dies eines dem Ende zugehendes Fest ist. Ich wu├čte nicht, dass ich mich schon so lange hier aufgehalten hatte. Manchmal bin ich ├╝ber meine Geduld ├╝berrascht. Vor allem weil ich denke, dass ich keine h├Ątte.
Die Luft in dem Raum wirkt verbraucht und riecht nach Alkohol. Vor allem nach Wein. Den Geruch von aufgesto├čenem oder ausged├╝nstetem Wei├č- und Rotwein mag ich am wenigsten. So trete ich denn durch diesen Dunst um zur Toilettent├╝r zu gelangen und versuche gleichzeitig die Gedanken der m├╝den und angetrunkenen, ruhigen G├Ąste zu erfassen. Was m├Âgen sie gerade in diesem Moment denken? Doch kann ich nichts ersp├╝ren. Es sind zu schwache, zu verschwommene, weggetretene Gedanken, die keine feste Bindung an etwas haben. Niemand ist jetzt noch einen Austausch wert. Wahrscheinlich nicht einmal ich selbst.
Dann merke ich aber, dass doch nicht jeder hier absolut sinnlos und tr├╝be seinem Wesen folgt. Aus einer bestimmten Richtung glaube ich etwas zu empfangen. Etwas das mich erleuchten und befreien k├Ânnte - m├Âglicherweise.
Ich suche und finde... dich. Du kamst direkt aus dem WC und stehst noch ein wenig unsicher vor der Toilettent├╝r, die Umgebung musternd. Ich bin bezaubert von dir und von allem was dich umgibt. Du siehst mich an und glaubst an meine Gedanken und Gef├╝hle. Als h├Ątte es niemals eine Distanz gegeben, die uns bislang voneinander getrennt hatte. Doch traue ich diesem Empfinden nicht ganz. Wei├č nicht wie ich dich deuten soll. Das was du mir abgibst ist nicht eindeutig. Ich kann deine Kraft so nicht verarbeiten. Habe Angst etwas Falsches zu tun und zu entscheiden. Es verwirrt mich noch mehr, als es mich gl├╝cklich macht. Was soll nun geschehen?
Manchmal habe ich solche Momente. Vergesst mich, ignoriert mich, denke ich dann. Verbannt mich an einen Ort, weit weg von hier. Wo ich niemandem Schaden zuf├╝gen kann. Denn ich wei├č nicht, wie ich all meine Gedanken und Vorstellungen mit anderen Menschen unter einen Hut bringen soll. Schon klar, dass der Moment z├Ąhlt und ich mir keine Sorgen ├╝ber Dinge machen muss, die erst in Tagen oder Wochen geschehen werden. Aber ich kann es nicht anders. Ich mu├č dieses verdammte Universum versuchen zu kontrollieren. Doch so einfach l├Ąsst sich dieses eben nicht bestimmen, vorhersehen oder festlegen. Wahrscheinlich kann man als Mensch ├╝berhaupt gar nichts in dieser Welt wirklich ganz und gar im Griff haben. Das habe ich aber noch nicht verstanden. Jetzt bist du da und glaube an eine neue, bessere Gewalt in unserem Halo. F├╝hle es aber so nicht und verstehe es noch viel weniger.
So m├Âchte ich weit, weit weg sein und bin doch bei dir. Wir umarmen uns und sehen unser Bild gespiegelt in dem gro├čen Wandspiegel neben dem Ausgang - ungewi├č, was passieren wird und wie wir dar├╝ber denken werden. Ich habe Angst und bin bet├Ąubt, aber so unglaublich gl├╝cklich dich in meinen Armen zu haben.
Bitte befreie mich von allem und werde eins mit mir. Ich will nicht ein Teil von allem sein. Ich will nur mit dir sein. Denn du bist alles und nichts - meine Freiheit.
__________________
Sch├Ân, dass wir einmal dar├╝ber sprechen konnten...

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Pritt
Hobbydichter
Registriert: Oct 2003

Werke: 8
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Hallo!

Entschuldige meine Oberfl├Ąchlichkeit. Ich m├Âchte diesen Text nicht als Ganzes bewerten, weil ich ihn vielleicht nicht so ganz verstanden habe. Aber der Satz:
"Niemand ist jetzt noch einen Austausch wert." ist ein kleines Juwel...
Gru├č...Pritt

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